Anna Nöst: Textbaustellen

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baustelle I

„natürlicher einstieg“ bei HA, einmal laut lesen,

leichten schrittes zu WOS, einmal laut lesen,

leichten schrittes zu HALLO, HALLO, einmal laut lesen wieder zu HA,…

besondere empfehlung: lesung zu zweit, zu dritt oder im chor

natürlicher einstieg? steigen Sie ein, wo Sie möchten. Sie sind an jeder stelle willkommen. wenn Sie in der ubahn oder wo immer ein (hand)telefonat mithören, steigen Sie auch an jeder stelle ein.

ha?
wos?
hallo, hallo

baustelle II, himml ora höull

in jedem feld steht eine zeile, auf einem bein von feld zu feld hüpfen, stehen bleiben, laut lesen, weiterhüpfen

ort: auf der straße, 2 —3 mal auf der hauptstraße, jedenfalls 1x vor der gemeinde

  • i woas nid
  • nix gheard
  • i woas nix
  • nia nix gheard
  • (leerfeld)
  • nou nia wos guad s gheard va dei
  • nou nia nix guads dafrog va dei
  • hosd as gsechan
  • hosd den gsechan
  • wia de ausschaud
  • hosd dei gsechan
  • wia dei ausschaudwia dei ausschaun
  • kunnsd
  • kunnsd
  • kunnsdhimml ora höul?

auf dem anderen bein wieder an den anfang zurückhüpfen und von vorne beginnen

  • i woas nid
  • nix gheard
  • i wos nix
  • nia nix …

baustelle III

dach über dem kopf, in blauer schrift

baustelle IV

Pyramus et Thisbe, iuvenum pulcherimus alter, altera …in weiß oder rosa

ovid is full oasch in schwarz daneben

ebenfalls in schwarz, gott a.

ovid auf dem holzzaun

baustelle V

umsetzungsidee: Alfred Graf, sätze auf stoff“bahnen“ an den säulen vom kanzley-eingang zur kirche, jeweils mit steinen, allenfalls auch mit erde beschwert

  1. wia i ausschau, Silke, 18
  2. i bin sou dick, Sarah ,10
  3. i bin sou schiach, Katrin, 15
  4. wia i ausschau, Angelika, 17
  5. i bin sou dick, Amela 14
  6. mia is fad, Kathrin, 16
  7. mei nsch, mei n nosn, Gerlinde, 15
  8. i bin sou dick, Daniela, 14
  9. wia i ausschau, Doris, 15
  10. mia is sou fad, Natalija, 13
  11. meini heind san sou broad, Anja, 18
  12. i drau mi nid, Sandra 10
  13. des koun i nid, Michaela, 17
  14. i bin echd schiach, Carina, 17
  15. des bring i nid z soum, Eva, 15
  16. dies koun i nia,Jacqueline 12
  17. des schoff i nid, Ramona, 11
  18. des lern i ni, Jasmine 18

baustelle VI

mauer, fuck, schwarz gesprüht, www. … .at, mit rotem spray davorgesprüht, mandi liebt stefan, schwarz, stefan rot durchgestrichen, darüber, ina

baustelle VII

ja/ nein buchstaben aus metall im bach durch den ort, glänzend, silber und gold

eine laufmasche ist ein ja oder nein. wenn ein strumpf eine laufmasche hat, ist nur das halbe geld hin. wenn Sie von der selben art noch ein paar haben. eine laufmasche ist ein ja oder nein, ein L ist ein ja oder nein.

bezugnahme auf venedig-text

baustelle VIII

ein überdimensionales O als buchstabe(n) in der kirche, styropor, weiß, an eine säule gelehnt, daneben kleinere ebenfalls styoporbuchstaben, die in das O hineingegeben werden können. zum „ankreuzen“ gibt es entweder einen sehr dicken schwarzen filzstift, mit dem man JA, NEIN oder WEISS NICHT auf das O schreibt, oder man bringt vorgefertigte zetteln mit ja, nein, weiß nicht am buchstaben O an, es könnte auch drei O’s geben, eines blau für JA, eines rot für NEIN und eines weiß für WEISS NICHT. die besucherInnen machen einen strich auf jeweils dem buchstaben ihrer wahl.

eine laufmasche ist eine antwort. eine laufmasche ist eine antwort. ja oder nein, eine laufmasche ist eine antwort.

baustelle IX

X als styroporbuchstaben an den masten auf der wiese hin zum gartenhaus (mähen am eröffnungstag), mit diesem X können Sie zu einem ja gehen oder zu einem nein oder einem weiß nicht, jeweils auf die mauer gesprüht oder als lackierte holzbuchstaben an die mauer des gartenhauses gelehnt. oder an der mauer lehnen (wieder) drei O’s (können auch als kreise auf der mauer sein), zu denen die besucherinnen die JA’s, NEIN’s oder „WN“ (weiß nichtse) tragen.

baustelle X

iss kinn iss läuft im gasthaus, in der küche, iss kinn iss, für bestimmte tage oder abwechselnd an jedem wochentag in einem anderen gasthaus, schlag 12 uhr gehen draußen die glocken los und drinnen nicht die nachrichten, sondern iss, kinn, iss.

baustelle XI

angebracht auf der „brunnenmauer“ beim eisgeschäft, eis mit vorher und nacher:

l e
r
b EIS er
w EIS s
m EIS el
r sen
l en
pr

baustelle XII

wer sind wir?

am anfang steht die statistik.

am anfang steht die frage, stimmt die statistik?

kann man, frau das überhaupt vergleichen?

ja, kann man, frau schon, nein kann man, frau nicht.

kann man, frau schon, zu klären sind die annahmen. werden die namen aller in st. lambrecht geborenen untersucht oder die gerade zufällig zum zeitpunkt xy hier lebenden? lassen sich jahrzehnte mit offenbar geburtstarken jahrgängen mit den geburtenschwächeren jahrgängen vergleichen. sind die einzelnen jahrzehnte mit einem faktor zu gewichten (verstärkung der jahrgänge, aus denen männer im krieg gefallen oder verschollen sind). eine statistik ist eine statistik. here we are, die hitliste der namen von st. lambrecht.

6,5% aller bewohnerinnen von St. Lambrecht anfang juli 2000 heißen Maria, 6 % aller bewohner sind auf Johann, Johannes oder Hannes getauft. die Hans’en und Hannes’mögen die in einen topf geworfenheit verzeihen.

in der ausstellung finden Sie auch eine liste aller vornamen, gereiht nach dem alphabet und in der anzahl ihres vorhandenseins. gehen Sie den details weiter nach, forschen Sie, erforschen Sie die suppe, aus der sie kommen, fischen Sie in den namen, fischen sie in den namenswässern. suchen, recherchieren Sie selbst.

an dieser stelle sei der gemeinde St. Lambrecht bzw. dem meldeamt von st. lambrecht, im besonderen die kollegen, die sich mit dem neuen edv-programm herumgeschlagen hat.

aber sehen sie selbst in die hitliste auf der folgenden seite:

Maria 59 6,5% Johann(es) 46 6,0%
Christine,a 27 3,0% Franz 41 5,2%
Anna 26 2,8% Josef 36 4,4%
12,3% 15,6%
1903-1920 Maria 13 Johann 4
Anna 4 Franz 3
Elisabeth 4 Josef 2
1921-1930 Maria 11 Johann 10
Margarethe,a 6 Franz 9
Anna 5 Josef 5
Ernestine 5
1931-1940 Maria 13 Josef 10
Anna 7 Franz 5
Aloisia 6 Johann 4
1941-1950 Waltraud 6 Franz 9
Maria 5 Alfred 5
Christine,a 5 Josef 4
1951-1960 Maria 9 Johann 10
Ingrid 8 Josef 8
Brigitte 6 Franz 6
Waltraud 6 Herbert 6
1961-1970 Monika 6 Johann,es 7
Brigitte 5 Josef 5
Elke 5 Klaus 5
Bernhard 5
Franz 5
1971-1980 Michaela 7 Martin 8
Christine,a 4 Wolfgang 6
Sabine 4 Andreas 5
Christian 5
Markus 5
1981-1990 Daniela 7 Andreas 9
Christina,e 5 Christian 6
Claudia 4 Thomas 6
Sandra 4
1991-2000 Patrick 6
Alle anderen Namen kommen höchstens 3x oder seltener vor.

baustelle XIII

laufschrift vor dem kloster oder über den kanzlei-eingang, vorzugsweise rot

sgod sgod sgod s goud schia sgod sgod sgoud schian griass goud heind doums leisn mourgn büldln ausschdölln a sou a foafalwearch ha a sou a foafalwearch ha muansd nid sgod sgod sgoud schia sgod sgod sgoud schia

baustelle XIV

pc mit digitalfoto von der mauer und der dazugehörigen aufschrift, digitale montage, als-ob fotos von der mauer, also ob echt siehe oben, www.fuck.at auf die mauer gesprayt worden wäre

jeder besucher, jede besucherin des kartenbüros wird mit dem hinweis auf ein kunstprojekt gezwungen in den bildschirm zu schauen.

egal, was er oder sie im infoladen macht. im besonderen, wenn er oder sie nur schauen will, wollen. sagt er oder sie, er oder sie wolle nur schauen, dann sagen der oder die verwalterInnen des tresens im klosterinfoladen, genau das können sie hier, genau das nur schauen, bieten, böten sie jetzt neu auf dem bildschirm an.

extra für die, die nur schauen wollen, die nur wegen des nur schauen wollens in das infobüro kommen, habe man eine extra kunstaktion bei echten künstlerInnen in auftrag gegeben und bestellt, genau für das schauen, bei uns, sagen die verwalterInnen hinter dem tresen, dann dem oder der besucherin oder beiden oder auch überhaupt mehreren, genau für die schauerInnen, für die nur-schauerInnen hätte man sich extra mühe gegeben, hätte man sich extra etwas ausgedacht, es sei ja nicht so, die kirche, das kloster sei ja nicht so, nicht so weltfremd, wie das manche vielleicht immer noch glauben, so weltfremd sei die kirche, das kloster noch lange nicht, nur weil die presse, das fernsehen, die zeitungen, immer nur das komische schreiben und kaum jemand mehr, sich wirklich. sie, sie besucher, besucherin des infoladens vielleicht doch, vielleicht gehören sie ja zu denen, die auch aus religösen motiven, so halb wenigstens oder überhaupt aus ganz weit gefaßtem geistlich- geistigem interesse auch touristisch in ein kloster gehen, weil sie sowieso ab und zu in die kirche gehen, und dann wissen sie ja, was sich in der kirche an änderungen in den letzten jahren abgespielt hat, wie offen die kirche geworden ist, wie sie weit die tore geöffnet hat für ministrantinnen, diakone und andere.

stop. nein, keine kirchendiskussion. sie müssen nicht wissen, wie offen die kirche ist. hier tritt ihnen die kirche, hier ausnahmsweise, was sie sonst, im allgemeinen und im besonderen, in ihrem spirituellen allgemeinen und in ihrem spirituellem besonderen, wenn sie dieses wort noch erlauben, also in dem ihr wesen wesentlich charakterisierendem tritt die kirche hier im infoladen nicht auf, selbstverständlich können sie auch hier im infoladen nach einem beichtgespräch fragen oder nach den exerzitien, wir helfen ihnen dabei gerne weiter, wir diskutieren auf anmeldung auch über religiöse fragen mit ihnen, aber hier, hier und jetzt im st. lambrechter infoladen geht es um sie, hier geht es in erster linie, in allererster linie um ihre touristischen interessen, um ihren touristischen bedarf, der konkret sein kann oder noch ganz unspezifisch.

am allermeisten geht es um Ihren wunsch, nur schauen zu wollen.

nur schauen wollen. willkommen. willkommen. wilkommen, wenn sie nur schauen wollen, für sie, genau für sie haben wir jetzt ein programm, hat der abt jetzt ein programm, extra für sie, für die, die nur schauen wollen, die nur zum schauen kommen, hat der abt ein programm, ein extraprogramm, ein extrakunstprogramm in auftrag gegeben, damit sie nicht. damit sie nicht so verloren und leer herumstehen. damit sie nicht mit dem hohlen oder dummen blick, mit dem sie hereingekommen sind, wieder hinausgehen, damit sie nicht. damit sie.

schauen sie. schauen sie ganz unverbindlich, kommen sie ganz unverbindlich, ganz unverbindlich schauen sie in den computer und.

liebe sie oder er nur schauen wollende oder R, wir haben Sie, Dich als zielgruppe erkannt. nein, schauen sie nicht weg, gehen sie nicht weg, nein, gehen können sie jetzt nicht, wenn sie, wenn Du so eine nur schauen wollende, R bist, dann, nein, kannst Du jetzt nicht gehen. genau Dich hat sich die diözesionale marketingstelle als zielgruppe ausgedacht. und als zeichen guten willens, nein als zeichen richtig verstandenen fortschritts hat sich st. lambrecht an die spitze der entwicklung gestellt. und sich die nur schauer und nur schauerinnen als zielgruppe angelacht. jetzt lachen sie. wir auch. ja genau. jetzt bewahren sie sich diesen humor und kommen sie mit mir zum bildschirm.

… und so weiter. die angestellten, auch deren vertreterInnen im infoladen (bspw. bzw. im besonderen auch P. M.) sollten entsprechend geschult werden, damit sie wirklich in der lage sind die NUR SCHAUEN WOLLENDEN BESUCHERINNEN richtig zu beraten und zu motivieren. damit auch die nurschauerInnen endlich ein richtiges programm erhalten. ESMUSS IHNEN, den verwalterInnen des tresens im infoladen gelingen, MUSS, die nur schauen wollenden bersucherInnen zu einem blick, wenigstens zu einem blick zu bewegen, ansonsten.

vergessen sie es. nein, vergessen sie es. mit ihre einstellung, mit ihrer negativen einstellung, wie soll das, das kann nicht, das kann nicht, das geht nicht, weil sie das sagen, weil sie das sagen, geht es nicht, würden sie nämlich sagen, es geht, dann ginge es auch. also, wenn sie als entscheidungsträger des stiftes sagen, es geht, bei uns im stiftischen infoladen schauen die nur schauen wollenden besucherInnen in den bildschirm dann geht das auch.

aber wenn sie es nicht sagen.

dabei sollte es sich erübrigen zu erwähnen, dass die besucherInnen besonders darauf hingewiesen werden, dass das alles vollkommen gratis und kostenlos sei, freiwillige spenden sowohl allgemein als auch für besondere zwecke wie die orgelrenovierung gerne entgegengenommen werden. ab bestimmten beträgen werden die namen bzw. bezeichnungen der spender auf wunsch gerne entweder öffentlich dargestellt oder dezent verschwiegen.

ort: infobüro

aber noch einmal, wichtig ist nicht das spenden, das ist eine draufgabe, ein nice to have, dass MUSS, das MUST ist der blick in den bildschirm.

baustelle XV

friedhof, holztafel, inschrift, bspw. eingebrannt, oder mit braunem lack aufgemalt, so wie ein prov. grabkreuz

mei n god, (dschobbal?, kinn? diandl?), häsd die babn g holdn

begleittafel, bildbeschreibung, ton: wohlwollend, freundlich

baustelle XVI

in der kirche, lautsprecher, sgod, sgod, nur immer wieder sgod, sgod, griaß goud, s goud schian, keimb s na eina, keimb s na zuwa, mia houm schua nou blodz, sgod, sgod, sgoud schia, keimbs na he do, geards ruahig a bill vira, keimbs, na keimbs, keimbs eina ba di di, weids nid aussn schdian, keimbs eina, keimbs zuwa, sgod,…

einladung zum tisch, grüßgottgedicht

baustelle XVII

textteile aus „weiß“

der bauer breitet seine schürze aus, ein …

am morgen aufstehen, am morgen aufstehen …

die oma strickt… ein pullover ist eine antwort

ist mir ein gelb in das weiß gefallen

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