Max Höfler

GANGAN Lit-Mag #50

Anstatt eines Vorworts

3.1. Zusammenfassung der Vorworte

Frau Präsident! Meine Damen und Herren! Hohes Haus!

Frau Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich möchte mich heute kurz fassen zum Unterschied von gestern.

Frau Präsidentin, geschätzte Damen und Herren! Natürlich als letzter Redner vor der Mittagspause, aber auch aus innerer Überzeugung, werde ich mich kurz fassen. 

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Gleich anknüpfend an die Wortmeldung des Kollegen möchte ich um eines bitten:
Ich glaube,
wir müssen uns bemühen.
Ich werde wirklich versuchen, mich kurz zu fassen.

Frau Präsident! Meine Damen und Herren! Ich befinde mich in seltener Einigkeit mit meinem Vorredner und mit den Vorrednern vor der Mittagspause.
Ich glaube,
ich werde mich bemühen.

(Wir werden uns auch darum bemühen!)

Ich werde versuchen, sehr kurz zu sein, zumindestens etwas kürzer als der Kollege.
Ich möchte daher ganz kurz diese letzten 10 Jahre noch einmal in Erinnerung rufen.

Darf ich einen kurzen Zwischenruf machen?
Ich möchte nur ganz kurz Stellung nehmen, weil ich Referent bin: Ich hatte die Ansicht, heute überhaupt nicht das Wort zu ergreifen!

(Allgemeiner Beifall.)

Und noch etwas ganz kurz.

 Nur einige Sätze.

Wenn ich das Ihnen nur ganz kurz zeigen darf.

Noch kurz einige Bemerkungen.

Möchte ich noch ganz kurz streifen.

Als Abschluß dieser grundsätzlichen Überlegungen möchte ich noch kurz zitieren:

Ich werde mich kurz halten.
Ich werde mich bemühen.

3.2. Zusammenfassung der Danksagungen

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

(Allgemeiner Beifall. – 9.20Uhr.)

Danke!

(9.25 Uhr.)

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

(Beifall bei der SPÖ und ÖVP. – 9.29 Uhr.)

Herzlichen Dank!


(Beifall bei der ÖVP und SPÖ. – 9.42 Uhr.)

Danke.


(Beifall bei der SPÖ. – 9.50Uhr.)

Ich danke Ihnen!

(Beifall bei der SPÖ. – 9.58Uhr.)

Ich bedanke mich nochmals bei allen.

(Beifall bei der SPÖ und ÖVP. – 10.06Uhr.)

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der SPÖ. – 10.20Uhr.)

Danke.

(Beifall bei der ÖVP. – 11.04Uhr.)

Danke schön.

(11.35 Uhr.)

Danke!

(Beifall bei der ÖVP und SPÖ. – 11.51Uhr.)

Ich und wir alle wollen besonders danken in diesem Rahmen.
Ich bedanke mich bei beiden, beim Herrn Abgeordneten wie auch beim Kollegen.

Ich danke auch ausdrücklich für die Wortmeldungen, betreffend Orts- und Dorferneuerung.
Ich danke vielen Damen und Herren.
Ich danke dem Herrn Abgeordneten.
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.
Und ich danke allen, die mitgeholfen haben, bis zum Steuerzahler.
Und ich möchte dem Landeshauptmann und allen danken, mit dem Landeshauptmann aber an der Spitze.

(Ich bedanke mich ebenso.)

Ihnen gebührt ein besonderes Dankeschön.
Ich möchte danken den Herren Bürgermeistern.
Ich darf aber auch den Mitarbeitern in meinem Büro danken verbunden mit einem herzlichen Dank.
Letztendlich gebührt mein Dank allen.

(Danke, Herr Landeshauptmann.)

Die Lebensleistung, mit über 100 Nummern von TRAKTOR heute weit über Österreich hinaus gewirkt zu haben, ist gewaltig, und wir können dazu nur gratulieren und dafür sehr, sehr dankbar sein. Abschließend möchte ich allen Mitgliedern der steirischen Musikkapellen und der Trachtenvereine für ihr ehrenamtliches Wirken zur Freude der gesamten Bevölkerung danken.

Entschuldigung, daß ich hier in die fast allgemeine Danksagung nicht einstimme, sondern ein paar Bemerkungen eher kritischer Natur anbringe.

(Danke!)

Ich stelle mir Avantgarde anders vor als diese Programmeinlage. Danke!

(Danke!)

Ich möchte dem Herrn Landesrat trotz allem, daß wir nicht immer einer Meinung sind, sehr, sehr herzlich danken.

(Beifall bei der SPÖ und ÖVP.)

Zum Schluß, meine Damen und Herren, möchte ich allen danken. Ich bedanke mich nochmals bei allen und wünsche ihnen viel Erfolg. Letztendlich gebührt mein Dank allen.
Ich bedanke mich herzlich, Herr Präsident.

(Danke, Herr Landeshauptmann!)

Und da möchte ich in aller Deutlichkeit sagen: Vielen herzlichen Dank.
Ich danke, daß Sie mir zugehört haben.

(Beifall bei der SPÖ und ÖVP. – 16.16 Uhr.)

Noch nie war eine Debatte von so vielen Dankabstattungen gekennzeichnet,
also ein absoluter Erfolg, und ich bedanke mich.
Gott sei Dank, sage ich —
wir können das Gott sei Dank.
Gott sei Dank ist viel weitergegangen, und
herzlichen Dank.
Danke.

Aus: Traktor, Ritter 2019
Material: Stenographische Berichte – Sitzungen des Steirischen Landtags

Walter Hoelbling

Walter Hoelbling

gone

where have conversations gone
long time passing
where have all our love words gone
long time ago
where have all our love words gone
mobiles took them, every one
when will we ever learn
I hope they will return

wiehere have all the mobiles gone
long time passing
where have all the notebooks gone
long time ago
where have all the kindles gone
turned to tablets, every one
when will we ever learn
there will be no return

where have all the tablets gone
long time passing
where have all the smart phones gone
long time ago
where have all these gadgets gone
been recycled every one
never they will return
never they will return

where have all the users gone
long time passing
where have all the texters gone
long time ago
there lie all the facebooks slain
people try to speak again
when will we ever learn
hope they again can learn

 

Obviously trying to do a half-serious, twitter-age version of Peter Seeger’s “Where have all the flowers gone?” (My favorite rendering is by Peter, Paul, and Mary)

Raoul Eisele

Raoul Eisele

out, out brief candle!

das leben kriecht
schwerfällig
schritt für schritt für schritt
von tag zu tag
zur letzten stunde
schleicht schattengleich
im kerzenschein
in rauchschwaden
ausgelöschter flammen
eines jungen herzens
im narrengewand des gestern
zur unbarmherzigen ewigkeit
des angebrochenen morgen
zum morgen
zum morgen
und wieder morgen
einer endlosen wiederholung
kriechend zum unbedeutenden
idioten
dessen stimme unvernommen
im widerhall
verstummt

 

Name: Raoul Eisele; BA BA
Geburtsort/-Jahr:  1991 in Eisenstadt – lebend in Wien Hernals
Studium: Germanistik BA und Komparatistik BA (abgeschlossen) aktuell Germanistik MA
Veröffentlichungen: why nICHt? Magazin 1-4 (Literaturmagazin der Komparatistik Universität Wien), SYN Nr. 12, Bücherstadt Kurier Nr. 21, mosaik freiVers 14.8.16, silbende Kunst Nr. 14., Fixpoetry, mosaik freiText 11.11.16, Bücherstadt Kurier, Inskriptionen (neue Literatur abseits vom Mainstream);
Textgattungen: Gedichte/Kurzgeschichten

Marc Adrian

Foto: Moucle Blackout

Hermann Hendrich
Zu den literarischen arbeiten von Marc Adrian

Wenn wir uns den literarischen arbeiten von Adrian zuwenden, vielleicht ein schmales, aber komplett veröffentlichtes werk mit zwei büchern, einer reihe von kurzen texten, einem theaterstück in kooperation mit anderen [1] und einer bestechenden übersetzung aus dem amerikanischen, sollten wir auch daran denken, wie die offizielle geschichte der literatur, freilich auch der modernen, immer von ihren eingeprägten oder eingebildeten gipfelhöhen ausgeht, und in den häufigsten fällen den ursprünglichen breiten und personenreichen kreativen sumpf partout nicht erkennen will. Freilich sollen die werke für sich sprechen, aber wenn es keine laudatores gibt, diese arbeiten einem breiteren lesepublikum vorzustellen, bleiben sie in den bibliotheken und auf den ikea brettern einiger interessierten intellektuellen stehen.

Eine neue generation von angehenden künstlern, schriftstellern, dichtern, musikern , komponisten, architekten der geburtsjahrgänge um 1930, auch verbunden mit jungen vertretern der sich aus dem rassismus befreienden wissenschaft der völkerkunde, versammelten sich mit beginn der fünfziger jahre in kleinen und größeren gruppierungen; eines der wichtigsten sammelbecken für diese frauen und männer  war der art club in der Wiener innenstadt, der so genannte strohkoffer. Geteilt wurde die ablehnung gegen die an den faschismus angepasste kunsthaltung, es gab informationen über die kunstentwicklung der 30er jahre, die vorher völlig unterdrückt worden waren, und manche künstler und schriftsteller, die quasi untergetaucht überlebten, Gütersloh sei als beispiel genannt, konnten ihre erfahrungen an die junge generation weitergeben. Marc mit seinen 20 jahren sog alles neue in sich auf, und konnte es auch so ordnen, dass es ihm in seinem letztendlich ungebrochenen gestaltungswillen zu diensten kam. Wie er insbesondere den losen kreis der – wie er schreibt – interessierten (Achleitner, Artmann, Bayer, Contreras, Ferra, Kölz, Jelinek, Potzelberger, Wobik, Rühm, Wiener) an den problemen der dichtung, musik und der bildenden künste darstellt, ist aus heutiger sicht von enormen interesse, haben sich doch die künste alle seitdem in ihre eigenen vier wände zurückgezogen. Für diese damalige zeit gibt es zeugnisse von Okopenko, Rühm, und zuletzt von Oswald Wiener, (Zur ausstellung „10 optische Gestaltungen“ im Jänner 1960 in der Galerie junger Generation am Börseplatz lasen Wiener, Rühm und Bayer, und Wiener legte ein blatt mit äusserst interessanten bemerkungen über dieses thema vor, das leider bei uns allen, die an den veranstaltungen teilnahmen, nicht mehr auffindbar ist.

Was hat man sich damals vorgenommen: das schreiben aus dem empfundenen, dem illusionismus, der einladung zum nachverfolgen des schicksals irgendeiner im text beschriebenen person herauszuführen, wie immer geartete andere prinzipien der anordnung von sätzen und wörtern anzunehmen. 1957 beendet Marc die ‚theorie des methodischen inventionismus’, der unter der beteiligung der in seinem atelier in der Oberen Donaustraße häufig anwesenden künstlerkollegen leider erst 1980 in der edition neue texte veröffentlicht werden konnte. Die mit hilfe dieser schreibtechnik geschaffenen texte der jahre von 53 bis 60 sind eben unter dem titel ‚inventionen’ ebendort erschienen. Dazu gehört allerdings auch die haltung sprachliches als material anzusehen, das nicht von augenblicklichen eingebungen gestaltet wird, sondern von einem kalkül.

Freilich hat die mathematische grundlage des „inventionismus“ sowie sein studium der wahrnehmungspsychologie an der UNI Wien neue möglichkeiten für seine bildnerische arbeit und den präzisen schnittprogrammen für seine filme mit sich gebracht.

Mit diesem rüstzeug ausgestattet, zu dem noch die kenntnis der cut-up und montage technik dazu gekommen war, erarbeitete Adrian zwischen 1966 und 69 eine anzahl von kürzeren texten, die in lesungen in verschiedenen galerien von ihm vorgetragen wurden. Leider fanden sie erst wesentlich später zu einer Veröffentlichung, sodass ihre wirkung auf die leseabende beschränkt blieb.

Auf grund aller dieser überlegungen und weiterführenden gedanken war Marc von den in der mitte der 60er jahre beginnenden möglichkeiten des computers fasziniert, auch in seinem filmischen werk hatte er sich damit auseinandergesetzt, nun gab die bekanntschaft mit einem programmierer am IBM und dem ähnlich gesinnten Gottfried Schlemmer die möglichkeit, völlig neue gestaltungen für ein theaterstück, das SYSPOT genannt wurde, auszuprobieren. Für die bühne wurde das stück nur in einer aufführung vom ersten Wiener Lesetheaters erarbeitet, aber in den protokollen 1970 abgedruckt.

Die intensive beschäftigung mit dem werk von Kenneth Patchen, insbesondere dessen meisterwerk Sleepers Awake, das Marc für den März Verlag übersetzte, verschafften ihm noch weiterreichende gestaltungsmöglichkeit. Patchen hatte ja nicht nur die visuelle und konkrete poesie vorausgenommen, sondern auch spezielle techniken der montage entwickelt, viele jahre vor Konrad Bayer. Als ergebnis dieser vielschichtigen anregung dürfen wir die wunschpumpe als die große montagearbeit betrachten, die 1991 erschien.

Wie ich in der vergangenheit einigemale ausführen durfte, hat Adrian in den von ihm meisterlich beherrschten künstlerischen disziplinen sein großes kreatives potenzial einbringen können, und seine neuen gestaltungsmethoden auch weitergeben können, in Cambridge, USA; Hamburg, Stuttgart. Zu erwähnen ist auch, dass er mit seiner aktivität in literarischen, insbesondere in der GAV,  kreisen eine kleine gruppe von dichterInnen  der nächsten generation, unter ihnen Loidl oder Katt befreunden konnte, die sich mit seinen schreibmethoden intensiv auseinandergesetzt hatten.

Als abschluss oder auftrag an uns, die wir kreativ tätig sind:

„wir wirklichkeitsmacher“

wirklichkeit kommt vom wirken, das heißt vom machen.
schon diese herkunft deutet die machbarkeit des wirklichen an.

KONVENTIONEN

wo man hinschaut!
was man
sieht, hört, fühlt,
schmeckt man.
wie lernt man?

man sieht etwas bekanntes und
riecht dazu etwas unbekanntes.

p.e. faules fleisch (bekannt?)
in spiritus (innovation!). (*)

später lernt man dann schnaps trinken
und die grundregeln der bodenpflege
und kennt dann also den spiritus
in- und auswendig.

man hat ihn

GELERNT.

(kombinatorik macht klüger –
oder, jedenfalls, erfahrener.)

all das gelernte zusammen heißt

WIRKLICHKEIT.

natürlich gibt es dabei wichtiges und unwichtiges.
was wichtig ist weiß

DER STAAT

und seine beauftragten. denn sonst gäbe es ja
keine möglichkeit zur

KOMMUNIKATION

und das friedliche zusammenleben der menschen
wäre sehr schwierig.

was wichtig ist, lernt man in der schule

(wo es einem hübsch eingebläut wird, damit
man auch ja die

RICHTIGE WIRKLICHKEIT

innekriegt.)

aber natürlich sind da die lehrer
oft in peinlicher verlegenheit.

(wo sollen sie so viel wirklichkeit
herkriegen, wie sie zum lehren
brauchen?)

daher hat der staat uns,

DIE KÜNSTLER.

wir sind spezialisten für kombinatorik und machen
soviel wirklichkeit, wie gebraucht wird.

aber natürlich wissen wir künstler das nicht
so genau wie der staat und seine beauftragten.
und daher machen wir manchmal auch wirklichkeiten
die man nicht so gut brauchen kann.

(dann schlägt uns der staat züchtig aufs maul.)

DIE WIRKLICHKEITEN

legt der staat in die lade und kramt sie raus,
wenn er dafür eine verwendung hat.

dann bezahlt er die künstler,
wenn sie nicht schon tot sind.

wien, aug. 12/69
(marc adrian)


(*) anmerkung: in diesem konkreten fall handelt es sich um ein konserviertes blutiges menschenhirn im einmachglas in der vitrine der prosektur.

Bezogene Veröffentlichungen:

Adrian. M 1980, vorbemerkung (© 1957) in „marc adrian inventionen“, edition neue texte, Linz 1980

Hendrich H., 1993, ‚Der mehrdimensionale Künstler Marc Adrian’ in BLIMP Filmmagazin, No. 24, Graz 1993, S. 20-21.

Okopenko A. 2000 ‚Die schwierigen Anfänge österreichischer Progressivliteratur nach 1945’ in Andreas Okopenko, Gesammelte Aufsätze, Band 1, Ritter Literatur, Klagenfurt & Wien, 2000, S. 13-38

Rühm G., 1980. nachwort in „marc adrian inventionen“, edition neue texte, Linz 1980

Wiener O., 2015. ‚Anfänge’ in: „Konrad Bayer,: Texte, Bilder, Sounds. Paul Zsolnay Verlag Wien 2015, S. 278-286

Umfassende Information:

marc adrian: Katalog der Neuen Galerie Graz, Hrsg.: Anna Artaker, Peter Weibel. Ritter Verlag Klagenfurt 2007

Marc Adrian: Das filmische Werk, Hrsg.:  Otto Mörth.
Sonderzahl Verlag Wien 1998

aus: IDIOME, Hefte für Neue Prosa Nr. 10.
© 2016 Hermann J. Hendrich

[1] Liste der Publikationen von Marc Adrian

das mammut. ein lehrstück. edition werkstatt breitenbrunn, Breitenbrunn 1969 und in Neues Forum Heft 247/248, Juli/August 1974, s. 30-33 und in: die maschinentexte, Gangan Verlag 1996

SYSPOT (mai – juli 1968)  Zus. mit G. Schlemmer & H. Wegscheider, in protokolle, ’70; Jugend & Volk, Wien 1970 S. 86-96 und in: die maschinentexte, Gangan Verlag 1996

poémes inventionistes, zusammen mit moucle blackout. Siebdrucke Format 295 x 315 mm, Spiralbindung, Hamburg 1972

marc adrian inventionen. nachwort gerhard rühm. edition neue texte © Marc Adrian 1980, ISBN 3-9000292-13-2

Kenneth Patchen: Schläfer erwacht. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Marc Adrian, Originalausgabe: Sleepers Awake 1946, © März Verlag GmbH 1983, ISBN 3-88880-038-2

4 Stücke für John Cage, in Ganganbuch 5, Jahrbuch für zeitgenössische Literatur, Graz/Wien 1988, S. 12-15, ISBN 3-900530-09-2

DIE WUNSCHPUMPE. Eine Wiener Montage. © Gangan Verlag Graz-Wien-Sydney 1991, ISBN 3-900530-18-1 www.gangan.com

scenario für herrn h. in Neues Forum Nr. 452/454, Wien, Juli 1991, S. 57-63 und in: die maschinentexte, Gangan Verlag 1996

bein ade! bade nie. in Linzer Notate Positionen, Blattwerk Linz/wien 1994, S.116-120 und in: die maschinentexte, Gangan Verlag 1996

die maschinentexte (E-Book, online). montagen, textsynthesen, computer generierte texte, permutationen (1966-69), © Marc Adrian & gangan books australia (Raw Cut 1996) www.gangan.com

die maschinentexte (iBooks, download). montagen, textsynthesen, computer generierte texte, permutationen (1966-69), © Marc Adrian & gangan books australia (iBooks 2013) ISBN 978-3-900530-25-9 https://itunes.apple.com/at/book/die-maschinentexte/id777136916?l=en&mt=11

KENNETH PATCHEN und die amerikanische nachkriegsgesellschaft
© 1994 in STRUKTUREN ERZÄHLEN – DIE MODERNE DER TEXTE, Hrsg. Herbert J. Wimmer, edition praesens, Wien 1996, ISBN 3-901126-35-X. S. 33-53 ***

gegen das vergessen, © 2000 Marc Adrian in: fern schwarz
versammlung struktureller texte 1960 bis 2000. Academic Publishers/Graz, 2000, ISBN 3-901519-08-4, S. I bis VII

kurzer versuch einer stelllungnahme zu drei texten von hermann hendrich
© 2005 Marc Adrian in Gesammelte Texte; zehn, bergsommer und andere in Werkauswahl. Edition die Donau hinunter, Wien 2005, ISBN 3-901233-31-8, S. 9 – 20

Veröffentlichungen in der Zeitschrift Freibord:
schotter der erinnerung
in Nr. 20, 1980, S. 64-68
kindsbraut in Nr. 21, 1980, S. 16-18
filmrealität und textrealität
in Nr. 52/52, 1986, S. 7-26
beschreibung einer anwesenheit (Auszug 1966) in Nr. 57, 1987, S. 39-40
die wunschpumpe (Auszug) in Nr. 76, 1991, S. 7-41
frie der… in Nr. 91, 1995, S. 18

Manuskript-Faksimile in „marc adrian, Katalog zur Ausstellung in der Neuen Galerie Graz 2007“ Ritter Verlag Klagenfurt 2007, ISBN 978-3-85415-412-9

Diverse Manuskripte im Literaturarchiv der Österr. Nationalbibliothek

Bernhard Kainerstorfer

Yellow Rose Bloom
(for CJ)

There was the solar eclipse shining down on them at the very end of a millennium. And he held her in his arms. Feeling so good, breathing through his heart like living in an aquarium, breathing, before the time has come to oxygenize through gills.

Who was cosmically struck and ready for delightful uplift? And who was ready for some technical fortune?

There was a couple beneath the solar eclipse. Embraced. And the celestial bodies kept moving, slowly.

Light was a precious thing these days, and next to light, money was considered even more valuable, helpful, adored in general, a booster in particular, when one was anxious to puJchase an ’59 Eldorado Convertible.

He loved these old cars with these fins and she loved these old cars with these fins. Once they both had touched fins softly and with care.

It should be a yellow fancy car, much brighter than a cab of course, yellow as light, yellow as the most smiling flowers, yellow as laughing lemons that congregate for natural acid fun, oh no no … yellow as the French’s America’s Favorite Mustard. Classic Yellow.

He loved mustard and she loved mustard. Did she? Oh how good it was with ham. And if they ever had won the lottery they surely would have filled a bathtub with that yellow mustard in order to have a mutual meal, to lick each other for pleasure’s sake. Oh yeah, they would have made love in that very yellow stuff.

If they ever had …

Not too much is known about this couple (sources of information had dried out too soon) except that one day he and she pulled up the same idea simultaneously.

„Let’s buy a lottery ticket“, they would say, holding hands, convinced that one of the lottery tickets would pave the way to heaven. Southwards.

„Let’s buy Quick Picks, Treasure Coves, Top Dogs, maybe they have Golden Cats too, right around the corner in the liquor store.“

Oh, the beginning of a trip? Heading south? There was a glossy town down there and funky people waiting.

„Let’s buy this yellow convertible and get down the road.“

Not too much was known about this couple, except that these things happened in America, and that tears fell down on every number. After they had scratched the lottery tickets and set the numbers free.

They watered the numbers with their own drops of sorrow. They would do the scratching together as though they were cutting a wedding cake. And they did a lot of weeping together since the numbers didn’t match the fortune for a long time. (Some said there were yellow tears rolling down their cheeks, but I would not believe that this is the truth.)

And then, in the middle of the night, the scream of excitement!

Numbers came alive. The postponed effect of the solar eclipse? However, people opened the windows and leaned out to see the lucky ones.

The couple was only heard, not seen, the man and the woman kept themselves well hidden when they picked up the money from the Lottery Company.

They kissed each other on the mouth and said: „let’s get on with doing what we love to do.“

Now they could afford to move into a colorful garden. It was the most beautiful garden on earth, on planet earth, with gorgeous plants of all kinds, lovely dressed up flowers, wimpy bushes, naked cacti, proudly speaking trees and ornery weed.

In the middle of this garden there was the yellow convertible. This dear friend had done a million miles, and the owners agreed that it deserved withdrawal from the endless road. And the convertible agreed to be modified, it actually was fond of being converted into a bathtub. It only took the man a few weeks to make the old convertible’s interior water-resistant. He sealed the inside with so much care, fingers nimbly touching the slits. And he sealed with the love he felt when he observed her talking and sleeping.

Some day they married in the bathtub while making love. Clean waters became dirty and when their bodies were in dirty movements they became clean.

There had been mutual fears that would blossom at the very edge of a yellow rose’s foliage. And when they made love in the tub the water would swamp over the tub’s edge. Some high tide. The one and only Pacific Ocean would have been envious.

So the ground around them was watered. Eventually, there were all kinds of roses growing. Purple roses, red roses, blue roses, green roses … and of course yellow roses. Some smelled wistful, some smelled heartful, some smelled obstacly, some smelled enchanting, some smelled like honey fused with moonlight in a traffic jam, some smelled lustful, some smelled like a Jack in the Heck (a walk from Drive-Thru-Food by Feet from Salinas to New York City) some spread the odor of reticence, some spread the odor of pink flies, some carried the sent of sea weed, some carried the sent of hopeless innocence, some roses would lick in search of guilt … .

Some say they hired a mermaid to harvest the roses weekly. (But I would not believe that this is the truth.)

When they died there was another sort of folding top. They were buried in the yellow bathtub; once again it was converted. Into a sarcophagus.

Not too much is known about the funeral except that nobody knows where they had found a place to rest in peace. She would lie like a mummy, arms crossed on her breast. He would lie under her body embracing her clumsily like a shark that was in love. Like a shark that was about to learn how to use the fins, that had never dwelled in an aquarium. And they would lie together. They would melt into each other. And it felt so eternal.

And breakers crashed on the beach somewhere else.

Ingeborg Bachmann

The Game is Over / Das Spiel ist aus

The Game is Over

My dear brother, when will we build a raft
to float down the sky on?
My dear brother, soon our load will be so heavy
that we’ll sink.

My dear brother, onto paper
we’ll draw many countries and tracks.
Watch out for the black lines
or you’ll fly sky high with the land mines.

My dear brother, I want to be tied to a stake
and scream.
Already you ride out of death valley
and together we will flee.

On guard in the gypsy camp, on guard in the desert camp,
the sand streams from our hair,
your age and my age and the age of the world
cannot be measured in years.

Don’t be deceived by cunning ravens, sticky spider’s hands
and a feather in the bush,
don’t eat and drink in a fool’s paradise,
illusion gleams in pans and mugs.

Only he who by the golden bridge
still remembers the name for the
karfunkelfaerie has won.
I must tell you that it has melted with the last snow in the garden.

Many, many stones have made our feet so sore.
One can heal. We will use it to jump with,
until the children’s king, with the key to his empire
in his mouth comes for us and then we will sing:

It is a beautiful time when the date stone sprouts!
Each one that falls has wings.
It is foxglove drapes that shroud the poor
and your bud sinks onto my seal.

We must go to sleep, darling, the game is over.
On tip-toes. The white shirts swell.
Father and mother say, there are ghosts in the house
when we exchange our breath.

Translated by Angelika Fremd

Das Spiel ist aus

Mein lieber Bruder, wann bauen wir uns ein Floss
und fahren den Himmel hinunter?
Mein lieber Bruder, bald ist die Fracht zu gross
und wir gehen unter.

Mein lieber Bruder, wir zeichnen aufs Papier
viele Länder und Schienen.
Gib acht, vor den schwarzen Linien hier
fliegst du hoch mit den Minen.

Mein lieber Bruder, dann will ich an den Pfahl
gebunden sein und schreien.
Doch du reitest schon aus dem Totental
und wir fliehen zu zweien.

Wach im Zigeunerlager und wach im Wüstenzelt,
es rinnt uns der Sand aus den Haaren,
dein und mein Alter und das Alter der Welt
misst man nicht mit den Jahren.

Lass dich von listigen Raben, von klebriger Spinnenhand
und der Feder im Strauch nicht betrügen,
iss und trink auch nicht im Schlaraffenland,
es schäumt Schein in den Pfannen und Krügen.

Nur wer an der goldenen Brücke für die Karfunkelfee
das Wort noch weiss, hat gewonnen.
Ich muss dir sagen, es ist mit dem letzten Schnee
im Garten zerronnen.

Von vielen, vielen Steinen sind unsre Füsse so wund.
Einer heilt. Mit dem wollen wir springen,
bis der Kinderkönig, den Schlüssel zu seinem Reich im Mund,
uns holt, und wir werden singen:

Es ist eine schöne Zeit, wenn der Dattelkern keimt!
Jeder, der fällt, hat Flügel.
Roter Fingerhut ist’s, der den Armen das Leichentuch säumt,
und dein Herzblatt sinkt auf mein Siegel.

Wir müssen schlafen gehn, Liebster, das Spiel ist aus.
Auf Zehenspitzen. Die weissen Hemden bauschen.
Vater und Mutter sagen, es geistert im Haus,
wenn wir den Atem tauschen.

 

 

Aus: Anrufung des Großen Bären,
Werke Bd. 1, S. 82-83,
Piper Verlag GmbH, München 1978,
mit freundlicher Genehmigung des Verlags
und Herrn Bachmann

Martina Pfeiler

My First Poems

To My Lyrical I

And here I tell you, oh lyrical I,
that you need to sharpen
your poetic eye:
Watch out for the inexplicable
cold and hot streams
in us, in you.

Discover the hidden depths
of the unconscious
in us, in you.

Monitor the melodramatic
self-pity on a misty evening
in us, in you.

Spot the concealed
secrets of joyful life
in us, in you.

Consider the sacred
principles of liberty,
in us, in you.

Observere injustice in the world.
Observe it AND speak it out!

Choose your words wisely,
yet be intuitive. –

And you will never, I promise,
choke on your own words.

After all, lyrical I, YOU HAVE GOT MY WORD.

Capture My Release

I’m fighting for freedom in chains-
with the key in my hand that has locked me up.

Chasing myself, hounding myself, torturing myself.
Hunting after my submission, fighting for my release.
Seeking my surrender, pursuing my liberation.

Letting me escape.
Release. Releave.
Fortunate freedom.

Leaving me imprisioned.
Caught. Kept.
Sacred security.

I’m fighting for sanity, mind-boggling, brain-washed, bound, yet free,
escaping to love, loving to escape,
I CAPTURE MY RELEASE.

„GOOD MORNING FUTURE“

I’m sitting on a bench in front of
a city’s main train station in Austria.

There’s loud music coming from a
place – a promotion gig for a
politician – a social democrat.

„Good morning future“, a slogan says.
They are distributing cold coke cans to cool kids,
when suddenly my eyes catch an old, homeless woman
passing by, searching for something to drink in one
of the waste bins.

I’m thinking of her and the politician and my heart
crumbles to the size of an ice-cube while the letters of
the slogan dissolve and emerge again as
„GOOD NIGHT FUTURE“.

god@heaven.com

Life is so full of messages today,
I even happen to look at the display
of my solar pocket calculator
nowadays
to check
if God has sent me an e-mail.

Frederic Tybery

Alles / Everything

Serie ‚Alles‘, Acryl auf Leinwand / acrylic on canvas, 180 x 130 cm

Frederic Tybery, geboren am 22. Februar 1954 in Wien, lebt in Graz. Grafiker und Medien-Designer, Absolvent der Höheren Technischen Bundeslehranstalt für Bildnerische Gestaltung in Graz, Illustrator und Bühnenbildner.

Walter Hoelbling

Nightpoems

nightlife

ride the night
on fiery wings
beyond the moon
to the one you love

lie open-eyed
clothed only
in your nervous skin

feel the whisperings
of the forest
under a star-speckled
summer sky

hear deer
rustle through dry leaves
on ingrained paths

breathe in the night air
in deep drunken draughts

let your mind wander
across oceans

be alive

night wind

strong armies of clouds
keep rushing by
pursued
by fragmented Fiesta music
travelling on a fierce night wind
that polishes the twinkle
of the evening star
tears at the corners
of the house
rattles at doors and windows
blows my thoughts into wild spirals
jiggles the glass on the table
and makes me shudder
in my patio chair

bedtime

sad I am
and go to bed
lock my heart up
from inside
in my soul
I dim the light

so none sees
so none hears
all the fury
all the pain
struggling in my flood of tears

long night

she had promised
he kept waiting

he knew it would be
late
and kept himself busy
fighting against
the lump he felt
beginning to form
in his chest
when long after midnight
the phone continued
not to ring

he thought of
how she would enjoy
exhilarating company
and be happy

in the end
when her voice
would come
across thousands of miles

exhausted yet pleased
he would swallow hard
and simply tell her
„I love you“

strange bird

I am the night owl
flapping its wings
stealthily through your dreams
with a soft feathery touch
you may remember
you have imagined
like the figure at the end
of the corridor
whose face remains
in the shadow

I am the sower of images
growing from the dark
touching your mind gently
tapping at forbidden doors
closed to the brighter hours

I am the prowler of twilight thoughts
that lend shapes
to your hopes
and fears and desires
living their lives
in between

I am the night owl
that shudders
and folds its wings quietly
when the sun rises
always too soon
patiently waiting
until the day is done

Mark Pregartbauer

Ameisen

Unzählige Arbeiterameisen krabbeln auf dem achtlos weggeworfenen Stück Apfel, den der ehemalige Besitzer bis auf den von ihm nicht mehr verwertbaren, da nicht schmackhaften, Putzen abgenagt hat und anschließend auf den Boden, unbewußt, in die Nähe des kleinen Ameisenbaus verfrachtete. Winzige Stückchen mit ihren höchst effizienten Schneidewerkzeugen vom Ganzen getrennt, auf ihren im Verhältnis zu ihrer Körpergröße erstaunlich kräftigen Rücken tragend, läuft eine Ameise hinter der Anderen wohlgeordnet, die, für den sich nähernden Menschen kaum sichtbare, schwarze Straße aus sich bewegenden Körpern entlang. Keine Ameise tanzt jemals aus der Reihe. Menschliche Schritte, werden als kleine Erdstöße erfaßt, allerdings stört dies keinen der Arbeiter beim Abbau des schmackhaft weißen Fruchtfleisches.

In der Gedankenwelt unseres Menschen existieren die kleinen Ameisen genausowenig wie der Apfelputzenrest der knirschend unter seinem hastigen Schritt, er ist in Eile den Bus zur Schule noch rechtzeitig zu erwischen, zu bräunlichem Brei zermalmt wird. Einige Ameisen finden dabei den Tod, was niemanden weiter kümmert (die Ameisen als allerletztes), warum auch? Unser Mensch, ein junger Homo Sapiens, gelangt pünktlich zur Schule wo ihm gemeinsam mit seinen Klassenkameraden/innen, nun ca. 6 Stunden täglich, und das 5 Tage die Woche, Wissen nach modernen pädagogischen Prinzipien artgerecht und wohl portioniert eingetrichtert wird. Die Schüler tragen die Informationen in ihren für ihre Körpergröße erstaunlich leistungsfähigen Köpfen dann nach Hause. Tag für Tag, Woche für Woche. Nur Weihnachten, Ostern, etc. unterbricht sich das Jahr mit ebengenannten Feiertagen, die für sowohl die „Arbeitende Bevölkerung“ als auch die Schüler eine willkommene Abwechslung bieten. Ameisen kennen im Vergleich dazu keine freien Tage; dies ist ein gewichtiger Unterschied zum Menschen. Beendet man als Schüler den gewählten Schultyp, das hat unser „Vorzeige Homo Sapiens“, da in Vorbereitung auf sein späteres Leben noch Informationen sammelnd, vor sich, ist es natürlich nicht vorbei Leistungen zu erbringen, sich noch immer fortzubilden, sich durchzusetzen; kurz: im Beruf aufzugehen. Es beginnt gerade erst. Ameisen dagegen werden, da von Beginn an voll entwickelt , von Geburt auf ins leistungsorientierte Leben integriert. Das haben sie den Menschen voraus.

Einige Jahre später krabbeln unzählige Arbeiterameisen auf dem achtlos weggeworfenen Stück Apfel, den der ehemalige Besitzer bis auf den von ihm nicht mehr verwertbaren, da nicht schmackhaften, Putzen abgenagt hat und anschließend auf den Boden, unbewußt, in die Nähe des kleinen Ameisenbaus verfrachtete. Winzige Stückchen mit ihren höchst effizienten Schneidewerkzeugen vom Ganzen getrennt, auf ihren im Verhältnis zu ihrer Körpergröße erstaunlich kräftigen Rücken tragend, läuft eine Ameise hinter der Anderen wohlgeordnet, die, für den sich nähernden Menschen kaum sichtbare, schwarze Straße aus sich bewegenden Körpern entlang. Keine Ameise tanzt jemals aus der Reihe. Menschliche Schritte, werden als kleine Erdstöße erfaßt, allerdings stört dies keinen der Arbeiter beim Abbau des inzwischen braun oxidierten Fruchtfleisches.

In der Gedankenwelt unseres gealterten Menschens existieren die kleinen Ameisen, die er in wenigen Sekunden zu Dutzenden zertreten wird (noch immer) schon wieder nicht, wohl aber achtet er diesmal auf den abgenagten Apfel, dem er, da die gründlich polierten schwarzen Lederschuhe, sie glänzen sogar, laut Kleiderordnung nicht beschmutzt sein sollen, mit elegantem Ausfallschritt ausweicht. Die Ameisen kümmert der Tod ihrer Kameraden, der Sapiens ist auf die Ameisenstraße getreten, noch immer nicht, insofern hat sich in dieser Gesellschaft nichts verändert. Nichts geändert hat sich auch für den Menschen der hastigen Schritts zum Bus eilt welcher ihn gemeinsam mit Dutzenden Leuten mehr oder weniger pünktlich in die Nähe seiner Arbeitsstätte verfrachten wird. Am jeweiligen Arbeitsplatz angekommen ergießt sich ein Strom arbeitswilliger Homines Sapientes in die Büros wo sie aktenschleppend, wohlgeordnete 40 Stunden die Woche, ihrer Arbeit nachgehen werden.

Wenn der junge Mensch nach einem arbeitsreich erfüllten Tag übermüdet in seinem Bett dem wohlverdienten Schlaf entgegensinkt nimmt er aus den Augenwinkeln manchmal das sich im Halbdunkel vor seinem Fenster bewegende Laub wahr. Gelb fällt es, im Licht einer roten Sonne, verfärbt von hohen Bäumen, sammelt sich zu einer bunten Decke, im Herbst den grauen Asphalt bedeckend. Im goldenen Licht gehen Unbeschwerte Hand in Hand lachend durch raschelndes Laub, erkennen nicht, dass alles nur zerbrechliche Einbildung ist, am Morgen wenn der Wecker läutet vergessen, aufgeschoben bis zur nächsten Nacht.

Ob Ameisen tagträumen können?