Margret Kreidl

Zucker, Licht.

Sie hält Tasse und Untertasse in den Händen.
Sie trinkt nicht.
Sie schreit.
Schokolade Schokolade.
Die Tasse ich spreche von der Tasse die Tasse mit dem Rosenmuster die Tasse mit den Rosen die Rosentasse.
Vorsicht sage ich größte Vorsicht.
Sie flüstert. Sie hat ein Stück Zucker in der Hand. Sie steckt das Stück Zucker in den Mund.
Sie hat flache Dinge gern. Sie hat ihre kleinen Eigenheiten.
Sie beißt sich in den Finger. Sie taucht den Finger ins Wasser. Manchmal trägt sie einen Mantel. Einen königsblauen kurzen Mantel einen weißen Minifaltenrock königsblaue Strümpfe.
Sie nimmt das Besteck. Sie ißt. Sie wischt sich die Lippen ab. Sie bestellt zwei Kaffee. Sie kann nicht länger warten. Sie ruft mich an. Sie wird mich wieder anrufen. Ich bringe Blumen mit. Ich küße sie auf die Wangen. Sie ist leicht geschminkt. Sie trägt einen Pullover. Das Telefon läutet. Sie nimmt beim zweiten Läuten ab. Sie hat auf diesen Anruf gewartet. Sie trägt ein Hemd und einen Pullover mit V-Ausschnitt. Sie hat sich die Lippen rot gemacht. Sie raucht viel. Ich ziehe ihr den Pullover über den Kopf und knöpfe das Hemd auf. Sie macht ein Geräusch mit dem Mund.
Sie steht auf. Sie geht hinaus. Sie ist eine Schönheit. Sie geht sehr langsam.
Sie trägt ein kariertes Wollkostüm und blaue Seidenstrümpfe. Sie ist stark geschminkt.
Sie ist vom Bahnhof zurückgekommen. Sie kommt. Sie wird bleiben. Da ist sie. Ich bin glücklich. Sie öffnet die Handtasche. Sie seufzt. Sie hat nicht die Zeit gehabt sich fertig zu schminken. Ich bin gerührt. Sie zittert. Sie läßt mich die Bluse angreifen. Ich bin sehr bewegt. Sie seufzt.
Es hat ja noch Zeit. Es ist ja noch nicht Abend. Es ist ja noch lange nicht Abend. Nein es ist noch lange nicht Abend. Wenn sie kommt ist es Abend. Sie kommt noch nicht. Wenn sie kommt ist es Abend. Ja.
Sie hat sich schön gemacht. Wir haben getanzt. Sie ist aufmerksam. Sie hört zu. Sie ist da. Sie ist gut. Sie schaut mich an. Sie lächelt. Sie ist bewegt. Sie sagt nichts. Sie ist sehr bewegt.
Sie hört zu essen auf. Sie sagt nichts. Sie steht auf. Sie ergreift das Wort. Sie macht eine Pause. Sie setzt sich. Sie macht eine Handbewegung. Eine große Handbewegung.
Sie zieht sich aus. Sie ist glücklich.
Sie öffnet mir. Sie hat eine neue Frisur. Sie hat Falten um die Lippen. Sie spreizt die Hände. Sie zieht das Kleid hoch. Sie hat dicke Beine. Sie leckt sich die Lippen.
Sie will meinen Arm sehen. Sie nimmt meine Hand sie will meinen Arm sehen. Sie schiebt die Ärmel hoch. Sie sieht auf der weißen Haut schwarze Haare. Sie zupft die schwarzen Haare aus. Sie hält meine Hand fest.
Sie hat die Hände hinter dem Rücken. Sie hebt die Schultern und schnalzt mit der Zunge. Sie setzt sich auf das Sofa. Es ist schon spät. Sie sitzt auf dem Sofa. Sie hat den Mund leicht offen.
Sie steht auf. Sie fällt hin.
Sie steht hinter dem Tisch. Sie stützt sich mit den Fingern auf die Tischplatte. Sie hält den Kopf gesenkt.
Sie schreit.
Zucker.
Licht.

Sugar, Light.

She holds a cup and saucer in her hands.
She doesn’t drink.
She cries out.
Chocolate chocolate.
The cup I’m speaking of the cup the cup with the rose pattern the cup with the roses the rose-cup.
Caution I say the greatest caution.
She whispers. She has a piece of sugar in her hand. She sticks the piece of sugar in her mouth.
She ist fond of flat things. She has her little peculiarities. She bites her finger. She dips her finger in the water.
Sometimes she wears a coat. A short royal blue coat a white pleated miniskirt royal blue tights.
She takes the knife and fork. She eats. She wipes her lips. She can’t wait any longer. She calls me. She’s going to call me again. I bring flowers with me. I kiss her on the cheeks. She is lightly made up. She is wearing a pullover. The telephone rings. She picks it up on the second ring. She has waited for this call. She is wearing a shirt and a V-neck pullover. She has made her lips red. She smokes a lot. I pull the pullover over her head and unbutton her shirt. She makes a noise with her mouth.
She stands up. She goes out. She is a beauty. She goes very slowly.
She is wearing a checked woollen suit and blue stockings. She is heavily made up.
She has come back from the station. She is coming. She is going to stay. There she is. I’m happy. She oppens her handbag. She sighs. She hasn’t had time to do her make-up. I am touched. She shivers. She lets me tackle her blouse. I am very moved. She sighs.
There is still time after all. It isn’t yet evening after all. It won’t be evening for a long time after all. No it won’t be evening for a long time. If she comes it’s evening. She isn’t coming yet. If she comes it’s evening. Yes.
She has made herself beautiful. We have danced. She is observant. She listens. She is there. She is good. She looks at me. She smiles. She is moved. She says nothing. She is very moved.
She finishes eating. She says nothing. She stands up. She begins to speak. She pauses. She sits down. She makes a hand movement. A large hand movement.
She undresses. She is happy.
She opens the door to me. She has a new hairstyle. She has wrinkles around her lips. She spreads her hands. She lifts her dress high. She has fat legs. She licks her lips.
She wants to see my arm. She takes my hand she wants to see my arm. She pushes up my sleeves. She sees black hairs on the white skin. She pulls out the black hairs. She holds my hand tightly.
She has her hands behind her back. She raises her shoulders and clicks her tongue. She places herself on the sofa. It’s already late. She is sitting on the sofa. She has her mouth slightly open.
She stands up. She falls down.
She stands behind the table. She supports herself with her fingers on the tabletop. Her head is bowed.
She cries out.
Sugar.
Light.

Working translation by RICHARD BARRETT

Margret Kreidl, born 1964 in Salzburg, is living as a free-lance writer in Vienna. 1991 grant of the Berlin Colliquium; 1993/94 grant of the acdemy Schloß Solitude, Stuttgart; 1994 Reinhard-Priessnitz-Prize, Vienna.
Veröffentlichungen / Publications
„Meine Stimme“ (My Voice), edition gegensätze, Graz 1995;
„Schnelle Schüsse“ (Quick Shots), das fröhliche wohnzimmer, Wien 1996;
„Domino“, Bibliotheka Austriaca, Pik Verlag, Veliko Târnovo 1996;
„Ich bin eine Königin. Auftritte“ (I am a Queen. Appearances), Wieser Verlag, Klagenfurt 1996;
„In allen Einzelheiten. Katalog“, Ritter Verlag, Klagenfurt 1998.
Aufführungen / Performances
1990 „Asilomar. Revue“, fabrik, Graz;
1992 „Auf die Plätze. Sportlerdrama“, (Get to your Marks. A Sportmen’s Play) municipal theatre Koblenz;
1993 „Halbe Halbe. Ein Stück“, (Fifty Fifty. A Piece of Theatre) forum stadtpark theater, Graz; Radioplay ORF 1993;
1994 „Unter Wasser. 5 Akte“, (Under Water. 5 Acts) Volkstheater Vienna; German première Schloß Solitude, Stuttgart;
1996 „Reiten. Ein Hörspiel“, (Horse-Riding. Radioplay) ORF; Right of performance: Rowohlt Theater-Verlag, Reinbek bei Hamburg.
1997 „Dankbare Frauen. Komödie“, Postfuhramt Berlin-Mitte.

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