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Im Gespräch mit Gerald Ganglbauer

Die Welt ist doch nur
ein globales Dorf

Das Interview mit Gerald Ganglbauer wurde im Literaturhaus Graz am 9.7.2004 von Andrea Ghoneim-Rosenauer aufgezeichnet.

Dies ist das offizielle Internet-Forum des Auslandsösterreicher-Weltbund AÖWB … bitte loggt euch zahlreich ein. Immerhin leben eine halbe Million Österreicher verstreut über die Welt. Wir leben in vielen Ländern und Kulturen, darum geht es hier nicht um Österreich selbst. Dafür gibt es ohnehin weltweit über 400 Vereinigungen. Hier geht es um die österreichische Seele. […] Austrians Abroad ist ein gepflegter Treffpunkt von und mit ÖsterreicherInnen im Ausland.
Chefmoderator und Gründer: Gerald Ganglbauer, Sydney, Auslandsösterreicher-Weltbund AÖWB.

www.austrians.org

Andrea Ghoneim-Rosenauer: Du hattest anlässlich von 20 Jahren gangan in real life gefeiert, also ein richtiges Fest, in Graz. Du hast auch gleichzeitig eine neue online-community gestartet, die „Austrians Abroad“. Hängt das ein bisschen auch damit zusammen, dass du ja auch ein Austrian abroad bist?

Gerald Ganglbauer: Das hängt natürlich ganz stark damit zusammen. Wenn man im Ausland lebt, wie du ja vielleicht auch von Kairo weißt, oder von anderen Menschen, die man trifft, unterwegs oder in anderen Teilen der Welt, hat man so etwas wie eine österreichische Seele. Und die bleibt einem erhalten, ob man jetzt 20 Jahre in Australien, oder in den USA oder auch in einem Dritte-Welt-Land lebt. Man hat sie von Geburt und trägt sie mit sich herum und vergisst sie vielleicht zum Teil, sie wird ein bisschen überdeckt von anderen Eindrücken. Aber irgendwann, früher oder später, bricht sie wieder hervor. Man macht sich wieder Gedanken über die Wurzeln, man versucht, sich zu positionieren oder immer wieder neu zu positionieren. Und da ist mir die Community, weil sich so etwas im Internet recht leicht bauen oder zusammenbauen lässt, zu Hilfe gekommen. Ich habe ein bisschen Zeit gehabt, vor und nach der Präsentation unseres Verlagsfestes, habe mich einfach an den Computer gesetzt, habe Österreicher gesucht, die im Ausland leben, habe 1000 oder so gefunden, habe die alle eingeladen, zusammengebracht, an einen Tisch gesetzt. Der wächst und wächst und wächst und es hat sich schon ein unheimlich starkes oder positives Gesprächsklima in dieser neuen Gruppe ergeben. Jeder hat irgendwie darauf gewartet, jeder freut sich, dass er dabei ist, dass er eingeladen war. Ich glaube, seit einer Woche gibt es das jetzt, und ich habe schon hundert Leute aktiv am Tisch sitzen. Ich habe heute in der Früh schon wieder ein paar Sachen moderiert, 20 Beiträge von Menschen von allen Teilen der Erde, die sich gemeldet haben, die sich vorstellen mit ihrer kleineren oder größeren Lebensgeschichte und die das in einer sehr guten Qualität machen. Ich war wirklich sehr überrascht über die Qualität an Österreichern, die man im Ausland findet. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen witzig, aber ich habe schon Erfahrungen und Suchen hinter mir, wo ich immer eher so Beisl-Leute gefunden habe, die am Stammtisch wirken, wo es sprachfetzig hin und her geht und nichts wirklich Wesentliches dabei ist. So etwas liegt mir fern, so etwas interessiert mich nicht. Ich bin zum Teil privat in diesen „Beisln“ drinnen. Aber worum es mir bei der Community ging, war, dieses Österreichische zu erarbeiten, zu durchleuchten und ein bisschen zu schauen, was wir hier tun auf diesem Planeten, und warum wir aus diesem kleinen Land Österreich so weit weggehen und so verschiedene Lebenswege beschreiten.

Rosenauer: Vielleicht, weil wir so ein kleines Land sind [lacht]. Vielleicht von der Jetztzeit ganz zurück zu den Anfängen – oder nicht ganz zurück zu den Anfängen, sondern zu der Zeit, als der gangan-Verlag im Netz war. Seit wann ist das?

Ganglbauer: Den gangan-Verlag gibt es seit 20 Jahren, aber im Netz ist er seit fast 10. Anfangs war das ganze Verlagskonzept natürlich ein traditionelles, mit schönen gedruckten Büchern, die man in der Hand halten konnte, wo man ein gebundenes Stück Buch vor sich sieht. Das war eigentlich die Ausgangsposition. Das war noch in Graz, 84. Dann ging ich nach Wien, 86 und nach Australien 89. Das waren relativ kurze Schritte, wo ich mir in meiner jugendlichen Unschuld gedacht habe, ich kann das schon von Übersee aus auch im Griff haben und in Österreich produzieren und dazu das Marketing machen, die Verkaufsberater betreuen, also unsere Auslieferungen etc. Das war ein Traum, das hat sich nicht bewerkstelligen lassen. In den 80ern war ich in Österreich, da habe ich mich selbst darum gekümmert, da waren wir in den Medien vertreten etc. In den 90ern, wo ich in Australien war, haben wir dann sehr sehr schöne Bücher gemacht, aber die nicht mehr entsprechend präsentiert am Markt. Und dadurch sind sie natürlich zum Teil liegengeblieben, und ich habe mir dann auch zum Teil aus wirtschaftlichen Gründen gesagt: „Das geht so nicht weiter, ich habe so viel Geld reingesteckt, jetzt ist einmal Schluss damit.“ Das war das Ende von der Papierproduktion. Und dann kam quasi das World Wide Web sehr günstig daher. Es hat sich Mitte der 90er etabliert. Es war zwar weit entfernt davon, ein öffentliches Medium zu sein, weil am Anfang gab es das vor allem in Firmen, in der Wirtschaft, im Militär, im universitären Bereich, aber nicht wirklich in den Haushalten. Das kam erst später. Aber es war auf jeden Fall schon die Idee – oder ich würde es sogar weiter sehen, diese elektronische Gesellschaft, hat sich abgezeichnet. Und da dachte ich mir: Das ist eigentlich mein Medium, das passt mir, weil das Netz von Australien über Wien und Graz da gut zu halten ist. Es ist eigentlich egal, ob ich auf einer Insel sitze und Urlaub mache – solange ich den Laptop mithabe. Und das hat natürlich langsam begonnen. Statistiken kannst du ohnehin nachschauen, das ist alles in dem Papier, das ich auf der Konferenz vorgestellt habe, ein bisschen genauer beschrieben.

Rosenauer: Ich glaube, du hast das zum Teil auch auf deiner Homepage recht schön dokumentiert. Aber es ist eine gute Idee, das auch in TRANS nachzulesen.

Ganglbauer: TRANS 15. Und es ist einfach gewachsen. Ursprünglich war das nur eine Idee, eine Marketingidee. Man hat die gedruckten Bücher einer neuen oder unbekannten Öffentlichkeit vorgestellt, weil man nie wusste, wer da draußen ist, wer sich das anschaut, wer reinstolpert in diese Seite. Aber es ging dann relativ schnell. Innerhalb von einem Jahr habe ich mich dann entschlossen, dieses Zeitschriftenprojekt, das ich auch schon länger als Papierzeitschrift vorgehabt hatte, „Gangway“, im Internet zu realisieren. Das war auch ideal, weil es zweisprachig war, weil es sich schnell entwickeln konnte, weil Entfernungen keine Rolle spielen und kein Distributionsweg, keine Zeitverzögerung beim Einreichen von einer Arbeit oder beim Lektorieren oder beim Antworten da war – das kann man innerhalb von Minuten machen, wenn man sehr viel online ist. Gut, damals war man noch nicht so viel online, da hat man sich noch eingeloggt über Telefonleitungen und hat mit den Minuten geknausert. Aber es war irgendwie schon abzusehen, dass das Breitband kommt, dass das eine Technologie ist, die greifen wird. Und jetzt ist sie da und jetzt bin ich schon lang genug drinnen und quasi vom Papier-Verleger zum elektronischen Verleger gewechselt und eigentlich ganz kompetent unterwegs.

Rosenauer: Hast du die Sachen am Anfang – oder tust du das jetzt noch immer – selber designt, oder hast du das mit einer Gruppe gemacht? Es gibt doch etliche Schriftsteller oder auch an Literatur Interessierte, die Projekte aufbauen, die sagen, die Feinheiten des Webdesigns sind nicht so ganz meins. Hast du auch die technische Seite selber gemacht?

Ganglbauer: Bei mir ist es eine günstige Kombination, dass ich an sich Techniker war, erst später dann auf der Uni studiert habe und quasi ein linkes und ein rechtes Gehirn oder – sagen wir es einmal so – Talent für beides habe. Die technische Seite ist bei mir immer mitgewachsen. Das hat schon beim Papier angefangen. Ich habe die ersten zwei, drei Bücher von Setzern oder einer Werbeagentur gestalten lassen, aber unter sehr starkem Mitspruch. Ich bin quasi hinter den Designern gesessen, habe ihnen über die Schulter geschaut und kräftigst mitgemischt und sehr viel gelernt. Ich habe zwar keine formale Designausbildung, aber ich habe mir, glaube ich, ein gutes Gefühl für Grafik angeeignet, für Buchgestaltung – von Typographie bis hin zu… Ich habe vielleicht überhaupt einen für das Ästhetische einen ein bisschen stärker ausgeprägten Sinn. Nicht nur den fürs Lektorat und den von der Verlagsseite her. Und habe auch – da mit dem Verlag ja eh nichts zu verdienen war – dann dazuverdient, oder überhaupt verdient als Grafiker, in den 90ern. Auch, weil ich sehr talentiert war, mir Kenntnisse am Macintosh oder mit den ganzen Programmen, die die professionellen Satzstudios und Reproanstalten verwendet haben, angeeignet habe. Ich habe dann quasi mein Geld damit verdient. Und auch ebenso, als es elektronisch wurde, als das World Wide Web gekommen ist, mir genaue Kenntnisse angeeignet, schon, bevor sie gelehrt worden sind. Ich habe dann schon meine ersten Homepages hard gecodet, also einfach den Code geschrieben und mir angeschaut, wie das geht, dass man irgendwas darstellt und dann schaut, ob der Browser das dann so interpretiert, wie er das tun soll. Die Experimentierzeit… Das war ja immer schon so. Wir haben am Gymnasium eine Art „Kleiderschrank“ mit Lochkarten bedient. Der hat geblinkt und wir haben dort erste Fortran-Programme eingefüttert und das hat auch funktioniert. Und der Code – HTML oder was auch immer das jetzt gerade aktuell ist – ist auch nicht viel anders. Code ist Code, und damit komme ich ganz gut zurecht.

Rosenauer: Machst du jetzt noch immer die Sachen selbst? Mittlerweile ist das ja von HTML – das habe ich auch selber gecodet – gewechselt zu Sachen, da kann ich zum Teil nicht einmal mehr den Code lesen. Bist du da am Ball geblieben?

Ganglbauer: Da bin ich schon am Ball geblieben, aber ich habe das Problem, dass ich sehr viele statische Seiten gecodet habe. Meine Seiten – das sind ja drei, die gangway.net, die gangart.com und die gangan.com – das sind schon tausende Seiten. Wenn ich die jetzt alle umschreiben würde auf Datenbank oder PHP oder andere active server pages, dann würde ich daran verzweifeln. Es ist ein bisschen das Problem der Ersten, dass sie sehr viel erarbeitet haben, was dann da ist und die Jungen kommen einfach daher, nehmen viel leichtere Methoden, nehmen Softwarepackages, die man ganz einfach bedienen kann und machen irgendetwas Flashiges, knallen das hin, und das ist ganz einfach und schaut sicherlich besser aus. Obwohl, na ja, besser ausschauen… Es gibt diesen optischen Hit, und man weiß sofort, gibt es die Seite ein Jahr oder gibt es sie schon 10 Jahre.

Rosenauer: Es hat Vor- und Nachteile. In Kairo ist zum Beispiel nach wie vor das Surfen über Telefonleitungen üblich. Da ist Breitband extrem teuer. Und es gibt österreichische Seiten, vor allem im Tageszeitungsbereich, die schaue ich mir einfach nicht an, weil ich weiß, das dauert einfach ewig oder manchmal habe ich Pech und es funktioniert gar nicht. Es gibt noch immer Länder, wo es kompliziert ist. Ich finde, es schadet gar nicht, wenn eine Seite einfach programmiert ist.

Ganglbauer: Ich schaue mir ja immer meine Besucherstatistiken sehr genau an und die Analysen, und sehe natürlich genau, dass sich sehr viele Leute auch mit sehr alten Maschinen noch einwählen und dennoch eine Möglichkeit finden müssen, die Informationen zu lesen und darzustellen, in einem vernünftigen Zeitrahmen. Und das war mir eigentlich immer ganz, ganz wichtig in der Seitengestaltung, dass ich nicht sofort jede neue Technologie umarme und gleich einmal ausprobiere, sondern, dass es mir um den Content geht, der das Vorrangige ist. Den dann in einer kompromisshaft anspruchsvollen Verpackung anzubieten, ist eine Geschmackssache. Da kann man schon auch mit schnellen Seiten, mit einfachem Code, schönere Sachen und „holprige“ Sachen machen. Das weiß jeder, der im Internet ein paar Seiten besucht hat, dass es da von den grauslichsten Kopfwehgeschichten bis zu den elegantesten Lösungen alles gibt. Diesen Kompromiss zu finden, war mir immer sehr wichtig. Darum bin ich auch immer einer der Entwickler, die alle Plattformen testen, die sich was auf Linux anschauen oder auf Windows oder auf Mac, auf älteren auf neueren Maschinen, mit verschiedensten Browsern. Und wichtig für den Enduser, sagen wir, User, ist es, dass es funktioniert, egal, wo er sich das anschaut, egal, wo er lebt und mit welcher Verbindung er sich einloggt und dass er Freude hat, diese Seiten zu lesen und dass die damit das auslösen oder erzielen, was man möchte.

Rosenauer: Was würdest du sagen, waren vor allem in der Anfangszeit, die Hauptschwierigkeiten oder Probleme bei der Realisierung des Onlinegangs.

Ganglbauer: Die Hauptschwierigkeiten waren die Modems, die Geschwindigkeiten. Mein erstes Modem war 14,4 [kbps], glaube ich. Und das war schon 96, glaube ich, oder 95. Das war damals schon ein schnelles Modem. Die ersten waren 2 oder 2,8 oder so irgendetwas. Das hat schon alles gedauert, und es war sauteuer. Meine ersten Rechnungen von E-World waren, glaube ich, 14 Dollar pro Stunde. Und da überlegt man sich natürlich genau, was man mit jeder Minute tut und wird sehr knausrig. Dennoch war das schon wichtig genug, dass man zumindest kommuniziert hat und dass man auch wusste, mache Leute zahlen nicht so viel. Das waren zum Beispiel die Akademiker, Universitäten, Bibliotheken, und so – dass man denen den Zugang zur Literatur eröffnet, das war der Anfang. Dass es dann wirklich von einem breiten Publikum gelesen wird, war toll, aber zuerst noch nicht wirklich absehbar.

Rosenauer: Würdest du das, dass der Leserkreis recht schnell relativ groß war, als positivste Erfahrung hervorheben? Oder was war noch dein Positivstes aus der Anfangszeit? Was hat dir am meisten Spaß gemacht?

Ganglbauer: Spaß gemacht hat, die Analysen des traffic auf dem Server anzuschauen, das war wirklich … Da hat man sich noch über jedes Land, das dazugekommen ist und jeden user – am Anfang waren es nur ein paar 1000 – und da weiß man noch genau, wer woher kommt, irrsinnig gefreut. Und ich habe mir gedacht, jessas, jetzt werde ich in Ägypten, oder ich weiß nicht, Norwegen oder sonst irgendwo gelesen. Und habe mir überlegt, wie lange bleiben die auf den Seiten, was schauen sich die genau an und so weiter.

Rosenauer: Hast du da eigentlich spezifisch eine Zielgruppe – eben Unis oder so im Auge gehabt, wie du das designt hast, oder war das eher so, dass alle, die können, auch sollen?

Ganglbauer: Nein, eigentlich war das schon ein „alle, die können, sollen“. Ich habe schon versucht die Fakten und die Angebote, vor allem, was Buchinformationen betrifft, bibliotheksgerecht anzubieten, also mit ISBN etc., aber ich glaube, ich habe mir nicht so viel dabei gedacht. Das war einfach ein Projekt, das ich mir in den Kopf gesetzt habe. Und ich bin ja ein relativ dickköpfiger Mensch. Ich wollte ja diesen Verlag nicht gleich aufgeben, nur, weil er zu viel Geld gekostet hat, und ihn einfach elektronisch weiterführen. Und das habe ich gemacht, und es ist nach 10 Jahren immer noch OK.

Rosenauer: Es kostet zwar viel Geld, einen Verlag zu haben, aber mit gedruckten Publikationen bekommt man ja doch die eine oder andere Förderung. Wie hast du das elektronische Projekt finanziert? War das schwierig, da etwas zu bekommen? Oder hast du das überhaupt über deinen anderen Beruf finanziert?

Ganglbauer: Die ersten Jahre habe ich das alles aus meiner Tasche finanziert. Ich habe gar nicht daran gedacht, dass elektronische Publikationen als so erwachsen gesehen werden können, dass man dafür von irgendwem Geld bekommt. Das war ein Projekt, das hat man halt aus der eigenen Tasche bezahlt. Und es war ja nicht wahnsinnig teuer – es waren natürlich schon die Onlinezeiten, die Serverkosten, und von der Zeit will ich gar nicht reden und von der Hardware auch nicht. Aber das war keine Fragestellung in meinem Kopf, wer mir das zahlt. Das war einfach: das will ich und das mach’ ich und das muss gemacht werden. Ich weiß von Kolleginnen und Kollegen, dass es schon auch Förderungen gibt, wenn sie spezielle Geschichten machen, oder dass es so etwas wie Kostendeckung vielleicht gibt bei dem einen oder anderen Projekt. Mir ist aber die Unabhängigkeit ganz wichtig, dass mir niemand sagt, „das musst du jetzt machen“, oder „das darfst du nicht machen“. Zur Auslandsösterreicherseite hat mich gleich der Gustav Chlestil, der Präsident des Auslandsösterreicher-Weltbundes in Australien angerufen, und will mit mir reden. Ich habe ihn noch nicht zurückgerufen. Ich weiß nicht genau, was ich ihm sagen soll, denn ich will unabhängig bleiben und habe nicht vor, mich mit Einflussnehmenden abzugeben. Ähnlich ist es auch mit dem Verlag. Damals habe ich natürlich auch für die eine oder andere Publikation ein paar Tausender (in Schilling) da oder dort bekommen. Aber das war immer zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben. Die ersten Jahre online habe ich alles aus meiner Tasche bezahlt; seit, glaube ich, 98 oder 99 oder so gibt es einen Tausender (Euro) pro Jahr vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kunst. Das ist eine freundliche Geste, aber nicht wirklich eine Förderung, weil das deckt nicht einmal meine Serverkosten. Das ist alles, was ich dafür in meinem ganzen Leben bekommen habe. Es liegt mir auch nicht wirklich, ich bin zwar voller Projekte, aber schlecht im Geldaufstellen.

Rosenauer: Aber du hast auch nie die Lust daran verloren, nur, weil du dir dachtest: „OK, experimentiert habe ich genug, Geld krieg’ ich keins…“ Also – es kommen ja dann irgendwann auch ein bisschen die Mühen der Ebene.

Ganglbauer: Das merke ich schon. Beim Gangway suche ich jetzt schon nach neuen Mitherausgebern, weil ich habe es jetzt 8 Jahre gemacht – oder das 9. schon – und ich habe es zu einem Niveau entwickelt, mit einer E-Community, oder eher einem Info-Pool. Und das funktioniert gut, das läuft, das hat sich nach dem ersten euphorischen Überall-Draufklicken, wo man einen Link sieht, bis hin zum planlosen Surfen, bis zum tatsächlichen Lesen entwickelt. Das ist so eine Kurve, die ein bisschen ausschaut wie eine Boa Constrictor. Die geht jetzt langsam runter, bleibt aber dort konstant, wo es um die tatsächlichen Leser geht. Zuerst hatten wir 60.000 Leute, die sich das pro Monat angeschaut haben, jetzt haben wir 20.000, aber eine andere Qualität.

Rosenauer: Das heißt, du siehst auf den Statistiken auch die Intensität, also, ob jemand kürzer oder länger auf deinen Seiten bleibt.

Ganglbauer: Ja, natürlich. Das ist ja das Schöne – die Transparenz im Netz. Da wird jeder genauestens, nicht bösartig, beobachtet, aber doch beobachtet. Also, ich beobachte meine Besucher natürlich, um ihnen etwas anzubieten, was sie auch interessiert. Ich schaue mir das Feedback an – nicht nur die computergenerierten Daten, sondern auch die tatsächlich geschriebenen E-Mails. Ich habe Feedback-Formulare, ich schaue mir an, was in den Gruppen an mich herangetragen wird, ich richte mich schon ein bisschen darauf ein. Aber ich bin ein bisschen … Der Verlag wird ab und zu wieder ein Online-Buch machen, aber das ist jetzt reine Liebhaberei geworden. Zeitschrift: im Moment, nach all diesen Jahren suche ich Neue, frisches Blut, Helferinnen und Helfer, die das vielleicht sogar einmal übernehmen möchten, wollen oder können. Und das Projekt – das haben wir noch gar nicht erwähnt – die gangart – die ist relativ frisch, die gibt es jetzt das dritte Jahr. Da sind wir eh schon eine relativ gute Gruppe mit einem Panel von Experten aus Frankreich, Australien, Amerika und Österreich, und das ist schon Teamwork. Ich habe vieles allein gemacht und bin dabei ein bisschen vereinsamt. Mit geht es jetzt eher darum, wieder ein Team zusammenzustellen, Leute zusammenzubringen. Nicht nur wegen der Arbeit, weil die mache ich ja gern, aber wegen der Diskussion der eigenen Arbeit, der Besprechung der Texte und so weiter.

Rosenauer: Wie schaut das aus: Du hast viel allein gemacht. Wenn du kooperiert hast, waren das eher Leute, Kollegen in Australien oder in Österreich oder ganz woanders? Beziehungsweise: wie würde dir das jetzt vorschweben?

Ganglbauer: Die Kooperationen sind mir wichtig gewesen und sind nie sehr geplant entstanden. Ich kann mich erinnern an das Newcastle Writers Festival. Ich war als Panel-Sprecher anwesend, habe Leute kennen gelernt bei den Lesungen und habe dann ganz spontan entschieden: „Leute, jetzt setzen wir uns zusammen und machen eine Sondernummer!“ Ähnlich auch bei der Graz 2003-Geschichte, im Kulturhauptstadtjahr: Das ist einfach entstanden, Kooperationen entstehen meistens direkt. Wenn man zuviel darüber nachdenkt, an wen man jetzt herantreten könnte, oder so, dann wird es eh zu kompliziert. Na ja, ich bin auch einfach einer, der emotional hergeht und sagt: „Das taugt mir! Machst mit?“

Rosenauer: Die Kooperationen haben bei dir also meistens angefangen dadurch, dass man jemanden wirklich persönlich getroffen hat? Weniger übers Netz, oder hast du solche Erfahrungen auch gemacht?

Ganglbauer: Die gibt es auch, natürlich gibt es die. Mit dem Herbert [Arlt] ist das zum Beispiel eine virtuelle Geschichte. Wir haben uns weder gekannt, noch sind wir einander vorgestellt worden, wir haben einander doch virtuell entdeckt, oder uns über die Interessen, die sich zum Teil decken, kennen gelernt und haben dann… Oder auch bei uns: Wir haben ja auch schon lang Kontakt, ohne dass wir uns getroffen haben.

Rosenauer: Ja, ja. Ich glaube, das hat mit dem Austausch von Links begonnen.

Ganglbauer: So war das einmal, ja.

Rosenauer: So nähert man sich dann. [lacht]

Ganglbauer: Und irgendwann passt’s dann und man trifft sich doch auf dieser Welt. [beide lachen]!

Rosenauer: Das heißt es passiert sowohl dadurch, dass man sich trifft, zum Beispiel bei einer Konferenz und merkt, wir machen da was gemeinsam, aber auch genauso der andere Weg: Man kennt sich schon lang übers Netz und …

Ganglbauer: … macht dann was gemeinsam. So ist es.

Rosenauer: Hast du auch gemeinsam mit Leuten etwas gemacht, die du nie persönlich getroffen hast?

Ganglbauer: Ja, schon. Die gangart zum Beispiel. Das Panel ist mir nie begegnet, das sind reine virtuelle Kontakte. Und es ist nicht unmöglich, dass man einmal zusammenkommt – ich meine, das ist wer aus Argentinien, und wenn ich einmal hinkomme, werde ich sicher anrufen, aber es ist jetzt nicht geplant, dass es irgendwann passiert. Also, beim Herbert war es so, dass klar war, wir werden uns dann auf der Konferenz treffen. Mit dem Panel, das sich für gangart zusammengefunden hat, ist es nicht geplant, dass wir uns… Es sei denn, es gibt in 10 Jahren irgendwann einmal so viel Geld, aus unerklärlichen Geldquellen, dass wir irgendwann eine reale Award-Ceremony machen und uns wirklich etwas in die Hand drücken. Alles ist möglich, aber es ist nicht Voraussetzung.

Rosenauer: Ist die Arbeitsatmosphäre – zum Beispiel mit dem Panel – dadurch irgendwie anders, als wenn man sich trifft und sieht, oder würdest du das nicht sagen?

Ganglbauer: Sie ist anders, sie… Das ist eine schwierige Frage. Also, es gibt viele Kontakte, die privat anders ablaufen würden, als virtuell. Privat würde man vielleicht ein bisschen steifer miteinander umgehen, virtuell, wo man sich nicht trifft oder sich nicht in die Augen schaut oder nicht diese kleinen Bewegungen der Gesichtsmuskeln wahrnimmt, ist man irgendwie… kommuniziert man einfach anders, das liegt in der Sache der Dinge. Man ist meistens vom Anfang an relativ informell, obwohl das auch von Land zu Land verschieden ist. IRL, auf Konferenzen oder so, ist das aber stärker, also weniger im angelsächsischen Raum, aber zum Beispiel in Italien… Im virtuellen Raum gibt es diese Unterschiedlichkeit weniger, es ist mehr Verbundenheit in der Unterschiedlichkeit. Dieses virtuelle ist eine Kultur, die einen immer wieder beschäftigt und immer wieder Vergnügen bereitet, manchmal ein bisschen ärgert, wenn man sich unverstanden oder missverstanden fühlt und dann versucht, nachzuvollziehen, warum man sich eigentlich missverstanden hat. In E-Groups kann das immer wieder passieren. Auch in der E-Mail-Kommunikation kann das passieren. Aber das sind halt so die Herausforderungen des virtuellen Lebens und das macht auch einen riesigen Spaß. Und solange man doch immer wieder vom Schirm wegkommt und ein reales Buch in die Hand nimmt und mit realen Leuten bei einem realen Bier sitzt, ist das ja auch alles in Ordnung.

Rosenauer: Sitzt du auch auf virtuelle Biere mit den Leuten?

Ganglbauer: Nicht wirklich gern. Ich mache es schon auch. Ich habe es immer wieder versucht, auch ganz am Anfang, als E-World geschlossen worden ist. Apple hatte so etwas wie America Online für die Macintosh-Community. Das wurde dann zugesperrt und dann haben sie freie Zeit hergeschenkt. Zuerst waren es, glaube ich, 14 Dollar pro Stunde und dann waren plötzlich 2 Tage gratis. Und was macht man natürlich? Man hängt sich – quasi mit den Zahnstochern in den Augen – in irgendwelche Chatrooms rein und hört sich jeden Schwachsinn an, der da abläuft. Ich entschuldige mich gleich bei allen Chatroom-Besuchern, weil dort natürlich nicht nur Schwachsinn abläuft.
Aber auch heute passiert mir das immer wieder im Zuge von irgendeinem Projekt, das ich mir vornehme oder das ich mir einfach „eintrete“ – manchmal nimmt man sich ja gar nichts vor und es passiert einem einfach, so wie mit den „Austrians Abroad“. Das ist mir eingefallen und ich habe mich natürlich in sämtlichen [virtuellen] Beisln herumgetrieben, die es da zu dem Thema gibt und treibe mich jetzt zum Teil noch immer da herum, weil es ist nicht unwitzig. Auch wenn man dann auf „no mail“ geht und sich nicht alles zuschicken lässt, damit man nicht zugekübelt wird mit E-Mails – es gibt Beisln, die haben ungefähr 1000 Kommunikationen im Monat. Aber wenn man das auf „no mail“ macht und sich da ab und zu reinsetzt und sich das anschaut, ist das Teil der Tools, die österreichische Seele zu ergründen.

Rosenauer: Kannst du eigentlich irgendetwas schätzen oder beziffern: Wie viele Stunden verbringst du im Schnitt am Tag mit dem ganzen gangan-Bereich plus weiteren Bereichen – so etwas wie Herumsurfen, um dich zu vernetzen oder in Online-Beisln herumhängen?

Ganglbauer: Das kann ich jetzt relativ genau sagen. Jetzt gehe ich einmal von einem normalen australischen Arbeitstag aus. Also, am Anfang habe ich noch die Wochenenden geopfert und mich verzettelt. Aber jetzt mache ich es relativ gepflegt. Ich gehe um 8 zum Büro, schalte die Kiste ein, bin vier Stunden dran, gehe mittagessen, hole mir die echte Post vom Postamt und arbeite am Nachmittag offline. Also: vier Stunden online pro Tag, vier Stunden offline pro Tag. Das ist jetzt mein Arbeitstag. Am Wochenende wird gar nicht eingeschaltet.

Rosenauer: Ah, ja – das klingt doch sehr menschlich. Aber ich nehme einmal an, es hat auch andere Zeiten gegeben.

Ganglbauer: Es hat andere Zeiten gegeben und es gibt immer wieder Ausnahmen. So wie zum Beispiel jetzt, wo ich in Graz bin und gerade diese neue Community aufbaue. Oder – sie wächst eigentlich eh fast von selbst, aber ich muss natürlich diese Sachen moderieren und da verbringe ich fast den ganzen Tag am Computer. Aber das ist nur eine vorübergehende Geschichte. Wenn sich das einläuft, ist alles wieder normal.

Rosenauer: Um einmal auf die „Gangway“ zu fokussieren, damit wir da eine Vergleichsmöglichkeit haben: Wie oft ist die Gangway umgezogen im Web? Wie oft habt ihr die Adresse wechseln müssen?

Ganglbauer: Einmal nur. Am Anfang, in den Urzeiten, als ein eigener Domainname noch etwas ganz Unbekanntes war, hat man so seinen Server gehabt, der hieß dann matra.com.au/lit-mag/ blablabla. Das macht man eine Zeitlang und dann professionalisiert man sich, und dann nimmt man sich seine eigene Domain. „gangway.net“ gibt es jetzt seit 96 oder so.

Rosenauer: Es war früh dran, es war von dem Moment an, glaube ich, als es überhaupt möglich war, eigene Domainnamen zu haben. Wie hast du das dann gemacht. Oder: Wie hast du das überhaupt gemacht, als du das erste Mal mit Sachen online gegangen bist? Hast du die reingestellt und dich drauf verlassen, dass Leute das finden, oder hast du da schon versucht, irgendwelche Werbe- oder Vernetzungsstrategien zu fahren?

Ganglbauer: Also in den Urzeiten des Internet war das ja noch eine schöne und relativ unschuldige Gemeinschaft. Da hat man sich ja noch gefreut, dass man eine E-Mail kriegt. Da war Spam noch irgendwie unbekannt. Da war die Verbreitung dieser URL – das war eigentlich nur meine Serveradresse, wo ich mich damals eingewählt habe und da gab es ein bisschen Privatspace dazu und da habe ich dann meine ersten Homepages… Ich weiß nicht, in Österreich sagt man, glaube ich, Homepage für Website?

Rosenauer: Im Prinzip ja. Es ist aber noch immer nicht ganz geklärt. Ich arbeite selber noch an einer Bezifferung. Die meisten sagen Homepage für Website.

Ganglbauer: OK. Da habe ich zumindest eine Website gehabt, aber das war eigentlich eine Homepage, privat. Ich würde sagen, eine Site hat man erst, wenn man sie unter irgendeine Domain stellt. Das ist vielleicht…

Rosenauer: Das klingt irgendwie praktikabel. Aber das heißt, du hast am ehesten durch direkte Mails Werbung gemacht.

Ganglbauer: Ja, durch Vernetzung. Jemand der erfährt, dass jemand online ist, kennt jemand, der auch schon einen kleinen E-Mail-Account hat, irgendwo, bei einer Firma oder so. Damals habe ich noch sehr viel Grafik gemacht. Da waren noch sehr viele Kunden, wo man sich Texte zum Korrekturlesen über E-Mail geschickt hat. Aber das war hauptsächlich noch nicht privat. Der Privatbereich war minimal und der Geschäftsbereich eher überwiegend. Ab 98 ist es, glaube ich, ein bisschen besser geworden. Und da habe ich dann noch eine Zeitlang relativ großzügig vierteljährliche News ausgeschickt und Adressen gesammelt. Bis man dann doch gemerkt hat, da gibt es noch Leute, die schon zu viele Mails haben und die das als lästig empfinden. Und es war mir immer wichtig, dass ich niemanden auf die Nerven falle. Also, dass ich nicht irgendjemanden, so, wie man das heute sagt, spamme bis zum Gehtnichtmehr. Da gibt es ja auch in Österreich Beispiele. Die geben einem einfach keine Ruhe…

Rosenauer: Ja, das ist oft schwierig so etwas wieder loszuwerden. Das heißt aber, auch wie du umgezogen bist, das war ja auch noch früh genug, hast du einfach die dir bekannten NutzerInnen über die neue Adresse informiert?

Ganglbauer: Ja, die bekannten NutzerInnen – mit dem großen I, nehme ich einmal an… Informieren war damals noch nicht so kompliziert. Man ist umgezogen, dann hat man endlich seine eigene Heimat gehabt, und die hat man dann beworben. Man hat sie bei den Suchmaschinen bekannt gegeben…

Rosenauer: Ah, die haben ja damals auch noch schnell und flexibel auf so etwas reagiert, sich darauf eingestellt.

Ganglbauer: Also, wenn man nach meinem Namen oder Gangway sucht, dann findet man…

Rosenauer: Alles.

Ganglbauer: Sofort ganz oben, das ist kein Problem.

Rosenauer: Zu etwas anderem, die Gangway betreffend: Wie hast du die AutorInnen ausgesucht, beziehungsweise, wie haben dich die gefunden, die in Gangway publizieren oder publiziert haben?

Ganglbauer: Das ist eine Kombination aus individuellen Kontakten und submissions. Wir haben immer wieder feste HerausgeberInnen oder TeilmitarbeiterInnen gehabt, die ihre AutorInnen zum Teil gekannt haben, zum Teil eingeladen haben, Beiträge zu schicken, zum Teil Beiträge lektoriert haben, die von unverlangten Einsendungen da waren. Und je nachdem ob es gerade zwei waren oder vier oder auch manchmal nur ich – ich war auf jeden Fall immer derjenige, der es machen hat müssen, wenn dann nicht die Andrea Bandhauer oder der Mike Markart, oder… Wenn Mitherausgeber mitgeholfen haben, dann war das willkommen, dann war das super. Wenn die keine Zeit gehabt haben, dann war es halt ich. Dann ist vielleicht einmal eine Nummer ein bisserl grantiger entstanden, ich habe viel mehr meiner eigenen Zeit investieren müssen. Aber im Grunde sind alle – aus einer Mischung von unverlangt und verlangt, eingeladen und… Es gibt ja so etwas wie eine Zurückhaltung unter den Autoren selbst. Die ist mir vor allem im deutschen Spachraum aufgefallen, und vor allem beim 2003-Projekt, das sich mit Graz beschäftigt hat… Auch in Copyright-Fragen hat es eine große Unsicherheit bei den Autoren oder Autorinnen gegeben, ob das Copyright jetzt im Internet-Bereich etwas anderes ist als im gedruckten Bereich, und da hat es unnötige Sorgen gegeben und da ist noch viel zu wenig Informationsarbeit betrieben worden. Selbstverständlich gilt das Copyright, egal wo, und wenn es von jemandem gebrochen wird, ist er genauso verantwortlich und strafbar, ob er das jetzt im Internet macht, oder aus einem Buch herauskopiert. Das ist die eine Sache. Die andere Sache ist die Verbreitung und die Erreichbarkeit. Manche Autoren sprechen von Teilöffentlichkeit, wenn sie online veröffentlichen und sehen das nicht (mit quotation-marks drumherum) als „ordentliche“ Veröffentlichung. Sehen es aber sehr wohl als ordentliche Veröffentlichung, wenn etwas in irgendeiner depperten Boulevardzeitung erscheint, nur weil es dann auf Papier gedruckt ist. Da gibt es noch gefühlsmäßige Unterschiede. Andere, und das sind vor allem die aus dem englischsprachigen Bereich, sind schon aus den Kinderschuhen herausgetreten und sehen das sehr wohl als Motor, als Tool für ihre eigene Karriere. Eine Online-Veröffentlichung eines Autors kann sehr wohl einen Lektor von einem Verlag, einen Redakteur von einer Zeitschrift, einem Herausgeber, der Material sucht, auffallen und dann – auf Umwegen – ergibt sich im Idealfall eine Publikation – wie es auch mit einigen Sachen passiert ist, die wir veröffentlicht haben. Wir haben Autoren veröffentlicht, die sind dann bei Penguin publiziert worden, das war ein schöner Erfolg.

Rosenauer: Ich weiß nicht, aus dem deutschsprachigen Bereich, war da nicht auch ein Beispiel der Anant Kumar? Habt ihr den nicht auch zuerst veröffentlicht?

Ganglbauer: Den Anant Kumar haben wir publiziert, aber ich weiß nicht, wo ihn der Verlag gefunden hat. Anant ist auch einer der Autoren, die selber sehr viel und sehr aktiv arbeiten, er ist auch ein Autor, der eine eigene Homepage betreibt. Es kann sein, dass wir ihn zuerst veröffentlicht haben, Mitte der 90er, und ich glaube, er hat seine Homepage erst ein bisschen später gemacht. Auf jeden Fall ist das ein Fall, wo das sich sehr gut miteinander verbindet, die Online- und die Papierpräsenz.
Aber auch andere Sachen. Ich habe einen Text von der Ingeborg Bachmann veröffentlicht, der ist von einem englischen Musikverlag entdeckt worden und ist jetzt in einer Partitur. Oder ein Autor, den wir veröffentlicht haben, ist nach Berlin eingeladen worden zur Schreibwerkstatt, oder solche Sachen. So etwas passiert immer wieder, dass eine Online-Publikation eben doch weitere Folgen hat, außer, dass sie, was das ursprüngliche ist, eine Kommunikation eines Textes ist, der einen Leser findet, direkt, oder zumindest in dem Leser dann auch die Lust entfacht, von diesem Autor, von dieser Autorin dann ein Buch oder ein gedrucktes Werk zu erwerben.

Rosenauer: Wie schaut denn das aus, auch mit dem Verhältnis Buch und elektronisches Medium? Hast du manchmal die Lust, Bücher, etwas wie ein „Best of“ der in Gangway erschienenen Texte, quasi parallel gedruckt zu publizieren?

Ganglbauer: Ich werde immer wieder danach gefragt, irgendwann lüstet es mich dann eh wieder. Aber es scheitert meistens am Wirtschaftlichen. Eine Buchpublikation ist einfach ein wesentlich teureres Hobby als eine Online-Publikation. Aber wie ich eingangs einmal gesagt habe: ich bin zwar gut am projekteln und erfinden, aber nicht am Geld dafür auftreiben, also…

Rosenauer: Also eher nicht?

Ganglbauer: Na, ich will das auch nicht ausschließen. Es gibt schon Sachen, wo ich mir denke, das hat wirklich Qualität. Also, der Qualitätsanspruch ist schon allen meinen Produkten eigen. Aber so, dass ich mir denke, das könnte man eigentlich auf traditionelle Art anbieten. Also – es ist nicht ganz ausgeschlossen, aber es ist unwahrscheinlich, aus wirtschaftlichen Gründen. Und vor allem weiß nicht einmal so genau, wo ich mein Leben oder wie ich mein Leben weiterführe.

Rosenauer: Alles ist offen…

Ganglbauer: …na ja, eine pazifische Insel vielleicht nicht. [beide lachen]

Rosenauer: Siehst du dein Web-Projekt eigentlich auch ein bisschen als Spielwiese für das Experimentieren mit künstlerisch-ästhetischen Darstellungsformen? Wir haben uns vorher vor allem über das Technische unterhalten. Ist das zusätzlich ein Anliegen, oder geht es da vor allem darum, schöne und lesbare Seiten ohne…?

Ganglbauer: Am Anfang, als das Medium noch relativ unbekannt war, hat man einfach einen linearen Text genommen und den linear dargestellt.

Rosenauer: Das war dann vor allem für bessere Erreichbarkeit und den Wegfall von Distribution.

Ganglbauer: Genau. So ist es zum Teil auch heute noch. Die meisten Autoren denken linear und denken in Papieren und schreiben nicht notwendigerweise fürs Web. Es gibt einige Ansätze und einige Hypertextarbeiten oder auch andere interaktive Geschichten, die auch zum Teil nur auf CD-ROM laufen oder zum Teil über das Web, wo schon Grenzübergänge passieren. Da gibt es auch Preise dafür, die ars electronica in Linz ist da zum Beispiel ein ganz interessantes Forum. Ich habe ziemlich früh schon Leute aufgefordert, OK, ich weiß, ihr denkt linear, aber versucht, etwas einzubauen, dass man Ebenen verwenden kann, dass man Grafiken verwenden kann, dass etwas passieren kann auf dem oder in dem Text. Das ist sehr, sehr zögernd angenommen worden. Ich habe einige Sachen veröffentlicht, die ein bisschen verschachtelt waren. Das hängt auch von der Technologie ab, von der Bedienung der Medien. Wenn jemand eine Schreibmaschine bedienen kann, heißt das noch nicht, dass er das Gefühl oder die Lust hat, sich in einem neuen Medium auszudrücken.

Rosenauer: Also das heißt, das ist eher doch eine schwankende bis nicht sehr große Akzeptanz?

Ganglbauer: Gott sei Dank ist es am Aussterben, dass die Leute mit ihren handgeschriebenen Manuskripten kommen und sagen, das ist jetzt mein Buch. Oder später auch maschingeschriebenen Manuskripten, die man dann halt auch nur mühsam einscannen konnte. Ich würde sagen, die Produktion passiert eh schon zu 95 Prozent digital. Aber halt linear-digital und mit Microsoft Word und so, und da ist man eh schon zufrieden, wenn da keine harten Zeilenumbrüche drinnen sind.

Rosenauer: Nach deinen Erfahrungen ist doch nach wie vor eine ziemliche Trennung in Autor, der was schreibt, und dem Verleger, sei es auch ein Online-Verleger, der dann den Text entsprechend aufbereitet, damit er an den Leser kommt? Egal ob das jetzt bei elektronischen Publikationen passiert oder bei Printpublikationen?

Ganglbauer: Das stimmt. Dazu kommt natürlich auch noch die Generationenfrage. Ich bin – mit ein bisserl über vierzig – in der Mitte, wo ich zwar an den Anfängen der Entwicklungen der Computertechnologie irgendwie noch mitgeschwemmt worden bin, aber wo ich nicht mehr aufwachse mit dem Handy schon als Zehnjähriger und mit dem Gameboy ab dem Volksschulzeitalter. Die neue Generation hat einen völlig anderen Zugang, die weiß zum Teil gar nicht, wie das ist, zu Fuß zu gehen, weil man überall von den Eltern hingeführt wird. Oder… Die Welt verändert sich ganz stark. Und die Kids haben ihre Homepage schon irgendwann mit 14 und machen sich ihre Blogs und suchen sich ihre Freunde virtuell und verbringen meines Erachtens schon fast zu viel Zeit am PC. Was dabei herauskommt, ist, dass die Jungen zum Teil schon interaktive, schon animierte oder Flash- oder irgendwelche Macromedia-Sachen machen, die die ältere Generation, also die 40+, noch gar nicht kennt, oder technisch gar nicht dazu in der Lage ist, sich das zu machen. Sofern ihm überhaupt die Ideen kommen oder diese multimedialen Geschichten nahe liegen. Der Autor ist halt immer noch einer, der im Elfenbeinturm sitzt, traditionellerweise, mit seiner Schreibmaschine, mit seiner Remington, und vor sich hinklopft. Aber selbst, wenn es die Leute, die älteren Leute, gäbe, die versuchen, multimedial zu denken: Es tut sich nicht wirklich, die tun sich das nicht an. Erstens einmal kostet die Software ordentlich viel, wenn man sie nicht irgendwie raubkopiert, und dann – es gibt da Einschränkungen, sodass man das nicht tut, dass man nach wie vor lineare Texte schreibt.

Rosenauer: Wie würdest du überhaupt die Qualitäten sehen, die gedruckte Medien haben und die, die elektronische Medien haben. Was wären da für dich prinzipielle Unterschiede oder Parallelitäten, Vergleichsmöglichkeiten?

Ganglbauer: Ich sehe das sehr parallel. Es gibt so viel gedruckten Schwachsinn und es gibt genauso viel – oder vielleicht ein bisserl mehr – Online-Schwachsinn. Das ist etwas Menschliches und keine Frage des Mediums. Die Kleinverlagsszene und auch die größeren machen ja auch Schwachsinn. Vielleicht, weil es einfacher ist, eine Webseite zu kreieren, gibt es vielleicht ein bisschen mehr Schwachsinn im World Wide Web als in gedruckter Form. Aber das zu quantifizieren ist schwierig. Aber wenn man sich in einer Buchhandlung oder an einem Zeitschriftenstand ein paar Magazine anschaut, ist es nicht so leicht, zu entscheiden, was Schwachsinn ist. Vielleicht ist das jetzt ein überheblicher Begriff. Aber es ist immer die Frage, was jemand als qualitätsvoll bezeichnet. Aber jeder kann sich entscheiden, ob er das Magazin kauft. Genauso kann sich jeder entscheiden, selbst, wenn er auf eine Seite geführt wird und sofort sieht, das ist a waste of time, dann geht man halt wieder. Das kostet auch nichts mehr, vielleicht 30 Sekunden Zeit, aber das Web ist auch voller hochwertiger Sachen. Und wenn man sie findet – es ist halt immer die Frage, wer einem die Seiten empfiehlt. Ob man sich zum Beispiel Google so einstellt, dass man zu vernünftigen Ergebnissen kommt, oder ob man halt einfach herumklickt und Zeit verschwendet und relativ ziellos surft. Die Information ist da, das World Wide Web ist ein herrliches Lager an tollen Sachen. Es ist alles da, selbst wenn es noch nicht da ist, wird es gemacht. Bibliotheken sind dabei ihre Bestände zu digitalisieren – von der Nationalbibliothek in Wien angefangen bis zur Nationalbibliothek in Canberra – alles da, alles findbar, nur die Prozesse, zur richtigen Information in einer vernünftigen Zeit zu kommen, werden schwieriger. Da müssen die Softwareentwickler noch ein paar Sachen ein bisserl besser machen, userfreundlicher.

Rosenauer: Um das gleich praktisch zu illustrieren: Welche Literaturmedien oder Websites wären für dich Positivbeispiele und warum. Hast du da irgendwelche Favoriten, außer natürlich den eigenen Seiten, dass man die mag, ist natürlich klar [lacht]?

Ganglbauer: Ich mache mich ungern zum Kritiker. Ich habe relativ umfangreiche Linklisten.

Rosenauer: Oder wenn du es eher allgemein sagst: Was wäre ein Punkt, sagen wir, wenn du auf eine neue Website kommst, dass du gleich – zumindest 10 Minuten draufbleibst oder was würde dich dazu bringen, dass du gleich wieder wegklickst?

Ganglbauer: Es kommt aufs Profil des Users an. Es gibt Leute, die waren noch nie irgendwo mit ihrem Computer, die haben ihn zwar schon zu Hause stehen, aber sie wissen nicht einmal, was sie installiert haben und greifen gar nichts an. Es gibt andere, die täglich daran sitzen, allein schon, um ihre Bankgeschäfte und ihre Kommunikation und ihre Bestellungen und Fluchbuchungen zu machen. Die wissen eigentlich eh, was man damit macht und sind vielleicht nicht notwendigerweise die, die dann auch Freizeit damit verbringen. Und da gibt es unterschiedlichste Auffassungen und Bedürfnisse. Die einen möchten visuell stimuliert werden und die anderen möchten etwas lesen, was ihnen gefällt, die anderen möchten einfach nur Blödsinn machen, Spaß haben, herumklopfen und je mehr Animiertes herumhüpft, desto besser. Da jemandem eine Empfehlungsliste zu geben, die allgemeingültig ist, ist unmöglich. Es gibt eine Reihe von sehr guten Informationsquellen oder Linklisten, und das hängt von jedem selber ab, da möchte ich keine Empfehlungen geben.

Rosenauer: Und was macht für dich prinzipiell ein Medium uninteressant? Wo du gleich den Back-Button drückst oder so?

Ganglbauer: Das ist bei mir schwierig, weil ich ja ein starkes berufliches Interesse habe. Ich schaue mir auch schwierige Seiten besser an als andere, die wahrscheinlich gleich den Back-Button klicken würden. Und verstehe manchmal, warum jemand die Seite so kompliziert aufgebaut hat oder so hässlich oder mit so viel Grafik oder so viel Beweihräucherung – es gibt ja eine Reihe von Dingen, die einen abturnen. Wenn man es selber macht, dann schaut man sich halt an, was die anderen schlecht machen oder gut machen, und wie man es selber so macht, wie man sich vorstellt, dass es sein sollte.

Rosenauer: Schon die letzte oder vorletzte Frage: Du hast schon gesagt, dass ihr archiviert werdet, sowohl in Australien als auch in Österreich. Unternimmst du auch selber etwas zur Archivierung. Beziehungsweise – wie hast du es gehalten, bevor es diese Archivierungsprojekte gab, die sind ja um einiges jünger als dein Projekt?

Ganglbauer: Ich habe quasi die ganze Entwicklung des Computerzeitalters miterlebt – von den ersten Syquest-44 Megabyte-Cartridges, die noch sauteuer waren und herumgerumpelt haben. Ich weiß nicht, wie viele Dinge ich da schon gekauft habe, um etwas darauf zu spielen, Backup zu machen. Jetzt vertraue ich den Servern schon so weit, dass ich gar kein Backup mehr mache. Die „Gangan“ ist auf der Nationalbibliothek und die „Gangway“ ist in Canberra, auf der ANB. Meine eigenen Sachen, meine Arbeit, brenne ich manchmal auf eine CD-ROM, manchmal lasse ich sie einfach auf der Hardware, denn ich kenne mich mit Computern sehr gut aus und ich habe eigentlich nie ein technisches Problem gehabt. Ich verwende Macintosh und nichts anderes. Ich kann auf einer DOSe arbeiten, wenn ich muss, aber eben nur, wenn ich muss. Ich habe verschiedenste Archive – von 44-MB-Cartridges, von 135-MB-Cartridges, von 1-Gigabyte.

Rosenauer: Du hast das alles brav aufgehoben?

Ganglbauer: Alles brav aufgehoben, alles brav gekauft. Das hängt davon ab, ob die alten Laufwerke noch funktionieren.

Rosenauer: Du hast dir also sogar die alte Hardware aufgehoben?

Ganglbauer: Ja, die steht in einem Kammerl.

Rosenauer: Wow!

Ganglbauer: Aber natürlich gibt es da Kompatibilitätsprobleme und es ist ein Desaster mit der Archivierung von Sachen. Ich habe zum Beispiel jetzt nicht einmal mehr ein Floppy-Disk-Laufwerk in meiner Maschine. Dafür habe ich jetzt so einen kleinen Schlüsselanhänger, einen USB-Stick.

Rosenauer: Ja, den will ich mir auch unbedingt kaufen! Aber bevor uns hier alles zu sehr entgleitet, noch zum letzten Thema: Welches Thema, das ich in dem Interview noch nicht angesprochen habe, ist dir noch ein Anliegen? Habe ich irgendeine Frage nicht gestellt, die du gern gestellt bekommen hättest?

Ganglbauer: Nein, ich habe das Gefühl, es war eine recht gute Abrundung dieser Fragen nach dem World Wide Web, nach dem Sinn des World Wide Web, nach der Literaturvermittlung am Web, nach den Vergleichen mit den Printmedien, nach den Fragen nach der Qualität, nach persönlichen Erfahrungen, nach Empfehlungen – also, ich glaube, da war schon alles dabei.

Rosenauer: Na super, dann dürfen wir Kaffee trinken!

New York: 2018 Ottaway Award

Chad W. Post of Open Letter Books to Receive 2018 Ottaway Award for the Promotion of International Literature

Post will be honored at the Words Without Borders 15th Anniversary Gala on October 30

New York, New York, September 5, 2018—Chad W. Post, director of Open Letter Books and managing editor of Three Percent, will receive the 2018 Ottaway Award for the Promotion of International Literature, Words Without Borders announced today. The annual award will be presented at the 2018 Words Without Borders Gala on October 30 in New York City.

Chad W. Post

For more than a decade, Chad W. Post has been a leading voice for the promotion of international literature. Since 2007 he has directed Open Letter Books, a press at the University of Rochester dedicated to publishing contemporary literature from around the world. Under Post’s direction, Open Letter has published over 100 books from more than forty-four countries and twenty-six languages, including works by such contemporary heavyweights as Naja Marie Aidt, Dubravka Ugresic, Bae Suah, Can Xue, Sergio Chejfec, and Mathias Énard. Post is also the managing editor of Three Percent, a blog and review site that promotes literature in translation and has generated a number of related projects, including the Translation Database, the only database of its kind in the world, and the Best Translated Book Awards, one of the most prestigious awards for international literature.

“Through his vital work with Open Letter, the Translation Database, his Three Percent blog, and founding of the Best Translated Book Award, Chad Post has done more than perhaps any other individual to identify and begin to fill the void for translated literature in the US,” said Words Without Borders Board Chair Samantha Schnee. “We are thrilled to celebrate his tremendous contributions and achievements with this year’s Ottaway Award.”

The award will be presented to Post by Deep Vellum publisher Will Evans at the annual Words Without Borders gala on October 30, 2018, in New York City.

Named in honor of the first chair of Words Without Borders, James H. Ottaway, Jr., the annual award recognizes an individual whose work and activism have supported WWB’s mission of promoting cultural understanding through the publication and promotion of international literature. Past awardees include Jill Schoolman, Barbara Epler, Sara Bershtel, the late Carol Brown Janeway, and Drenka Willen.

The 2018 Words Without Borders gala will celebrate the fifteenth anniversary of the organization founded by Alane Salierno Mason, Dedi Felman, and Samantha Schnee in 2003. Co-chaired by Samantha Schnee, Cristóbal Pera, and Gabriella Page-Fort, with honorary chair André Aciman (Call Me By Your Name) and host Rakesh Satyal (No One Can Pronounce My Name), the event will be held at Tribeca Three Sixty in New York City on October 30, 2018. Other special guests and sponsors will be announced next week.

Tickets to the Words Without Borders 15th Anniversary Gala are on sale now. For more information about the event or to sponsor a table, please contact giving@wordswithoutborders.org.

Words Without Borders expands cultural understanding through the translation, publication, and promotion of the finest contemporary international literature. Our flagship online magazine of contemporary literature in English translation won an inaugural Whiting Foundation Literary Magazine Prize in 2018. Our online education program, WWB Campus, received an honorable mention for the 2018 National Book Foundation Innovations in Reading Prize. WWB Campus is a free website that connects classrooms to contemporary international literature to enrich students’ understanding of the world and inspire empathy across cultures.

Die Plattform

Die jungen AutorInnen der Grazer Gruppe „die plattform“ im Literaturhaus

Die Zukunft [der Literatur]

Im März war ich wieder einmal im Literatur h aus Graz bei einer Präsentation der Ergebnisse eines Schreibworkshops, den die damalige Grazer Stadtschreiberin Radka Denemarková mit Anna Fercher, Julia Fliesser, Katrin Jeßner, Florian Labitsch, Stephanie Lindner, Jürgen Miedl, Judith Pataki, Johanna Schmidt, und Björn Treber, AutorInnen der Grazer Literaturgruppe „die plattform“ gehalten hat.

Von einigen der dargebotenen Texte war ich so angetan, dass ich sogleich meine Literaturzeitschrift zur Veröffentlichung anbot.  Das könnte die Gangan (Sonder-)Nummer 50 werden,  deren Thema ohnedies der Zukunft und damit der nächsten Generation der Literaten zugedacht war. Meine „perspektive“ der 80-er Jahre wäre heute vielleicht „die plattform„. Möglich.

Aber die erwartete Begeisterung über mein großzügiges Angebot blieb aus, ja, die Gruppe hatte noch dazu die Arroganz, mir nicht einmal mit einer höflichen Absage zu antworten . Die Befindlichkeit der jungen Leute klar wurde, als ich ein Telefongespräch zwischen einem Gruppenmitglied und Alfred Kolleritsch mithören musste. Ich nehme an, die junge Frau wollte mir demonstrieren, dass sie außer ihrem „Freddy“ keine anderen Förderer für ihre Karriere braucht.

Ein schlechtes Zeugnis für die Nachrückenden. Das meinte auch der Forum Stadtpark Literaturmacher und experimentelle Autor Max Höfler (40), der zur mittleren Generation zählt. „die jüngere generation der schreiberlinge in graz ist naja wie soll ich es ausdrücken ziemlich gewöhnungsbedürftig“. Daraufhin hatte er gleich den Job des Gastherausgebers.  Ich bin ich schon gespannt, wer mit ihm aller in die Zukunftsausgabe des Lit-Mags kommt.

Catherine Basilicata

Catherine Basilicata, Australia

No more Goodbyes

What if I never kissed your lips again
Or feel the touch of your warm embrace
How would I go on
Without you my heart has no place to belong.

Someday I’m hoping love’s going to draw you away from the sea.
Until then my heart remains empty,
So, I’ll just have to believe
Somewhere out there you’re thinking of me.

The day you let me go and your next hello,
It’s not goodbye.
I’m hoping to see you again,
I’ll be remembering our times, and if time is on our side –
There will be no more fears or cries.
Deep in the ocean, there’s one thing you can’t deny:

You think I’d be strong enough to make it through,
And rise above when you emerge from the sea,
It’s so hard when you’re missing someone so long.
Please no more goodbyes.

 

Catherine Basilicata lives in Wollongong, Australia

Colin James

Colin James

Two poems

AN ANTI THEIST’S SURRENDER

The lines of children were cognizant
of an uprising. This was evident in
their diffidence to the wind and the way
scars healed from the inside despite
a continuous onslaught of moral beatings,
the noble bullies barely having time to adjust.
Fatalistically, the swooning became the resolve.

CHOKING ON AFFLUENCE, THE COUGH SYMPTOMS

I watched some human like insects
scale my foot and drill into
the bone above the ankle.
I felt nothing.
Waist bent anomalously
ears, eyes closer.
They climbed higher
voices, not pronounced words.
They reached the top of my head
just as the sun was giving up.
I went cross eyed trying to explain,
this was not substantively organic.

 

Colin James has a book of poems Resisting Probability from Sagging Meniscus Press and a chapbook A THOROUGHNESS NOT DEPRIVED OF ABSURDITY. He lives in Massachusetts.

Philip Loyd

Philip Loyd

Elephants Never Forget

I sneaked another peak at her across the bar, trying my best to not look like I was looking, but it was too late, she had seen me already.  Why was I trying to avoid being seen?  Because I was shy?  Not hardly.  I was lonely, and I didn’t want to look like it.

More than that, I was horny, REALLY horny.  The only problem was, she was fat: hippopotamus fat.  It was nothing a few more beers couldn’t take care of, however, and anyway, there’s no shame in being lonely.

She looked familiar.  Maybe I had seen her before.  She just had that look about her, like I knew her from somewhere.  I looked in the other direction, but it was too late; she was already on her way over.

“Excuse me,” she said, “but you look so familiar.  Do I know you?”

“I’m not sure,” I said, still trying to pretend like I hadn’t been looking.  Loneliness is a hideous bitch.

“I’m sure I do,” she said.  “Do you come here often?”

If a man had said that, it would have been a line.

“Not really,” I said, “at least, not anymore.  It’s been fifteen years since I moved out west.”

“It’s just that, you look so familiar,” she said.

“It happens.”

“Where do you live out west?”

“Aspen.”

“Aspen?” she said. “Cool.  I’ve always wanted to go to California.”

So she was dumb.  So what?

“Are you from here originally?” she said.

“Yes, just down the road.”

“Did you go to Briardale Elementary?”

“Yes.”

“Small world. Me, too.”

“Small world,” I said.  “Would you like another beer?”

Stupid question.  Turns out, the fat cow could drink me under the table.

She said her name was Kelli.  Kelli, with an i.  Kelli with an i ?  That did sound familiar.

“My name is Jeffery,” I told her.  “Jeffrey Joe Paul.”

“Jeffrey Joe Paul?” she said.  “Of course.  I knew I knew you.  Kelli Kirkpatrick.  We went to McKinley High together.”

“We did?”

“Yes, silly.  Mrs. McGonaguill, homeroom.  Don’t you remember?”

“Kelli Kirkpatrick?”

“In the flesh.”

As we continued talking, drinking more and more beer, it all started coming back to me, where I remembered her from, and it surely wasn’t Mrs. McGonaguill’s homeroom.  It was here, right here at this very same bar.  My only hope was that she had forgotten all about it.  The problem was, elephants never forget.

“You don’t remember meeting here?” she said.

Damn!

“Not as such,” I said.  I was lying.

“Granted, it was a long time ago,” she said, “but I remember it just like it was yesterday.”

Of course you do.

“It was the night of the big fight, remember?” she said.  “You and I ducked out just in the nick of time.  Then we went down to Lazy Dave’s, then back to your place.  Still don’t remember?”

I told her sorry, but I did not.

“We made love until the sun came up,” she said.  “Of course, I’ve lost a lot of weight since then.  Maybe that’s why you don’t recognize me?’

elephant

Lost a lot of weight?  Sweet Jesus.

“You told me you would call,” she said, “but you never did.”

That’s because it was a line, you stupid cow.

“I tried calling you for weeks.  I called your house, I called your work, I called your mother, I came by your apartment, I left notes on your door, I sat on your porch all night waiting for you.”

Of course I remembered.  It’s the whole reason I moved to Aspen in the first place.

“So what happened?” she said.  “Why didn’t you call?  You said you would call.  I was waiting for you to call.”

You’d think at this point a guy like me would have enough sense to get the hell out of there.  You’d think that, but you’d be wrong.  Remember what I said about loneliness?  It’s a hideous bitch, and it’s no goddess.

I decided to deal with it the same way I deal with most of my problems: by drinking more beer. By morning I realized, I was going to have to move again.  I hear Atlanta is real nice this time of year.

 

Philip Loyd loves fat chicks and cheap beer, though not necessarily in that order. His first novel, You Lucky Bastard, is represented by New York Literary Agent Jan Kardys. Loyd lives in Dumbass, Texas.

Walter Hoelbling

Walter Hoelbling

gone

where have conversations gone
long time passing
where have all our love words gone
long time ago
where have all our love words gone
mobiles took them, every one
when will we ever learn
I hope they will return

wiehere have all the mobiles gone
long time passing
where have all the notebooks gone
long time ago
where have all the kindles gone
turned to tablets, every one
when will we ever learn
there will be no return

where have all the tablets gone
long time passing
where have all the smart phones gone
long time ago
where have all these gadgets gone
been recycled every one
never they will return
never they will return

where have all the users gone
long time passing
where have all the texters gone
long time ago
there lie all the facebooks slain
people try to speak again
when will we ever learn
hope they again can learn

 

Obviously trying to do a half-serious, twitter-age version of Peter Seeger’s “Where have all the flowers gone?” (My favorite rendering is by Peter, Paul, and Mary)

Raoul Eisele

Raoul Eisele

out, out brief candle!

das leben kriecht
schwerfällig
schritt für schritt für schritt
von tag zu tag
zur letzten stunde
schleicht schattengleich
im kerzenschein
in rauchschwaden
ausgelöschter flammen
eines jungen herzens
im narrengewand des gestern
zur unbarmherzigen ewigkeit
des angebrochenen morgen
zum morgen
zum morgen
und wieder morgen
einer endlosen wiederholung
kriechend zum unbedeutenden
idioten
dessen stimme unvernommen
im widerhall
verstummt

 

Name: Raoul Eisele; BA BA
Geburtsort/-Jahr:  1991 in Eisenstadt – lebend in Wien Hernals
Studium: Germanistik BA und Komparatistik BA (abgeschlossen) aktuell Germanistik MA
Veröffentlichungen: why nICHt? Magazin 1-4 (Literaturmagazin der Komparatistik Universität Wien), SYN Nr. 12, Bücherstadt Kurier Nr. 21, mosaik freiVers 14.8.16, silbende Kunst Nr. 14., Fixpoetry, mosaik freiText 11.11.16, Bücherstadt Kurier, Inskriptionen (neue Literatur abseits vom Mainstream);
Textgattungen: Gedichte/Kurzgeschichten

Bill Cotter

Bill Cotter

Two Poems

COMING UPON

Incautious, still, and breaking the peace
Of the lake, I hear the swan’s unease
And sense, in its startled trumpetings,
Time is measured in the beating of wings.

Across the brown veined beds of reeds
Now rippling and dropping their silver beads,
There comes the sound of whisperings,
“Time is measured in the beating of wings.”

Coerced from shadows into light
And tense with the need to take to flight,
She knows, caught in the water’s transient rings,
Time is measured in the beating of wings

And, so, on the heard puffs of air,
She rises, high and higher, where,
Expanding and blue, the sky sings,
“Time is measured in the beating of wings.”

ECHO

from Bird Song

I cannot replicate the sweetness of those notes
I heard at dawn; the player’s joy
Is his alone. But, yet, in hearing, floats
A raft of memories to buoy,
Persist, but never cloy
And so, on the fading edge of dusk and thought
There remains an echo of a song and the joy it brought.