Ulf Stolterfoht

GANGAN Lit-Mag #50

Drei Gedichte aus
Schwärmlein Seppelfricke.
Ein Pfadfinderhandbuch

Seit ich die Sippen kenne, liebe ich die Meuten.
(Robert Baden-Powell)

Die westdeutschen Country & Western LP-Charts vom 27.1. 1968

  • 1| Duane Domstaedter and His Cologne Cowboys:
  •     Jede Jeck is anders
  • 2| Brothers Busch:
  •     What Made Nuremberg Famous (Has Made a Loser Out of Me)
  • 3| Ludwig Lefty Schladerer:
  •     (Leg dich nicht an mit dem) Rodeo-Mann
  • 4| Apolda Dolly Modrow:
  •     Wo die Randfichte quietscht
  • 5| Ulrich & Jethro:
  •     Bluegrass Christmas With Ulrich & Jethro
  • 6| Die fünf blinden Buben von Schwäbisch Gmünd:
  •     Mit der Waffe des Gebets
  • 7| Original Strunz Familie:
  •     Was erlaube Strunz?
  • 8| Grandma Libuda:
  •     The Silesian Nightingale (Brings You: Calls and Yodels)
  • 9| Kernstock Ottos Flyin‘ Hochwechsler:
  •     Das Wappen von Weiz
  • 10| Sohn des Teutonen:
  •      Deutsches Eck / The Koblenz Waltz

Die geheime Rangliste des Niederländischen Wrestling-Verbandes (NWA) mit Claims und Entrance Themes

A-Level Babyfaces

1| Apollo „Creed“ Dijkstra
Claim: „Wenn Faust und Füller friedlich beieinander liegen …“
Musik: The Ex & Tom Cora – State of Shock

2| Der Bestatter
Claim: „… reißt dir den Nimbus runter! „
Musik: Fox the Fox – Precious Little Diamond

3| Thijs „Jesus“ Turturro
Claim: „Nobody fucks with the Jesus!“
Musik: Shocking Blue – Mighty Joe

4| Six-Million-Gulden-Man
Claim: „It’s more fun to compete!“ (Früher: „Red Alert! Full Bionic Power!“)
Musik: Golden Earring – Radar Love

5| Ghost Dog [Heel Turn möglich]
Claim: „Banzai!“
Musik: Gruppo Sportivo – Buddy Odor is a Gas!

A-Level Heels

1| Crafty Klaas [Babyface Turn unwahrscheinlich]
Claim: „Snitches are a dying breed“
Musik: Long Tall Ernie & The Shakers – Big Fat Mama

2| MC Brunfti
Claim: „A bisserl was geht alleweil“
Musik: Willem Breuker Kollektief – Yes, We Have No Bananas

3| Utrecht Uwe Onverschrokken
Claim: „Ich rieche, rieche Menschenfleisch!“
Musik: Baader Pop Gruppe – Krieg und Leichen

4| Erasmus
Claim: „Quidquid agis, prudenter agas et respice finem“
Musik: George Baker Selection – Morning Sky

5| Fuerchtegott XL
Claim: „Do the strand!“
Musik: Hank the Knife and the Jets – Stan the Gunman

A-Level Babyface Tag Teams

1| Wrecking Crew
Claim: „Some things must not wait“
Musik: Annemarie Roelofs et al. – Out of the Egg

2| The Fluffy Bunnies
Claim: „Das weiche Wasser bricht den Stein“
Musik: Han Bennink / Misha Mengelberg – Eine Flasche für die Lola

3| Tower of Power
Claim: „Wie buchstabiert man Vergebung?“
Musik: Pussy Cat – Mississippi

A-Level Heel Tag Teams

1| The Brides of Funkenstein
Claim: „Wherever particular people congregate“
Musik: Herman Brood & His Wild Romance – Saturday Night

2| Muscle Shoals Inc. (a.k.a. The Swampers)
Claim: „Riech unseren Abrieb!“
Musik: Cuby & Blizzards – Baghdad Blues

3| Madvillains
Claim: „Every fracture tells a story“
Musik: Tedje en de Flikkers – Op de Baan

Die zehn beliebtesten Kegelspiele der Wintersaison 1979 (Kegelpfeil Dynamo Notter, Gebelsbergstraße, Stuttgart-Heslach)

  • 1| Bartkegeln
  • 2| Holzhackers Latschenkiefer
  • 3| Griechisch
  • 4| Wildes Wiesel
  • 5| Blind Lemon Pfleiderer
  • 6| Pudelblut
  • 7| Hexe extrem
  • 8| Spitz, pass auf!
  • 9| LSD-Kegeln
  • 10| Cold Turkey (hoch / tief) 

Mark Kanak

GANGAN Lit-Mag #50

Auf Kalymnos

Auf Kos ist nichts los, deutsche Touristen, englische Touristen, bad music, Sandstrände fast künstlich, 259 Liegestühle, 529 Sonnenschirme, besetzt von 925 fetten, eitlen, verfressenen, abscheulichen Menschen.

Wir laufen zum Steg.

Dir fällt allmählich auf, dass manche auch in deine Richtung gehen.

In der zweiten Rhapsodie der Ilias sagt uns Homer, dass Kos zusammen mit den Inseln von Nysiros, Kalymnos, Karpathos und Kassos am trojanischen Krieg mit dreißig Schiffen teilnahm. 

Homer hatte bestimmt wenig mit Menschen wie diesen hier hinter uns zu tun, denkt man sich.

Karten gekauft, wir gehen an Bord, die Treppe hoch, Oberdeck, 25-30 Plastikstühle rundherum verstreut.

Ein griechischer Skipper, der auch im äußeren Hafenbecken gelegen ist und zweifellos eine schlaflose Nacht hinter sich hat, gibt auf und verlässt mit uns die Insel Richtung Kalymnos. 

Von diesen Schiffen hörte man nichts mehr,“ schreit der ältere Mann vor uns als es richtig laut wird. „Nur diese Sea Watch und die Spinnerin, die Kapitänin, die blääde. Die Italiener wollten die auch nicht ans Land lassen“

Besonders der Frühling und späte Herbst sind wundervolle Reisezeiten für Kalymnos. Wir sind hier im Sommer, Ende Juli.

Bei den alten Griechen war es der „deus ex machina“, der in den Tragödien in Erscheinung trat, wenn es brenzlig wurde.

Man schaut nach oben; da kommt keine Erlösung.

Hinter uns: „July was the hottest month ever on Earth!”

Und daraufhin sein Kumpel: “Like I fucking care! All the better for diving, I say!

Nach ca. 15 Minuten taucht vor uns langsam die gebirgige und wild gezackte Silhouette einer Insel auf.

Die Vision für eine bessere Zukunft wurde klammheimlich durch ein Bewußtsein für die Gegenwart ersetzt, ganz im Sinne des „just let it be”.

Von Kos ankommend erreichen wir nach nur eine gute Stunde einen Hafen, die wuchtig wirkt, fast aufdringlich. Nicht ganz dreckig, aber aufgebraucht, pragmatisch, sun-bleached.

Alle wissen schon, dass die Insel vorwiegend durch ihre Schwammtaucher berühmt ist.  Und jetzt als Ziel für Kletterer.

Vor uns: „Taucht man zu tief und kommt zu schnell hoch, kann man nicht mehr laufen!“

Hinter uns: „What’d they say!!!??“ „If you dive too deep and come up too fast, you won’t be able to walk!“.  „Oh, like the Radiohead thing?“  „YEAH!!  Like hat!!“

„Ja, genau,“ flüstert mir meine Freundin zu.

Sea Watch 3, vor Lampedusa, wir, Athena, vor Kalymnos.  Wir gehen ans Land, ziehen Koffer mit.  „Mythos, brauch’n Mythos“.  Schon fast 35 Grad, 10 Uhr morgens.

Nach Ankunft und Ausstieg laufen wir in die hufeisenförmig geschwungene Hafenbucht von Pothia ein, dem Hauptort der Insel Kalymnos.

Einer: Man warte aber auf gesicherte Garantien, hieß es im italienischen Innenministerium dazu. Diese müssten in „Zahlen, Zeiten und Mittel“ übersetzt werden.  Der andere:„Janz jut so!“

Wir warten bis die zwei vor uns in den sich windenden Menschenmengen verschwunden sind.  Menschen, Koffer, Taxis und Einheimischen. 

Die Wassertreppe (im Kopf) besteht aus vier Containern, die auf die Böschung aufgelegt werden und sich in der Neigung aufeinander stapeln.

Hier gibt es keine Wassertreppe.

Anstatt sich zu sagen „Langweile dich nur, wenn du dich genügend gelangweilt hast,“ fällt dir schon ein, was du spielen kannst.  Später.  Als ob gespielt wird ….

Die Stadt ist nicht schön.  Später wirstes bereuen, dass du sowas überhaupt gedacht hast.  Jetzt aber ist es halt so.

Später noch, nach 4-5 Tagen, wirst du eine schöne Frau sehen, unterwegs, aber wenn du dich ihr näherst, wird dir auffallen, dass du ihren Körpergeruch nicht magst – diese Frau ist für dich dann ebenfalls nicht mehr schön.  Dir wird’s dir dann aber auch auffallen – später, am Strand mit deinem Mythos, schwitzend, die deutsche und englische Touristen zuhörend – dass du auch ätzend riechst, mein Herr.

In früheren Zeus-Versionen war dieser Schlüssel fest codiert, weshalb Sicherheitsanbieter die Ziele der Malware erheblich schneller analysieren und entdecken konnten.

Die Lästrygonen und Zyklopen, den zornigen Poseidon fürchte nicht, solcherlei wirst du auf deiner Fahrt nie finden.

Ein Cafe habt ihr gefunden, aber bald hörst du die dir inzwischen bekannten Stimmen schwätzend.

Am Tisch nebenan: The sun will soon burn everything to a crisp.

Und: We need to resolve this problem soon.

Oben, die Unterkunft, der Inhaber schenkt ein.

„I can swim to save my life, that’s about it“, sagst du Georges. Er lächelt dir zu, schenkt noch ein Ouzo ein. Bestimmt hat er nur die Hälfte verstanden. Etwa: I have been swimming all my life, I’m a pro.  „Na gut,“ denkst du, „hier zu sterben ist auch nicht so schlecht,“ sagst Yamas! und trinkst aus.

Inzwischen seid ihr am Strand, 39 Grad und kaum Schatten.

Nach 3 Stunden und 3 Liter Mythos läuft alles ganz gut.  Es ist erst 3 Uhr nachmittags und die Sonne brennt, Sonnencreme wird angeboten, ja, na, ok, egal, gut, später mal.

Ich ertrinke hier, ist nicht zu vermeiden, überlegst du, und bestellst dir noch ein Mythos. Ich werde hier definitiv sterben. 

Dann von hinten ankommend, Liegestühle mitschleppend:

„Ja, genau, und so macht Kunstflug mit der Tiger Moth viel mehr Spaß als mit einem „richtigen” 

Kunstflieger!  Ist so!“

Und von rechts, Engländer:

„My sister died about a year ago. I went to the coast. For me it was a conflict“.

Der psychologische Nutzen von Konflikten: Konflikte können einen Prozess in Gang setzen, durch den die Einzelnen erkennen, dass sie gemeinsame Interessen und gemeinsame GegnerInnenInnenInnen haben.

„There were three times as many women at the funeral as men, I thought I should convey that.“

„I was not there. I was at the coast.“

„The brain is a machine, the head just a device“ überlegst du mal.

Die Schaltelemente, welche die gefahrbringende Maschine letztlich in Gang setzen, müssen sicher  abgeschaltet oder abgetrennt und gegen Wiedereinschalten gesichert sein.

Von hinten:

„Auch mangelnde Bewegung, zu viel Sonnenlicht und Alkoholkonsum steigern das Krebsrisiko!“ 

Und dann wieder von links:

„My sister front-loaded these ailments in her 20s, 30s and 40s, so that by the time she was 56 years old, her body had said, fuck this, I’m leaving now“. „So, like, the brain created a tumor, just to get her attention?“ „Yeah, something like that.“

Und von hinten:

„Eines Tages stellte ich beim Fernsehen fest, dass meine Bar dem gigantischen Versammlungstisch der Vereinten Nationen sehr ähnlich sieht: Was für ein glücklicher Zufall!“

„Zufälle gibt es“, sagt der Freund, „gar nicht, und das hättest du längst lernen sollen, Alter!“

Daraufhin stehst du auf, schwitzend, schaust die Leute an und fängst langsam an, dich vom Strand zu entfernen, vielleicht mal dein Glück woanders zu suchen.

What’s HIS fucking problem?“ „Probably some fucking tourist,“ lacht der Engländer, der Deutsche auch.

Clemens Schittko

GANGAN Lit-Mag #50

Das Universum

Was wissen wir eigentlich über das Universum?
Warum gibt es das Universum überhaupt?
Könnten wir nicht auch ohne das Universum leben?
Oder brauchen wir das Universum unbedingt?
Wohin dehnt sich das Universum aus?
Und was befindet sich hinter dem Universum?
Hat das Universum einen Anfang?
Und wann hört das Universum endlich auf?
Was kommt nach dem Ende des Universums?
Wird es ein neues Universum geben?
Und wie sieht dieses neue Universum aus?
Wird das neue Universum so sein wie das alte?
Und was ist dann mit uns?
Werden wir wieder hier in diesem Raum sitzen
(und uns mit dem Universum beschäftigen)?
Ja?
Nein?
Vielleicht?
Zutreffendes bitte ankreuzen!
Wird alles so sein, wie es jetzt bereits ist?
Oder wird es uns doch nicht mehr geben?
Aber warum rede ich jetzt über uns?
Um uns geht es hier schließlich nicht.
Es geht um das Universum.
Also lasst uns weiter über das Universum reden.
Was wissen wir über das Universum?
Und was weiß das Universum von uns?
Kennt das Universum alle unsere Passwörter?
Kann das Universum uns dabei zusehen, was wir auf der Toilette so tun?
Und weiß das Universum, dass wir unsere Partner*innen betrügen?
Oder interessiert sich das Universum überhaupt nicht für uns?
Sind wir dem Universum am Ende völlig egal?
Wofür interessiert sich das Universum überhaupt?
Hat das Universum irgendwelche Hobbys?
Geht das Universum arbeiten?
Oder sitzt das Universum nur zu Hause herum und macht gar nichts?
Aber wie könnte das Universum sich ausdehnen, wenn es nur zu Hause herumsitzt und gar nichts macht?
Also macht das Universum ja doch etwas.
Denn das Universum dehnt sich bekanntlich aus.
Aber warum dehnt sich das Universum aus?
Hat das Universum nichts Besseres zu tun?
Langweilt sich das Universum etwa?
Oder wird das Universum einfach nur alt?
Werden wir nicht auch immer dicker, je älter wir werden?
Wie dick kann man eigentlich werden?
Kann man so dick werden, bis man irgendwann platzt?
Wann platzt das Universum?
Oder ist das Universum bereits geplatzt, und wir haben es nur noch nicht gemerkt?
Und merken wir eigentlich überhaupt noch irgendetwas?
Wissen wir überhaupt, wer wir sind?
Vielleicht gibt es uns ja gar nicht.
Vielleicht sind wir aber auch in Wirklichkeit das Universum.
Bestehen wir nicht aus Sternenstaub?
Und befinden sich in unserem Gehirn nicht mehr Nervenzellen als Sterne im Universum?
Wer also sind wir?
Oder müsste man fragen, was wir sind?
Was also sind wir?
Aber warum rede ich jetzt schon wieder über uns?
Um uns geht es hier schließlich nicht.
Es geht nach wie vor um das Universum.
Also lasst und weiter über das Universum reden.
Aber was gibt es über das Universum noch zu sagen?
Haben wir nicht schon alles über das Universum gesagt?
Sollten wir nicht langsam das Universum in Ruhe lassen?
Bestimmt hat das Universum längst genug von uns.
Also kümmern wir uns besser um unseren eigenen Kram.
Zu tun gibt es schließlich genug.

bring dich um

wenn du nicht länger warten kannst
oder nicht länger warten willst,
bring dich um – ja, bring dich um
der Tod erlöst von allen Schmerzen
und man hat endlich seine Ruhe

und wenn du dich nicht mehr entscheiden magst
zwischen Ich und Ich,
dann bring dich um
bring dich um,
bevor dich andere umbringen
bring dich um,
bevor du andere umbringst

wenn du nicht mehr arbeiten willst,
bring dich um – ja, bring dich um
und wenn du immer noch arbeiten willst,
dann bring dich auch um

bring dich um,
wenn sich sonst niemand umbringt
denn irgendjemand muss es ja schließlich tun,
wenn sich – wie gesagt – sonst niemand umbringt

bring dich um,
auch wenn du dich gar nicht umbringen willst
bring dich um
zeig, dass du es drauf hast
hier und heute
jetzt, sofort

Nichts, nihil, nothing

wie die Zeit vergeht
bald ist schon wieder Weihnachten
bald ist schon wieder das Jahr vorbei
und nichts ist geschehen
nichts hat sich ereignet
nichts hat stattgefunden
nichts ist passiert
alles ist wie immer
alles ist unverändert geblieben
alles ist nach wie vor dasselbe
oder müsste man sagen: das gleiche?
alles ist nach wie vor das gleiche
und nicht dasselbe?
aber egal
sei es, wie es sei
darauf kommt es letztlich nicht an
darum geht es schließlich nicht
denn es ist nun mal, wie es ist
nichts hat sich verändert
nichts ist anders geworden
nichts ist vorgefallen
die Revolution ist ausgeblieben
man ist lediglich älter geworden
doch man geht immer noch arbeiten
man geht immer noch einkaufen
man sitzt immer noch zu Hause,
trinkt sein Bier und schaut fern
man sieht, wie die Zeit vergeht
und man sagt sich:
wie doch die Zeit vergeht
gestern ging man noch zur Schule
gestern war man noch jung und schön
und morgen soll alles schon vorbei sein
morgen ist man schon tot
und alles, was man sich erarbeitet hat,
ist auf einmal nichts mehr wert
sicher, es gibt die sogenannten Angehörigen
doch wenn ich erst tot bin,
sind mir die Angehörigen egal
denn wenn ich tot bin,
dann sind die Angehörigen für mich auch tot
so einfach ist das
so läuft das Ganze nun mal ab
so sieht das Ganze nun mal aus
einen Gott gibt es nicht
einen Gott hat es nie gegeben
und einen Gott wird es nie geben
es soll auch keiner sagen,
dass Gott tot ist
denn was es nicht gibt,
kann auch nicht tot sein
aber egal
sei es drum
das ist letztlich alles einerlei
das spielt letztlich alles keine Rolle
denn es ist nun mal, wie es ist
nichts ist geschehen
nichts hat sich ereignet
nichts hat stattgefunden
nichts ist passiert
einfach nichts
absolut nichts
nichts und noch mal nichts
nichts, nihil, nothing,
nada, niente, ничего
es ist einfach nichts
das heißt: es gibt einfach nichts,
worüber sich reden lässt
und dennoch wird geredet –
über das Wetter zum Beispiel,
obwohl man eigentlich das Klima meint
es wird geredet,
obwohl man nichts zu sagen hat
man hat nichts zu sagen,
weil man kein Geld hat,
um sich Macht zu kaufen
deshalb sitzt man zu Hause
man sitzt zu Hause und wartet
man wartet und beschäftigt sich mit sich selbst
man registriert, dass man älter wird
und man registriert, wie man älter wird
man registriert, wie die Krankheiten auf einen zukommen
man registriert, wie das Sterben und der Tod auf einen zukommen
und man hört auf, sich mit sich selbst zu beschäftigen
man fängt an, sich mit etwas anderem zu beschäftigen
man fängt an, sich mit nichts zu beschäftigen
und man beschäftigt sich mit nichts,
sofern man selber etwas und nicht nichts ist
man wartet
man wartet darauf,
dass das Geld, das man nicht hat,
für einen arbeitet
man wartet darauf,
dass das Geld, das man nicht hat,
sich für einen vermehrt
aber egal
lassen wir das Ganze
reden wir nicht weiter darüber
es ist schließlich nichts
alles ist in Ordnung
alles ist so weit gut
es geht einem bestens
es geht einem wirklich ausgezeichnet
sicher gibt es auch Kriege
und sicher gibt es auch Tote und Verletzte
aber das sind Ausnahmen
das sind Einzelfälle
und damit hat man hierzulande auch nichts zu tun
das geht einen hierzulande nichts an
das findet alles weit draußen auf irgendwelchen weit entfernten Kontinenten statt
oft weiß man noch nicht einmal deren Namen
sollen die sich dort unten doch alle die Schädel einschlagen
das kann einem hierzulande letztlich egal sein
es macht ja doch jeder, was er will
sollen die dort unten doch erst mal ihre eigenen Probleme lösen
danach kann man immer noch weitersehen
man kann sich ja schließlich nicht um alles und jeden in der Welt kümmern
und letztlich sind die Menschen ja auch selber schuld
wieso halten die sich nicht an die Regeln?
man fragt sich ja nur noch:
wie blöde kann man eigentlich sein?
hierzulande muss schließlich auch gearbeitet werden
hierzulande zahlt man schließlich auch seine Steuern
und sterben muss man irgendwann so oder so
ob das nun heute oder morgen geschieht,
ist dann letztlich auch egal
doch wieso regt man sich überhaupt noch auf?
man kann ja ohnehin nichts daran ändern
an die vielen Toten hat man sich inzwischen längst gewöhnt
denn letztlich gewöhnt man sich an alles
und solange es einem selbst gut geht,
ist doch eigentlich alles in Ordnung
zumal dann, wenn die Zeit vergeht
und die Zeit vergeht auch
das ist so sicher wie der Tod
ganz gleich, ob etwas geschieht oder nicht
und bislang ist ja auch noch überhaupt nichts geschehen
nichts hat sich ereignet
nichts hat stattgefunden
nichts ist passiert
das heißt: alles ist wie immer

Mathias Traxler

GANGAN Lit-Mag #50

das ist der Chor, der den Heten, die in die schwule Bar eingedrungen
ist, die Hoden abhackt, alle

mein teil vom Geschlecht geht liebenswürdig
auf in deins, Säuglingsfell
in einem Luftschiff auf dem Klosett
ausgeschlossen und eingeschlossen

das vorbeifliessende Wasser Kennst
du alle Adern? Deine Seele
ja, aber die Wege der Adern? Du küsst
An Petrarca

Lieber Vergil,
ich freue mich auf die Schafsgesichter

Und fassungslos stand ich vor Gemälden. Von hektischen Passanten
fast hineingestossen.
Madame entkleidet sich jetzt.
im Dunkeln Stockfische
Die Einseitigkeit der Berichterstattungen
über illegale Durchlässigkeit


Abend am See. Das Wasser nimmt die Buchstaben zurück, welche die
Leute abends am Ufer auf die grossen Steine legen. An einer Bar
klingt Musik aus Lautsprecherboxen. Hohlräume und Wasser und
Fische: stumm. Die Vögel in der Luft. Die Menschen am Wegesrand
schweigen.


Tun Sie es mit einer Vorstellung im Kopf von Wildheit

abgelesene Texte mit leichtem Hang zu stammeln

Stampede

harte Brocken weichklopfen

mit dem Rücken zum Licht Projektionen Notationen ablesen

die Schnürsenkel sich selbst öffnend beim Vortragen, während der
Körper von der Tischkante oberhalb der Taille halbiert wird

rattern, runterrattern

Entwickeln während des Lesens leuchtende Pickel

holen Sie während des Luftholens Luft

Also ich lese keine Gedichte, ich fasse sie nur kurz zusammen

Ich höre die Symphonie nicht, ich fasse sie nur kurz zusammen

Hören Sie einfach mitten in der Sache auf

z.B. mitten im Wort Polarisierung

Stefan Schmitzer

GANGAN Lit-Mag #50

aus: haaaaase

I. eine verständigung

haaaaase fruchtbarkeitsdämon knapp unterirdisch · mit der marchfelder ackerfurche vertraut weiß von nichts stellt einen fortpflanzungsvektor dar · es gibt · sagt der haaaaase dem bauern · und der bauer ist in arbeitskleidung und das gespräch der beiden ist eventuell schon lang im gange und der bauer schaut aus aus wie der · fred sinowatz · und er ist eventuell das gespenst vom fred sinowatz und eventuell sitzen die beiden sich gegenüber im schneidersitz und trinken die eventuell tee miteinander auf dem eventuell leeren braunen acker unter dem eventuell leeren weißen himmel und schauen definitv aus wie sissi meets das „siebte siegel“ der bauer hört zu der hase hat schwarzglänzende flauschige ohrhaare · fruchtbarkeitsdämon knapp unterirdisch wie aus den kinderbilderbüchern gruseligerer epochen uns vertraut · es gibt sagt der haaaaase dem bauern · es gibt ja immer diese ansage bei junkies zum beispiel oder alkoholikern  oder arbeitstrotteln oder bei sonstwie bei heruntergekommenen figuren oder bei anders als bei heruntergekommen bei entrückten figuren · diese ansage es ginge NUR NOCH dieses oder jenes alles andere ginge gar NICHT MEHR bei denen nur noch vanillepudding keine apferl mehr nur noch tschik keinen schnaps mehr nur noch weiber keine ministranten mehr nur noch ameisengift kein gar nix mehr · wir studieren die gesichtszüge des bauern im gatsch da er nickt und wir haben einen westernduell- · ja einen zen-dialog wer zuckt zuerst wer wird zuerst nach der thermoskanne greifen · ja eh sagt der bauern und weiter? · preisfrage passend zum weiten und featurelessigen feld da um uns antwortet haaaaase · wenn etwas grade NUR NOCH gehen soll · da sich ein mensch verRINNgert · und irgendwas anderes NICHT MEHR geht · wie sieht dann die vorausgesetzte gesamtheit aus also die weit im voraus still und wortlos angedachte menge aller dinge die in jemandes dasein gehen können wie sieht die gesamtheit des geglückten vollzugs von eh allem im menschenleben wie sieht die aus·  im umgang mit der ausdehnung des raums · im umgang mit der ausdehnung von blicken · im umgang mit dem umgang mit einander · im umgang mit dem umstand dass es entfernungen gibtim umgang mit der featurelessigen steppe der wir ein feature sind· an dieser stelle schenkt der bauer dem hasen frischen tee ein eine thermoskanne zwei häferl und der dampf steigt zum himmel und ein tropfen tropft zur erden · und der dampf steigt zum himmel und ein tropfen tropft zur erden der wind geht · himmel und erde umgeben die teehäferl der wind geht noch aber sonst geht nix mehr · unter dem acker in gruben wohnt der haaaaase und denkt abends an schoko denkt morgens an nackerte weiber und mittags an nix bestimmtes · über dem acker im linoleumgrauen himmel der aber gleichwohl DER HIMMEL ist da wohnt wirklich das gespenst von · fred sinowatz · wär interessant was die beiden sich noch zu sagen haben nichtwahr?

III. ein regentag

es ist nicht so, dass ich nichts weiß · vielmehr ist es so, dass ich nicht nichts weiß · nicht mein name ist haaaaase sondern der deine geschehe ·ich bin gezwungen da ich hier über diesen acker schaue zu wissen, dass es ein acker istı über den ich schaue · ein featurelessiger acker und ein himmel kurz eine weite weite welt · und der acker OHNE eigenschaften bringt hervor einen haaaaasen MIT eigenschaften · (das publikum erkennt ansatzlos die anspielung auf die kapitelbezeichnung im „mann ohne eigenschaften“ und findet sich gescheit) · der haaaaase mit eigenschaften bringt seinerseits hervor unter dem weiten weiten acker ein system an tunnelses hier wohnet er wohnt haaaase fruchtbarkeits- und eigenschaftsdämon · vorsozialdemokratisch voraufgeklärt vorprotestantisch vorchristlich vorvor vorvor · (das publikum singt dies aufs vorchristlichste mit. die menschenopfermeute.) · hier wohnt und will er weitestgehend seine ruh und netflix schauen · nun aber regnet es · und so es regnet dringt die eigenschaft der feuchtigkeit von der oberfläche in das system der haaaaasenhöhle vor · den innenwandungen der haaaaasenheimstatt siehst du das nicht an die bleiben trocken doch das system an zug- und druckkraft kohäsion und adhäsion es saugt sich voll · alles schaut super heimelig aus aber an der falschen stelle nachbohren wäre ein großer schaas weiß haaaaase er säße dann unter wasser · das ist ausgesprochen metaphorisch für den zustand nicht bloß der burgenländischen sozialdemokratie hier repräsentiert durch den bauern der übern regenacker stakt · es ist dem haaaaasen da es regnet und feuchtigkeit hinter den wänden seiner baue ihm allerhand instandhaltungs-arbeiten aufnötigt nicht gegeben hocken zu bleiben · also sich zu verlieren in dem nichtswürdigen geplapper aus der netflixmaschine aufzugehen im strom vom strom der wasweißichwie unter diesen acker gelegt wurde dh. gelegen kam , es triumphiert das wirklichkeits- über das lustprinzip · so spricht der haaaaase zum bauern da beide zum himmel blicken es triumphiert uns das wirklichkeits- über das lustprinzip · so ist es mir verwehrt mich zu verlieren in dem geplapper aus der netflixmaschine da der himmel seine schleusen öffnet und meinem bau auf sehr metaphorische weise eine neue EIGENSCHAFT!!! zufügt · es hat der schöpfer die schleusen des himmels geöffnet · bedeutung ist eine distinkte möglichkeit geworden · die zeitlosigkeit des schieren moments ist uns verwehrt bauer · du repräsentierst hier die spö burgenland · und ich sowieso auch was · und der schöpfer repräsentiert den schöpfer · das wirklichkeitsprinzip triumphiert · lass uns sagt der bauer an den rand des feldes gehen und sehen ob grade ein lustprinzip vorbeifährt · des haaaaasen bau ist stabil leer oberflächlich trocken seine zahlreichen kammern würden uns mal interessieren die netflixmaschine läuft noch ihr geplapper plappert vor sich hin objektiv hat sich der haaaaase da er den bau verlassen hat in dem geplapper verloren also will sagen ER IST NICHT MEHR DA das geplapper hingegen ist noch da das geplapper repräsentiert das geplapper · der haaaaase und der bauer haben den rand des feldes erreicht · ein lustprinzip fährt vorbei · abwarten und tee trinken bis der regen aufhört

IV. glocken! glocken!

große leere · alles wartet · mein name wär einhorn · so bräche ich hoffnung und keuschheit und leichtigkeit ins land das den acker da umgibt bring meine erscheinung in verbindung mit der allergrößten leichtigkeit schatz · bring it on · EINHORN!!! · gräbt waldsaum um · bring it on · BAUERRRR!!!! · tritt auf · bring it on · haaaaase verlässt seinen bau und schaut groß · bring it on · so stehen die drei und repräsentieren einander · der himmel ist weiß und die erde ist braun und der ausblick eng umgrenzt · wir könnten uns sagt haaaaase denken dass wir=hier und das=was uns=hier umgiebt symbolisch die liebe republik österreich darstellt in ihrer wirklichkeitlichen wirklichkeit · wir könnten auch sagt bauer scherzen da unsere=hier aussicht eng begrenzt ist · die lage in österreich sei AUSSICHTS!!!LOS haha · wir könnten natürlich auch summt das einhorn den aussichtslosen acker hier in unserer fantasie mit einem lieben himmel=himmel vergleichen wo leichtigkeit herrscht und wo man sich gut einrichten könnte es ginge dann von beispielsweise wolke zu wolke im leichtigkeitlichsten hopserlauf · wir können uns auch · aber wir wissen jetzt nicht wer da spricht · wir können uns auch denken im leichtigkeitlichen himmel als welcher sich der aussichtslose acker in der sogenannten fantasie der sogenannten figuren abbilden lässt da hingen können wir denken glocken · GLOCKEN!!! · und wenn es aufklarte dann wäre es gleichsam als würden die über dem bauern dem haaaaasen dem einhorn da erklingen · und dann würden ihre seelchen wir drei sehr aufgekratzte buben würden die auf und ab peppeln in den brüsten des bauern des haaaaasen und des einhorns · wie drei sehr aufgekratzte buben · in einer hütten auf der schönen insel ibiza · von denen einer seine hände faltet aber nicht zum schönen gebet · sondern um im spiel eine schöne spielpistole zu formen und zu zeigen · GLOCK! GLOCK! · wir sollten die schöne insel ibiza besuchen sagt der bauer · sie repräsentiert die weltsicht altmodischer christlichsozialer ausgehend vom subsidiaritätsprinzip der katholischen soziallehre · wir sollten statt dessen sagt das einhorn den himmel besuchen · er repräsentiert die weltsicht altmodischer christlichsozialer ausgehend vom subsidiaritätsprinzip der katholischen soziallehre · in ihm herrschen hopserlauf und leichtigkeitlichkeit · vielmehr fordert haaaaase mit autorität solltet ihr mir in meine tunnel folgen · sie repräsentieren die weltsicht altmodischer christlichsozialer ausgehend vom subsidiaritätsprinzip der katholischen soziallehre · und es ist schön warm dort · wir sind nun eine leichtigkeitliche partei nicht wahr · wie im himmel so auch im haaaaasenbau · aus schluss vorbei · pfingstliche exaltation greift von den figuren aufs publikum über. ende.

aus: HAAAAASE. TEEZEREMONIEN.

Ulrich Schlotmann

GANGAN Lit-Mag #50

Die Hub-, Schub- und Zugkräfte der Statik Band Eins

(Auszug)

… in hemdsärmelig verquerer ja fast schon queer zu nennen gewesen wären wie die dicken fetten stets etwas zu sehr vielleicht sogar zum Übergewichtigen hin und Unansehnlichen tendierenden und ja selbst an den unmöglichsten Stellen doch wohl schon balde dunkel angemahnt haben mochten mit nordkoreanischen Nackedeis notgeilen Krankenschwestern im vollen Ornat ihrer blütenweißen Westen bestickten samt glitzerndem Swarovski-Schnickschnack beladenen Jäckchen eng miteinander verwoben und umschlungen worden wären von süß nach Patschuli zu duften begannen und sinnverwandten Wohlgerüchen mehr noch welche ursprünglich einmal der arabischen Halbwelt wohl der penibel gevierteilten Sinaiinsel sowie ihren angestammten Nachbarstaaten gut zu Gesicht gestanden habe und irgendwann einmal der Abend kam das unentwegte Hupen der riskant überladen und noch riskanter zu überholen gewohnten Lastkraftwagen entfernte sich langsam fast pomadig vom Zentrum hinweg ging es in gerader Linie direktemang in tiefer gelegene Gefilde hinein ja fast schon unterseeisch anmutende Kelpwälder-ähnliche Gegenden bis dass es schließlich jenseits des eigenen Ereignishorizonts und räumlichen Vorstellungsvermögens zum Erliegen kam abrupt wie lapidar gekappt abbrach von Rucksack tragenden Touristen genussvoll durch den Schmutz gezogen worden wären zu den quirlständigen Lippenblütengewächsen inoffiziell zumindest zählenden Frühlings- Schnittblumen und quietschbunten Tulpen vor allem aber auch ihr betörendes Odeur doch wohl annähernd flächendeckend zu verströmen gedachten und unbedingt einmal dazuzugehören schienen so als wenn sie sagen wollten hallo-hallo ist da wer zugegen gewesen wäre fragend ob das denn noch immer real nicht genug der gezielt irreführenden Desinformationen und perfidesten jedweden Sinn dir doch immediat zu vernebeln gedenkenden Betörungen gewesen sei nicht der kitzelige Stimulus und Thrill schlechthin doch wohl der längst überfällige Tritt in den dicken gleichwohl schmerzempfindlichen Hintern in schwindelerregenden Serpentinen vom eigentlich Wesentlichen doch unfreiwillig oder nicht sei letztendlich ziemlich zweitrangig gewesen irgendwo dahingestellt sein ließen und dezidiert davon abgewichen seien lediglich um einige wenige Zentimeter im Idealfall nur mehr Nuancen bemaßen von der für zentral erachteten Achse nachgerade parallel zu verlaufen schienen sich zu verhalten gehabt haben den Kern des ganzen Strahlenkranzes aber so etwas von doch wohl zu verpassen gedachten gänzlich zu verfehlen gedenkenden dezidiert nun mal Gefahr gelaufen wären und nicht wirklich gut umhingekommen seien geschweige denn entschieden genug letzt einander hindern konnten oder wenn dann doch nur mehr in Gedanken sich ein gut Stück weit sogar zu sehr aus dem Fenster gelehnt hätten und jenseits der gestrichelten Demarkationslinie wieder zu Boden gesunken seien sich wohl unerlaubterweise ein paar Tage lang aufgehalten haben am Rande von so gut wie gar nichts gestanden oder doch nur knapp daneben so zumindest in andere Lebenszusammenhänge sich träumend bis hin zu den Rettung versprachen und Labsal dir doch qua bloßer Inaugenscheinnahme von schon in Aussicht zu stellen gewohnten einem jedweden doch wohl ohn’ Ansehen der jeweiligen Person nun mal verheißenden Gestaden in auf und ab zu mäandern begannen sich fortzubewegen beliebenden Schlangenlinien sich zu distanzieren schienen von den je eigenen dezidiert aber nun mal rüschenbesetzten Push-up-BHs und ähnlich verwirrenden Dingen mehr noch wie diesen hier den dezidiert verniedlichend wohl da die drohenden Gefahren als harmlos beschrieben worden wären zumindest aber so hingestellt als ob und wie wenn es sich um bessere Bagatellfälle gehandelt habe oder sogar als Wonderbra beworben worden waren im ansonsten doch wohl grottenlangweiligen Vorabendprogramm der überregional tätig gewordenen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten vermarktet worden wären von sich sahen denkbar debil inzwischen grienenden ihre plundrigen Quarktaschen dir aber nicht unappetitlich an Petersilie und Sternanis angerichtet ziemlich servil bisweilen hinhielten und ansonsten genug mit sich selbst doch wohl zu tun straff gespannt gekriegten allen nur mehr erdenklichen Mitteln letzt ziemlich rigide verfahren waren zu zerquetschen gedenkenden Tittengeschirren zu tun gehabt hätten sich tüchtig daneben benahmen sittsam wie sie im Grunde genommen doch wohl als die guten Christenmenschen die sie erwiesenermaßen nun mal waren durchgewunken worden wären von den zumindest in weiten Teilen sich zuständig fühlenden Behörden zu Pfingsten und an Ostern gleichermaßen doch wohl getan haben da aber längst schon Christi Himmelfahrt in Sicht kam im Sinn gehabt hätten mit all seinen lebensbejahenden Segen zu spenden versprachen Segen unmittelbar in Aussicht zu stellen vermögenden Begleiterscheinungen und gar nicht dumm wohl auch schon balde wieder aufgestiegen waren via Corpus callosum in den sagenumwobenen Temporallappen gelangt der zweifelhaften Erinnerungslücken Refugium und feste Heimstatt war an irgendwie gekränkt wirkende Eitelkeiten gemahnend solcher doch wohl stiekum eingedenk gewesen wären pikiert wie sie nun mal waren verbiestert vertrackt nachgerade zu dumm um auf den Gedanken zu kommen wie ihm zeitweilig erschienen und schlagartig bewusst geworden sei dass nun mal nicht eben wenige rechtsradikale evangelikale Sektenmitglieder darunter zu vermuten gestanden seien in zölibatärer Ekstase ob der eigenen jahrelangen Enthaltsamkeit gar zu wiederholten Malen doch wohl schon sich klandestin unter Furcht einflößendem Gebaren dem Deckmäntelchen einer als Schweigegelübde verbrämten Blockade welche unbedingt einmal und komme doch was da wolle an Unsagbarem nun mal tunlichst einzuhalten gewesen sei auch und vor allen Dingen gegen sämtliche nur mehr erdenklichen Widerstände hindurch doch wohl sich hinweggesetzt habend einer bloß mal als notdürftig befunden und verklausuliert gekriegten Maulfaulheit in Anführungsstrichen gestanden seien zwischen zwei rechteckigen Klammern am Ende der Geraden sowie mit schmerzempfindlich verzerrten Verbrechervisagen in die sich nach und nach doch tiefe Rinnen beinah Grand Canyon-artige Gräben schnitten Lachfalten hier und da wohl mit schwanger gegangen waren alles und jedes nun mal mit inbegriffen sehr entschieden bisweilen mittels gichtigen Wichsgriffeln sich rigide verkniffen gehabt haben werden wohl zu Weihnachten und an Neujahr meinethalben rigoros doch wohl verquetscht bekamen bis in die strammen Waden hinein sei der Schmerz wie Nadeln gefahren kam und den denkbar entlegenen Zehenspitzen noch eine Weile lang erhalten geblieben zumindest aber in abgeschwächter Form doch wohl unangenehm spürbar gewesen so dass die Zähne aber sehr entschieden bisweilen zerbrachen sie daran doch wohl entzwei gegangen seien …

Bernhard Saupe

GANGAN Lit-Mag #50

als ich meine rechte Hand
einbüßte ans Leiden
musste Mr. Unbekannt
meine Stauden schneiden

meine Stauden standen stolz
in der Mittagssonne
Mr. Unbekannt zerschmolz
in der Mittagssonne

zeitgleich hielt ich kaltes Glas
klimpernd in der Linken
weil wenn Sonne sengt das Gras
unabdingbar Trinken

meine rechte Hand war heiß
in der Druckbandage
zeitgleich ziselierte Schweiß
Fingerdruckmassage

Mr. Unbekannt war Hand
in der Heißluftdüse
Samenstand um Samenstand
stürzte ins Gemüse

da entstand in mir der Schrei
Stauden Stauden Stauden
Phlox! Rhabarber! Akelei!
schneiden schneiden schneiden

so wurde Leiden lebbar
im heißen Gartenland
wurde Erschwernis hebbar
und meine Hand gesund

als ich meinen Sohn verschlepp-
te nach Teneriffa
in den All-Inclusive-Club
schickte Österreich Schiffe

schickte Österreich Polizei
aber nichts passierte
außer dass mein Sohn ein Ei
auf sein Leiberl schmierte

wildgewordene Instan-
zen begannen rasen
dabei war mein ganzer Plan
essen was wir aßen

Teneriffa ist die größ-
te Kanarische Insel:
hier entstand die Mojo-Sauce
hier schwingt Janosch Pinsel

ich bin nicht der Trottel vom
Dienst für wen auch immer
ich darf auch den Schlüssel ham
zu dem Kinderzimmer!

plötzlich aus der Poollandschaft
sprangen Gummiritter
in den Dienst der Überschrift
Kind gehört zur Mutter

mein Sohn hat blonde Haare
und einen zarten Mund
er wünscht sich viele Tiere
am meisten einen Hund

als ich Christus Jausenbier
nannte mein Verlangen
hat mir Christus Jausenbier
Leben angefangen

Christus Jausenbier Geburt
aus dem Geist nicht wissen
Christus Jausenbier Gefährt
in den Hindernissen

beuteln mich die Flausen her
sagt sein sanftes Lachen
ich bin Christus Jausenbier
was kann ich dir machen?

ist dir die Musik zu laut?
hast du sonst noch Fragen?
meine Kohlensäurehaut
schließt dich ins Behagen

was ich an dir ändere
niemals jemals tätlich
ich bin das Ganz Andere
aber ganz gemütlich

atmet Christus Jausenbier
singt der blinde Himmel
wo denn sind die Jausen her?
wo die blonde Semmel?

lass tanzen die Sentenzen
mitunter oder und
sie sind aus einem Ganzen
das prickelt ohne Grund

Stefanie Sargnagel

GANGAN Lit-Mag #50

Auszüge aus Facebookeinträgen

20.11.2018

leute idealisieren es,dass man das was man wirklich gerne macht zum beruf macht. ich hab das nie so gesehen, ich habe immer gerne anspruchslose Jobs gemacht, bei denen ich keines meiner talente an die wirtschaft verschwenden musste. sie warn nur leider zu schlecht bezahlt, um von 20h leben zu können. ich mache gerne 20h die Woche stumpfsinnige, mechanische arbeit, wenn man mich dafür ansonsten in ruhe lässt. wenn man hingegen das, was man gern macht und mit dem man sich identifiziert, plötzlich wirklich zum beruf hat, sagt man immer alles zu, fühlt sich immer persönlich involviert und geschmeichelt, geht nie in krankenstand, verliert schleichend sein privatleben, steht ständig unter druck und stirbt. Bussis.

2.11.2018

auf tipp einer selbstständigen künstlerin will ich mir jetzt zum steuern sparen zum jahresende auch irgendeinen urgesunden arbeitssessel kaufen, aber wenn ich „gesunder stuhl“ google kommt nur scheiße.

4.12.2018

ich mag eigentlich kein wetter so richtig.

4.12.2018

ich würd urgern wieder mehr daten, aber alle intelligenten & lustigen typen, die ich kennenlern, sind frauen.

7.12.2018

7.12.2018

früher fand ich women only veranstaltungen fad, ich wollt meine haberer mitnehmen und so. ich hab mich mit männer identifiziert, wie viele das machen, die die misogynie in unserer gesellschaft spüren: sie adaptieren sie einfach. es gibt dann auch immer männer, die das so anerkennen: So auf: du bist eine „coole frau“, im gegensatz zu den dummen, unterbelichteten schlampenfrauen, die kein existenzrecht haben. mit dir kann man über frauenhass chillig reden. jedenfalls: mittlerweile liebe ich männerfreie räume so. Es ist viel befreiter. die gespräche sind cooler, der umgang angenehmer, die parties sind immer viel ärger, weil sich alle stärker gehen lassen. Niemand kriegt Aggressionen, weil ich intelligenter bin als er. das einzige, was stört, ist dass ich männer geil finde. Sie sind einfach geil mit ihren organen, ihren haaren, ihren hosen und ihren emotionalen behinderungen. Dabei wäre so schön, komplett auf kontakt mit straighten typen zu verzichten. Es ist besser für die frauengesundheit, sogar laut statistik. Wann gibt es endlich umerziehungslager für heteros?

Ich war in letzter Zeit auf sovielen Queerparties, dass ich mich schon richtig sehne nach einer heteronormativen Stressparty voller auftrainierter Strizis mit Goldringen, die mir die Zähne einschlagen und mich am Strich schicken, wenn ich frech bin.  

8.12.2018

Menschen stellen sich so ein Lesetourleben oft voller Rocknroll vor, ein haarscharfes, getriebenes Vorbeischrammen an einer Überdosis Drogen und Sex. Dabei is das Tourleben vor allem ein Exzess an Gefresse. Es beginnt mit einem Tauchen durch die All you can eat Buffets der Kleinstadthotels, 2 Kilo Rührei und 3 Marmeladecroissants, Schweinernes von der Fettsau. Dann erstmal Zugsitzen, damit sich alles gut setzt, bis einen der Veranstalter zum Soundcheck führt. Dort wartet meistens schon eine frittierte Aufschnittplatte mit Kuchen, die man mit 2 Liter Bier nebenbei runterspült. Anschließend gibt es das inkludierte Abendessen im lokalen Wirtshaus: Meistens Gebackene Leber gefüllt in panierte Schokoladenpalatschinken, dazu ein Kanister Rotwein. Zurück im Backstage wartet dann der Rest der Schlachtplatte auf einen: Chips, Käse, Nüsse, Schokoriegel werden weggemäht. Dazu raucht man aus Backstagelangeweile gefühlte 4000 Tschick. Nach wenigen Tagen schon spürt man, wie das Blut sich immer langsamer durch den Körper quält und das Herz immer schlechter versorgt wird. Lähmungserscheinungen, Atemnot, eiskalte Schweißausbrüche begleiten das stöhnende Kauen. Man versucht sich nach der Lesung mit regionalem Schnaps wiederzubeleben. Eine Kirsche, eine Nuss, eine Zwetschge, eine Zirbe. Vor den Groupies bricht man bewusstlos und furzend zusammen.   

10.12.2019

Die beliebtesten Kekssorten in Österreich: Kipferl, Krapferl, Busserl, Stangerl, Herzerl, Kranzerl, Augerl, Waugerl, Kugerl, Wugerl, Mugerl, Bugerl, Baucherl, Hirnderl, Oascherl, Wimmerl, Wummerl, Bimmerl, Bummerl.

21.12.2019

Was eine Marktlücke ist, sind so darke Teesorten. Zb. ist mir so ein „Lebensfreude“ oder „Jung und vital“ Tee wenn ich bald schlafen gehen will ein bisschen zu steil. Was ist wenn ich drauf hängen bleib und 20 Stunden voller Lebensfreude wach im Bett sitz. Lieber wäre mir da so eine Sorte wie „Kräuterdepression“, „Pfefferminztrübsinn“ oder die Mischung „Alt, resigniert und erschöpft“.

15.1.2019

irgendwie romantisier ich thermenbesuche immer so und dann sitzt man de facto mit hunderten grausligen menschen in einer riesigen brunzwarmen badewanne und starrt gelangweilt durch den dampf während irgendwer unauffällig ejakuliert.        

15.1.2019

Relaxzonen relaxen mich überhaupt nicht. Action relaxed mich. Straßenschlachten, Shitstorms, Aufruhr, Gemetzel relaxed mich. Wellness wühlt mich völlig auf.

15.1.2019

Ich habe mich zur Geburtstagsgönnung in einem Thermenhotel eingemietet zum ersten Mal im Leben. Die Vorstellung war schön, so „mhh… therme“ aber je länger ich heute in dieser Suppe gesessen bin mit all den erröteten Körpern, desto mehr haben sich die andern Menschen für mich in Backerbsen verwandelt. Fettige Mehlkugeln, die sich mit der warmen Suppe vollsaugen und aufquellen, immer weicher und schwammiger werden wie ein gut gereifter Mozarrella. Die Konturen ihres Gewebes lassen sich mit der Zeit nicht mehr zum Thermalwasser abgrenzen. Eine alte Frau habe ich sogar dabei beobachtet, wie sie sich langsam komplett aufgelöst hat. Niemandem außer mir ist es aufgefallen, dass sie sich zersetzt hat bis ihre Zellen zu einem Brei wurden, der sich immer mehr in alle Richtungen verdünnte. Am Ende verschwand sie ganz. Nur ihr Glasauge blieb übrig, das ist weiter an der Wasseroberfläche geschwommen direkt auf mich zu. Ich hab es in die Hand genommen und in der Kinderspielecke bei der Familienzone zu den Murmeln gelegt. 

15.1.2019

Ich hab im sole becken dieser therme heimlich 20 maggi rindssuppenwürfel aufgelöst.

Robert Prosser

GANGAN Lit-Mag #50

Gemma Habibi

Quer durch den Raum Simons Stimme: Lorenz, es geht los. Er folgt mir in den Kellergang, hinter ihm Jo; die beiden werden in meiner Ecke sein. Am Ende des Flurs die Metalltür. Nichts ist heftiger als das, sagte Z, als wir darüber sprachen, was für uns am Boxen das Einmalige, das Un-übertreffliche, das Allerbeste ist, nichts ist heftiger, als zuzugehen auf dieses Schreien und Stampfen. Die Metalltür vibriert vom Bass eines Lieds, ein Security drückt die Klinke, der Lärm wird zu Applaus und aus dem Wummern ein Klassiker von Wu-Tang: Cash rules everything around me. Vor mir die Halle mit Sprossenwänden, Basketballkörben, Spielfeldmarkierungen, auf der Tribüne verstreut die Zuschauer. Im Gegensatz zu Z stört mich das Treiben um den Ring. Aber mich fasziniert, was innerhalb der Seile passieren wird. Ich treffe auf einen, den ich nicht kenne, dem ich höchstwahrscheinlich nie wieder begegne, und für drei Runden wird er das einzig Bedeutsame sein. Z hielt mich für verrückt, als ich ihm erzählte, dass ich am liebsten ohne Publikum boxen würde. Nur der Ring und der Gegner, aber kein Johlen und Klatschen und Pfeifen, keine Zeltfest-Atmosphäre. Nur das Wesentliche. Zwei Typen, einer rot gekleidet, der andere blau, links und rechts, Sieg oder Niederlage, ein simples System, das eindeutig klärt, auf welchem Level du kämpfst. Ich halte den Blick unten, auf meiner Schulter Simons Hand. Sein fester Griff gibt mir die Gewissheit, dass er bei mir ist, als wir die Stufen hoch zum Ring nehmen; er spannt die Seile, und ich gleite hindurch, lasse die Dreifaltigkeit los, Jap Cross Hook, eins zwei drei. Auf dem Boden dunkle Flecken, Spuren der vorigen Kämpfe. Der andere beobachtet mich aus der Ecke. Er ist kleiner, stämmiger, tritt für einen Bregenzer Club an. Blonde Haare, braun gebrannte Haut, Schublade Sonnyboy: Ich werde mir dein Herz schnappen. Zahnschutz rein, der Schiedsrichter holt uns in die Mitte, wir stehen uns gegenüber, und an seinem starren Blick errate ich, dass er mehr zu bieten hat als ein Sportstudent, der gern Surflehrer wäre. 26 Kämpfe, ich muss vorsichtig sein. Ich werde mir dein Herz schnappen, werde über dich kommen wie ein Aztekenpriester. Ich spüre seine lauernde Gewalt und bin bereit dafür. Da endlich: der Gong.

In der Pause massiert Jo mir die Schultern, Hammer Doublette, sagt er, richtig gut. Eine Linke auf den Körper und Kopf haken sofort nachgelegt. Erst traf ich den Bregenzer unterhalb der Rippen in die Leber. Kein Organ ist anfälliger, die Übelkeit, die der Schlag hervorrief, brachte ihn ins Wanken, seine schützende Rechte sank herab und gab die Schläfe frei. Simon hält mir den Trinkbecher hin, ich schnappe mit den Lippen nach dem Strohhalm, mir ist kalt und gleichzeitig schwitze ich und zieh die Schultern hoch, Gänsehaut am Buckel. Mein Körper unentschieden, heiß, kalt, ich spüre, dass noch beides möglich ist: den Blonden zu besiegen oder von ihm überrannt zu werden. Setz die Rechte ein, bamm, die muss öfter kommen, sagt Simon, verstehst du, eins zwei, links rechts, und dann dein rechter Haken, Lorenz, den will ich heute noch sehen. Er sagt: Treib ihn vor dir her, nütz deine Größe aus. In dieser ersten Runde traf mich eine Gerade, wie ich sie gerne abgefeuert hätte, ich liebe solche Schläge, die für Sekunden bis ins Innerste erschüttern, und ich spannte mich mit aller Kraft an, um nicht zu fallen, sondern die Gewalt durch die Füße aus dem Körper zu scheuchen; der Kampf war ernst geworden und dadurch schneller, wilder. Das Rundenmädchen trippelt im goldglitzernden Kleid vorbei, es ist die Nichte des Bezirksvorstehers, die als Geschenk zum Achtzehnten einen Abend lang den Applaus genießen darf. Der Trainer des Blonden macht einen Schritt zur Seite, fächelt ihm Luft zu, ich sehe, dass er den Blick auf mich gerichtet hält. Ich warte auf die Glocke, wie lange noch, ich will los, ja.

Zwischen Ring und erster Reihe steht Simon, er boxt in die Luft, ruft zu den Scheinwerfern hoch, er leidet, feuert an, er schreit: Fahr die Rechte aus, Lorenz, mach schon. Ich zähle mit. Drei Schläge, vier. Mein fünfter, ein linker Aufwärtshaken, trifft. Ein Punkt für mich. Der andere greift an, eins zwei, links rechts, ich wippe zur Seite, vorbei. Wir geraten zu nah aneinander, sein Arm um meinen Nacken, er versucht einen Schlag mit der freien Faust anzubringen, da trennt uns der Ringrichter, mahnt wegen Kopfstoß ab. Weiterhin 1:0 für mich, sagt das heimliche Metronom, das ting ting meine Schritte zählt, meine eigenen Schläge und die des Blonden, der ausweicht, kontert, trifft, shit, 1 : 1, hart auf meine Stirn. Die Vorstellung blitzt in mir auf, wie das Hirn im Schädel schwappt, als es meinen Kopf nach hinten reißt. Man hat mir davon erzählt, und ich werde das Bild nicht mehr los: Das eigentlich Gefährliche am Boxen ist die Bewegung, die ein Treffer im Kopf auslöst, wenn das Hirn an die Schädelinnenseiten stößt. Ich sauge Luft ein, beiße fester auf den Zahnschutz. Ich weiß, was kommt. Was in mir geschieht. Anstelle von Kopf und Hirn, der Gefühle, Gedanken und Träume, gibt es nun auch die Leber, die Nieren, Rippen, die Gelenke und Knöchel. Mein Bewusstsein verlagert sich in die Eingeweide und in die Muskeln, Sehnen, denn überall kann Schmerz sein. Ich in der Lunge als Brennen, im Magen als Übelkeit. Ich Pulsschlag. Ich Blut. Ich Adrenalin, Endorphin, Testosteron. Einer der Offiziellen klopft dreimal auf den Tisch, ich höre Simons Stimme, er schreit: Zehn! Zehn Sekunden bis zur Pause, die letzten zehn sind die wichtigsten, sie werden den fünf Kampfrichtern in Erinnerung bleiben, daran werden sie denken, wenn sie die Runde bewerten. Das Schnaufen meines Gegners, tsch tsch tsch, ich höre das Zischen einer beschleunigenden Lok, doch mein rechter Haken geht durch, ja, ich spüre die offene Stelle in seiner Deckung, und sein Kopf schnellt zur Seite und das Atmen klingt wie ein Winseln, vier drei zwei, da, der Gong. Wo ist meine Ecke? Ich spucke den Zahnschutz aus, ganz nah vor mir Simons Gesicht. Er begutachtet eine schmerzende Stelle über meinem linken Auge, sagt: Blondie hat mit links getäuscht, mit rechts getroffen, sah aber übler aus, als es ist. Er schmiert Vaseline auf die Wunde, such den Körper, sagt er, dem geht die Luft aus. Ja, bestätigt Jo, konzentriere dich auf die Leber und die Milz. Wieder Wasser, ausspucken, mein rechter Haken war gut, nicht?, frage ich und beide nicken, weiter so, sagt Jo und wirbelt mir mit einem Handtuch Luft zu. Simon wiederholt die Taktik: Infight, Leber, Milz. Pick an ihm, lass dich nicht abschütteln. Meine Lungen reichen, das weiß ich, es ist genug Atem in mir für die letzte Runde, ich kann, ich werde, ich …

(Aus: Gemma Habibi, Ullstein fünf, 2019)

Jörg Piringer

GANGAN Lit-Mag #50

entschuldigungen[1]

es tut mir leid. aber ich hätte mir auch gewünscht, dass wir uns wiedersehen. ich hätte auch gerne eine neue wohnung gehabt. wenn es nicht möglich war, die miete zu erhöhen oder den hauskredit. aber ich hätte mir gewünscht, dass sich die leute wiedersehen, bevor es dann zu spät ist.

es tut mir leid für diesen mann. ich hätte es mir nicht anders gewünscht. die „bild“-zeitung hatte zuvor berichtet, die frau habe vor dem einzug des ballspiels in der kabine „viele tränen“ ausgestoßen und sei daraufhin „von der gesamten mannschaft ausgebuht worden“. die „bild“ hatte berichtet, der ball sei ins tor gefallen und dort gelandet, „um den ball ins tor zu schießen. der schiedsrichter ist der auffassung, dass dies das spiel entscheiden sollte, weil er die partie nicht gesehen hat.“ das blatt berief sich nun auf die polizei.

es tut mir leid, weil ich das in meinen augen getan habe. und ich bin immer bereit, mich für meine sache zu opfern. ich habe die gelegenheit verpasst, mich hier zu engagieren – und die unterstützung, die mich wirklich in die welt gesetzt hat, die mich in meinem herzen getroffen hat – weil ich mich so gerne für die sache der menschenrechte einsetzen würde.

ich habe mich geirrt und mich an den text herangewagt und bin dann von den anderen beiden nicht so richtig verstanden worden. ich bin zwar nicht in der lage, die beiden punkte in diesem sinne zu akzeptieren, aber es ist mir gelungen, einen guten kompromiss zu finden. ich möchte nur noch einmal wiederholen, dass ich, was die anderen von ihnen getan haben, vollauf zufrieden bin mit der art und weise, auf die sie sich jetzt einigen werden. ich möchte mich nun doch wieder auf den weg zu den beiden punkten machen. ich habe die beiden punkte bereits einmal angesprochen:

ich habe mich geirrt und mir den namen meiner großmutter gegeben. ich habe ihn auf den namen ihres sohnes übertragen. und er hat mich in meinem namen gesprochen und ich habe mich für ihn eingesetzt. ich habe mich geirrt und ich habe mich geirrt. ich bin auch der meinung, dass man die sache nicht so einfach klären kann. ich habe versucht, einen artikel in der wikipedia zu erstellen, und zwar über das internet, und dann ist das ergebnis schon wieder gelöscht.

ich habe mich geirrt und bin in der zwischenzeit zu meinem zweiten kind gelaufen. aber ich hatte mich verliebt und bin nun schwanger. als ich mich anspringe, bin ich von hinten nach vorn gelaufen, da bin ich mir sicher. die beiden hatten sich in der nacht des 12. februar auf dem weg ins krankenhaus die wohnung des mannes in berlin-mitte geteilt. der ehemann wollte nach eigenen angaben in ein zimmer mit dem mann im ersten stock. die wohnung ist inzwischen verschwunden. „ich hatte noch nie so etwas gesagt“, sagte er dem sender.

ich habe mich geirrt und bin mir in die haare gekommen, als ich vor einem jahr in den usa gewesen bin. ich bin mit einer anderen person verheiratet. sie ist ein kind und ich bin froh, dass sie eine tochter haben wird. ich habe sie sehr oft besucht, aber das ist auch nicht immer so. ich glaube, es ist nicht immer so schlimm. es geht um ein gutes verhältnis und ein gutes gefühl, was man sich wünscht. wenn jemand in deutschland lebt, dann muss man sich natürlich dafür einsetzen.

ich habe mich geirrt. ich konnte nichts tun. ich habe mich geirrt. meine eltern haben mich immer gehänselt. ich hatte ein problem mit dem leben und habe mich geirrt. ich war zu jung. und habe mir gesagt: ‚das ist die wahrheit.‘ sie haben mir dann erzählt, dass ich mich geirrt habe. meine mutter hatte einen sehr langen haarschnitt, der ihr die augen öffnen musste. ich habe sie sehr geliebt. aber ich wusste nicht, dass ich das getan habe.

ich habe mich geirrt, als ich vor einigen jahren in einem hotel in wien auf der suche nach einer wohnung für mich nach wien gekommen bin. dort ist ein mann, der mich kennt, von seiner frau in ein zimmer eingebrochen und dann plötzlich verschwunden. der mann hatte eine bekannte bei sich und war sofort wieder weg, er ist in ein hotel gegangen und hat mich dann in den schlaf geklingelt. es war so furchtbar und traurig, dass er mich dann anrief. das war der tag, an dem ich mich nicht mehr auskurieren kann.

was kann ich tun? wie geht’s euch besser? und wie ist’s mit dem thema? ich habe heute morgen die sitzung wieder verlassen. es wird zeit, dass die abgeordneten sich bei uns melden und den präsidenten bitten, das präsidium über die geschehnisse zu informieren und sich mit uns zu besprechen. das ist eine wichtige sitzung. herr präsident, ich glaube, wir müssen über dieses thema hier im plenum sprechen, und deshalb werden wir das heute besprechen.

was kann ich tun, was ich kann? ich kann nicht alles. ich bin kein mann. ich kann nicht sehen, wie die menschen das sehen. ich kann mir nicht vorstellen, dass ein mann mit dem fahrrad über eine ampel fährt. das ist ein großer fehler, aber es ist ein kleiner unfall, der vielleicht nicht passieren wird. es gibt viele menschen in der gesellschaft, in die ich gehen könnte, weil ich die menschen, die sich auf dem markt für das fahrrad entscheiden, nicht kenne.

was kann ich tun? das ist nicht so schwer. ich werde es auch nicht machen. ich kann mir das so gut nicht erklären. wenn es mir nicht passt, dann kann ich es ja auch gar nicht machen. ich kann das nicht machen, weil ich es nicht schaffe, weil es dann eben die regeln nicht einhalten will. ich weiß nicht, ob das nicht auch ein grund für meine abwesenheit sein wird. das ist ein grund, warum ich nicht aufstehe und mich nicht auch noch entscheide. das ist eine große sache.


[1]  dieser text wurde vollständig von einer sogenannten künstlichen intelligenz mit dem namen GPT-2 geschrieben. GPT-2 ist jenes machine-learning-system, das im jahr 2019 für aufsehen sorgte, weil es laut den wissenschaftlerinnen der OpenAI-foundation texte automatisch erzeugen und vervollständigen konnte, die von jenen von menschen geschriebenen kaum unterscheidbar waren. der vorliegende text wurde mit einer reduzierten deutschsprachigen version der software generiert. die vollversion der software veröffentlichte OpenAI aus angst vor missbrauch bis jetzt nicht.