Ann Cotten

GANGAN Lit-Mag #50

Es gibt mehr Geld

ein Wrapup
FfaM 10.3.2019

Es gibt mehr Geld
Wir können mehr vom selben machen
und wir sind schon dort
igelhaft

yoshka v tumanje

Es ändert sich sonst nicht viel
wir sind schwach, wertvoll
ever entitled
und wir schauen nach oben:
wir sind nicht die schlechtesten!

menja zavut wowa,
ja znaju tri slowa
i eta clovarnik ja prishil iz doma
uu,
a ja sami modny
i vidimo sami krasivi

wir sind es gewohnt, beispielhaft zu sein
wir finden es ist der richtige weg, das MENSCHLICHE auf big stages zu stellen
mit viel Pathos,
denn das Humane ist nicht das Humanoide
sondern das Androide
schwaches Betriebssystem
meistens dienstbar
immer eigensinnig
Jawohl.
Unser 4. Reich ist nicht von Landesgrenzen abhängig
sondern nicht von dieser Welt
Es ist moderner und internationaler als die meisten Monotheismen
und traditionsbewusster als die AfD, in Wirklichkeit.
Es lässt sich nicht festlegen, sondern entzieht sich aller Zusammenhänge
Es ist der immaterielle Stoff der Freiheit, der Leichtheit
der einfach flattert mit abstrakten Sachen, ohne eine Landesfahne zu sein
völlig unabhängig von den unversicherten verstümmelten Schweissern in Bangalore
also nicht responsiv
nicht auf Gründe, Logik, Realzwänge angewiesen
denn es muss super flattern
per se flattern
wie ein Sommerkleid in den schönen Fünfzigerjahren in Frankfurt am Main
als die Kolonialstrukturen noch wirkten, aber nicht so wie jetzt,
als die Kolonialfiktionen noch unschuldiger waren
als wir vollkommen ahnungslos „Negermusik“ für Jazzmusik sagten
und niemand insinuierte, dass Ahnungslosigkeit auch eine Art Verbrechen
darstellen könnte
die faulste Art natürlich
Aber wir sind nicht faul wir sind fleißig
wir sind artige DJs und wir rocken voll ab
und nehmen den Goethe auch mit
und auch das Geld
wir sind junge deutsche Dichter
ni
wir sind die junge deutsche Lyrik
ni
und die Geflüchteten sind auch dabei
weil sie unsere Freunde sind!
nicht weil sie gute Lyrik schreiben
oder aus Mitleid oder Interesse
quatsch ich meine schon weil sie gute Lyrik schreiben
nicht weil sie gute Menschen sind
das können wir nicht beurteilen
dafür gibt es Kriterien
das ist diskriminierend
wir bewerten nicht
wir schauen gar nicht hin!
Wir lassen die Preise jetzt
von Callcentern in Bangalore kontrollieren
wir sind nicht faul wir sind nicht fleißig
wir rocken voll ab
wir sind in Netzwerken
wir lassen uns quatschen
lass uns später mehr quatschen

das hat schon deine Mutter zu Lebzeiten umgebracht
und sie hat es nie geschnallt
und das machte sie zu der kläglichen Figur, die sie ist,
ja ich schimpfe über deine Mutter
blind schimpfe ich über deine Mutter,
aus Wut gegen die unreine Situation der Naturgesetze des Markts
dass Frauen grad um so viel weniger Asche kriegen – im Schnitt, Lyriker sind natürlich ausgenommen, die kriegen so wenig wie Frauen – im Schnitt – und auch
und auch
und auch völlig ahnungslos und zufällig sind diese 貧乏な詩人 plötzlich in Akademien,
das sind die Netzwerke
weil Lyrik ist letztlich Netzwerktheorie.

Karrieristen
Karrieristen
Karrieristen haben eine merkwürdige Energie, langweilige und nutzlose Dinge gewichtig erscheinen zu lassen
in jeder Silbe
kann man es lernen
man kann es lernen
wenn man nur wollte

Du kannst es während es dich würgt, nicht einmal sehen
das sind die hochtechnologischen Stoffe aus
den Verträgen und Sicherheiten, die es eben nicht gibt
aber gibt, als Netzwerk von Turbinen
als Nachfragedynamik ohne Nachfrage
weswegen man nicht darüber sprechen kann und es flutscht
wie nur, was nicht besprochen wird, flutscht
das ist die Effizienz der Lyrik
ganz automatisch schon längst dort
mit ihren ewigen, kompakten Paketen von Selbst
und es endet im Kompaktus
wie das Toiletttascherl von deiner Mutter
in den Färbschlacken von Malaysien.

Ja ein Stück Lyrik ist wie ein Rollkoffer,
ein stilles und tödliches Wettrennen findet statt
wer hier am wenigsten weiß,
hat einen gewissen Schemel.

Er bleibt an den angenehmen,
den windstillen Orten
bescheiden und unterhaltsam
mit unauffälligen Renten ausgestattet
ein bisschen Kaffee und Vasen, ein bisschen Schönheit reicht
und daher ist die Poesie das wundervollste Wappentier
für einfach alles

Es gibt jetzt mehr Geld, Leute,
für Formen des Sprechens, die garantiert unkoordiniert bleiben
denn es ist die demokratisch-markttechnisch ermittelte mittlere westeuropäische Tradition,
seit der Entflechtung der Kombinate
Verquastheit als Zeichen der Freiheit zu deuten,
die der Kritik eine Form gibt
die niemanden zwingt, irgendwas zu tun
die Normen zerschlägt
5-jahrespläne umstößt
und uns vor Klarheit schützt
denn Massenbildung gefährdet die Pyramidenspiele

Warum gibt es mehr Geld?
Weil wir immer schon vorbildlich waren,
solange wir da waren
undiskriminierend und undiskriminiert
wir, im Sinne von Demokratie und Menschenrechte
haben so viel Geld verdient,
dass wir uns jetzt noch mehr verbessern können.
Mit Lyrik, ist beste Methode.
Man sieht es an den komplett durchgepflasterten Innenstädten.

 

Material:
https://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2015/KAB2015_69_74_Hentschel_Fock.pdf
Strukturelle Bedingungen von Wirtschaftskriminalität von Kari-Maria Karliczek

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