Billy Marshall-Stoneking

Bush Poems

Passage

The oldest man in the world wears shoes.
The oldest man in the world has a cowboy hat on his head.
The oldest man in the world speaks to me in English.
He rides in motor cars.
His body: fluid, capable—a perfect shock absorber.
One tooth knocked out in front, a red bandanna tied
around his neck, he names Names
as we bounce over the dirt track in the back
of a four-wheel drive.

‚That tree is a digging stick
left by the giant woman who was looking
for honey ants;
That rock, a dingo’s nose;
There, on the mountain, is the footprint
left by Tjangara on his way to Ulamburra;
Here, the rockhole of Warnampi—very dangerous—
and the cave where the nyi-nyi women escaped
the anger of marapulpa—the spider.
Wati Kutjarra—the two brothers—travelled this way.
There, you can see, one was tired
from too much lovemaking—the mark of his penis
dragging on the ground;
Here, the bodies of the honey ant men
where they crawled from the sand—
no, they are not dead—they keep coming
from the ground, moving toward the water at Warumpi—
it has been like this for many years:
the Dreaming does not end; it is not like the whiteman’s way.
What happened once happens again and again.
This is the Law.
This is the power of the Song.
Through the singing we keep everything alive;
through the songs the spirits keep us alive.‘

The oldest man in the world speaks
to the newest man in the world; my place
less exact than his.
We bump along together in the back of the truck
wearing shoes, belts, underwear.
We speak to each other in English
over the rumble of engine, over the roar of the wheels.
His body: a perfect shock absorber.

Durchfahrt

Der älteste Mensch der Welt trägt Schuhe.
Der älteste Mensch der Welt trägt einen Cowboyhut.
Der älteste Mensch der Welt spricht Englisch mit mir.
Er fährt in Autos.
Sein Körper: beweglich, fähig – ein perfekter Stoßdämpfer.
Einen Vorderzahn ausgebrochen, ein rotes Kopftuch um
seinen Hals gebunden, benennt er Namen
während wir hinten im Geländewagen über die Staubstraße
holpern.

„Der Baum da ist ein Schürfstab
den die riesige Frau zurückgelassen hat, die nach
Honigameisen suchte;
Der Fels, eine Dingo-Nase;
Dort, auf dem Hügel, die Fußspur, die
Tjangara auf seinem Weg nach Ulamburra zurückließ;
Hier das Felsloch von Warnampi – sehr gefährlich –
und die Höhle, wo die Nyi-Nyi Frauen dem Zorn
des Marapulpa – der Spinne – entkamen.
Wati Kutjarra – die zwei Brüder – reisten diesen Weg.
Dort, siehst du, war einer müde
von zuviel Liebesspiel – die Spur seines schleifenden Penis
im Boden;
Hier die Körper der Honigameisenmänner
wo sie aus dem Sand krochen –
nein, die sind nicht tot – sie kommen immer noch
aus dem Boden, ziehen zum Wasser bei Warumpi –
so war es seit vielen Jahren:
die Traumzeit hört nicht auf; es ist nicht wie bei den Weißen.
Was einmal geschah, geschieht immer wieder.
Das ist das Gesetz.
Das ist die Kraft des Traumes.
Durch das Träumen halten wir alles am Leben;
und durch die Träume halten uns die Geister am Leben.“

Der älteste Mensch der Welt spricht
zum jüngsten Menschen der Welt; mein Ort
ist ungenauer als seiner.
Hinten im Wagen rütteln wir hin und her,
tragen Schuhe, Gürtel, Unterkleidung.
Wir sprechen Englisch miteinander
über das Rumpeln des Motors, das Donnern der Räder.
Sein Körper: ein perfekter Stoßdämpfer.

Picture Postcard

the picture on the front
cannot tell you what it is like:
T. gets drunk on Saturday afternoon
and runs down H. (who is three) and
the whole settlement comes
for payback, with nulla-nulla and spear.
the naked woman swinging her crowbar
outside the shop this morning
sings as she swings it round her head:
‚where is my husband? where’s that bastard?‘
in the picture, you can see,
the places I have circled:
the missionary’s house
when M. ran amok because
the devils were attacking en masse,
and the cops came down and
took him to heaven.
and the road, leading into town,
marked with an X,
where S. finished up
with a bullet through his brain.
the landing strip
where the prime minister’s wife exclaimed:
‚the flags, the flags,
where are all the children with the flags?‘
running out of space
wish you were here.

Ansichtskarte

das Bild auf der Vorderseite
gibt keinen Eindruck wie es ist.
T. betrinkt sich am Samstagnachmittag
und überfährt H. (der drei Jahre alt ist) und
die ganze Ansiedlung kommt
Rache zu nehmen, mit Nulla-Nulla und Speer.
die nackte Frau schwingt ihr Brecheisen
morgens vor dem Geschäft
singt als sie es über ihren Kopf schwingt:
„Wo ist mein Mann, wo ist dieser Hund?“
auf der Karte, siehst du,
die eingeringelten Orte:
die Missionsstation
als M. Amok gelaufen ist weil
die Teufel haufenweise angegriffen haben
und die Bullen sind gekommen und
haben ihn zum Himmel geschickt
und die Straße zur Stadt,
gekennzeichnet mit X,
wo S. sein Ende fand
mit einer Kugel im Kopf
das Flugfeld
wo die Frau des Premierministers ausrief:
„die Fahnen, die Fahnen,
wo sind die Kinder mit den Fahnen?“
kein Platz mehr
wünschte du wärst hier

Deutsch von Rudi Krausmann & Gerald Ganglbauer

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