Raoul Eisele

Raoul Eisele

out, out brief candle!

das leben kriecht
schwerfällig
schritt für schritt für schritt
von tag zu tag
zur letzten stunde
schleicht schattengleich
im kerzenschein
in rauchschwaden
ausgelöschter flammen
eines jungen herzens
im narrengewand des gestern
zur unbarmherzigen ewigkeit
des angebrochenen morgen
zum morgen
zum morgen
und wieder morgen
einer endlosen wiederholung
kriechend zum unbedeutenden
idioten
dessen stimme unvernommen
im widerhall
verstummt

 

Name: Raoul Eisele; BA BA
Geburtsort/-Jahr:  1991 in Eisenstadt – lebend in Wien Hernals
Studium: Germanistik BA und Komparatistik BA (abgeschlossen) aktuell Germanistik MA
Veröffentlichungen: why nICHt? Magazin 1-4 (Literaturmagazin der Komparatistik Universität Wien), SYN Nr. 12, Bücherstadt Kurier Nr. 21, mosaik freiVers 14.8.16, silbende Kunst Nr. 14., Fixpoetry, mosaik freiText 11.11.16, Bücherstadt Kurier, Inskriptionen (neue Literatur abseits vom Mainstream);
Textgattungen: Gedichte/Kurzgeschichten

blume (michael johann bauer)

blume (michael johann bauer)

im netz

vergangenheit wie kau-gum-
-mi-t-epi-lepsie
alles zieht sich zuckend
zum anfang zurueck:

schlafzimmer meiner eltern
hier grub acht=bein tabu
fieb’r’xtrem’taet
unb’rech’nbar
drang’n nacht=schreie laermend
bis ran an mein bett
mir war so schweisz=angst
bang zerkaut‘ ich ’s gehirn
& die anderen tuer’n
fuehrt’n kalt=bloesz mich nackt
tief’rer & tief’rer
tief’rer et cetera
in den harm=schwamm=
& schlamm=
=par’lyse=’rinth=wahn

bitte!
bitte hilfe!
das licht geht nicht an!

meine finger so klamm!
ganz gelaehmt lieg‘ ich da
& warte noch d’rauf
dass die spinne
mich frasz

2016_11_chimäre_von blume (michael johann bauer)

fährten folgen, auf begegnungen

manche starben und gaben/all das, was sie besaszen/und ihr handeln hinterliesz spuren/in des handelns spuren/doch dann kamen andere/und die anderen vergaszen/schon woher sie kamen/und ihre spuren mischten/sich unter die spuren anderer/denn als manche worte nahmen/wo ihre wurzeln lagen/hinterliesz ihr handeln/deutlich ihre spuren/und ihre spuren waren wurzeln/anderer gedanken/von anderen anders/wie anderswo/gedacht//

 

blume (michael johann bauer), *29.06.1979 in schrobenhausen; ich lebe in durlach/karlsruhe. habe forstwirtschaft in weihenstephan, freising, studiert und arbeite zurzeit sehr gluecklich in einem kindergarten mit waldpaedagogischem schwerpunkt. poesie, indes, ist mein leben, meine grosze liebe: dies zieht sich stringent durch meinen all=tag.
veroeffentlichungen 
in: novelle, syrinx, dichtungsring, phantastisch!, johnny, keine! delikatessen etc.
 dazu eine autorenausgabe des dosierten lebens mit meinen texten.

Marc Adrian

Foto: Moucle Blackout

Hermann Hendrich
Zu den literarischen arbeiten von Marc Adrian

Wenn wir uns den literarischen arbeiten von Adrian zuwenden, vielleicht ein schmales, aber komplett veröffentlichtes werk mit zwei büchern, einer reihe von kurzen texten, einem theaterstück in kooperation mit anderen [1] und einer bestechenden übersetzung aus dem amerikanischen, sollten wir auch daran denken, wie die offizielle geschichte der literatur, freilich auch der modernen, immer von ihren eingeprägten oder eingebildeten gipfelhöhen ausgeht, und in den häufigsten fällen den ursprünglichen breiten und personenreichen kreativen sumpf partout nicht erkennen will. Freilich sollen die werke für sich sprechen, aber wenn es keine laudatores gibt, diese arbeiten einem breiteren lesepublikum vorzustellen, bleiben sie in den bibliotheken und auf den ikea brettern einiger interessierten intellektuellen stehen.

Eine neue generation von angehenden künstlern, schriftstellern, dichtern, musikern , komponisten, architekten der geburtsjahrgänge um 1930, auch verbunden mit jungen vertretern der sich aus dem rassismus befreienden wissenschaft der völkerkunde, versammelten sich mit beginn der fünfziger jahre in kleinen und größeren gruppierungen; eines der wichtigsten sammelbecken für diese frauen und männer  war der art club in der Wiener innenstadt, der so genannte strohkoffer. Geteilt wurde die ablehnung gegen die an den faschismus angepasste kunsthaltung, es gab informationen über die kunstentwicklung der 30er jahre, die vorher völlig unterdrückt worden waren, und manche künstler und schriftsteller, die quasi untergetaucht überlebten, Gütersloh sei als beispiel genannt, konnten ihre erfahrungen an die junge generation weitergeben. Marc mit seinen 20 jahren sog alles neue in sich auf, und konnte es auch so ordnen, dass es ihm in seinem letztendlich ungebrochenen gestaltungswillen zu diensten kam. Wie er insbesondere den losen kreis der – wie er schreibt – interessierten (Achleitner, Artmann, Bayer, Contreras, Ferra, Kölz, Jelinek, Potzelberger, Wobik, Rühm, Wiener) an den problemen der dichtung, musik und der bildenden künste darstellt, ist aus heutiger sicht von enormen interesse, haben sich doch die künste alle seitdem in ihre eigenen vier wände zurückgezogen. Für diese damalige zeit gibt es zeugnisse von Okopenko, Rühm, und zuletzt von Oswald Wiener, (Zur ausstellung „10 optische Gestaltungen“ im Jänner 1960 in der Galerie junger Generation am Börseplatz lasen Wiener, Rühm und Bayer, und Wiener legte ein blatt mit äusserst interessanten bemerkungen über dieses thema vor, das leider bei uns allen, die an den veranstaltungen teilnahmen, nicht mehr auffindbar ist.

Was hat man sich damals vorgenommen: das schreiben aus dem empfundenen, dem illusionismus, der einladung zum nachverfolgen des schicksals irgendeiner im text beschriebenen person herauszuführen, wie immer geartete andere prinzipien der anordnung von sätzen und wörtern anzunehmen. 1957 beendet Marc die ‚theorie des methodischen inventionismus’, der unter der beteiligung der in seinem atelier in der Oberen Donaustraße häufig anwesenden künstlerkollegen leider erst 1980 in der edition neue texte veröffentlicht werden konnte. Die mit hilfe dieser schreibtechnik geschaffenen texte der jahre von 53 bis 60 sind eben unter dem titel ‚inventionen’ ebendort erschienen. Dazu gehört allerdings auch die haltung sprachliches als material anzusehen, das nicht von augenblicklichen eingebungen gestaltet wird, sondern von einem kalkül.

Freilich hat die mathematische grundlage des „inventionismus“ sowie sein studium der wahrnehmungspsychologie an der UNI Wien neue möglichkeiten für seine bildnerische arbeit und den präzisen schnittprogrammen für seine filme mit sich gebracht.

Mit diesem rüstzeug ausgestattet, zu dem noch die kenntnis der cut-up und montage technik dazu gekommen war, erarbeitete Adrian zwischen 1966 und 69 eine anzahl von kürzeren texten, die in lesungen in verschiedenen galerien von ihm vorgetragen wurden. Leider fanden sie erst wesentlich später zu einer Veröffentlichung, sodass ihre wirkung auf die leseabende beschränkt blieb.

Auf grund aller dieser überlegungen und weiterführenden gedanken war Marc von den in der mitte der 60er jahre beginnenden möglichkeiten des computers fasziniert, auch in seinem filmischen werk hatte er sich damit auseinandergesetzt, nun gab die bekanntschaft mit einem programmierer am IBM und dem ähnlich gesinnten Gottfried Schlemmer die möglichkeit, völlig neue gestaltungen für ein theaterstück, das SYSPOT genannt wurde, auszuprobieren. Für die bühne wurde das stück nur in einer aufführung vom ersten Wiener Lesetheaters erarbeitet, aber in den protokollen 1970 abgedruckt.

Die intensive beschäftigung mit dem werk von Kenneth Patchen, insbesondere dessen meisterwerk Sleepers Awake, das Marc für den März Verlag übersetzte, verschafften ihm noch weiterreichende gestaltungsmöglichkeit. Patchen hatte ja nicht nur die visuelle und konkrete poesie vorausgenommen, sondern auch spezielle techniken der montage entwickelt, viele jahre vor Konrad Bayer. Als ergebnis dieser vielschichtigen anregung dürfen wir die wunschpumpe als die große montagearbeit betrachten, die 1991 erschien.

Wie ich in der vergangenheit einigemale ausführen durfte, hat Adrian in den von ihm meisterlich beherrschten künstlerischen disziplinen sein großes kreatives potenzial einbringen können, und seine neuen gestaltungsmethoden auch weitergeben können, in Cambridge, USA; Hamburg, Stuttgart. Zu erwähnen ist auch, dass er mit seiner aktivität in literarischen, insbesondere in der GAV,  kreisen eine kleine gruppe von dichterInnen  der nächsten generation, unter ihnen Loidl oder Katt befreunden konnte, die sich mit seinen schreibmethoden intensiv auseinandergesetzt hatten.

Als abschluss oder auftrag an uns, die wir kreativ tätig sind:

„wir wirklichkeitsmacher“

wirklichkeit kommt vom wirken, das heißt vom machen.
schon diese herkunft deutet die machbarkeit des wirklichen an.

KONVENTIONEN

wo man hinschaut!
was man
sieht, hört, fühlt,
schmeckt man.
wie lernt man?

man sieht etwas bekanntes und
riecht dazu etwas unbekanntes.

p.e. faules fleisch (bekannt?)
in spiritus (innovation!). (*)

später lernt man dann schnaps trinken
und die grundregeln der bodenpflege
und kennt dann also den spiritus
in- und auswendig.

man hat ihn

GELERNT.

(kombinatorik macht klüger –
oder, jedenfalls, erfahrener.)

all das gelernte zusammen heißt

WIRKLICHKEIT.

natürlich gibt es dabei wichtiges und unwichtiges.
was wichtig ist weiß

DER STAAT

und seine beauftragten. denn sonst gäbe es ja
keine möglichkeit zur

KOMMUNIKATION

und das friedliche zusammenleben der menschen
wäre sehr schwierig.

was wichtig ist, lernt man in der schule

(wo es einem hübsch eingebläut wird, damit
man auch ja die

RICHTIGE WIRKLICHKEIT

innekriegt.)

aber natürlich sind da die lehrer
oft in peinlicher verlegenheit.

(wo sollen sie so viel wirklichkeit
herkriegen, wie sie zum lehren
brauchen?)

daher hat der staat uns,

DIE KÜNSTLER.

wir sind spezialisten für kombinatorik und machen
soviel wirklichkeit, wie gebraucht wird.

aber natürlich wissen wir künstler das nicht
so genau wie der staat und seine beauftragten.
und daher machen wir manchmal auch wirklichkeiten
die man nicht so gut brauchen kann.

(dann schlägt uns der staat züchtig aufs maul.)

DIE WIRKLICHKEITEN

legt der staat in die lade und kramt sie raus,
wenn er dafür eine verwendung hat.

dann bezahlt er die künstler,
wenn sie nicht schon tot sind.

wien, aug. 12/69
(marc adrian)


(*) anmerkung: in diesem konkreten fall handelt es sich um ein konserviertes blutiges menschenhirn im einmachglas in der vitrine der prosektur.

Bezogene Veröffentlichungen:

Adrian. M 1980, vorbemerkung (© 1957) in „marc adrian inventionen“, edition neue texte, Linz 1980

Hendrich H., 1993, ‚Der mehrdimensionale Künstler Marc Adrian’ in BLIMP Filmmagazin, No. 24, Graz 1993, S. 20-21.

Okopenko A. 2000 ‚Die schwierigen Anfänge österreichischer Progressivliteratur nach 1945’ in Andreas Okopenko, Gesammelte Aufsätze, Band 1, Ritter Literatur, Klagenfurt & Wien, 2000, S. 13-38

Rühm G., 1980. nachwort in „marc adrian inventionen“, edition neue texte, Linz 1980

Wiener O., 2015. ‚Anfänge’ in: „Konrad Bayer,: Texte, Bilder, Sounds. Paul Zsolnay Verlag Wien 2015, S. 278-286

Umfassende Information:

marc adrian: Katalog der Neuen Galerie Graz, Hrsg.: Anna Artaker, Peter Weibel. Ritter Verlag Klagenfurt 2007

Marc Adrian: Das filmische Werk, Hrsg.:  Otto Mörth.
Sonderzahl Verlag Wien 1998

aus: IDIOME, Hefte für Neue Prosa Nr. 10.
© 2016 Hermann J. Hendrich

[1] Liste der Publikationen von Marc Adrian

das mammut. ein lehrstück. edition werkstatt breitenbrunn, Breitenbrunn 1969 und in Neues Forum Heft 247/248, Juli/August 1974, s. 30-33 und in: die maschinentexte, Gangan Verlag 1996

SYSPOT (mai – juli 1968)  Zus. mit G. Schlemmer & H. Wegscheider, in protokolle, ’70; Jugend & Volk, Wien 1970 S. 86-96 und in: die maschinentexte, Gangan Verlag 1996

poémes inventionistes, zusammen mit moucle blackout. Siebdrucke Format 295 x 315 mm, Spiralbindung, Hamburg 1972

marc adrian inventionen. nachwort gerhard rühm. edition neue texte © Marc Adrian 1980, ISBN 3-9000292-13-2

Kenneth Patchen: Schläfer erwacht. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Marc Adrian, Originalausgabe: Sleepers Awake 1946, © März Verlag GmbH 1983, ISBN 3-88880-038-2

4 Stücke für John Cage, in Ganganbuch 5, Jahrbuch für zeitgenössische Literatur, Graz/Wien 1988, S. 12-15, ISBN 3-900530-09-2

DIE WUNSCHPUMPE. Eine Wiener Montage. © Gangan Verlag Graz-Wien-Sydney 1991, ISBN 3-900530-18-1 www.gangan.com

scenario für herrn h. in Neues Forum Nr. 452/454, Wien, Juli 1991, S. 57-63 und in: die maschinentexte, Gangan Verlag 1996

bein ade! bade nie. in Linzer Notate Positionen, Blattwerk Linz/wien 1994, S.116-120 und in: die maschinentexte, Gangan Verlag 1996

die maschinentexte (E-Book, online). montagen, textsynthesen, computer generierte texte, permutationen (1966-69), © Marc Adrian & gangan books australia (Raw Cut 1996) www.gangan.com

die maschinentexte (iBooks, download). montagen, textsynthesen, computer generierte texte, permutationen (1966-69), © Marc Adrian & gangan books australia (iBooks 2013) ISBN 978-3-900530-25-9 https://itunes.apple.com/at/book/die-maschinentexte/id777136916?l=en&mt=11

KENNETH PATCHEN und die amerikanische nachkriegsgesellschaft
© 1994 in STRUKTUREN ERZÄHLEN – DIE MODERNE DER TEXTE, Hrsg. Herbert J. Wimmer, edition praesens, Wien 1996, ISBN 3-901126-35-X. S. 33-53 ***

gegen das vergessen, © 2000 Marc Adrian in: fern schwarz
versammlung struktureller texte 1960 bis 2000. Academic Publishers/Graz, 2000, ISBN 3-901519-08-4, S. I bis VII

kurzer versuch einer stelllungnahme zu drei texten von hermann hendrich
© 2005 Marc Adrian in Gesammelte Texte; zehn, bergsommer und andere in Werkauswahl. Edition die Donau hinunter, Wien 2005, ISBN 3-901233-31-8, S. 9 – 20

Veröffentlichungen in der Zeitschrift Freibord:
schotter der erinnerung
in Nr. 20, 1980, S. 64-68
kindsbraut in Nr. 21, 1980, S. 16-18
filmrealität und textrealität
in Nr. 52/52, 1986, S. 7-26
beschreibung einer anwesenheit (Auszug 1966) in Nr. 57, 1987, S. 39-40
die wunschpumpe (Auszug) in Nr. 76, 1991, S. 7-41
frie der… in Nr. 91, 1995, S. 18

Manuskript-Faksimile in „marc adrian, Katalog zur Ausstellung in der Neuen Galerie Graz 2007“ Ritter Verlag Klagenfurt 2007, ISBN 978-3-85415-412-9

Diverse Manuskripte im Literaturarchiv der Österr. Nationalbibliothek

Monika Graf

vier atemzüge liebe

I

eines nachts
wird
meine liebe sich
behutsam
über dich beugen
und
ihren körper in
deinem
atemrhythmus
hin und her bewegen
und
mit geschlossenen augen lächeln

II

deine wärme
kommt
wie sanfte wellen
über mich
und
mein bauch,
die dunkle sonne,
beginnt
zu strahlen

III

einmal
wenn du schläfst
werde ich
dich
mit rosenblättern bedecken
und
auf die augen,
mein reh,
lege ich einen
mondstrahl
so schön
wie der tiefe
nachthimmel

IV

gute nacht
sagen
unsere körper zueinander
und
lächeln sich an
in der
wohlvertrauten abwesenheit
des lichts
presst sich deine
seele
übermutig
an meine
und
der ausgelassene
reigen
der unwissend
unschuldigen
steigt empor
in das
dunkle
unbegrenzte

feucht schimmert der tau
in den
baumkronen

Philipp Arno Vajda

Texte f. Neurotiker

Blauer Stahl im Leib damals träumte ich noch japanische Wälder aber heute stille Zufriedenheit bei Suppe & Wein wurzelloses Vornübersacken bei zuviel Alkohol danach Stunden bohrenden Schmerzens aber immer wieder Flucht in farbige Dünste Räusche & Spelunken Herzsehnsucht Sucht nach Frauen Frauenkörpern in die Nacht geschrien morgens farblose Abschiede mitunter gekünsteltes Kaffeemaschinengeplauder leichtlebig in den Tag hinein Erinnerungen fragmenthaft überzüchtet verdreht & der Geruch dieser Duft an den Fingern verklärte Gespräche die Liebe weit weg am Mond vielleicht oder sogar noch weiter was weiß ich…
doch dann das Gefühl einer Endlosigkeit eines sich Entfernens während Spaziergängen im Nebel schnell eine Bierdose gekauft im Supermarkt & Leute beobachtet wie sie stehen wie sie gehen wie sie ihren Geschäften nacheilen traurige Frau mit Krückstöcken jetzt Blicken ausweichend verneinend dann doch froh ein Lied gesummt & zu Dächern hochgeblickt in den Himmel unwichtig Zeit oder Ähnliches was zählt sind Situationen klare Dinge aus Glas oder Luft auf jedenfall durchsichtig & spürbar & wenn nicht sind wir alle arm dran ohne Ausnahme jadoch denn uns selbst an der Nase herumzuführen sind wir uns doch zu stolz zu erwachsen macht nichts Hauptsache viel Geld oder zuwenig je nachdem aber das interessiert mich eigentlich nicht möchte lieber in deine Augen schauen & irgendetwas sagen muß nicht viel Sinn haben aber nett soll es sein & darauf kannst du Gift nehmen hi hi ich sage nie etwas umsonst auch wenn es vielleicht so aussieht als wäre es Blödsinn du weißt ja…


Niemand kennt das Ende alle lachen schmunzeln verziehen das Gesicht wenn du das Messer an deinen Leib hältst wo ist die Katastrophe fragen sie wo der dunkle Abgrund?
Bist du traurig stimmt was nicht hat dich deine Frau verlassen? Verdammt sie wissen nichts sie haben keine Ahnung sie tappen im Dunkeln halten dir die Faust vor die Nase ich könnte sie zerkratzen mich zerkratzen…


Vergangenheit längst festgefressen in Erinnerung quillt hervor breitet sich aus wie ein stinkender See milchig giftig Einzelheiten aus Erlebten als tote Fische mit dem Bauch nach oben früher Nahrung jetzt verwesendes Fleisch fahlgrün angesichts dessen tanzte ich die Schlange & das Gefühl Wasser zu lassen Wortfaserungen gegenseitig aufgehalst wie schäbige Mäntel & beschissenes Gefühl darunter nackt zu sein eindringen in Augen als wären sie Eingänge zu Silberbergwerken sektüberströmt die Kuppen der Finger geliebt Bauch berührt da sage ich nichts denke an vertrocknete Haut später Geigenspiel vor Schulkameraden im Kamelhaarmantel & rhythmische Stiefel ein Pizzicato mit wiegenden Oberkörper die Vierwände stürzen zusammen & bereiten sagenhafte Stunden nicht mehr bewegen wollen siehe Oblomov Schleimtage & Schlaf säureartig das Gehirn zersetzt durch Paranoia & dann langsames Aufatmen in scheinbar glücklichen Stunden bei stromlosen Licht & beginnender Kälte regungslos Kugelschreiber nur Gedankentümpel stehendes Gewässer Algenkolonien Schlamm & Schilf unter schwerer Sonne fiebrige Luft erzeugt Flimmern vor den Augen Insektengewirr da ein Rascheln & schreiende Vögel sich nähernde Schritte dann Stille wach jetzt das Säuseln des Ofens & die zuerst gedacht und dann wirklich geschlagene Tür fernes Rauschen Motorengeräusch…


Sato Sato schon seit Tagen trage ich diese komischen Worte in mir herum weiß nicht was sie bedeuten Sato Sato maybe i’ll eat all the children if they wouldn’t be good good night good night ich weiß nicht lieber noch ein Glas Rotwein weil es kälter wird & der Herbst schon vor der Türe steht ich fahre nicht mehr nach Amerika ist mir Gestern in den Sinn gekommen & meine Liebste lasse ich keine Schmerzen fühlen mein Herz hängt an ihr wie ein aufgeblasener Luftballon am Gartenzaun demnächst gehe ich in den Wald Beeren pflücken wenn es noch welche gibt bin so uninformiert seit Jahren war ich nicht im Wald Beeren pflücken genaugenommen ist es fast zwanzig Jahre her das letzte Mal es waren Heidelbeeren soweit ich mich erinnere & beim Heimfahren stürzte ich mit dem Rad schwer & zerdrückte alle Beeren seltsam mein Hemd Blut & Heidelbeermus schöne Farben doch mein Schmerz & meine Angst & der Verlust waren größer als heute nach zwanzig Jahren manieristische Betrachtungen über Schönheit was Farben betrifft…


Partytiger Killer Zeit bringt mich zusammen mit alten Gesichtern mit altem Charme & dennoch böse & ungeküsst sprichst Sprachen vielfältig einfältig Witze Humor Lachen aus der Nierengegend roter Wein hinüber in alte Melancholie Wehmut Sehnsucht stille Freude lächeln wie damals letzter Winter war eine Idylle noch heute frisst der Geist kleine Stücke unzerkaut wo immer ich stehe der Stand der Dinge rücksichtslos gegen romantisches Geschnatter wo stehe ich wer bin ich hier wer sind die Leute?
In einer Zeit wie dieser schon viel älter & man sagt mir einsichtiger was ich glauben kann oder nicht ich spiele mich damit ich weiß nicht so recht auf jedenfall gefällt mit die Strahlung das Wesen das Herz & mit althergebrachten Sprachekörper wird oder will ich die Vergangenheit retten hinüberretten in den neuen Tag in die neuen Tage…


Selbstgefälliger Prinz narkotischen Ausmaßes weiland die Herrschaft eines kleinen Reiches nämlich jenes unter der Schädeldecke verloren Worte lallend unzeitgemäß doch Funken sprühend mal dies mal das schnell noch ein Glas Wein heute Rotwein wie in den Wintern vor vielen Jahren viel deshalb weil noch nicht so alt & schon einige Jahre sagen wir fünf viel sind damals Zigarillo rauchend in bunten Lokalen huh sieh diese Frau huh was für Augen huh & in der Tasche ein kleiner Talisman der alle bezaubert…


All die Jahre Stirngerunzel & die Frage wo war ich nur die ganze Zeit? Alles vergessen war nie Irgendwo vielleicht habe ich auch nur geschlafen Träume tragen soweit weg wir leben auf einem Stern immer wieder mitten im Dschungel ich werde mich zur Erde madonnen mit einem Regen aus Nägel & Wolken voller Sehnsucht & Gift zweitausend Rollen Jesus nachts sehe ich dich gekreuzigt voller Mitleid ein mildes Lächeln schenk mir dein Herz eine Rose geheiligte Erde wo war ich nur?
Gern hätte ich eine luxuriöse silberfarbene Himmelfahrt du mein Liftboy erleuchtet über allen Dingen das Haupt im hellen Schein gekleidet in unbegreifliches Weiß keine Schweißflecken keine Schuhe blutende Hände nicht die Spur nichteinmal einen üblen Atem oh Gottheit oh heiliges Wunder oh Herr reden wir mal über Apollinaire’s Kopfschuß oder Rimbaud’s „Eine Zeit in der Hölle“ mitten in Paraguay ist dein Staat entstanden fünfundzwanzig Rutenschläge für den Ungehorsam liebliche Nackte mit einer großen Ehrfurcht vor Zeremonien & ich Haufen Elend schon tausendmal erfroren ich Polarforscher ohne Pol ich Mörder ohne Toten ich Schmerz ohne Wurzel ich Unwürdiger ohne Würde lege Hand auf oh göttlicher Himmelfahrer umfasse meinen Kopf & befreie mich & vergebe mir meine ungebeteten Gebete meine Flüche meinen Zorn auch meine staubige Ungeduld…


Komm heraus Teufel du feiges Schwein ich werde beschimpft als Arschloch & mein Herz explodiert aber he! he! nicht für dich nein nicht für dich & wenn ich auch in Stücke fliegen sollte ich mache dir diese Freude nicht ich tue es im Stillen so das du es nur spürst also nicht hörst denn eines Tages stehst du vor einem zertrümmerten Körper einem zerschlagenen Körper & da möchte ich dich sehen deine Augen sehen weißt du der Schmerz ist in mir & ich werde ihn vervielfältigen werde ihn sich multiplizieren lassen & sind unsere Glieder einmal müde & unser Blick fahl werde ich da stehen & zumindest lächeln auf jedenfall lächeln…


Kein Gesicht aber einen Vater aus tausend Sonnen damals warst du nicht allein hast Felsen erstiegen aus purer Lebensfreude ja dein Vater aus tausend Sonnen du konntest gar nicht anders warst angekettet an ihn gefesselt aber vielleicht hattest du keine Lust dich loszureißen gab es doch so viele Möglichkeiten & soviele Dinge zu erledigen die große Neugier sah man dir an du warst der Flut der Dinge ausgesetzt & immerfort fielen dir neue Sachen ein aber jetzt wo du älter bist & stiller & dein Sonnenvater nur noch an seltenen Tagen die Leuchtkraft von Früher erlangt bemerkt man die Furchen die Trockenheit in deinem Gesicht die sich immer mehr abzuzeichnen beginnt & als du dich tagelang versteckt hieltst vielleicht in deiner Kammer vielleicht im Wald du hast es nie gesagt & als du dann wieder da warst sah man deine Augen leuchten wie kleine zornige Sterne ich erschrak wie du weißt & wagte nicht nach dem Grund zu fragen & tat ich den Mund auf sahst du mich so eigenartig an später als dein Vater verlosch verstand ich dich überhaupt nicht mehr du warst mir unheimlich richtig unheimlich…


Kreislaufgeknister & hebe ich den Fuß bietet mir schwankend verzerrt der Gang die Stirn mühevoll bewege ich mich vorwärts mit Gedanken in Rosenschaum gebettet meine Heimat ist die Flucht die Schwere der Worte & der Blitz ins Herz ich sehe über die Dächer der Häuser in nebelige Ferne & spüre diese quälende nicht näher definierbare Sehnsucht mein Atem geht flach bei all dem Gewicht dieser Verlorenheit & weiter kann ich nicht kommen alles einerlei Freud & Leid keine Höhen keine Tiefen was zählt ist das Hintersichlassen…
Eingepfercht in endlos sich wiederholenden Situationen weder vor noch zurück nur ein Stehenbleiben krampfhaft der Zeit ausgeliefert rosige Münder nur noch im Kopf & dann nur mehr als kleiner geiler Augenblick der sich nie verwirklicht keine Lehren an die man glaubt nur traurige Köpfe dem Alkohol ergeben mit scheuen Blicken ohne Mut…


Regen Regen regengrau mich fröstelt beim Einkaufen überkam mich jenes Gefühl & jetzt Abend brr mit Sherry & leeren Räumen Energie aus dem Inneren holend kleine Verzweiflung doch dann das Telephon & du du du deine Stimme ich weiß nun ich bin nicht allein man muß nur den richtigen Konsens herstellen zwischen Innen & Außen & Außen & Innen Henry Miller gelesen in der Badewanne wie wahr & ehrlich i will kill time before time kills me nur ja keine Urteile keine Äußerungen Vorsicht! überall kleine Körperspione Seismographen des Gefühls versteckter Brechreiz & Pelz auf der Zunge momentane Unausgegorenheit oder auch nur ein unwesentlicher Verschub seelischer Wahrnehmungen aber Eines ist sicher der Alkoholkonsum fängt scheinbar unmerklich zu steigen an aber ja die Seismographen sind tätig beziehungsweise vorhanden so fällt es auf & das Lachen bekommt einen nervösen Unterton so wie Früher als sich Krisen abzuzeichnen begannen Hoppla! nicht schon wieder die Vergangenheit als Maßstab heranziehen Entwicklung ja lassen wir die Dinge sich doch entwickeln schön aber wäre da nicht diese nicht vom Platz zu weisende Angst die sich unermüdlich & beständig hineingräbt wie ein Wurm ohne sein Ziel zu verraten gewissermaßen wie ein Nagel am falschen Platz doch heute wollen wir still sein & das besorgte Gemüt in Ruhe lassen nur ein bißchen ruhen lassen Später werden wir ja sehen später…


Fortgeschrittene Analyse du quälendes Monster Stück für Stück herausgerissen aus dem zerschundenem Leib geborstene Seele Hilfeschrei nächtens in leere Räume echohallend zerwühlte Betten auf & nieder stöhnende Sexualität ohne Hintergrund ohne Wahrheit tausend Lügen direkt ins Gesicht gestöhnt zärtliches Augenglimmen your bullet got my name on it & immer wieder Fragen Überprüfungen immer wieder kleine Geschichten kleine Korrekturen des Lebens Neurosenbehausung ziehende Gefühle gegen die Menschheit gegen das Leben Erinnerungstraumschlösser mit den besten Menschen den besten Situationen & allein Pornofilmmasturbation Sehnsucht die stinkt eklig & faul hinter dem Mond die wahre Zärtlichkeit begraben vergraben bröckelnde Körpersubstanz alles Lüge…


Schüttel mich Engel des Staubes verdammte Brut schon viel zu lange der Gleichmütigkeit ergeben Heia Explosion! rote Fäden im Gehirn durch dunkle schwarze ersetzt auch egal ich befinde mich am Rand des aussprechbaren Unaussprechbaren wie auch immer möchte lieber verliebt sein teuflisch verliebt als so ein ödes Glas Bier zu trinken heute sage ich mir geht es noch doch Morgen nicht mehr so ist das nun einmal ich wette kein noch so verdammter Faden spinnt sich länger als eine Umdrehung & so das Leben am Ende Asche & Staub zu Asche & Staub…


Vergessen vergessen vergessen da gibt es das Sterben das kleine im Herzen bevor es aufhört zu schlagen wohin treibt es mich? ich spüre ein Ziehen in dieses elende Leben verdrehtes elendes Leben was nützt es zu sprechen was nützt es zu zeigen was nützt es von Dingen zu wissen? kleine Tode die das Leben durchbohren…


Wieder diese Ha Ha Stimmung seit Tagen verfolgt von den roten Lippen dieser Frau der Frau zwei Stock höher schmale Lippen Holundergestrüpp die Beine knochig die Scham die Lust die Zunge oh hole mir noch ein Bier aus dem Kühlschrank Regenwetter & Vorstöße hin zu den Büchern den stillen Worten die lange warten können aber sind sie gelesen so bleiben sie im Kopf & ich hier kein Löwe kein reißendes Tier nur glatte Sehnsucht Einbahn- Gedanken schmerzloses Älterwerden im Rausch der Sekunden & Vergangenheit so weit so fern so gar nicht mehr wahr Gerüche aus der Zeit nein nein nein ich kann sie nicht nennen täglich wasche ich mir die Hände & alles gleitet mir durch die Finger ja da ist Zufriedenheit so blaß wo ist die Liebe fragt das Kind Häuser grau wie eh & je wir gehen immer noch den selben Weg nach Hause möglicherweise Vorzeichen geändert Adresse neu…
Kann keine Romane schreiben wie Balzac oder all die anderen Namen doch führt mein Auge mir den Tod auch vor den Schmerz die verdichtete Wahrheit die Poesie die stinkende erdige Poesie sowie das Leben die Sünden die Gesichter & die Ängste ich sah meinen Großvater sterben im Zug als Wolkengebilde als sich spiegelndes Licht & ich wußte es war geschehen doch keine Trauer nur Gewißheit & die Nächte die ich durch fremde Städte strich im Rausch immer dem Moment nahe Vergangenheit Erinnern Älterwerden Zerfall sind Dinge die mich beschäftigen schon seit langem schon seit langem…


Warten & Schweigen tausend Sonnen Hitze heute schwer die Last dieses Tages & noch immer kein Brief von dir noch immer keine Berührbarkeit in Persona habe getrunken geplaudert die Zeit vertan & dennoch ein Gefühl erlangt so verquer wie ich liebe dich verkehrtherum bin im Kreis gelaufen die letzten Tage puh diese Affenhitze Herbst ist mir eindeutig lieber obwohl da die Mädchen ihren Körper wieder züchtig bedecken jeder weiß es ist die Kälte weil züchtig sind sie noch alleweil würde gern etwas aufwühlendes lesen oder tun aber so lasse ich die Zeit verrinnen die ohnehin stockend vergeht ohne dich sind die Tage wirklich gleichförmig das heißt ich empfinde sie fast immer gleich weil sinnlos was eventuell ein Kompliment für dich sein soll du kannst es nehmen wie du willst oder Angst kriegen bin so anhänglich so klebrig wie der Schweiß der sich in meine Kleider saugt aber nein nein ist alles halb so schlimm ich versuch mich einfach irgendwie nützlich zu machen das Badezimmer schiller schiller blankgeputzt wenn du wiederkommst möchte ich dass du dich freust auch wenn es nur zur Hälfte für dich ist denn den Dreck halte ich selbst nicht lange aus was soll’s…


Das gemalte Wort güldern im Sonnenlicht heißt es Liebe wenn der Frieden da ist in dir in mir in uns allen aber stop keine Trivialphilosophie nein nur eine Sehnsucht irgendeine unter vielen & ich sah dich ins Flugzeug steigen Aeroplane sagen manche älteren Leute & bald darauf warst du in den Wolken ja du & das Einzige was ich hörte war ein sich entfernendes Geräusch vorher Wein im Restaurant & das Kreischen & Lachen der Kinder du jetzt in der Ferne einen anderen Mann um dich auch wenn meine Liebe dich so erreicht hätte wie ich es mir vorstellte so warst du trotzdem immer eine Fremde die ich zwar oft aus der Nähe sah doch das ist eigentlich egal seit du dich zurückgezogen hast & meine Anrufe kühl zu beenden versuchtest ich frage mich erinnert sich denn niemand an das goldenene Zeitalter vorallem du an die Nächte voller Rausch & Glut an die Vielzahl der Eindrücke an unsere leidenschaftlichen Körper manchmal sah ich schon den Teufel lachen & seine heiße Hand nach uns ausstrecken ja nach uns nicht nur nach mir & außerdem übe ich mich seit kurzem im Kleinerwerden sodass ich vielleicht einmal durch die Ritzen deiner Tür kriechen kann & wer weiß vielleicht lerne ich sogar fliegen so wie das in Träumen möglich ist…


Schreie in der Nacht & nach unruhigem Schlaf nun erwacht blicke ich mit zittrigen Augen auf deinen Körper & wünsche ihn mir tausend Meilen weit weg das grausame Spiel war zu Ende gebracht & mein Samen fiel auf die Erde & mein Rücken voller Schmerz die Wunden die du mir zugefügt hast leuchten im Spiegel als rote Zeichen & ich kann dich nicht mehr atmen hören nicht so nah weil mein Rachen eine Wüste ist & mein Kopf ein versteinerter Wald wo die Borkenkäfer unserer Liebe jeden Baum jeden Strauch ja jedes Gewächs zum Absterben gebracht haben & die Liegstatt der Liebe ein Platz zum Sterben geworden ist ohne Leben ohne Hoffnung darauf…


Die Kleinheit dieser Tage saugt an meinem Gewissen wo sich hinwenden wann die Hand ausstrecken warum den Kopf beugen?
Ich schlürfe die Stunden gebe mich fröhlich unbeschwert doch nagt der Tod an den Gebeinen wie ein Wurm der sich als Parasit eingeschlichen hat noch heute Nacht will ich tausend Nutten ficken oder eine Frau die sich aus Liebe & Verlangen hingibt doch stehe ich da wie ein Mörder ein Verbrecher mit glasigem Blick mechanische Handlungen Roboterzeit & Vergewaltigung im Nebenzimmer mit oder ohne Gestöhn je nach dem & immer wieder diese Schulmädchenerinnerung die mich nervt mich quält mir die Haare zu Berge stehen lässt sag bitte nichts fahr mir bitte nicht durchs Haar lass mich bitte nicht dein Mitleid spüren weil ich fand dich nicht reizend ich fand dich nicht schön & meine Schmerzen habe ich selbst nie verstanden doch ich wollte durchblicken sehen durchschauen können aber allein die Angst in einem Raum eingesperrt zu sein macht mich rasend & in der Folge mutlos & apathisch schlimm ist es die Sehnsucht auszustrahlen & dann zerstückelt wiederzufinden was sind das für Ängste wie sind meine Gedanken beschaffen? Könnte ich dieses Unbestimmte nur irgendwie loswerden was weiß ich neue Tage brechen heran neue Stunden schlimm ist man setzt dem etwas entgegen nämlich Zeit & Älterwerden…


Tage vergehen Schnee im Herzen Staub im Hirn mich fröstelt beim Gedanken an die kürzer werdenden Tage doch ist es manchmal der Biss der Zeit egal ich denke nicht an fragwürdige Dinge nicht absichtlich doch beschäftigen sie mich glaube fast mein Leben sei eine vorherbestimmte Sache auch zusammen mit kalten Wintern & bisweilen unangenehmen Sommern wo es schwerfällt auf die Straße zu gehen & besser im verdunkeltem Raum zu sitzen oder zu schlafen ja viel besser & die Biere die da hinuntergekippt werden nicht ohne Wirkung aber vordergründig wegen dem Durst in der Hitze ich war einmal ganz spätabends an der Ecke wo all die Leute nachts stehen & ihr Geld zehnmal zählen bevor sie es ausgeben ich sah ihre Augen ihre schwarzen Münder & ich ein biederer Beamter wenns gefällt nein ernst jetzt aber der Unterschied war sehr groß & ich bestellte mir ein Viertel Wein & beobachtete beobachtete huch manchmal war ich betrunken & blickte glasig auf meine Wurst die ich ebendort bestellte & der Verkäufer den ich einen Geiger nannte wegen dem Schnurrbart & seinem nicht ganz uninteressanten Äußerem fast zwinkerte er mir zu zumindest unser Verständnis war ein Vorhandenes was soviel heißt auch wenn ich noch so betrunken war ich bekam mein Viertel mein Viertel…


Er kannte sie schon lange, doch nun dachte er sie würde bald sterben. Sie saß nur noch vor ihrem Fernsehapparat und blickte abwesend hinein. Ihr Gesicht war geschwollen von den vielen Medikamenten, die sie schlucken mußte.
Kam man in ihre Wohnung, schlug einem gleich der Geruch der Krankheit entgegen. Ihre Art zu sprechen hatte sich verändert, sie kicherte mitunter grundlos und sprach verhalten vom Kinder kriegen. Auch schenkte sie sich Blumen zu Muttertag, obwohl sie doch selbst keine Mutter war. Es lag etwas in der Luft, von dem man unbewußt Angst bekam.


Es war egal, er konnte machen was er wollte, es half nichts. Schuld daran konnte seine Mutter sein, das war unklar. Er sah nicht schlecht aus, und auch sonst war nichts an ihm, dass abstoßend wirkte. Trotzdem hatte er kein Glück bei Frauen, jedesmal wenn eine Frau mit ihm sprach, oder auch nur zulächelte, wurde er seltsam befangen und konnte nicht viel mehr als ja und nein sagen.

Er begeilte sich an den härtesten Pornos, malte sich in seiner Phantasie alle möglichen und unmöglichen Stellungen aus, aber der Gedanke wirklich mit einer Frau zu schlafen war ihm so fremd wie der australische Kontinent.

Sprach man ihn darauf an, wurde er böse und drohte mit Schlägen. Ja, ein kräftiger Mann, der weiß sich zu helfen. Vielleicht hatte er sich einmal überlegt, homosexuell zu sein, aber das half ihm auch nicht weiter.

Anflüge davon bekam er nur, wenn er besoffen war. Trinken, das tat er gerne. Na ja, sich ein wenig von der Welt lösen, dieser Grausamen. Wie waren da erst seine Gedanken! Solcherart, dass andere Menschen sie eigentlich nicht denken wollten. Er dachte fortwährend an aufgeschlitzte Leiber, gespaltene Köpfe, an geschändete Leichenteile. Auch malte er sich Amokläufe aus, Züchtigungen der strengsten Form. Nach dem Motto: „Wenn die Welt schon so grausam zu mir ist, bin ich eben auch grausam zur Welt“. Sehr gut, sehr gut, aber dann wie mit einer Frau schlafen? Wie eine Frau lieben?


Er stand vor ihrem Zimmer und lauschte gespannt. Nichts war zu hören, es knisterte nicht einmal das Feuer im Kamin. Seit Tagen hatte er sie schon nicht mehr gesehen, sein Wunsch sie zu spüren wuchs ins Unermeßliche. Er sah ihren elfenbeinfarbenen Körper im Geiste und ein starkes Magendrücken überkam ihn. Er eilte ins Wohnzimmer, trank schnell einen großen Fernet, fuhr sich anschließend mit der Zunge über die Lippen und flüsterte kaum hörbar: „Ich muß sie haben!“ In seinem blau-grau gestreiften Morgenrock wirkte er plötzlich alt und zerknittert.
Seit ihrer Hochzeit hatte sich Alles verändert. Es gab keine Zärtlichkeit mehr unter ihnen, außer jener zwingenden, die mehr als Schmerz denn als Freude empfunden wurde.
Solcherart Gedanken gingen ihm durch den Kopf und nun leicht benebelt durch das Getränk, ließ er sich auf der Couch nieder, und ohne es eigentlich zu wollen, fielen ihm die Augen zu.


Schon seit Wochen war seine Verdauung gestört. Er wurde morgens wach und eine schleichende Übelkeit, für die er keine Erklärung hatte befiel ihm. Es war nicht so, dass sie ihn an seinen gewohnten Tätigkeiten hinderte, aber bisweilen war da ein Aufstoßen, ein Brechreiz, der ihm fast die Besinnung raubte.
Er eilte zur Toilette, würgte und würgte, Tränen traten ihm in die Augen, aber er konnte nicht kotzen. Beim Essen bemerkte er eine immer größer werdende Lustlosigkeit, ja fast schien es, als würde er die Speisen hassen, die er sich einverleibte.
Immer wieder kam es vor, dass er sich nach einer Mahlzeit einbildete, in seinem Bauch werde Krieg geführt. Eines Mittags wärmte er sich den schon am Vortag gekochten Reis und die selbst zubereitete Soße auf, klatschte alles zusammen auf einen Teller und begann darin herumzustochern.
Er aß einige Löffel, plötzlich schrie er auf. Im Teller vermeinte er tausende weiße Würmer zu sehen, die sich zerfleischten. Der Löffel blieb ihm im Hals stecken und selbst da krabbelte es. Die schreckensweit aufgerissenen Augen verdrehten sich und er fiel röchelnd und nach Luft ringend in den Sessel zurück, verfiel in spastische Zuckungen, knallte kopfüber in den Teller und verstummte.


Es gab nichts mehr, das seine Interesse motivieren konnte. Die kleinen Dinge des Lebens sah er als Notwendigkeiten an, Liebe, Gefühl und Tiefe waren seit geraumer Zeit aus seinem Leben verschwunden. Manchmal blickte er auf die Uhr, wenn sich irgendein Gefühl seiner bemächtigte, nur um zu sehen, wie lang es anhielt. Die Gleichgültigkeit war wirklich ein großer Teil seines Lebens geworden. Er mied alle Lokale, die er früher mehr oder weniger regelmäßig besuchte, sondern ging immer häufiger in schäbige Wirtshäuser und Branntweinspelunken, wo er sich beinahe bis zu Bewußtlosigkeit betrank.

Er starrte dort die Gäste an oder blickte durch sie hindurch, redete nie, und selbst mit dem Wirten wechselte er kaum mehr Worte als die in der Bestellung beinhalteten und den Ruf nach Bezahlung.

Der Tod seines Vaters und die darauffolgenden Formalitäten brachten ihn nicht aus seiner gewohnten Bahn. Der Zufall wollte es, dass er, um Erbangelegenheiten zu klären, ins Haus seiner Eltern mußte, wo er, kurzfristig allein, im Schrank seines Vaters eine Pistole entdeckte, die er an sich nahm.

Lange Zeit lag diese dann bei ihm auf dem Schreibtisch herum, nur gelegentlich betrachtet. Eines Tages nahm er sie mit in die Branntweinstube, deren Gast er in letzter Zeit häufig war. Er bestellte einen halben Liter Wein und begann aufmerksam die Gesichter und das Gehabe der wenigen Gäste zu studieren. Links von ihm saß ein Mann mit grauen Schläfen, schwarzem Anzug und modischen Stiefletten, die so ganz und gar nicht zu seiner übrigen Erscheinung passten. Vor ihm ein Kerl mit riesigem Bauch, dem die Trunkenheit schon ins Gesicht geschrieben war, der den Wirt in peinliche Dialoge verwickelte.

Da holte er die Pistole aus der Tasche und schoß dem Dicken direkt in den Kopf, der Wirt und die anderen Gäste schrien gellend auf, doch schon traf ein zweiter Schuß den Graumelierten. Das Geschoß durchschlug eine Stieflette und der Graumelierte krümmte sich vor Schmerzen. Daraufhin schmiß er die Waffe quer durchs Lokal und dachte sich, eine Wohltat für die Menschheit getan zu haben, er hatte das Gefühl, sich und andere befreit zu haben. Augenblicke später wurde ihm das Glas aus der Hand gerissen und ein stumpfer Schlag traf seinen Kopf.


Es plagten ihn fürchterliche Träume. Er sah sich in einen Abgrund stürzen, sah sich nackt dem Schnee und der Kälte eines Gebirges ausgesetzt, wurde von Reptilien belagert und von seinem Vater hart gestraft. Hinzu kam die Einsamkeit, die ihn trunken machte.

Er lallte von Liebe und Zärtlichkeit, schrie nach einem Körper, wollte sich erniedrigen, wollte herrschen, wollte den Teufel und die Engel in seiner Brust ficken lassen, aber die Stadt lähmte ihn, die Gesichter die er sah, schienen todgeweiht, er selbst eine kranke Kreatur.

Ungünstiger Mond für Zweisamkeit, ein Schnitt in die Haut. Das Blut rieselte angenehm warm seinen Arm entlang, sammelte sich in der Grube des Ellbogens. Erstaunen, gepaart mit einer aufregenden Verwirrung bemächtigte sich seiner. In dem Moment verlor er den Sinn für die Zeit. Er sank auf das Bett, in eine nie gekannte Leichtigkeit.

Rundherum bekamen alle Geräusche nur eine Bedeutung. Das Summen der Fliege kam dem Läuten des Telefons gleich. Jahrhunderte später, fahle Gesichter, weiße Mäntel. Bewegung, dann Momente absoluter Dunkelheit. Plötzlich die Augen wieder auf, grelles Licht, einhundert Millionen blaue Augen…


Schön rasiert steht er vor dem Spiegel. Das Grübchen am Kinn fällt gar nicht so auf. Creme, Parfüm, ein letzter Blick in den Spiegel. Nein, noch nicht der Letzte.
Die Frau ging fort, und der Fernseher lief seit geraumer Zeit.
Bei einen französischen Film, voller Romantik, voller Liebe, drehte er den Ton des Fernsehers ab. Er trank schnell ein Glas Wein. Im Fernseher küsste sich das Paar gerade, sein Herz schlug so wild, als wollte es zerspringen.
Gestern als sie kam, trug sie ein Kleid aus kühlem Satin. Er trat an sie heran und berührte ihr Haar. „Nicht jetzt“, sagte sie, „du könntest mich verletzen“.
All die Jahre hat er gewartet, all die Jahre hat er Bilder in seinem Kopf gespeichert, nun ist er ratlos.
Der Film, die Liebe, die Frau.
Manchmal, nachdem sie miteinander geschlafen haben, und sie schon längst wieder fort ist, riecht er an seinen Händen, nur um sich selbst zu vergewissern.
Der Geruch, die Liebe, das Leben.
Momente die sich wiederholen, rasch oder langsam, es spielt keine Rolle. Ein Teppich, darauf tausend Muster. Er denkt sich: „Wenn das Leben schwer sein soll, ist der Tod eine Rose“.
Was immer er denkt, er ist es auch. Er denkt nach, er sieht fern, er rasiert sich, er will schön sein. Seine Frau geht fort.
Endlose Muster. Ein Teppich. Tausend Fragen.


Heute wurde es wieder heraufbeschworen wie in alten Tagen. Während er ihre Musik hörte und anschließend französische Filme sah, stellte sich heraus, dass sie ihm an und für sich wehtun wollte.
Doch war sie bemüht, dieses Vorhaben zu überspielen, was allerdings nicht gelang. Sein auf sensible Wahrnehmung getrimmter Instinkt verriet ihm ihre Absicht und nicht nur das, der Zufall wollte es, dass er feststellen mußte, dass sie ihn schon seit Monaten betrog.

Sie sagte später, es wäre immer der andere gewesen, den sie liebte. Da flocht er aus Draht eine Schlinge. Tags darauf lag sie erwürgt in gemeinsamen Bett und die Grimasse, die sie schnitt, dachte er sich als ein Lächeln. Er wollte sich von nun an nicht mehr von ihr trennen. Sie begann aber naturgemäß nach einiger Zeit einen außergewöhnlich intensiven Geruch zu verbreiten, was ihm sehr mißfiel.


Er zuckte jedesmal zusammen, wenn das Telefon klingelte. Seit Wochen schon weigerte er sich, abzuheben. Aus Angst, es könne jemand dran sein, der ihn schaden könnte.
Seine Freunde hatten es längst aufgegeben, sich Gedanken um ihn zu machen. Sie wußten, dass er seine Eigenarten hatte, wie zum Beispiel tagelang nicht aus seiner Wohnung zu gehen.Er verbrachte an solchen Tagen die meiste Zeit damit, auf seinem Kanapee zu liegen und einen Punkt an der Decke zu fixieren, vollkommen ohne Gedanken, nur darauf bedacht, still zu sein.
Im Winter ließ er nachts das Fenster offen, deckte sich nur leicht zu, um die Kälte und deren Wirkung an seinem Körper elementar zu spüren. Auch beobachtete man ihn dabei, sich auf der Straße für jemand anderen auszugeben, sprach man ihn an. Nach und nach verlor Jedermann das Interesse an ihm, man ließ ihn in Ruhe und ging ihm aus den Weg.


Die Nacht getränkt voller Sehnsucht und Veränderung im kahlen Raum. Eine Glühbirne baumelt von der Decke. Vorhanglos ist der Blick nach Außen. Regengrau ergießt sich die Äußerlichkeit in die klaren Seen der Seele und des Raumes, der keinen Widerstand leistet. Die Fenster zerspringen nicht, auch sonst bleibt alles so wie es ist. Das schwarze Telephon als einzige Verbindung zur Außenwelt.
Vergebens auf die Wörter aus der Muschel gewartet. Schrillende Hoffnung. Nein, und abermals nein. Nur das monotone Ticken des Weckers und die Wärme der Bettdecke als richtungsweisendes Inventar. Keine Gottheiten, keine Gegenstände, die ein Laster verraten würden. Dennoch öffnet sich dem Protagonisten eine verwirrende Welt. Tausend Wurzeln aus dem Gehirn treibend, bietet sich ein Bild, vielmehr eine Vielzahl von Bildern, die der Phantasie Nahrung geben und der Sünde, der Verwesung, der Körperlichkeit, der Scham, der Lust und dem Leben zu einer Gestalt verhelfen, selbst in diesem kahlen Raum.


Die Verzweiflung, sagte er, ist nichts anderes als ein schaumgefüllter Becher. Nocheinmal wendet er sich zu ihr, knabbert an ihrem Ohr und sagt:“ Ich werde sterben!“
Sie lacht, und ihr Lachen erinnert an abgedrehte Zentralheizungen, die immerzu glucksen und knarren. Neulich hat sie ihn gefragt, ob er es liebe, wie eine Wolke zu sein. Er fühlte sich geschmeichelt und dachte an Sex. Noch konnte er Nächte rauben, doch er spürte seine Kräfte schwinden verbunden mit der Angst, eines Tages vor dem Nichts zu stehen. Das machte ihn wahnsinnig. Aber er dachte sich immer noch: mit einer Frau in den Armen ist alles halb so schlimm.
Er liebte ihr Glucksen und ihre Unbeschwertheit, von der einige seiner Freunde zwar behaupteten, es sei Dummheit, doch das störte ihn nicht weiter.
Er war es ja, mit dem sie schlief, und deshalb scherte er sich einen Dreck um das Gerede.


Er war sich seiner Krankheit bewußt, leugnete sie jedoch hartnäckig. Überall wo er auftauchte, steckten die Leute die Köpfe zusammen und tuschelten unübersehbar.
Manchmal drang auch der ein oder andere Wortfetzen zu ihm herüber, und jedesmal schnürte es ihm die Kehle zu, wenn dies geschah.
Er blieb wie angewurzelt stehen, kramte nervös in seinen Taschen herum, ohne auch nur Irgendetwas zu suchen. Gelegentlich lud ihn ein alter Freund ein, einer der ihn kannte, noch bevor diese Sache mit ihm passierte. Er stand dann herum, ein Glas Wein in der Hand und warf jedem der vorbeiging, böse und verachtende Blicke zu.
Wollte jemand mit ihm sprechen, so bekam er eine Kanonade zynische Bemerkungen zu hören, die sich gewaschen hatten.
Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass er krank war, noch dazu offensichtlich. Er war nicht in der Lage, Gefühle zu zeigen, ebensowenig welche zu empfinden. Das war nicht immer so. Früher führte er mehr oder minder ein normales Leben und es begann damit, dass er sich in ein Mädchen verliebte, das seine Liebe erst nach langem Zögern erwiderte.
Eine Weile schien alles gutzugehen, man zog zusammen, schmiedete übermütige Pläne fürs nächste Jahrzehnt. Doch dann geschah es, dass sie mit ihm nicht mehr reden wollte. Sie saß in der Wohnung herum und sagte kein Wort, war einfach stumm.
Er bedrängte sie mit Fragen, wollte wissen wie ihm geschah, sie saß jedoch nur da und sagte nichts.
Er kam mit Späßen, machte Witze, schrie, fluchte, weinte, doch umsonst.
Kein Ton. Er war dabei, seinen Verstand zu verlieren, hatte er doch keine Ahnung, warum sie nicht mehr Reden wollte.
Nach fünf Tagen brach er zusammen, nachdem er sie eine halbe Stunde lang angeschrien hatte. Als er im Krankenhaus wieder zu sich fand, spürte er, etwas in ihm war zerbrochen, war nicht mehr vorhanden.


Er wußte nicht, was Liebe ist. Er dachte wohl manchmal, wenn ihn ein unbestimmtes Gefühl befiel, dass sei jetzt Liebe, aber in Wirklichkeit war es nur das Aufwallen eines tief in ihm schlummernden Instinkts.
Eine Frau zu erobern, sie zu besitzen, sie zu gebrauchen und anschließend fallenzulassen, war eine ihm eigene Wesensart. Er dachte nicht daran, dass es schlimm sei, so zu handeln. Sein Vater sagte ihm an einem rauhen Winternachmittag, als sie dabei waren, mit dem ‚Pferd einen astlosen Stamm zum Hof zu bringen, die Frauen seien nur dazu da, anständig gefickt zu werden, die Küche zu bewirtschaften und sich um die Kinder zu kümmern, ansonsten gehören sie zum Hof wie das Vieh auch.
Obwohl er glaubte, seine Mutter zu lieben, betrachtete er sie von diesem Zeitpunkt an mit dem schrägen Gefühl eingeprägter Gewißheit.
Später, als er vom Land in die Provinzhauptstadt zog und eine Stelle als kleiner Beamter bei der Post bekam, dachte er oft daran, wie sein Vater vor Weihnachten eine Sau gestochen hat, und er dem Schauspiel meistens beiwohnte und eines Tages der Halluzination verfiel, die Sau könnte seine Mutter sein.
Ihm wurde übel und er lief hinter die Scheune um sich zu übergeben.
Die Schalterbeamtin Maria K. machte ihm schöne Augen, eines Tages küssten sie sich in der Mittagspause hinter der Tür zum Paketraum, in dem sich gerade niemand befand.
Maria nahm ihn mit auf ihr Untermietzimmer, entblößte ihre Brust und weckte seine Männlichkeit. Sie röchelte und schrie, stöhnte und biss ihn in den Hals. Er war stumm und Schweißtropfen liefen seine Stirn hinab. Eine Zeitlang hielt sie ihn gefangen mit ihren geöffneten Schenkeln, doch dann wurde er Tag für Tag grausamer ihr gegenüber. Er schikanierte sie mit lächerlichen kleinen Dingen, meinte sie würde Papiere und Akten verlegen, die er zu bearbeiten hatte.
Er reichte schriftliche Beschwerden ein und eines Tages ging er persönlich zum Vorstand, dieser hörte ihn an und wenige Tage später wurde sie entlassen.

Mark Pregartbauer

Sandburg

Sie sind Kinder am Strand, die lachend vermögen die unüberschaubare Masse feuchter Sandkörner zu ordnen. Majestätisch überschattet nach getaner Arbeit dann eine Sandburg dunkel den flach abfallenden Strand, keine Welle erreicht das kunstvolle Gebilde, ehrfurchtsvoll, angesichts der spitzen Türme, den sorgsam modellierten Zinnen die auf der Wehrmauer die Burg umspannen, wagt sich salziger Schaum kaum den Strand hinauf. Hunderte Fenster erhellten das Innere mit dem von allen harten Strahlen gefiltertem Licht und böten den Bewohnern einen Blick weit über das massive Eingangstor hinaus, hin zu den sich fern brechenden Wellen. Nur der weiss glühende Feind hämmert riesig groß, weit über den höchsten Turmspitzen zu erahnen, erbarmungslos auf alles das wagt sich zum klaren blau zu erheben, ein. So verdunstet das Dunkelgrau zu einem matten gelb.

Irgendwann hat sich die klebrige Nässe soweit zurückgezogen dass ganze Türme ohne Berührung in sich zusammenstürzen, beim Fallen werden Teile der Wehrmauer samt den Zinnen mitgerissen. Dann ist die Burg aber schon leer und tot, vielleicht sitzt noch einer der Adeligen zeitvergessen und verstaubt in einem der imaginären Turmzimmer, wartet darauf dass sich das ehemals kunstvolle Schloss nach und nach zurück in den Sand faltet. Als dann die Flut am Abend über den gedunkelten Sand streicht deutet nichts mehr darauf hin was hier einmal war.

Wie Kinder am Strand sind sie, wenn sie sich nach der ersten Enttäuschung daran machen eine neue Burg zu bauen, mit Eifer geloben diesmal alles stabiler zu konstruieren und dennoch nicht beachten dass Fundament und Material dieselben sind.

Anant Kumar

Modern Times

Das Asylantenheim geriet in Aufruhr, als Montag morgens die Mitbewohner den Bangladesher Abdul Qasim mit einem hübschen, hiesigen Techno-Mädchen sahen. Abdul Qasim, der 30 jährige Asylant aus Bangladesh, der kaum Deutsch verstand, spielte unter den anderen Asylanten wegen seiner Habichtnase den Spaßmacher. Und ausgerechnet diesen Idioten sollte das Glück treffen? Sein Glück verursachte – logischer- und menschlicherweise – bei den anderen frustrierten Männern, darunter besonders bei seinen Landsleuten, dermaßen Neid, dass Abdul Qasim in den darauf folgenden Tagen das Heim verließ. Legal oder illegal. Wir wissen das nicht.
Natürlich werden der männliche Trieb, die Geborgenheit und vielleicht auch ein wenig die Liebe bei seinem Zusammenziehen mit der hübschen Freundin eine wesentliche Rolle gespielt haben. Was Martina an ihm gereizt haben soll, darüber wird bis heute vielerlei spekuliert.

Während ihrer viermonatigen Beziehung mit diesem Asylanten soll sie einigen guten Freunden, denen man immer wieder Lebensgeheimnisse anvertraut, erzählt haben:

„Er kocht sehr gut! – Schön scharf!“
„Er ist auch scharf – ein scharfer Lover!“

Aber wie für uns bestand auch für Martina das menschliche Leben nicht bloß aus dem Fressen und dem Fortpflanzungstrieb. Sondern es gab darüber hinaus wichtigere Sachen, z. B. Kultur und geistige Nahrung. Wieviel oder ob Abdul Qasim geistige Nahrung besaß, werden wir später erfahren.
Richtig ist, dass es von Anfang an zwischen Martina Rindvieh und Abdul Qasim eine große Sprachbarriere gab. Die ersten paar Brocken Deutsch brachte ihm die Sozialwesenstudentin mit der üblichen Didaktik bei:

„Man sagt auf Deutsch…!“ oder
„Das sagt man auf Deutsch nicht!“

Oft gab es dabei Gelächter und Späße. Die Freundinnen Martinas drückten ihre Freude über seine Sprachverwirrungen und -fehler harmlos kichernd aus: „Das ist aber süß!“ oder „Das war süß!“ Und darauf Abdul Qasim mit seiner Habichtnase: „Häh! Häh! Häh! Dutsch – Ein schwer Sprache! – Sehr kompliz!“ Und er zeigte seine Zähne weiter, die ein beachtliches Lob bei Martinas Freundinnen fanden. Martina und ihre Freundinnen demütigten jedoch Abdul Qasim nicht wegen seiner Fehler oder schlechten Aussprache.
Sondern sie sagten: „Aber man kann dich verstehen.“ Jede von ihnen war auch mit der wissenschaftlichen Feststellung Abdul Qasims einverstanden, dass „Dutsch“ eine sehr schwere Sprache sei. Die Marlene sagte darauf:
„Gott sei Dank, dass sie meine Muttersprache ist. –- Komische Grammatik!“

Aber irgendwann wurde Martina Rindvieh all dieses langweilig und manchmal zuviel. Und analog vermehrte sich ihr Verlangen nach der eben erwähnten geistigen Nahrung. So lernte sie zufällig auf Juttas Fete einen Engländer kennen, der sehr gut Englisch sprach und schon bei der ersten Begegnung anfing, Martinas Abitur-Englisch zu verbessern. Dabei ermutigte er sie immer wieder. Mal erklärte er ihr den Gebrauch eines Begriffes. Mal erklärte er ihr, wo man was in England sagte. Dabei kamen sehr witzige Sachen raus, zum Beispiel, dass die Iren nicht „Fucking Shit“ sondern „Focking Shait!“ sagen. Und dabei blieb Mike ein bescheidener Gentleman mit seinem sich wiederholenden Kompliment: „But your English is pretty good!“. Das war genau, wonach sich Martina in den letzten Tagen sehnte. Ihre Stimme wurde weicher und süßer, und sie sagte immer wieder wie eine Lady: „Thank you!“ Und der Gentleman darauf: „You are welcome!“ Der Abend wurde süßer und länger. Händchen wurden gehalten und zärtlich gestreichelt. Man sang die wehmütigen Phil Collins-Lieder mit. Als frühmorgens Martina mit schlaf- und romanzetrunkenen Augen in die Wohnung eintrat, wartete Abdul Qasim mit blutunterlaufenen Augen auf sie. Ein wenig nervös und noch mehr erbost. Es gab zwischen den beiden Krach, der sich weiter zuspitzte. Martina wollte sich aber sofort zum Schlafen hinlegen und vom süßen Abend weiter träumen. Und der Bangladesher wollte es vorher mit ihr treiben. „Nein! Hände weg! Nur das hast du in deinem schmutzigen Kopf! Du Schwein!“ Gekränkt musste sich Abdul Qasim zurückziehen.

Schon am zweiten Tag brachte Martina den Mike in ihre Wohnung. An dem Abend tranken alle drei Tee, und es wurde sich auf Englisch unterhalten. Das Gespräch wurde durch Abdul Qasim noch witziger, weil er wie gewöhnlich ein wenig Englisch mit starkem „Indischen Akzent“ sprach. Dauernd fragte der Mike: „Sorry, what?“ oder „Excuse me?“ Und die Martina übersetzte die Aussprache Abdul Qasims weiter, sagend: „He has a strong Indian accent!“ Und der Gentleman sagte einverstanden: „Yes! You are right! I had a friend from Bombay in Manchester who spoke like him!“ Die Gespräche über die documenta-Kunst sagten dem Asylanten nichts. Er langweilte sich dabei und wurde allmählich noch eifersüchtiger. Ihm wurde die bevorstehende Gefahr klarer, die ihre Krönung darin fand, dass beim Abschied Martina den Mike fest umschlang und küsste.

Zum ersten Mal weigerte sich Abdul Qasim an jenem Abend zu kochen. Er warf ihr sogar vor: „Du! Warum nicht kochen?“ Martina versuchte vergeblich das mit ihren anderen Arbeiten auszugleichen. Der Zank wurde diesmal schlimmer. Die beiden fingen an, mal „Eure Kulturen“ und mal „Die deutsche Kultur“ schlecht zu machen. Irgendwann sagte der Mann zu der Frau: „Du, deutsche Hure!“ Wir sollten besser die Deutschlehrer fragen, um genau zu wissen, warum man in einer Fremdsprache die Schimpfwörter und Liebeswörter unbedingt und schnell lernen möchte. Mit dieser Bezeichnung hatte es aber der Sozialwesenstudentin gereicht.

„Raus! Pack Deine Sachen und raus!“ brüllte sie ihn an.

Der Asylant raus und der Gentleman rein. Und damit verwandelte sich das Techno-Mädchen Martina in die Lady Martina. Jean Pascale-Kleidung wurden vom schwarzen Kostüm und die Buffalos-Schuhe von eleganten, hochhackigen Schuhen ersetzt. Man sah das Paar regelmäßig in Theater und Oper. Die Gesprächsthemen waren nicht Clubnews und Hitliste sondern die neueste Inszenierung der Dreigroschenoper oder das neueste Buch von John Grisham. Sie zog sich von vielen alten Bekannten und Freunden zurück. Dafür wurden neue Freundschaften geschlossen. Die Studienanfängerin, die die Studenten meistens in Caféterien sahen, besuchte nun die Vorlesungen und Seminare regelmäßig, und eifrig beteiligte sie sich an den Diskussionen. Diese Metamorphose irritierte einige Mitstudenten, alte Bekannte und Freunde. Dafür wurde ihre Beziehung zu ihren Eltern besser.
Ihr Vater, ein Gastwirt in Kaufungen, hatte sich tierisch aufgeregt, als er von Martinas Affäre mit Abdul Qasim erfahren hatte. „Es gab keinen anderen Mann als diesen Asylanten!“, soll er wütend seiner Frau gesagt haben. Die neue Geschichte von Martina ließ ihn wieder ruhig atmen. Erfreut hatte er seiner Tochter sein altes und sich selbst ein neues Auto geschenkt, damit Martina die Eltern leichter und öfter besuchen konnte. Mike und Martina. Martina und Mike. Es war doch jetzt schöner und besser.

Es war doch jetzt schöner und besser. Und dieses Jetzt dauerte ein halbes Jahr. Nach einem halben Jahr hat sich Martina von Mike getrennt. „Es waren halt zu viele kleine Dinge, die sich auf Dauer aufgestaut hatten. Und ich konnte dann alles nicht mehr ertragen! – Aber mehr möchte ich nicht darüber reden. Gut, dass es vorbei ist!“, und ähnliches sagte sie über die neueste zu Bruch gegangene Beziehung. Nur ihrer besten Freundin, der Sibylle, ist es gelungen, an einem späten Abend im Rausch aus Martina darüber etwas ganz Prickelndes herauszukitzeln. Es waren Zisseltage. Sibylle war lange solo. Und Martina war jetzt solo geworden. Zur Zeit hatte sie keinen Bock auf die Männer. Vieles unternahmen die beiden Freundinnen zusammen.

Gibt es einen Mensch ohne Neugier? Vielleicht in Indien! Da soll es Yogis geben. Sollten wir sie auch mit Menschen gleichsetzen? Das bleibt den Lesern überlassen. Auf jeden Fall gehörte Sibylle zu denen, die gerade das Gegenteil von diesen gleichmütigen Yogis bilden, was die Neugier und das Aufregen anbelangt. Ein männliches Verbrechen in Saudi Arabien aus der Tageszeitung reizte Sibylle dermaßen, dass sie besonders an jenem Tag, an dem ihr diese Nachricht begegnete, alle Männer – sogar die Deutschen – voller Verachtung und Wut ansah.

Also, es war ein Tag des Kasseler Volksfestes. Die beiden Freundinnen liefen angetrunken und heiter umher. Man wollte seinen Spaß haben. Als der Abend fortschritt, waren die beiden mehr oder weniger besoffen und fingen an, die Männer und die Männerwelt zu verdammen. Martina wurde lauter und Sibylle fing an, sie weiter zu kitzeln: „Du hast doch in der letzten Zeit mit Männern aus allen Weltecken zu tun gehabt! Hi! Hi! Hi! – Oder?“ Darauf äußerte Martina besoffen über den Asylanten aus Bangladesh: „Er war dumm. Aber er f… sehr gut! – Echt geil!“ Diese Äußerung bestätigte wiederholt die alte These: „Dumm f… gut!“ Danach soll sich die Martina über die Potenz des Gentlemans beschwert haben. Der Engländer hätte immer wieder in jener Kunst versagt. Danach gingen die beiden in den Erotikladen am Königsplatz, in dessen Einzelkabinen Multinationalitäten sich an Bildschirmen entspannten. Die angeheiterten Frauen amüsierten sich richtig im Spaßladen. Sie nahmen Spielzeuge in die Hand und ließen diese Geräte bewundernd kluge Sprüche ab:
‚Wozu brauchen wir denn die Männer?‘
‚Für gar nichts! Diese Dinge sind fähiger und geiler! Hi! Hi Hi.‘

Als die Insassen der Erleichterungskabinen dieses Gelächter hörten, öffneten sich auf einmal zwei, drei Türen in der Hoffnung auf Live.

Aber was geschah inzwischen dem Asylanten? Abdul Qasim, nachdem er von seiner deutschen Freundin in den Arsch getreten worden war, musste zwangsläufig ins Asylantenheim zurück. Da übernahm er von jetzt an seine verdoppelte Rolle als Spaßmacher unter den anderen Flüchtlingen. Seine Habichtnase als Spottschau hatte er sowohl den Männern als auch den Frauen weiter anzubieten. Noch witziger und würziger für die Männer wurde sein neuestes Abenteuer, dass er von einer Frau rausgeschmissen worden war. So blieb Abdul Qasim weiter ein Opfer für die Unterhaltung der anderen traurigen Schicksale. Sie amüsierten sich endlos über ihn und ließen Sprüche raus, z. B. der algerische Junge wiederholte dauernd:
„Hey! Abdul Qasim! Warum rausgeschmissen – du – das Mädchen? Dein schön Nase oder was?“ Abdul Qasim duldete alles. Er war in tiefe Depressionen geraten. Verständlich. Aber seine Depressionen hatten wenig mit dem üblichen Trennungsschmerz zu tun. Jetzt packte ihn die Angst vor der Abschiebung von neuem.

Viele von uns wissen Bescheid, dass in Deutschland die Asylsuchenden während ihrer Verfahren ihren Wohnbezirk nicht verlassen dürfen. Uns ist auch bekannt, dass viele es trotzdem tun. Mit oder ohne Erlaubnis. Einige werden erwischt. Viele nicht. Viele werden dafür bestraft. Und selten kommt einer mit Hilfe eines wirklichen oder erfundenen Grundes ohne Strafe raus. Abdul Qasim gehörte zu denen, die leider erwischt werden. Er verließ zweimal seinen Wohnbezirk. Und beide Male wurde er von der Polizei ertappt. Das erste Mal hatte er Glück. Er sagte dem Richter, dass er von diesem Gesetz nichts wusste und sein einziger Freund und Landsmann auch als Asylant in Hamburg wohne. Damals wurde er mit einer Warnung entlassen. Beim zweiten Mal hatte er Glück im Unglück. Der Tag, an dem er vor Gericht vorgeführt wurde, stand zu seinen Gunsten. Der dicke Übersetzer, der in der Stadt ein Fernsehgeschäft hat und gewohnheits- und geschäftsmäßig ununterbrochen nur ans Geld denkt, hatte an diesem Tag Durchfall. Und gezwungenermaßen wurde die Philologin aus Indien, die mehrere Sprachen des indischen Subkontinents beherrscht, als Ersatz bestellt.

Sawitri, die ihr Leben den Sprachen und der Literatur gewidmet hat, genießt einen widersprüchlichen Ruf auf dem Campus. Von einigen wird sie stets für ihren Fleiß, ihre Intelligenz und Hilfsbereitschaft gelobt. Und einige finden sie arrogant. Sie soll ihren Freund aus ihrer Wohnung rausgeschmissen haben, nur weil er sie eines Abends aus bloßer Neugier zu viel über die indischen Kühe fragte. Sie erzählte das Claudia am nächsten Morgen und als Schluss sagte sie weiter irritiert mit dem amerikanischen Akzent: „Fuck it! Who cares!“ Danach unterhielten sich die Kommilitoninnen miteinander über die komische Inderin.

Das Amtsgericht war neu für die Akademikerin, und die Justizatmosphäre voller Rechtsanwälte und Klienten wirkte ein wenig einschüchternd auf die Studentin. Ihr kam es vor, als ob dieser Tempel der Justiz ihr auch irgendein Verfahren anhängen würde. Na ja, sie dachte an den Stundenlohn von DM 75, –, und dann ging es ihr wieder besser. Kurz vor dem Verfahrensbeginn kam Abdul Qasim aus der Zelle, vom Sicherheitspersonal begleitet, und sah Sawitri. Gewohnheitsmäßig faltete die Inderin ihre Hände zusammen, und sie tauschten die Begrüßungen. Absichtlich oder unabsichtlich, ließ Abdul Qasim eine bewegende Verszeile eines klassischen Dichters Indiens fallen, sobald er erfuhr, dass seine Dolmetscherin eine Hindu ist. Diese Zeile ist humanistisch auch im Sinne von Nathan dem Weisen und heißt: „Religion lehrt uns nicht gegenseitige Feindseligkeit!“ Der Dichter dieses Textes, auch ein Muslime, gehört zum Kanon der indischen Poesie, und dieser Text genießt den Status der Nationalhymne Indiens. Die Intellektuellen – wenn auch manchmal heuchlerisch – nehmen ständig Referenz auf ihn. Sawitri, die als Abiturientin in Indien immer wieder dieses Lied mitgesungen und es während ihrer langjährigen Europaverfremdung fast vergessen hatte, wurde von Abdul Qasims Satz ergriffen und aufgewühlt. Und der Mann, der vieles im Leben mitgemacht hatte, sah eindeutig die Wirkung seines Spruches auf die Studentin. Als Sawitri ihn fragte, woher er diesen Spruch kannte, log er sie notgedrungen an, indem er ihr sagte, dass er ein großer Fan von Allama Iqbal, dem Dichter, wäre. Dann wurde das Gespräch von den Polizisten abrupt unterbrochen. Sawitri war sehr bewegt und innerlich schwor sie: „Für Dich werde ich etwas tun, Bruder!“ Äußerlich sagte sie ihm jedoch laut auf Deutsch: „Ich kann für Sie nichts tun. Ich bin bloß Ihre Dolmetscherin!“ Das beruhigte die irritierten Polizisten ein wenig. Desto nervöser wurde der Asylant.

Die Verhandlung fing an. Aus seiner Akte ging hervor, dass sein Vater in Dhaka ansässig sei und ein Kleidungsgeschäft besitze. Die Anklage der Staatsanwältin bezog sich darauf. Es ließ sich durchaus behaupten, dass Abdul Qasim beide Male versucht haben soll, in Hamburg eine Geschäftsverbindung anzuknüpfen. Vehement lehnte Abdul Qasim diesen Verdacht ab. Zu seiner Verteidigung sagte er, dass die psychische Vereinsamung und Depression ihn zwangen, seinen alten politisch-verfolgten Kumpel, der in einem Asylantenheim in Hamburg wohnt, zu besuchen. Die Literaturwissenschaftlerin sah jetzt ein Argumentationsmotiv in diesem richtigen oder erfundenen Grund. Sie dolmetschte Abdul Qasims Äußerungen rhetorisch durchdacht, und immer wieder hob sie die psychischen und menschlichen Aspekte hervor. Sie brach dabei den heiligen Schwur des treuen Übersetzens, indem sie Abdul Qasims Äußerungen hie und da zu seinem Vorteil veränderte. Dabei sagte sie zu sich: „Scheißegal! Ich begehe tagtäglich Sünden!“
Der Richter sagte: „Aber es ist gesetzeswidrig und strafbar. Ich kann ihn persönlich auf der menschlichen Ebene verstehen. Aber das Gesetz lässt das nicht zu. Außerdem wurde er schon einmal vorgewarnt.“ „Wieso nicht, Euer Ehren? Sie sind doch auch ein Mensch! Stellen Sie sich mal vor – in einer Gegend ohne Sprache und ohne Gesprächspartner zu leben. Tagelang! Wochenlang! Monatelang! Was würden Sie tun?“

So wurde eine Weile hin und her argumentiert. Die Staatsanwältin war verärgert, weil sich der Richter für eine lange Zeit in seine Kammer zurückzog und dann dem Angeklagten gegen ihre Erwartung eine milde Strafe zusprach: „Zehn Stunden Arbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung.“

Während dieser interessanten Verhandlung verstand Abdul Qasim wenig von der Sprache der Inderin. Aber ihren Eifer schon. Außerdem war er von der milden Strafe selbst überrascht, weil jeder im Heim ihn endlos geängstigt hatte, sogar Karl Heinz, der Sozialarbeiter. Draußen schaute er auf ihre Füße und überlegte irgendeine Danksagung. Beide standen eine Weile stumm. Sawitri verstand seine Gefühle. Sie klopfte ihm lässig auf seine Schulter: „Das war’s! Glück gehabt! Jetzt musst Du weiter Dein Schicksal erkämpfen.“ Es nieselte, und Sawitri ging heiter mit großen Schritten zur Haltestelle, an der sie dasselbe Lied aus ihrer Schulzeit summte, in dem die Verszeile „Religion lehrt uns nicht die gegenseitige Feindseligkeit!“ als Leitmotiv vorkam. Ein fetter Mann im schwarzen Anzug und mit einer gelben Krawatte fand die Melodie fesselnd und ging lächelnd auf die Inderin zu. Übertrieben höflich fragte er sie schmeichelhaft:
„Entschuldigen Sie, welche Sprache ist das? Sie klingt sooo schöön!“
Die Inderin hörte abrupt auf und sagte:
„Französisch!“
„Wollen Sie mich verarschen oder was? – Unverschämt!“ Erbost entfernte sich der Mann.

An jenem Tag war Abdul Qasim froh und traurig.

Aus: Die Inderin,
Wiesenburg Verlag,
Schweinfurt.

Ron Winkler

Liebesgedichte

Gehen

Gehen
mußte ich
und
ließest du
dich auch.

Kein Wort
mehr über
mußte
könnte
sollte.

Die Farben
am Fenster
unverändert.

Nur ein
Atemhauch
blickt
mir nach.

die lückenfülle

du kleine lesekäferraupe
warst schon lange vor mir
auf dieser seite,
du wußtest eher bescheid
über den tiefen sinn der worte
in meiner bibel
den ich jetzt nicht mehr verstehen muß.

wenn ich ein buch aufschlage,
dann formt sich aus fremden worten
manchmal dein name.
und die buchstaben flüstern mit deinen lippen
die laute verliebter momente.
dann kommen auch wieder die träume,
die im gestern spielen –
doch ich lese jetzt nur noch sehr selten.

als du endlich über den berg gekommen warst,
griff ich dir schnell unter die arme,
zog die splitter heraus
und
warf sie dir auf den weg,
es war so einfach.

müllerbrecht

soll ich von mir reden?
von mir werden sie sagen er
hat vorschläge gemacht
und das soll ich wer? stehn auf meinem grabstein und
von wem ist die rede?
vergessen sein will ich von allen ich wer ist das?
eine spur im sand.

die vögel sollen darauf scheissen.

flatterhaftes wesen,
samtgeschlecht,
federhafte haut

raub mir die dunkelheit in sich
zusammenfallender zustände

weichleib

lausch in mich hinunter
wiederholt

hab‘ keine angst vor hyazinthenblut:
wiege deine stimme in den schalen der kognakbeeren
und grüß den angorakater von mir.

alle meine seidenraupen fächeln dir blumen auf die stirn
weich wie gelber lumoflor
damit dir die blechkeller nicht zu heiß werden
nach einem geheimen tango.

deine haut macht milch aus meiner zunge
wenn sie sich in bagdad begegnen.

zwei sonnenuntergänge musst du noch verloben
bevor sich der monsun beschwert
über halbleer gegessene mangos.

an der windstärke miss den wasserstand.

die zigeunerin gibt dir die kleider.

Helga Schubert

Hey, Autor!
Du schreibst ein Buch?

Du suchst nach bildhaften Ausdrücken, um die Handlung perfekt zu gestalten? Dann vermeide Füllwörter. Sie schaden, verwässern, fälschen. Sie sind schwammig, verzerren die Aussage. Sie lügen.
Beispiele dieser monströsen Gebilde? Künftig, gelegentlich, ungefähr, ein wenig, eventuell, wahrscheinlich, vielleicht, sogar, ganz, bestimmt, nämlich, völlig, zweifelsohne, schon.
Erschließe dir die Werke der Weltliteratur und lerne von Thomas Mann!
Wie schrieb er im dritten Teil seines Buddenbrooks?
Der Himmel, an dem unbeweglich ein paar weiße Wolken standen, begann langsam blasser zu werden.
Einfach und verständlich. Ohne blähende, unwichtige Füllwörter.
Begriffen?
Ich wiederhole. Zusammenfassend. Klar und deutlich.
Für dich.

Wenn du künftig gelegentlich ein Buch schreibst, denke ungefähr ein wenig an diese Regel! Eventuell, wahrscheinlich, vielleicht sogar, nein, ganz bestimmt wird die Handlung nämlich völlig anders werden.
Zweifelsohne.
Glaub es mir – schon!

Bücherhimmel

Zeichnung: Kerstin Neubert

Blau, mit zerissenen Wolkenschleiern,
Überrascht er in Büchern, die
Charismatische, spannende und auch
Haarsträubende (wahre?) Stories
Erzählen. Diese Fragen: Wie ist was?
Richtig? Falsch? Warum? Weswegen?
Hoffnung oder schmerzende Verzweiflung
Ideal? Kitsch? Echte Kultur?
Möchten dringendst beantwortet werden.
Meerfarben gibt sich der Himmel.
Erdachtes, Erlebtes in sich bergend.
Letztlich – ein Schlüsselerlebnis!

Oliver Stahmann

Urlaubsrückkehr

Wir öffnen die Tür und sehen einen langen Flur vor uns. Wir gehen in das Haus hinein und stolpern über mehrere große, überfüllte Koffer. Stofffetzen blicken aus ihnen heraus. Auf der linken Seite befindet sich eine Fensterfront die Blick auf den Innenhof des Hauses gewährt.
Überall stehen Blumenkästen. Die Blumen sind verwelkt…
Auf einem Sessel sitzt ein abgemagerter Hund und versucht zu bellen. Das Bellen gleicht einem Winseln und ist alles andere als angsteinflößend, erweckt in uns eher ein Gefühl des Mitleids. Neben dem Sessel hat der Hund seine Geschäfte erledigt. Der abstoßende Geruch vermischt sich mit Prisen süßer Designerdüfte, die erst vor kurzem diesen Flur erfüllt haben dürften.
Wir gehen den Flur weiter entlang, bleiben vor einer weißen Tür stehen. Laute Stimmen und Gelächter dringen aus dem Raum dahinter an unser Ohr. Wir schieben die Spinnweben beiseite, drücken die Türklinke herunter und öffnen sie. Es quietscht und knarrt. Eine große Rauchwolke kommt uns entgegen, dicker Nebel. Wir verharren kurz, um uns an den Rauch zu gewöhnen.
Nur langsam können wir wieder etwas sehen. Wir sehen fünf Personen. Zwei Männer und drei Frauen. Die Männer sitzen auf Sesseln, die Frauen haben es sich auf einem geblümten Sofa bequem gemacht. Auf einem Tisch steht eine Platte mit Kuchen, vor jedem einzelnen ein Teller, eine Tasse Kaffee, Cognac-Gläser. Die Männer halten Bierflaschen mit Bügelverschluß in der Hand. Alle starren auf den Fernseher.
Einer der Männer gibt Kommentare zu den Bildern, eine der Frauen erläutert, die drei anderen Geschöpfe gucken neugierig, bewundernd, amüsiert. Wir blicken jetzt ebenfalls auf den Fernseher. Wir sehen: Verwackelte Bilder. Die Schärfe stimmt nicht, der Zoom geht vor und zurück, kein Schnitt, keine Schauspieler. Wir sind zutiefst gelangweilt, stellen uns in eine hintere Ecke und beobachten für eine Weile das Geschehen.
„Ja, und da waren wir auf einem Boot“, sagt der eine Mann, nennen wir ihn A1.
„Ein Candle-Light-Dinner!“ ergänzt die erläuternde Frau, nennen wir sie A2.
„Ah, Candle-Light-Dinner! Wie vornehm!“ sagen die zwei Frauen, die neben A2 sitzen, im Chor. Für uns B1 und B2.
„Ja, und teuer“, bestätigt A2 und nickt vehement mit dem Kopf.
„Aber wozu hat man Urlaub!“ erlaubt sich auch der zweite Mann, B3 zu benennen, hinzuzufügen.
„Jetzt guck mal, guck mal! Schau mal diese Karre! Mit einer von denen sind wir auch mal gefahren.“ A1 hat glänzende Augen.
„Ja, eine achttürige Limousine“, erläutert A2.
„Ah, achttürige Limousine, wie vornehm“, juchzen B1 und B2 entzückt.
„Ja, und teuer“, bestätigt A2 und nickt vehement mit dem Kopf.
„Aber wozu hat man Urlaub?“ erwähnt B3 und lacht.
„Einmal haben wir Kevin Costner in einer gesehen.“ A1 streckt seine Brust hervor und nippt an seinem Bier.
„Ja, Kevin Costner, der Schauspieler von Mad Max“, erklärt A2 B1 und B2.
„Ah, Kevin Costner, der zeugungsunfähige Scientologe“, schreien B1 und B2 gemeinsam.
„Nein, nein“, gibt sich A2 klug. „Das was die Zeitungen schreiben ist doch alles gelogen. Glaubt mir, ich habe ihn ganz dicht vor mir gesehen, er hat mir sogar in die Augen geschaut, und ich kann euch hundertprozentig sagen, das dieser Mann nicht zeugungsunfähig ist.“
„Aber wozu hat man Urlaub“, erwähnt B3 und lacht.
„Da, jetzt, seht mal: Der Gerd. Der Gerd hat gegessen wie ein Scheunendrescher.“ A1 ist über seine Aufnahmen fasziniert.
„Einmal hat er schon zum Frühstück ein großes Steak mit Bratkartoffeln verspeist.“ Das war A2s Text.
„Ein großes Steak mit Bratkartoffeln?“ wundern sich B1 und B2 gemeinsam.
„Ja, ein T-Bone-Steak mit Bratkartoffeln. Der Gerd hat gegessen wie ein Scheunendrescher.“
„Aber wozu hat man Urlaub?“ fragt B3 und lacht.
„Sind das nicht herrliche Aufnahmen“, fragt A1, obwohl ihm die Antwort egal ist. „Das ist jetzt der Blick aus unserem Hotelzimmer im 32. Stock“, erläutert A2.
„Aus dem 32. Stock?“ B1 und B2 wird schwindlig vor Augen.
„Ja, wie klein die Welt doch von so weit oben ist.“ A2 blickt an die Decke, verdreht die Augen.
„Aber das ist nun mal Urlaub“, erlaubt sich B3 zu äußern.
„Und da!“ A1 beginnt laut zu lachen.
„Das ist der Boden von New York! Wir dachten, die Kamera wäre aus, statt dessen hat sie unseren ganzen Weg vom Empire State Building bis zum World Trade Center aufgenommen.“ Auch A2 lacht.
„Das ist ja witzig.“ B1 und B2 schließen sich dem Gelächter an.
„Ja, lustig nicht wahr?“ fragt A2 noch mal Bestätigung suchend nach und schlägt sich vor lauer Heiterkeit auf die Schenkel.
„So ist das im Urlaub.“ Auch B3 grinst und wir erheben uns wieder aus der Ecke als A1 aus einer Tüte mehrere Fotoalben herauszieht und den Videorecorder ausschaltet. Wir schleichen uns leise zur Tür und stehen wieder auf dem Gang. Der abgemagerte Hund schnarcht leise vor sich hin. Wir wenden uns nach links zur Küche. Dort riecht es muffig, in einer Ecke liegt eine tote, schwanzlose Maus. Wir öffnen den Kühlschrank und sehen in das Auge einer blubbernden grünen Flüssigkeit, die sich einmal Joghurt nannte und nun mit ihren Armen nach uns greifen will. Schnell schließen wir den Kühlschrank wieder. Wir öffnen eine Dose Hundefutter für den Hund und pfeifen nach ihm. Er erhebt sich träge, springt vom Sessel, sein Schwanz deutet ein Lächeln an. Dann knicken seine Beine zusammen und er fällt um. Lautes Lachen ist aus dem Fernsehzimmer zu vernehmen.
An der Tür klingelt es. A2 stürzt hin, stolpert über den wohl toten Hund, rappelt sich geschwind wieder auf. Ein Mann und eine Frau stehen vor dem Hauseingang und geben glucksende Laute der Begrüßung von sich, überreichen A2 ein Bündel Stroh. Der Mann, unserem Schema folgend C1 tituliert, zerrt einen kleinen Hund hinter sich her und drückt A2 die Leine in die Hand.
„Hier, für dich“, sagt er. „Den alten haben wir leider eingehen lassen.“
„Ach Gott wirklich?“ A2 ist überrascht. „Das habe ich noch gar nicht bemerkt, wir sind erst seit zwei Stunden wieder hier.“
„Jaja“, sagt die Frau, C2 ist ihr Name. „Aber sei froh, dieser Hund hat nur gehaart!“
„Ja, du hast Recht! Kommt rein und schaut euch unsere Fotos an.“ C1 und C2 sind begeistert.
Wir nehmen eine große Kettensäge in die Hand, werfen den Motor an, schwingen sie um den Kopf herum und laufen in kreisenden Bewegungen den Flur zur Eingangstür hinauf. Wir erwischen den rechten Arm von C1 und dann das linke Bein von A2. Bei C2 gehen wir gezielt auf den Kopf los, der in sekundenschnelle vom restlichen Körper abbricht, wie ein Baumstamm fällt. Wir blicken den erschrockenen A2 und C1 ins Gesicht, wischen uns das Blut von den Händen und sagen den einzigen Satz in dieser Geschichte: „Ein Glück. Dieser Kopf hat nur gehaart.“ Dann greifen wir nach der Handgranate in unserer Manteltasche, ziehen den Verschluß ab, und werfen sie den Gang hinauf. Dann rennen wir schnell aus dem Haus heraus, verlassen diese Geschichte wieder und lösen uns in der Luft zu Staub auf, als hätte es uns nie gegeben.
Das Haus explodiert, die Polizei und die Feuerwehr kommen und tappen im Dunkeln: Sie wissen nicht, wer die Täter waren. Die Nachbarn, Freunde und Verwandten sind verzweifelt: „Die As, die Bs und die Cs sind immer so nette Leute gewesen. So normal.“