Ron Winkler

Liebesgedichte

Gehen

Gehen
mußte ich
und
ließest du
dich auch.

Kein Wort
mehr über
mußte
könnte
sollte.

Die Farben
am Fenster
unverändert.

Nur ein
Atemhauch
blickt
mir nach.

die lückenfülle

du kleine lesekäferraupe
warst schon lange vor mir
auf dieser seite,
du wußtest eher bescheid
über den tiefen sinn der worte
in meiner bibel
den ich jetzt nicht mehr verstehen muß.

wenn ich ein buch aufschlage,
dann formt sich aus fremden worten
manchmal dein name.
und die buchstaben flüstern mit deinen lippen
die laute verliebter momente.
dann kommen auch wieder die träume,
die im gestern spielen –
doch ich lese jetzt nur noch sehr selten.

als du endlich über den berg gekommen warst,
griff ich dir schnell unter die arme,
zog die splitter heraus
und
warf sie dir auf den weg,
es war so einfach.

müllerbrecht

soll ich von mir reden?
von mir werden sie sagen er
hat vorschläge gemacht
und das soll ich wer? stehn auf meinem grabstein und
von wem ist die rede?
vergessen sein will ich von allen ich wer ist das?
eine spur im sand.

die vögel sollen darauf scheissen.

flatterhaftes wesen,
samtgeschlecht,
federhafte haut

raub mir die dunkelheit in sich
zusammenfallender zustände

weichleib

lausch in mich hinunter
wiederholt

hab‘ keine angst vor hyazinthenblut:
wiege deine stimme in den schalen der kognakbeeren
und grüß den angorakater von mir.

alle meine seidenraupen fächeln dir blumen auf die stirn
weich wie gelber lumoflor
damit dir die blechkeller nicht zu heiß werden
nach einem geheimen tango.

deine haut macht milch aus meiner zunge
wenn sie sich in bagdad begegnen.

zwei sonnenuntergänge musst du noch verloben
bevor sich der monsun beschwert
über halbleer gegessene mangos.

an der windstärke miss den wasserstand.

die zigeunerin gibt dir die kleider.

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