Mark Pregartbauer

Sandburg

Sie sind Kinder am Strand, die lachend vermögen die unüberschaubare Masse feuchter Sandkörner zu ordnen. Majestätisch überschattet nach getaner Arbeit dann eine Sandburg dunkel den flach abfallenden Strand, keine Welle erreicht das kunstvolle Gebilde, ehrfurchtsvoll, angesichts der spitzen Türme, den sorgsam modellierten Zinnen die auf der Wehrmauer die Burg umspannen, wagt sich salziger Schaum kaum den Strand hinauf. Hunderte Fenster erhellten das Innere mit dem von allen harten Strahlen gefiltertem Licht und böten den Bewohnern einen Blick weit über das massive Eingangstor hinaus, hin zu den sich fern brechenden Wellen. Nur der weiss glühende Feind hämmert riesig groß, weit über den höchsten Turmspitzen zu erahnen, erbarmungslos auf alles das wagt sich zum klaren blau zu erheben, ein. So verdunstet das Dunkelgrau zu einem matten gelb.

Irgendwann hat sich die klebrige Nässe soweit zurückgezogen dass ganze Türme ohne Berührung in sich zusammenstürzen, beim Fallen werden Teile der Wehrmauer samt den Zinnen mitgerissen. Dann ist die Burg aber schon leer und tot, vielleicht sitzt noch einer der Adeligen zeitvergessen und verstaubt in einem der imaginären Turmzimmer, wartet darauf dass sich das ehemals kunstvolle Schloss nach und nach zurück in den Sand faltet. Als dann die Flut am Abend über den gedunkelten Sand streicht deutet nichts mehr darauf hin was hier einmal war.

Wie Kinder am Strand sind sie, wenn sie sich nach der ersten Enttäuschung daran machen eine neue Burg zu bauen, mit Eifer geloben diesmal alles stabiler zu konstruieren und dennoch nicht beachten dass Fundament und Material dieselben sind.

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