Mike Markart

Penfolds Grange

Ich nehme die Ansichtskarte aus dem Briefkasten. Ich kann die Schrift jedoch nicht lesen, das Gekritzel, das ein Name sein soll, so halte ich sie an ihrem Rand mit meinem Daumen und dem Zeigefinger und ziehe sie langsam ganz dicht an meiner Nase vorbei.

Was für ein Geruch.

Natürlich kenne ich sie.

Diesen Duft vergesse ich nicht mehr. Sie hat sich durch ihren Geruch unauslöschlich in mich eingebrannt. Darüber hinaus hatte sie nicht nur einen einzigen Geruch, einen, den sie vielleicht mittels Parfum aufgetragen hatte, sondern sie war eine Geruchslandschaft.

Ein Geruchskontinent.

Dieser Geruch ist einerseits dunkel wie jener Raum, dessen Vorhänge wir zugezogen hatten, während draußen die Fahrzeuge ein durchgehendes Band ergaben und der Fernseher, dessen Ton wir abgedreht hatten, farbige Reflexe in den Raum warf.

Auf das Leintuch und unsere Haut.

Und dieser Geruch ist ein Schwarm Vögel, die saßen damals zuerst auf dem Dach, irgend etwas erschreckte sie allerdings und sie flogen auf, manche hatten auf ihrem Federkleid kleine Zeichnungen, die aus der Ferne, vom Fenster aus, von wo wir ihnen nachschauten, aussahen, als seien es Gewürze, Nelken und Vanilleschoten, oder Früchte, schwarze Kirschen und kleine Beeren.

Dieser Geruch klingt wie das oberste Stockwerk jenes Baumes in Kalimna, in welchen wir den jeweils letzten Buchstaben unserer Namen ritzten.

Als wir später den Fluss entlang gingen, dachte ich für wenige Minuten, Stimmen von der anderen Seite zu hören. Leise Gespräche über eine mir unbekannte Stadt, vielleicht einer Sage entnommen, oder einem Märchen. Ich verstand nur ein paar Wörter, doch nicht ihren eigentlichen Zusammenhang. Die Luft war anscheinend wieder jener Duft von dunklen Beeren und die Zeit ein frischer Aufguß von Kaffee.

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