Timothy McNeal

Au Café Maure

Sitzen
da und rauchen,
schlürfen heißen
starken Kaffee,
süß.
Sitting,
smoking,
sipping
hot strong coffee,
sweet.

 

SonntagNachmittagTeich / SundayAfternoonPond

How come I
always associate
willow with widow?

Wir trinken Wein
unter den Weiden;
träges Wasser,
still;
doch der
Tanz der Insekten
kreiert
die Choreographie des
Libellenflugs.

Wine
under the willow
trees;
sluggish water,
still;
but
the insects’ dance
creates
the dragonfly’s choreography.

 

Zero

Unsere hoffnungsvollen
Seelen schweben ewig
über schwarzem Mond,
verloren.
All the spirits
of our hopes hover off moon,
forever dark,
forever doomed.

Philipp Arno Vajda

Der Mond ist ein Trick der Dunkelheit /
The moon is a trick of the darkhood
7 Gedichte /
7 poems

Speechless Gravity

Bothered by the sun still shining
got a letter from my dear:
“You know, death is just another creature,
howling if he’s near!”
I have no answers, nothing happens to me,
my brain works, you understand,
but i’m down on speechless gravity.

History tells us, Hitler was very shy,
take a look out the window,
wanna kill these people, don’t know why.
I have no feelings, nothing happens to me,
but i’m down, i’m really down
on speechless gravity.

Mein Herz schlägt nicht nach unten

Und wenn ich dir auch alles sage
– jede Metapher zerfällt –
mein Herz schlägt nicht nach unten
es schlägt in dieser Welt.

Und wenn ich dir auch alles zeige
– jedes Gefühl zerbricht –
mein Herz schlägt nicht nach unten
es schlägt in Richtung Licht.

Der Tod

Wo die Stunden sich kreuzen,
stand ich am Schmerzpunkt der Worte
(rote Lippen, Rote Rosen)
und sah in den Himmel,
hinauf in diesen funkelnden, unermeßlichen Himmel.
Und der Stein meines Herzens zerbrach und hörte auf zu mahlen.
(das Moos an der Mühle, das Moos am Rad)

Japanese Noise

Walking down the raised waterline
maybe some strong heartbeat
or a strange feeling called insane.
Going through the big white hole of tomorrow
Behind this magical yellow sorrow.

Listening to drunken trees
nearby visions of shattered fleece
recycling those timeless words of James Joyce
acting naturally
making japanese noise.

 

Um deiner Sehnsucht willen, möchte
ich dir Sterne pflücken
Um deiner Freude willen, dich mit
tausend Rosen schmücken
Und um deiner Liebe willen, mit
ganzem Herzen dich beglücken.

Aber wiegt dir jedoch manchmal
der Tag sehr schwer
und alles herum erscheint dir
trostlos und leer,
dann lass mich bitte deinen Kummer stillen,
der Sehnsucht, der Freude und der
Liebe willen.

 

Vergangen sind die Tage, die mich erinnern
an das Haltenwollen
und dann doch das Fortgehen,
Weggehen und nicht mehr
umdrehen wollen.

Fern sind die Stunden, die mich erinnern
an das Lebenwollen
und dann doch das Wehtun,
Aufschreien und nichts mehr
Spüren wollen.

Und jetzt, jetzt Momente, die mich erinnern
An das Liebenwollen
und dann doch das Fühlen
der traurigen Tage
des Haltenwollens
und der schmerzhaften Stunden
des Lebenwollens.

Now Blue

Everytime i see you, i loose my heart
And all the thoughts are running around
not to fall apart.

I want to touch you, kiss you, hold you tight
i just want to make your eyes shine bright.

but all the thoughts i spend for you
can’t truly hide that i feel now blue,
bittersweet and blue
blue for you.

Andrea Sailer

Augenblicke / Moments

AUGENBLICKE

Es sind Augenblicke, immer nur Augenblicke
Die alles entscheiden, alles bedeuten, alles verändern
Oder jede Veränderung unmöglich machen
Sekundenbruchteile, in denen alles geschieht
Alles oder nichts, das macht keinen Unterschied
Es sind Augenblicke, die am Ende ein ganzes Leben ausmachen
Auf die man zulebte, oder denen man zu entkommen sucht
Immer nur Augenblicke, nie mehr
Augenblicke, die die Welt bedeuten können
Und die zugleich so gänzlich ohne Bedeutung sind für die Welt
Der Augenblick
In dem der Arzt nur ein einziges Wort sagt
‘Bösartig’
Oder das Gegenteil
Der Augenblick
In dem ein Uniformierter vor der Tür steht
Und die Nachricht vom Unfall überbringt
In einem einzigen knappen Satz
Der Augenblick
In dem man sich dem Himmel verspricht oder die Hölle verschreibt
Vor dem Altar
‘Ja, ich will’
Der Augenblick
In dem zwischen zwei Menschen die Entscheidung fällt
‘Es ist aus’
Der Augenblick
In dem man kurzfristig Kopf und Kontrolle verliert
Und dann der nächste Augenblick
In dem man auf den Teststreifen schaut
POSITIV
Und für den Rest seines Lebens ein Kind hat
Das man liebt über alle Maßen; oder mißhandelt und
mißbraucht
Der Augenblick
In dem man sich zum ersten Mal begegnet
Oder für immer trennt
Der Augenblick auch
In dem man an der Autobahnraststätte vorbeikommt
Und den süßen kleinen Hund
Der inzwischen groß und anstrengend geworden ist
Seinem Schicksal überläßt
Der Augenblick
In dem man in der Klinik die Augen öffnet
Und plötzlich nicht mehr sehen kann
Der Augenblick
In dem man aus dem Koma erwacht
Und nie mehr gehen können wird
Der Augenblick
In dem man aus der Narkose erwacht
Und lebt, einfach lebt, noch immer, oder wieder, einfach
lebt!
Der Augenblick
In dem man das Geschenkpapier zerfetzt
Und enttäuscht ist, oder überglücklich
Der Augenblick
In dem man das Schularbeitenheft öffnet
Und nicht damit gerechnet hat, oder vielleicht doch
Und dann der Augenblick
In dem man den Lauf einer geklauten Pistole ans Kinn
setzt
Und abdrückt
Oder mit der Schlinge um den Hals von der Kiste steigt
Der Augenblick
In dem man zum ersten Mal eine Hand spürt, die die
eigene hält
Der Augenblick
In dem man zum letzten Mal umschaut
Der Augenblick
In dem man die eine, gewisse Geste unterläßt
Oder das einzig falsche Wort ausspricht
Der Augenblick
In dem alles beginnt oder alles endet
Nichts, das im Leben wichtig ist, dauert länger als einen
Augenblick
Das Leben
Das ist der Augenblick
In dem die Ohrfeige das Gesicht berührt
Das Kind kommt
Der Aufprall die Lungenflügel zerfetzt
Der Eisenzaun die Halsschlagader durchbohrt
Der Schlachtschußapparat in Betrieb genommen wird
Die Fliegenklatsche niedersaust
Der Jäger das Wild trifft
Die Nadel die Überdosis injiziert
Die Leiter plötzlich nachgibt
Die Jungfräulichkeit durchstoßen wird
Der Radfahrer das Handzeichen vergißt
Der Autolenker den Fußgänger übersieht
Der Airbag versagt
Die Männlichkeit versagt
Die Lippen aufeinandertreffen
Der erste Wunsch in Erfüllung geht
Die letzte Hoffnung stirbt
Der erste Zahn durchbricht
Der letzte Zahn gezogen wird
Die Unterschrift für gültig erklärt wird
Das Urteil rechtskräftig wird
Und der Augenblick
In dem man Tränen nicht mehr zurückhalten kann
Oder in dem man auf einmal lächelt
Und für die einen ist es die Hand Gottes
Für die anderen die des Teufels
Und für manche ist es die eigene Hand
Die diese Handvoll Augenblick hält
Das Leben ist eine Kette von Augenblicke
Die manchmal wie Perlen schimmern
Und manchmal zu billigem Talmi vergilben
Und nur noch enttäuschend sind
Es ist eine Summe von Momentaufnahmen und
Wimpernschlägen
Das Leben
Ist ein Augenblick
Und zwischen dem ersten ‘Ich liebe dich’
Und dem letzten ‘Der Tumor ist inoperabel’ liegt
– nichts

MOMENTS

Moments, just moments
Decide all, mean all, change all
Or make every change impossible
Fractions of seconds, in which things happen
Everything or nothing, makes no difference
It is moments which decide a life
One lives for them or escapes in flight
Always moments, never again
Moments which can mean the world to you
And which mean nothing to the world
The moment
In which the doctor says one word alone –
“cancer”
or no.
The moment
A man in uniform at the door
Informs you about the accident,
In one brisk line.
The moment
In front of the altar
Vows for heaven, or portents of hell
“Yes, I do”
The moment
When two people decide
“It is over”
The moment
When you briefly lose your head or control
And the next moment
When you see the result of your test
POSITIVE
And for the rest of your life you have a child
Which you love above all things
Or you mistreat and beat
The moment
In which you meet for the first time
Or part forever
The moment, too,
When you pass the highway rest-stop
And you take the sweet little puppy
Which has grown into a large, demanding dog
And leave him to his fate
The moment
In which you open your eyes in the hospital
And find you cannot see
The moment
In which you come out of a coma
And discover you will never walk again
The moment
When you wake from the anaesthetic
Alive. Still, or again, or just simply,
Alive
The moment
When you tear off the gift wrapping
And are disappointed or delighted
The moment
When you get back your exam
And are surprised, or perhaps not
And the moment
When you put the barrel of a loaded gun
Against your head
And pull the trigger
Or when you put a noose around your neck
And step off the chair
The moment when you feel for the first time
A hand holding yours
The moment
When you turn around for the last time
The moment
When you don’t make a certain gesture
Or say the one wrong word
The moment
When everything begins or everything ends
Nothing that is important in life lasts longer than a
Moment
Life
That is the moment
When the slap hits your cheek
The child is born
The crash collapses your lungs
The iron railing bores through your neck
The slaughterer’s gun goes off
The fly swatter comes down
The hunter’s bullet hits the deer
The needle injects the overdose
The ladder collapses
Virginity is lost
The cyclist forgets the hand signal
The driver doesn’t see the pedestrian
The airbag doesn’t open
You can’t get it up
Lips touch
Your first wish comes true
Your last hope dies
The first tooth comes through
The last tooth is pulled
The signature is legal
The verdict is final
And the moment
In which you can’t hold back the tears
Or in which you suddenly smile
For some it is the hand of God
For others that of the Devil
And for some it is their own hand
Which holds this handful of moments
Life is a chain of moments
That sometimes shimmer like pearls
And sometimes are just cheap imitations
And pale disappointments
It is a sum of snapshots
and blinks of an eye
Life
Is a moment
And between the first “I love you”
And the last “the tumour is inoperable” there is
– nothing.

Andrea Sailer

ENTLIEBT

Ich war verliebt in dein Lächeln
Und jetzt sehe ich erst
Was für häßliche Zähne du hast
Die Welt
Wollte ich dir zu Füßen legen
Als ich dann unten war
Kam ich drauf – es sind Schweißfüße
Besonders mochte ich dein Haar
Bis du es jeden Morgen
Im Waschbecken liegengelassen hast
Ich fand deine Ohren niedlich
Aber jetzt weiß ich
Zuhören kannst damit nicht
Mir gefiel dein Pullover
Bis ich dahinter kam
Du hast ja nur den einen
Ich fand deinen Mund unheimlich geil
Aber dann hast du ihn aufgemacht
Und am besten fand ich deinen Hintern
Und jetzt gehst du mir am Arsch vorbei.

OUT OF LOVE

I was in love with your smile
But now I see
What ugly teeth you have
The world
I wanted to put at your feet
But when I bent down,
I was overpowered by the smell
I thought your hair was great
Until I found some of it in my sink
each morning
Your ears I thought were sweet
But now I know you don’t use them to listen
I liked your sweater
Until I realised
You only have the one.
I thought your mouth was sexy
But then you opened it
The thing I liked best was your bum,
But now, my Love,
You can kiss my ass.

Translated by Gabriele Pötscher

 

Daniel Pop

Fraktalia

1.
Millennium

As if manoeuvred
by an invisible hand,
Damocles‘ Sword
oscillates
and cuts
it’s own
filament
and misses the target.
In front of castle doors
Trojan Horses play
the chess-game
of the end of the Millennium.

2.
Exile

Only the birds
fly
over the borders
and escape
from the soundless
but inevitably
closing nets.
Consciousness sinks into
the subconscious.

3.
Concrete Jungle

Weightlessness
in the
skyscraper district
of the City of Cities.
The reason, for the time being,
is unclear.
We’re floating happy
among luck-bringing
chimney-sweeps
from one building
to another.
Nowhere is the morning so golden
as here, in the park of
concrete-glass-steel fantasy.
A small stone
inclines
the steeply rising semiconductor ladder.
Slowly but concrete … again …
gravitation.

4.
Alter Ego

Day by day
my Lyrical Self
is experiencing
an inner splitting
that I like.
Somewhere (inside)
I vaguely suspect
the existence
of symbolic interactions,
the inflection points
of coupled ideas
and the discreet conflict
between will
and power of imagination.
Eigenvalue and self
are searching and scanning
interior landscapes for the profile
of the appropriate Non-self.

5.
Jugendstil

The mysterious world of plants
donates chlorophyll
to free lizards
whose lilac joy of life
is vital
for the speedy curved,
in their own shell-house prohibited,
snails.

published in „Zeitriss“

6.
Where Do You Go?

Circles and spheres
Balls and wheels
Don Quichote handicrafts
the mechanism
of the windmill fields.
In the meantime
the Zoo-zone
becomes quiet:
Train stops.
Car stops.
The inner clock of the cells
beats softly midnight.
Only in castle towers
the Gauss-bells ring:
„Attention! Attention!
You are leaving the American Sector.“

7.
Cold War Winterlied

The rough winter wind holds
at the railway station.
Freezing frozen movements
haste
from the tower-blocks
into the departing train.
Departing cars leave behind
splintered zebra crossings.
Above ice-rivers
freezing hydrogen bridges.
As if electrified
Hypnos exercises
his influences
on outer and inner landscapes.

8.
Modern Times Imago

If it makes You happy
then why are You so sad ? A cyclone
circles and whirls
the fate
of all banknotes of this world.
Senseless-absurd,
passing pedestrians
collect
the floating money,
the suspended – flying bills,
the changeable fortune …
Piece by piece
the cosmic Wheel-of-Time
… rolls
through the whole Eternity.
Death died since years.

9.
Far Away From Tipperary

Finally. …
Liberated,
my lonely friend
from the Round Table of Calmness
and of Silence
photographs
the tranquil Infinity Column
of the stars.
Somewhere, much to far,
much to remote,
lie the coloured butterfly gardens
of Tipperary.
Oh, in vain has time no hurry, …
Far Away from Tipperary.

10.
Fractalia

The big molecules of the universe
are playing the
universal football-match-finale
with buckyballs
under niceweatherclouds
with almost infinite
half lives.
The new time-Internet
is connecting the game
all over the space
with life, matter and energy.
Humans and robots
Janus faces and double-stars,
White dwarfs and quasars,
Man – machine interfaces,
all are experiencing
the immense joy of eternal life.

1.
Millennium

Wie von einer
unsichtbaren Hand gelenkt
schwingt das Schwert
des Damokles
und zerschneidet
den eigenen
Pferdehaarfaden
und trifft daneben.
Vor Burgtoren spielen
Trojanische Pferde
das Schachspiel
der Jahrtausendwende.

2.
Exil

Nur die Vögel
fliegen
über die Grenzen
und entkommen
den lautlos
aber unweigerlich
schliessenden Netzen.
Das Bewusstsein sinkt
ins Unterbewusstsein.

3.
Betonwüste

Schwerelosigkeit
im Wolkenkratzerviertel
der Stadt der Städte.
Die Ursache ist vorerst unklar.
Weit und breit
ein feines Chaos.
Glücklich schweben wir
neben glückbringende
Schornsteinfeger
von einem building
zum nächsten Gebäude.
Nirgends ist der Morgen so golden
wie hier, im Park der
Beton-Glas-Stahl Phantasie.
Ein kleiner Stein
neigt leise die Spitze der
steil steigenden Halbleiterleiter.
Langsam doch konkret … wieder …
Gravitation.

4.
Alter Ego

Mein Lyrisches Ich
erfährt
Tag für Tag
eine Spaltung
die ich mag.
Irgendwo (inside)
vermute ich, vag,
die Existenz
symbolischer Interaktionen,
die Inflexionspunkte
gekoppelter Ideen
und den diskreten Konflikt
zwischen
Wille und Vorstellungskraft.
Eigenvalue und self
durchstreifen und durchsuchen
innere Landschaften nach dem Profil
des passenden non-selfs.

5.
Jugendstil

Die geheimnisvolle Welt der Pflanzen
spendet Blattgrün
an freie Eidechsen
deren lila Lebensfreude
für die zügig geschwungenen
im eigenen Haus verbotenen
Schnecken
lebenswichtig ist.

veröffentlicht in „Zeitriss“

6.
Wohin gehst du?

Kreise und Kugeln
Bälle und Räder.
Don Quichote bastelt
am Mechanismus
der Windmühlenfelder.
In der Zoo-Zone
ist inzwischen
alles ruhig geworden:
Zug hält.
Wagen hält.
Die innere Uhr der Zellen
schlägt leise Mitternacht.
Nur in Burgtürmen
läuten die Gauss’schen Glocken:
„Attention! Attention!
You are leaving the American sector.“

7.
Cold War Winterlied

Der rauhe Winterwind hält am Bahnhof.
Gefroren-verfrorene Bewegungen
tummeln sich
aus den Hochhäusern
in den abfahrenden Zug.
Abfahrende Autos hinterlassen
zersplitterte Zebrastreifen.
Über Eisflüsse
frieren Wasserstoffbrücken.
Wie elektrisiert
übt Hypnos
seine Einflüsse
über äussere
und innere Landschaften.

8.
Modern Times Imago

If it makes You happy
then why are You so sad ? Ein Zyklon
kreist und wirbelt
das Schicksal
aller Banknoten dieser Welt.
Sinnlos
sammeln
Passanten
die schwebenden Scheine,
die fliegenden Gelder,
das wandelbare Glück …
Stück für Stück
… rollt
das kosmische Rad der Zeit
durch die ganze Ewigkeit.
Der Tod starb seit Jahren.

9.
Viel zu weit von Tipperary

Endlich. …
Befreit,
fotografiert
mein einsamer Freund
vom runden Tisch der Stille
und des Schweigens
die ruhige Unendlichkeitskolonne
der Sterne.
Irgendwo, viel zu weit,
viel zu fern,
liegen die bunten Schmetterlingsgärten
von Tipperary.
Oh, umsonst sind diese Tage, …
viel zu weit von Tipperary.

10.
Fraktalia

Mit Buckybällen spielen
die grossen Moleküle des Weltalls
das Fussballweltallmeisterschaftsfinale
unter Schönwetterwolken
mit fast unendlich langer
Halbwertszeit.
Das neue Zeitinternet
verbindet das Spiel,
über den ganzen Allraum,
mit Leben, Materie und Energie.
Menschen und Computer,
Abendtänzer und Roboter,
Janusköpfe und Doppelsterne,
Weisse Zwerge und Quasare,
Mensch-Maschine Übergänge,
alle erleben, ab jetzt,
die immense Freude des ewigen Lebens.

Billy Marshall-Stoneking

Bush Poems

Passage

The oldest man in the world wears shoes.
The oldest man in the world has a cowboy hat on his head.
The oldest man in the world speaks to me in English.
He rides in motor cars.
His body: fluid, capable—a perfect shock absorber.
One tooth knocked out in front, a red bandanna tied
around his neck, he names Names
as we bounce over the dirt track in the back
of a four-wheel drive.

‚That tree is a digging stick
left by the giant woman who was looking
for honey ants;
That rock, a dingo’s nose;
There, on the mountain, is the footprint
left by Tjangara on his way to Ulamburra;
Here, the rockhole of Warnampi—very dangerous—
and the cave where the nyi-nyi women escaped
the anger of marapulpa—the spider.
Wati Kutjarra—the two brothers—travelled this way.
There, you can see, one was tired
from too much lovemaking—the mark of his penis
dragging on the ground;
Here, the bodies of the honey ant men
where they crawled from the sand—
no, they are not dead—they keep coming
from the ground, moving toward the water at Warumpi—
it has been like this for many years:
the Dreaming does not end; it is not like the whiteman’s way.
What happened once happens again and again.
This is the Law.
This is the power of the Song.
Through the singing we keep everything alive;
through the songs the spirits keep us alive.‘

The oldest man in the world speaks
to the newest man in the world; my place
less exact than his.
We bump along together in the back of the truck
wearing shoes, belts, underwear.
We speak to each other in English
over the rumble of engine, over the roar of the wheels.
His body: a perfect shock absorber.

Durchfahrt

Der älteste Mensch der Welt trägt Schuhe.
Der älteste Mensch der Welt trägt einen Cowboyhut.
Der älteste Mensch der Welt spricht Englisch mit mir.
Er fährt in Autos.
Sein Körper: beweglich, fähig – ein perfekter Stoßdämpfer.
Einen Vorderzahn ausgebrochen, ein rotes Kopftuch um
seinen Hals gebunden, benennt er Namen
während wir hinten im Geländewagen über die Staubstraße
holpern.

„Der Baum da ist ein Schürfstab
den die riesige Frau zurückgelassen hat, die nach
Honigameisen suchte;
Der Fels, eine Dingo-Nase;
Dort, auf dem Hügel, die Fußspur, die
Tjangara auf seinem Weg nach Ulamburra zurückließ;
Hier das Felsloch von Warnampi – sehr gefährlich –
und die Höhle, wo die Nyi-Nyi Frauen dem Zorn
des Marapulpa – der Spinne – entkamen.
Wati Kutjarra – die zwei Brüder – reisten diesen Weg.
Dort, siehst du, war einer müde
von zuviel Liebesspiel – die Spur seines schleifenden Penis
im Boden;
Hier die Körper der Honigameisenmänner
wo sie aus dem Sand krochen –
nein, die sind nicht tot – sie kommen immer noch
aus dem Boden, ziehen zum Wasser bei Warumpi –
so war es seit vielen Jahren:
die Traumzeit hört nicht auf; es ist nicht wie bei den Weißen.
Was einmal geschah, geschieht immer wieder.
Das ist das Gesetz.
Das ist die Kraft des Traumes.
Durch das Träumen halten wir alles am Leben;
und durch die Träume halten uns die Geister am Leben.“

Der älteste Mensch der Welt spricht
zum jüngsten Menschen der Welt; mein Ort
ist ungenauer als seiner.
Hinten im Wagen rütteln wir hin und her,
tragen Schuhe, Gürtel, Unterkleidung.
Wir sprechen Englisch miteinander
über das Rumpeln des Motors, das Donnern der Räder.
Sein Körper: ein perfekter Stoßdämpfer.

Picture Postcard

the picture on the front
cannot tell you what it is like:
T. gets drunk on Saturday afternoon
and runs down H. (who is three) and
the whole settlement comes
for payback, with nulla-nulla and spear.
the naked woman swinging her crowbar
outside the shop this morning
sings as she swings it round her head:
‚where is my husband? where’s that bastard?‘
in the picture, you can see,
the places I have circled:
the missionary’s house
when M. ran amok because
the devils were attacking en masse,
and the cops came down and
took him to heaven.
and the road, leading into town,
marked with an X,
where S. finished up
with a bullet through his brain.
the landing strip
where the prime minister’s wife exclaimed:
‚the flags, the flags,
where are all the children with the flags?‘
running out of space
wish you were here.

Ansichtskarte

das Bild auf der Vorderseite
gibt keinen Eindruck wie es ist.
T. betrinkt sich am Samstagnachmittag
und überfährt H. (der drei Jahre alt ist) und
die ganze Ansiedlung kommt
Rache zu nehmen, mit Nulla-Nulla und Speer.
die nackte Frau schwingt ihr Brecheisen
morgens vor dem Geschäft
singt als sie es über ihren Kopf schwingt:
„Wo ist mein Mann, wo ist dieser Hund?“
auf der Karte, siehst du,
die eingeringelten Orte:
die Missionsstation
als M. Amok gelaufen ist weil
die Teufel haufenweise angegriffen haben
und die Bullen sind gekommen und
haben ihn zum Himmel geschickt
und die Straße zur Stadt,
gekennzeichnet mit X,
wo S. sein Ende fand
mit einer Kugel im Kopf
das Flugfeld
wo die Frau des Premierministers ausrief:
„die Fahnen, die Fahnen,
wo sind die Kinder mit den Fahnen?“
kein Platz mehr
wünschte du wärst hier

Deutsch von Rudi Krausmann & Gerald Ganglbauer

Margret Kreidl

Zucker, Licht.

Sie hält Tasse und Untertasse in den Händen.
Sie trinkt nicht.
Sie schreit.
Schokolade Schokolade.
Die Tasse ich spreche von der Tasse die Tasse mit dem Rosenmuster die Tasse mit den Rosen die Rosentasse.
Vorsicht sage ich größte Vorsicht.
Sie flüstert. Sie hat ein Stück Zucker in der Hand. Sie steckt das Stück Zucker in den Mund.
Sie hat flache Dinge gern. Sie hat ihre kleinen Eigenheiten.
Sie beißt sich in den Finger. Sie taucht den Finger ins Wasser. Manchmal trägt sie einen Mantel. Einen königsblauen kurzen Mantel einen weißen Minifaltenrock königsblaue Strümpfe.
Sie nimmt das Besteck. Sie ißt. Sie wischt sich die Lippen ab. Sie bestellt zwei Kaffee. Sie kann nicht länger warten. Sie ruft mich an. Sie wird mich wieder anrufen. Ich bringe Blumen mit. Ich küße sie auf die Wangen. Sie ist leicht geschminkt. Sie trägt einen Pullover. Das Telefon läutet. Sie nimmt beim zweiten Läuten ab. Sie hat auf diesen Anruf gewartet. Sie trägt ein Hemd und einen Pullover mit V-Ausschnitt. Sie hat sich die Lippen rot gemacht. Sie raucht viel. Ich ziehe ihr den Pullover über den Kopf und knöpfe das Hemd auf. Sie macht ein Geräusch mit dem Mund.
Sie steht auf. Sie geht hinaus. Sie ist eine Schönheit. Sie geht sehr langsam.
Sie trägt ein kariertes Wollkostüm und blaue Seidenstrümpfe. Sie ist stark geschminkt.
Sie ist vom Bahnhof zurückgekommen. Sie kommt. Sie wird bleiben. Da ist sie. Ich bin glücklich. Sie öffnet die Handtasche. Sie seufzt. Sie hat nicht die Zeit gehabt sich fertig zu schminken. Ich bin gerührt. Sie zittert. Sie läßt mich die Bluse angreifen. Ich bin sehr bewegt. Sie seufzt.
Es hat ja noch Zeit. Es ist ja noch nicht Abend. Es ist ja noch lange nicht Abend. Nein es ist noch lange nicht Abend. Wenn sie kommt ist es Abend. Sie kommt noch nicht. Wenn sie kommt ist es Abend. Ja.
Sie hat sich schön gemacht. Wir haben getanzt. Sie ist aufmerksam. Sie hört zu. Sie ist da. Sie ist gut. Sie schaut mich an. Sie lächelt. Sie ist bewegt. Sie sagt nichts. Sie ist sehr bewegt.
Sie hört zu essen auf. Sie sagt nichts. Sie steht auf. Sie ergreift das Wort. Sie macht eine Pause. Sie setzt sich. Sie macht eine Handbewegung. Eine große Handbewegung.
Sie zieht sich aus. Sie ist glücklich.
Sie öffnet mir. Sie hat eine neue Frisur. Sie hat Falten um die Lippen. Sie spreizt die Hände. Sie zieht das Kleid hoch. Sie hat dicke Beine. Sie leckt sich die Lippen.
Sie will meinen Arm sehen. Sie nimmt meine Hand sie will meinen Arm sehen. Sie schiebt die Ärmel hoch. Sie sieht auf der weißen Haut schwarze Haare. Sie zupft die schwarzen Haare aus. Sie hält meine Hand fest.
Sie hat die Hände hinter dem Rücken. Sie hebt die Schultern und schnalzt mit der Zunge. Sie setzt sich auf das Sofa. Es ist schon spät. Sie sitzt auf dem Sofa. Sie hat den Mund leicht offen.
Sie steht auf. Sie fällt hin.
Sie steht hinter dem Tisch. Sie stützt sich mit den Fingern auf die Tischplatte. Sie hält den Kopf gesenkt.
Sie schreit.
Zucker.
Licht.

Sugar, Light.

She holds a cup and saucer in her hands.
She doesn’t drink.
She cries out.
Chocolate chocolate.
The cup I’m speaking of the cup the cup with the rose pattern the cup with the roses the rose-cup.
Caution I say the greatest caution.
She whispers. She has a piece of sugar in her hand. She sticks the piece of sugar in her mouth.
She ist fond of flat things. She has her little peculiarities. She bites her finger. She dips her finger in the water.
Sometimes she wears a coat. A short royal blue coat a white pleated miniskirt royal blue tights.
She takes the knife and fork. She eats. She wipes her lips. She can’t wait any longer. She calls me. She’s going to call me again. I bring flowers with me. I kiss her on the cheeks. She is lightly made up. She is wearing a pullover. The telephone rings. She picks it up on the second ring. She has waited for this call. She is wearing a shirt and a V-neck pullover. She has made her lips red. She smokes a lot. I pull the pullover over her head and unbutton her shirt. She makes a noise with her mouth.
She stands up. She goes out. She is a beauty. She goes very slowly.
She is wearing a checked woollen suit and blue stockings. She is heavily made up.
She has come back from the station. She is coming. She is going to stay. There she is. I’m happy. She oppens her handbag. She sighs. She hasn’t had time to do her make-up. I am touched. She shivers. She lets me tackle her blouse. I am very moved. She sighs.
There is still time after all. It isn’t yet evening after all. It won’t be evening for a long time after all. No it won’t be evening for a long time. If she comes it’s evening. She isn’t coming yet. If she comes it’s evening. Yes.
She has made herself beautiful. We have danced. She is observant. She listens. She is there. She is good. She looks at me. She smiles. She is moved. She says nothing. She is very moved.
She finishes eating. She says nothing. She stands up. She begins to speak. She pauses. She sits down. She makes a hand movement. A large hand movement.
She undresses. She is happy.
She opens the door to me. She has a new hairstyle. She has wrinkles around her lips. She spreads her hands. She lifts her dress high. She has fat legs. She licks her lips.
She wants to see my arm. She takes my hand she wants to see my arm. She pushes up my sleeves. She sees black hairs on the white skin. She pulls out the black hairs. She holds my hand tightly.
She has her hands behind her back. She raises her shoulders and clicks her tongue. She places herself on the sofa. It’s already late. She is sitting on the sofa. She has her mouth slightly open.
She stands up. She falls down.
She stands behind the table. She supports herself with her fingers on the tabletop. Her head is bowed.
She cries out.
Sugar.
Light.

Working translation by RICHARD BARRETT

Margret Kreidl, born 1964 in Salzburg, is living as a free-lance writer in Vienna. 1991 grant of the Berlin Colliquium; 1993/94 grant of the acdemy Schloß Solitude, Stuttgart; 1994 Reinhard-Priessnitz-Prize, Vienna.
Veröffentlichungen / Publications
„Meine Stimme“ (My Voice), edition gegensätze, Graz 1995;
„Schnelle Schüsse“ (Quick Shots), das fröhliche wohnzimmer, Wien 1996;
„Domino“, Bibliotheka Austriaca, Pik Verlag, Veliko Târnovo 1996;
„Ich bin eine Königin. Auftritte“ (I am a Queen. Appearances), Wieser Verlag, Klagenfurt 1996;
„In allen Einzelheiten. Katalog“, Ritter Verlag, Klagenfurt 1998.
Aufführungen / Performances
1990 „Asilomar. Revue“, fabrik, Graz;
1992 „Auf die Plätze. Sportlerdrama“, (Get to your Marks. A Sportmen’s Play) municipal theatre Koblenz;
1993 „Halbe Halbe. Ein Stück“, (Fifty Fifty. A Piece of Theatre) forum stadtpark theater, Graz; Radioplay ORF 1993;
1994 „Unter Wasser. 5 Akte“, (Under Water. 5 Acts) Volkstheater Vienna; German première Schloß Solitude, Stuttgart;
1996 „Reiten. Ein Hörspiel“, (Horse-Riding. Radioplay) ORF; Right of performance: Rowohlt Theater-Verlag, Reinbek bei Hamburg.
1997 „Dankbare Frauen. Komödie“, Postfuhramt Berlin-Mitte.

Richard Tipping

Poetry is …/Dichtung ist …

Mangoes

mangoes are not cigarettes
mangoes are fleshy skinful passionate fruits
mangoes are hungry to be sucked
mangoes are glad to be stuck in the teeth
mangoes like slush & kissing

mangoes are not filter tipped
mangoes are idiosyncratic seasonal seducers
mangoes are worse than adams apple
mangoes are what parents & parliaments warn against
mangoes like making rude noises

mangoes are not extra mild
mangoes are greedy delicious tongueteasers
mangoes are violently soft
mangoes are fibrous intestinal lovebites
mangoes like beginning once again

mangoes are not cigarettes
mangoes are tangible sensual intelligence
mangoes are debauched antisocialites
mangoes are a positive good in the world
mangoes like poetry

Mangos

Mangos sind keine Zigaretten
Mangos sind fleischig pralle leidenschaftliche Früchte
Mangos  wollen ausgesaugt werden
Mangos sind froh zwischen den Zähnen steckenzubleiben
Mangos mögen Kitsch & Küsse

Mangos haben keinen Filter
Mangos sind eigenartige saisonbedingte Verführer
Mangos sind schlimmer als Adamsäpfel
Mangos sind wovor Eltern & Parlamente warnen
Mangos mögen Geschmatze

Mangos sind nicht extra mild
Mangos sind gierige köstliche Gaumenreizer
Mangos sind gewaltsam zart
Mangos sind fasrige innerliche Knutschflecke
Mangos beginnen gern von vorne

Mangos sind keine Zigaretten
Mangos sind handfeste sinnliche Nachrichten
Mangos sind zügellose Gegner der feinen Gesellschaft
Mangos sind unzweifelhaft Gutes auf der Welt
Mangos lieben die Poesie

Deutsch von Rudi Krausmann & Gerald Ganglbauer
* Danger, australisches Gefahrenzeichen

Petra Ganglbauer

Fallen Faces & a nose

Die Umgebung des Augs sieht
die Dinge scharf und wahrscheinlich:
Etwas geht auf/ zum Beispiel also:
dicht am Holz riechen* wir
und erkennen dabei:
„Das Verdunkeln vertieft lichterloh

*olfaktorischer reiz unterschiedlichen ausmaßes, je nach baumart, z.b.: buche, esche, birke, zypresse, linde, platane, lärche etc.

 

 

The eye’s surrounding watches
the things focussed and probably:
Something shoots/ for instance:
close to the wood we smell*
and therefore learn:
„The darkening deepens to be ablaze

*olfactory stimulus of different degree, depending on the kind of tree, eg.: beech, ash-tree, birch, cypress, lime, plane tree, larch and so forth

Translated by Gerald Ganglbauer

Ruark Lewis

Banalities/Banalitäten

Quick Additions
Schnelle Bemerkungen

  • Find me a modest book?
    Gibt es ein bescheidenes Buch?
  • King Kong was caught in New York, Madrid and Lisbon
    King Kong ist in New York, Madrid und Lissabon gesichtet worden
  • Europeans solicit alms
    Europäer betteln um Almosen
  • Leaders in religion who hollow horns, work wonders
    Ins Horn blasende Religionsführer wirken Wunder
  • A firm agreement is declared to be true
    Eine feste Abmachung muss wahr sein
  • A would-be peacemaker calls for options
    Ein Möchtegern-Friedensstifter fordert Alternativen
  • An early shipbuilder at hand
    Ein früher Schiffsbauer zur Hand
  • Military activities are swelling
    Militäraktionen sind am anschwellen
  • With soil man contrives to show his beauty
    Durch Grund und Boden versteht der Mann seine Schönheit darzustellen
  • The drunkards finished off their cosmetic treatment in a car
    Die Betrunkenen vervollständigten ihr Makeup im Auto
  • Earth promises to pay in full
    Die Erde verspricht ergiebige Ernte
  • Girls who get involved with men are troublemakers
    Mädchen, die sich mit Männern einlassen, sind Unruhestifter
  • Drink narrates old men
    Trinken macht alte Männer gesprächig
  • She blew from her tower
    Sie wurde von ihrem Turm gestossen
  • Humming without skill in unaccompanied singing is a bone of contention
    Laienhaftes Summen zu unbegleitetem Gesang ist eine strittige Angelegenheit
  • I caught sight of steam yachts going round in oceans
    Ich habe Dampfjachten in den Meeren erspäht
  • He did his best but always operated inside one degree of error
    Ovwohl er sein Bestes tat, war aber immer in einer kleinen Fehlerzone
  • Mother never wore anything beneath her garments
    Mutter hat unter den Röcken nie etwas getragen
  • Expensive metal ships
    Schiffe aus Metall sind teuer
  • As the level of noise intensifies our interests disintegrate
    Mit zunehmender Lautstärke sinken unsere Interessen
  • A small part of the journey is over
    Ein kleiner Teil der Reise ist vorüber
  • An amended page with little woollen checked specks
    Eine Seite, ergänzt mit kleinen wollartigen Sprenkel
  • To a large extent, his was an important role
    Im Großen und Ganzen erfüllte er eine wichtige Rolle
  • To extend the page*
    Die Seite erweitern*
  • In the door, such visionary projects are founded. In French
    In der Tür sind weitblickende Projekte entstanden. Auf französisch
  • Compare China to a bit of iron
    Vergleiche China mit einem Stück Eisen
  • A work done by Lewis always offers the key support
    Werke von Lewis bieten immer maßgebliche Hilfe
  • Performing a daily theory at any rate
    Um jeden Preis täglich eine neue Theorie

Notes/Bemerkungen

* In pursuit of terrain
* Um Boden zu gewinnen

 

Some Additions
Weitere Bemerkungen

  • Most Italian labyrinths surround the market place
    Die meisten italienischen Labyrinthe umgeben den Marktplatz
  • At all times we fasten onto money
    Wir halten uns immer am Geld fest
  • A singing holiday in spring
    Singende Ferien im Frühling
  • Literal suicide
    Buchstäblicher Selbstmord
  • The new drives women
    Das Neue bewegt die Frauen
  • A sudden rise in trouble brings foreign money to the bank
    Ein plötzlicher Anstieg der Unruhe bringt ausländisches Geld in die Bank
  • A half-witted mob accepts a liar as priest
    Schwachsinniges Volk läßt einen Lügner Priester sein
  • In a place of worship she uttered her cry of triumph
    In einer Kultstätte stieß sie ihren Triumpfschrei aus
  • Calm added to the Latin mass
    Stille war eine Bereicherung der lateinischen Messe
  • Each nipple-flute lay flat, but it never was completed
    Jede Nippelflöte lag flach, aber es wurde nie vollendet
  • That weary way, all embracing with methods has set the curtains aflame
    Diese müde Art, alles methodisch zu erklären, hat die Vorhänge in Brand gesetzt
  • She goes on cosy retreats
    Sie sucht sich gemütliche Schlupfwinkel
  • Man of honour. A man of hours. The man-of-war. Left is a man in the dark
    Ehrenmann. Mann der Stunde. Der Krieger. Zurück bleibt ein Mann im Dunkeln
  • When you apply for the fabled minestrone, all becomes clear
    Wenn du dir die sagenhafte Minestrone bestellst, wird alles klar
  • Watch the nest
    Pass aufs Nest auf
  • Return the gold
    Gib das Gold zurück
  • With boundless energy he painted away
    Mit ungezähmter Kraft malte er weiter
  • A very small pong
    Hier stinkt’s ein bißchen
  • At last, a friendly person, in a friendly house in a friendly country, in this friendly world of ours that seems always to be getting better
    Endlich, eine freundliche Person in einem freundlichen Haus eines freundlichen Landes auf unserer freundlichen Welt, die immer noch besser wird
  • Islands to an extent, stink
    Inseln stinken in gewissem Maß
  • He broadcasts rubbish
    Er verbreitet Unsinn
  • A selective person in a selective world
    Eine wählerische Person in einer wählerischen Welt
  • Is a secretive person?
    Er/sie kann ein Geheimnis für sich behalten?
  • First-class served-up on sidewalks
    Erstklassiges auf Gehsteigen serviert
  • Violent women once stormed New York
    New York wurde einst von gewaltsamen Frauen erobert
  • Misuse the muse on a blade in the rock
    Mißbrauche die Muse auf einer Klinge im Felsen
  • Our music is a new source
    Unsere Musik ist eine neue Quelle
  • Careful, and consider, please how much planning has been done before you return to your desk
    Sei vorsichtig und bedenke, wieviel in Planung investiert wurde, bevor du wieder von vorne anfängst
  • When I press the button I fart orally I think
    Wenn ich den Knopf drücke, furze ich oral, denke ich
  • A Socratic person
    Eine sokratische Person
  • Don’t eat English food
    Iß keine englischen Speisen
  • The lobsters carefully consider how they should return to their box
    Die Hummer überlegen genau, wie sie in ihre Schachtel zurückkehren können
  • Bellow
    Gebrüll
  • A statement of intention
    Eine Absichtserklärung
  • The gargling youth knows nothing of love
    Die gurgelnde Jugend weiß nichts von der Liebe
  • The gulf mourn. Urgent. Urgent about an opening plant.
    Der Golf trauert. Nachdrücklich. Nachdrücklich wie eine sprießende Pflanze.

Deutsch von Gerald Ganglbauer und Andrea Bandhauer

Nigel Roberts

In Casablanca for the waters

As Brian Bell said

Naked as –
& today
she is born –
she strokes
the hairy squab / to her
mine of salt diamonds / then
settles / back
to the blue cushions

Wie Brian Bell sagte

Völlig nackt –
& heute
ist sie geboren –
sie streicht
die haarige jungtaube / zu ihrer
salzkristall-grube / dann
lehnt sie sich / zurück
in die blauen kissen

Modigliani nude
but / as Brian Bell
once said
loudly / in Farmers Print Gallery
any crab about / line
texture
or the influence of
african sculpture
completely / evades the fact
that Modigliani
painted her / as
she wished
from her cunt
out.
aber / wie Brian Bell
einmal geräuschvoll
sagte / in Farmers Print Gallery
jeder mist über / linien
struktur
oder den einfluß der
afrikanischen skulptur
weicht völlig / der tatsache aus
dass Modigliani
sie malte / so wie
sie es wünschte
aus ihrer spalte
heraus.
Divider Line
The bed

our world is flat.
this           may be contrary
to       est       opinion       but
a fact                  supported
by four wrought iron legs
& from one of these
a china castor
is missing.

columbus
i seek no new worlds                  i
will remain here
to chart
this isabella’s
coastline.

Das Bett

unsere welt ist flach.
das           mag im gegensatz stehen
zur       etabl       meinung       aber
eine tatsache                  unterstützt
durch vier gußeiserne beine
& wovon einer
einen porzellanfuß
vermisst.

kolumbus
ich suche keine neue welt                  ich
werde hier bleiben
um die küstenlinie
jener isabella
zu zeichnen.

Divider Line

Das Mona Lisa Geschirrtuch

The Mona Lisa tea towel

Not
in the Louvre behind
bullet proof glass
but liberated by
The Tiger Mountain
Tea Towel & Printing Collective
in hommage
to Duchamp
& the dadaist spirit
of the peoples republic
of China –
The Mona Lisa
on linen / printed
as linen / washed
as weathered flag
pegged to the Hills Hoist
upside down.

Das Mona Lisa Geschirrtuch

Nicht
im Louvre hinter
kugelsicherem glas
sondern befreit durch
Das Tiegerberge
Geschirrtuch & Druck Kollektiv
eine huldigung
an Duchamp
& den dadaistischen geist
der volksrepublik
China –
Die Mona Lisa
auf leinen / gedruckt
wie leinen / gewaschen
als wetterfahne
geklemmt an die Wäschespinne
verkehrt herum.

Deutsch von Gerald Ganglbauer