Anselm Glück

Best of Gangan [in Print]
aus: ganganbuch 4, 1987

(zwei ausländer im inland)

2 tierstücke

1: vorspann
oder als immer die gleiche zustandsbewegung die sagen wir zum beispiel in mir da dahinbesteht und zwar als laufen in einem sagen wir kreis in dem sie selbstverschlungen vor sich her- und hinter sich dreinzentrifugiert und aber nie von wirklich weit her (jedenfalls nie weiter als hier immer direkt von mir) obwohl es gar nicht so unwahrscheinlich erscheint dass ich darin (also in dem kreislauf) bloß eine zufällige schwachstelle bin oder so eine art lochung aus der es die immer wieder und immer noch selben andeutungen träufelt die eine bloßgestellte aufmerksamkeit ohne weiteres und mit dem traditionellen kunstanspruch durch das alfabetische buchstabengatter bricht und als redensart hier aufs papier formuliert wo deine echten augen echte beschäftigung daran finden weil sie haben sonst im moment scheints gar nix gscheiteres hier zu tun: und also nennt man es lesen und fällts also unter die abteilung literatur was in jedem fall sowieso witz genug ist

2: tierstück
schmetterlinge sind lebendig und froh. sie haben der tierwelt anregung abgelegt. bevor sie geschlechtsreif werden gehören die schmetterlinge dem ei. im falter dauert die verpuppung acht tage. langsam wird die haut schrumpelig. sie beginnt am kopf zu platzen. eine weichliche masse beginnt am körper ihre bewegungen

das tier hat in der mitte einen körper

und nach acht tagen wird es dunkler und im innern zu erkennen und auf der einen seite schlüpft dann der falter zum flug. plötzlich wiegt sich seine übersäte schönheit

die schmetterlinge beginnen ihr leben bald. zuerst variiert die oberfläche. vertikale rippen legen an der futterpflanze an. die futterpflanzen suchen raupen jeder gattung. im flug fallen schmetterlinge in großen massen zu mehreren mustern. ein weibchen kann während seines lebens den winter überdauern. bei den meisten arten wird die eierschale durchlaufen. die raupen schlüpfen in ein versteck und überstehen das wachstum verschiedener körper. wenn der druck zunimmt wird der vorgang häutung genannt. bei den meisten ist der kopf verschmolzen. (die köpfe scheinen vom übrigen körper getrennt). viele besitzen drüsen welche feinde anlocken. am kopf finden sich die augen die wichtigsten bestandteile. die wichtigsten teile sind die kiefer. die beinpaare werden benutzt und unterstützen so die fortbewegung. ein offenes gefäß dient als herz. die haut auf der unterseite atmet. die geschlechtsorgane beginnen ihre anlagen zu erkennen. einige raupen sind grün und besitzen innereien. andere sind kräftiger. viele besitzen anpassungen

in die störung geschwenkt scheinen raupen angegriffen zu werden. sie rollen sich zusammen und verharren. lediglich zur nachtzeit zeigen schutzfärbungen wie sie aussehen. bei einigen raupen ändern sich die flecken

mit dem kopf nach unten hängende puppen winden sich in gespinstpolster ein. im ei wächst die nahrungsaufnahme heran. sie schlüpft je nach temperatur. die längste zeit sind alle lebensfunktionen herabgemindert

die entwicklung erfolgt in völliger abgeschlossenheit. der einzige kontakt besteht durch die atemöffnungen. weder nahrung wird aufgenommen noch kot abgegeben. erst beim schlüpfen wird kot in jeder menge abgesetzt. wenn die entwicklung abgeschlossen ist reißt der kopf die körperabschnitte heraus. schließlich zieht der hinterleib die zerknitterten flügel

sogar auf den augen finden sich haare. zwischen den augen steht eine fühlerkeule. zahlreiche borsten werden entrollt. zwischen dem netzwerk der augen erfolgt durch kontraktion farbe. die wellenlängen des lichts werden gebildet. eine färbung ergibt sich entweder von selbst oder dünne schichten verändern ihre form und lassen so farben entstehen. zu diesen strukturfarben gehören die meisten. weiße töne können ein effekt sein. abstufungen von glanzlichtern tun wirkung wenn licht fällt. gerade die kombination führt zur vielfalt in der umgebung. in der umgebung von mustern leuchten linien. es ist erstaunlich wie einfach alles strahlt. die larve richtet sich dann auf und schwingt ihr aussehen hin und her. das letzte stadium beginnt die volle größe. hat sie sich verfärbt beginnt etwas zu schrumpfen. während der entwicklung variieren sie sich

auf dem höhepunkt fliegen die meisten durch bestimmte bewegungsabläufe. einige lassen sich nieder und wandern im kreis umher. werden sie gestört fliegen sie auf. nach dem angriff lernen sie wie man in sicherheit rasten kann. die köpfe nach außen gerichtet senken sie ihre flügel. viele haben muster

ein empfindliches objekt verschmilzt mit der kontur

und die zeit benötigt die ereignisse und unter dem einfluß eines blutdrucks werden adern bepumpt. ein vorgang der dauert

3: tierstück
der gorilla wiegt sich von einem bein auf das andere. sein gebrüll sucht den jäger. wenn er auf reichweite heran ist soll in die brust geschossen werden. der beobachtete gorilla ist zwei meter groß. seine riesigen arme enden in eine hand und auch der fuß zeigt dass er zum greifen geschickt ist. der gorilla hat einen vollbart. stets wird der männliche gorilla von einigen weibchen begleitet. er sieht sehr gut und hört noch besser. merkt er keine gefahr so setzt er sich und die weibchen bringen ihm früchte. wittert er aber etwas so gibt er das zeichen zur flucht und wendet sich gegen den feind. hat er den feind erreicht bemüht er sich ihm den brustkasten einzudrücken. sieht er jedoch dass der gegner stärker ist versteckt er sich im gebüsch. der gorilla nächtigt dort wo er sich bei einbruch der dunkelheit gerade befindet. über das seelenleben des gorillas wissen wir wenig. man sieht ihm aber sofort an dass er den verlust der freiheit nur schwer verschmerzt. wenn er besonders vergnügt ist klatscht er in die hände und dreht sich im kreis. strafen gegenüber ist er empfindlich

der lebende schimpanse hält sich auf bäumen auf. er lebt in familien wandert viel und baut nester. ist der schimpanse erregt gibt er laute von sich. auch lacht er aus vollem hals namentlich wenn man ihn kitzelt. weinende affen hat schon alexander von humboldt beschrieben

der orang-utan wird groß. gewöhnlich leben die männchen allein. die weibchen dagegen sieht man meist in gesellschaft. die mutter trägt das junge. der hunger scheint sie zu bewegungen zu veranlassen. wenn der orang-utan sitzt hält er sich mit den händen an den zweigen über ihm fest. kurz vor anbruch der dunkelheit geht der orang-utan aufrecht. dann legt er sich auf die seite. auch in gefangenschaft sind orang-utans gehalten worden

die gibbons erreichen rasch ihre größe und das auffälligste dabei sind die arme. die augen wirken. die gibbons leben in familienbeständen und sind geschickt. wenn sich ein gibbon erhebt wird er durch das gleichgewicht genötigt und stößt einen schrei aus

die meerkatzen sind nicht ruhig. ihre sorge ist groß. bricht ein ast so fassen sie einen zweiten hält dieser auch nicht tuts ein dritter und greift die hand fehl muß der schwanz einspringen. jedes tier folgt immer genau dem weg seines vorgängers. der zugführer verlangt unbedingten gehorsam. kein weibchen darf sich einer albernen liebschaft hingeben. erst abends kommt die herde zur ruh. sie muß schlimme erfahrungen gemacht haben. zur römischen kaiserzeit war es mode mit affen spazierenzugehen

der jäger sieht alles. die tiere versuchen zur besinnung zu kommen jedoch beim anrücken der jäger steigert sich ihre angst. alsbald fesselt man die gefangenen. der fang der paviane hat zwar auch komische seiten nicht selten aber verwandelt sich der schauplatz des pavianfangs in ein schlachtfeld. der häufigste pavian ist ziemlich gleichmäßig gefärbt. der scheußliche mandrill erscheint in seiner färbung wie ein schlechter witz. am tag durchstreift der pavian den busch um seiner nahrung nachzugehen. auf schritt und tritt folgt ihm der leopard. nur unter aufsicht fühlt sich die herde wohl. aber plötzlich ändert sich das bild. die wachhaltenden plumpsen herab und stürzen von dannen. auch paviane sind geschöpfe und leben mit vorliebe. immer wieder läßt sich ihr aufschrei vernehmen

der brüllaffe sucht zunächst das nahrungsbedürfnis zu befriedigen. bald beginnt er brülltöne auszustoßen. man hört förmlich wie die zwischenpausen leiser werden und in jedem augenblick ergreift eine stimme die ihres vorgängers. der brüllaffe ist zur unterordnung der breinasen zusammengefaßt. nur im äußersten notfall läßt er sich auf die erde herab. ohne seinen schwanz könnte er gar nicht leben. was ihn veranlaßt ist schwer zu sagen aber auch er ist ein tier und sein pelz ist gefärbt. er ist sehr träge und verändert den ausdruck auch beim brüllen nicht. zu tode getroffene brüllaffen hängen als lärmende tiere an einem ast. die anderen suchen eiligst blätter die sie in die wunden stopfen

die lemuren sind nachttiere und haben pupillen. der intelligente kopf zeigt augen und ohren. sie verbringen den tag mit schlafen. in kleinen scharen schwingen sie sich reizvoll inmitten ihres wohlschmeckenden fleisches. in der gefangenschaft gewöhnen sie sich auch an ein tagleben. sind sie sich selbst überlassen schreien sie. im winter halten sie sich in der nähe des kamins auf

4: nachsatz
wir sind dankbar dass das zwanzigste jahrhundert geschehen ist weil heute sehen wir die politiker lächeln. aber der erste weltkrieg war furchtbar. erst die nukleare rüstung beruhigte die welt. sie bedroht die ezistenz der internationalen militärischen auseinandersetzung. kampfraketen beginnen die erhaltung des weltfriedens auszuweiten und die staatsmänner wissen wie bedrängte völker geführt werden

(ja und der nichteingeweihte glaubt dann glatt an ein bravsein und weil er so schön brav überall mitmachen tut gibt man ihm auch fast immer mehr oder weniger was zum fressen und wenn die domglocken läut oder der zapfenstreich ruft na hupft er prompt als depp auf und tut was er weiß dass man von ihm erwartet)

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