Christian Damböck

Sprachschatten

„Wenn wir darum das Sprechen der Sprache
im Gesprochenen suchen müssen, werden wir
gut daran tun, statt nur beliebig Gesprochenes wahllos
aufzugreifen, ein rein Gesprochenes zu finden.
[…] Rein Gesprochenes ist das Gedicht.“

HEIDEGGER

WENIG, ABER GENUG

die gut vernietete Seele
stimmt das Klavier,
humpelt über hartes trockenes Gras
gießt mit dem Löffel die Semmel
legt sich zur Unruhe,
wegen der Periode.

Der Satz schluckt das Wort
und
spuckt es färbig verbeult wieder aus
danein ich er es taumelt
rasendgeschwin

Blatt zu ende

HOCHSOMMER

Null.
Ein Brummton
Hirn kahl und leer
Sonne einst
mundig verschlagen
in

darunter
schichtweise der
donnernde Springin

 

GELB und falb hängt eine Leiche von der Dach-
rinne.
Wen kümmerts!

Wen kümmerts, der Mond wandert,
Wien bleibt Wien, der Maulwurf schreit,
es schichten sich Hosen auf Hosen

TAMDARADAMDAMTAMDARADAMDAM

es steht ein Gänsebraten
im roten Bohnenhain.
Er holt sich von den Ratten
Tante und Onkel hinterdrein.

aber die Sternlein sie
blitzen so mold;
und die Mandel
sie schmeckt mit Ketchup besser.

 

ALS ich ein Vöglein war ging ich zur Tankstelle und pumpte mich
auf. Der Milchmann flog mein Nest nieder. Dann machte ich abends
Rabauts, stemmte mit dem gußeisernen Auge ein Loch in die Welt und
kam mir unsäglich blöd vor dabei. Die Tanten und auch Herr Meier
brachten mir Bücher zum Lesen. Dann las ich die Bücher. Als ich die
Bücher gelesen hatte fielen mir beim Wichsen die Flügel ab. Ich war
ein Langstreckenläufer geworden. Glücklicherweise strahlte seit
zwei Stunden die Finsternis so hell, dass ich nicht zu spät zum
Mittagessen kam.

 

ICH will
durch diese Fensterscheibe durchdichten

und
das Gedichtete dann
Buch
Buchst
Buchstabe
für
Buch
Buchst
Buchstabe
aufn Gehsteig träufeln lassen.

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