Mike Markart

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aus: Die Einzelteile des Lebens, 1991

Die Einzelteile des Lebens

 

DIE SPRACHE

Einer der Pfleglinge sagt zu den neben ihm auf einer Bank, welche von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch den sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, sitzenden Pfleglingen, dass die Genauigkeit in den Ausführungen die Glaubwürdigkeit eben dieser Ausführungen ausmacht. Jener Pflegling, der zu den neben ihm auf einer Bank, welche von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch den sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, sitzenden Pfleglingen gesagt hat, dass die Genauigkeit in den Ausführungen die Glaubwürdigkeit eben dieser Ausführungen ausmacht, sagt zu den neben ihm auf einer Bank, welche von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch den sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, sitzenden Pfleglingen, dass der Wahrheitsgehalt der Ausführungen an der Genauigkeit eben dieser Ausführungen zu erkennen ist. Jene Schilderungen, erzählt jener Pflegling, der jenen Pfleglingen, die neben ihm auf einer Bank, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch den sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, sitzen, erzählt hat, dass die Genauigkeit in den Ausführungen die Glaubwürdigkeit ausmacht, dass der Wahrheitsgehalt der Ausführungen an der Genauigkeit eben dieser Ausführungen zu erkennen ist, jene Schilderungen also, welche nicht der notwendigen Genauigkeit in den Ausführungen entsprechen, seien, sagt jener Pflegling zu den neben ihm auf einer Bank, welche von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch den sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, sitzenden Pfleglingen, der ihnen, jenen Pfleglingen, die neben ihm auf einer Bank, welche von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch den sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, sitzen, gesagt hat, dass die Genauigkeit in den Ausführungen die Glaubwürdigkeit ausmacht, dass der Wahrheitsgehalt der Ausführungen an der Genauigkeit eben dieser Ausführungen zu erkennen ist, als offensichtlich unwahr anzusehen.

 

 

DER TODESFALL

Einer der Pfleglinge sagt, dass sich in seiner Verwandtschaft in den letzten Generationen die absonderlichsten Todesfälle ereignet haben.
Der Tod eines Cousins seines Vaters, eines angesehenen Geschäftsmannes und Jägers, der in einem kleinen Ort im südlichen Teil des Landes wohnte, wurde von einer Banane, die er von einem Teller mit verschiedensten Früchten, Orangen, Äpfeln, Weintrauben und eben Bananen, genommen hatte, verursacht.
Kurz nach Verzehr des Obstes fielen ihm, ohne dass auch nur der geringste Schmerz es angekündigt hätte, die Ohren ab. Plötzlich hatte er eine leichte streifende Berührung an den Schultern gespürt und sein dadurch ausgelöster prüfender Blick machte seine Ohren aus, die neben ihm auf dem Sofa, auf dem er, um einen gemütlichen Abend fernsehend zu verbringen, Platz genommen hatte, lagen. Entsetzt sprang er auf. Durch die Heftigkeit dieser Bewegung brach der Oberkörper vom Unterleib. Während sein Unterleib und seine Beine, er trug eine dunkelgraue Hose, ebenfalls graue Socken und Holzpantoffeln mit roten Lederriemen und silbrig glänzenden Schnallen, beiseite rollten, fiel der Oberkörper, auf dem noch der Kopf saß, mit einem dumpfen Krachen zu Boden, worauf der Kopf abbrach und die Augen erstaunt an die Zimmerdecke, die mit dunklem Holz getäfelt war, glotzten.

 

 

DIE ANSTALT

Am Haupttor des Anstaltsgeländes stehend sagt einer der Pfleglinge die Namen der in seiner Heimatgemeinde gefallenen Soldaten auf. Gedenktafel der gefallenen Soldaten unserer Gemeinde, sagt er, der Pflegling, am Haupttor des Anstaltsgeländes stehend und beginnt daraufhin damit, die Namen der gefallenen Soldaten aufzuzählen. Wann immer man ihn am Haupttor des Anstaltsgeländes antrifft, sagt er, der Pflegling, die Namen der in seiner Heimatgemeinde gefallenen Soldaten auf. In immer gleicher Reihenfolge. Unabhängig von Tageszeit und Witterung. Gedenktafel der gefallenen Soldaten unserer Gemeinde Johann Haring Joh. (Punkt, einige der Vornamen sind abgekürzt, diese Abkürzung wird von dem Pflegling genau wiedergegeben) Fauland Frz. (Punkt) Jöbstl Johann Lenz Anton Krois Rupert Beuk Anton Painsi M. (Punkt) Schmiedbauer Joh. (Punkt) Pommer Rudolf Kögl Matthias Kögl A. (Punkt) Fuchsbichler Karl Gstarz Anton Wolf Franz Herk Fried. (Punkt) Temmel Joh. (Punkt) Kasper Joh. (Punkt) Picker Karl Dietrich Johann Painsi Johann Primus Alois Resch Roman Fabian Stefan Felix Jos. (Punkt) Krasser Josef Oswald Jos. (Punkt) Pommer A. (Punkt) Silberschneider Jos. (Punkt) Reiterer Jos. (Punkt) Strohmeier H. (Punkt) Rotschädl F. (Punkt) Fürnschuss Josef Weixler Johann Weixler Jos. (Punkt) Scherübel Franz Herzog Jos. (Punkt) Löscher Frz. (Punkt) Löscher Johann Resch Karl Pratter Franz Pucher Anton Harkam Wilhelm Malli Franz Malli Karl Greiner Norb. (Punkt) Greiner anstatt Franz Lenz sieben Fresien Josef Lenz verm. (Punkt) Fried. (Punkt) Stoisser Frz. (Punkt) Stoisser August Dengg Ant. (Punkt) Lernpass Stefan Uhl anstatt Franz Uhl sieben Fresien Josef Harzl Franz Harzl Ant. (Punkt) Aldrian Alois Aldrian Johann Meier Karl Meier Albr. (Punkt) Thausing Wolfg. (Punkt) Thausing Franz Weindl Frz. (Punkt) Albrecher Karl Riffel Franz Wilfing K. (Punkt) Bretterklieber F. (Punkt) Bretterklieber Karl Schenk Joh. (Punkt) Jessner August Jauk Alois Theissl Anton Rumpf Frz. (Punkt) Leibnitzer Franz Poglei A. (Punkt) Silberschneider Karl Fuchs Vinz. (Punkt) Krenn Fr. (Punkt) Trifterer Jos. (Punkt) Ruhhüttl Josef Koch K. (Punkt) Rotschädl Anton Achatz Johann Krenn Alex Starchl A. (Punkt) Leitinger F. (Punkt) Rabensteiner Ant. (Punkt) Herunter J. (Punkt) Silberschneider Heinr. (Punkt) Ully Heinr. (Punkt) Otter K. (Punkt) Bretterklieber Josef Knapp Alois Guss J. (Punkt) Schneeberger Alois Bacher Simon Malli Joh. (Punkt) Fellner Josef Adam Gustl Alker Jul. (Punkt) Salmhofer Ernst Nebel Franz Jöbstl Burkh. (Punkt) Zoppelt Josef Walz Karl Schrotter Franz Wippel anstatt Joh. (Punkt) Rotschädl sieben Fresien Frz. (Punkt) Albrecher Johann Stindl Johann Treiber Frz. (Punkt) Knopper Alois Rumpf. Nach dem Aufzählen der gefallenen Soldaten schweigt der Pflegling, am Haupttor des Anstaltsgeländes stehend, für eine Minute.

 

 

DIE SPRACHE

Die mechanische Sprache, so jener Pflegling, welcher jenen Pfleglingen, die neben ihm auf einer Bank, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch welchen sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, sitzen, erzählt hat, dass die Genauigkeit in den Ausführungen die Glaubwürdigkeit eben dieser Ausführungen ausmacht und dass der Wahrheitsgehalt der Ausführungen an der Genauigkeit eben dieser Ausführungen zu erkennen ist, dass demzufolge jene Schilderungen, welche nicht der notwendigen Genauigkeit in den Ausführungen entsprechen, als offensichtlich unwahr anzusehen sind, zu eben diesen neben ihm auf einer Bank, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch welchen sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, sitzenden Pfleglingen weiter, beweise sich durch den durch sie, jene mechanische Sprache, welche sich durch höchste Genauigkeit in den Ausführungen auszeichnet, erzielten maximalen Wahrheitsgehalt.
(Aus den Erzählungen jener Pfleglinge, welche auf einer Bank, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe ist, im Park der Anstalt, durch welchen sich Kieswege ziehen, an deren Rändern die Bänke, die von alter und teilweise abblätternder roter Farbe sind, aufgestellt sind, neben jenem Pflegling, welcher erzählt hat, dass die Genauigkeit in den Ausführungen die Glaubwürdigkeit eben dieser Ausführungen ausmacht und dass der Wahrheitsgehalt der Ausführungen an der Genauigkeit eben dieser Ausführungen zu erkennen ist, dass demzufolge jene Schilderungen, welche nicht der notwendigen Genauigkeit in den Ausführungen entsprechen, als offensichtlich unwahr anzusehen sind, gesessen sind, geht weiters hervor: Die Emotionslosigkeit der mechanischen Sprache sei einer der wesentlichsten Faktoren für das Erzielen des maximalen Wahrheitsgehaltes, da die Wurzeln der vorsätzlichen oder jener absichtslosen, in der Euphorie gründenden Verlogenheit in der Emotion lägen. Auch funktioniere die mechanische Sprache um vieles einfacher, verzichte sie doch auf das Ausschmücken, das Fabulieren, das Variieren und lasse im wesentlichen nur eine einzige richtige Formulierung zu. Und dass die Genauigkeit der Ausführungen die Satzaussage kürzer, demzufolge verständlicher, also zweckmäßiger mache.)

 

 

DER TODESFALL

Seit Generationen bis zum heutigen Tag habe es in seiner Verwandtschaft seltsame Todesfälle gegeben, erzählt jener Pflegling, der schon wiederholte Male von seit Generationen bis zum heutigen Tag in seiner Verwandtschaft vorgekommenen seltsamen Todesfällen berichtet hat, jenen neben ihm auf einer Bank im Park der Anstalt sitzenden Pfleglingen.
Jener Onkel, so der Pflegling zu den neben ihm sitzenden Pfleglingen, welcher eine Landwirtschaft betrieben habe, welchen er selbst allerdings nur aus Erzählungen einiger Verwandter gekannt habe, sei, wie auch der Mann seiner, des Pfleglings, Schwester, sein Schwager also, unter mysteriösen Umständen verschwunden. Das sei aus den Erzählungen jener Verwandter, welche seinen, des Pfleglings, Onkel, welcher eine Landwirtschaft betrieben hat, gekannt haben, hervorgegangen.
Der Pflegling erzählt jenen neben ihm auf einer Bank im Park der Anstalt sitzenden Pfleglingen, dass sein Onkel, so sei es ihm von einigen Verwandten erzählt worden, schon am frühen Morgen aufgebrochen war, um jene sechs Kälber, welche auf einer über dem Wald liegenden Alm geweidet hatten, weiterzutreiben.
Jedoch sei er, der Onkel, nicht wieder zurückgekehrt, so begann man abends, sich zu sorgen und am nächsten Morgen, ihn zu suchen. Der Pflegling erzählt den neben ihm auf einer Bank im Park der Anstalt sitzenden Pfleglingen, dass gut zwanzig Leute aus dem Dorf zusammengekommen waren und nach kurzer Absprache aufbrachen, nach zwölfstündiger Suche allerdings erfolglos zurückgekehrt sind, um den Wartenden, welche den ganzen Tag über im angrenzenden Wirtshaus aßen und tranken, wie ihm, dem Pflegling, von den von diesem Vorfall Kenntnis habenden Verwandten versichert worden ist, mitzuteilen, dass man weder Fuß- noch andere Spuren, also weder eines seiner, des Onkels, Kleidungsstücke, seinen Rucksack, noch jenen Holzstock, welchen er, der Onkel, zu jedem längeren Fußmarsch mitzunehmen pflegte, finden hat können, dass sich jedoch, so einer jener Männer, welche die erfolglose Suche durchgeführt haben, sieben anstatt sechs Kälber auf jener über dem Wald liegenden Weide aufgehalten haben. Was nicht nur seiner, des Pfleglings, Tante, welche seitdem immer wieder betont, er, ihr Mann, sein, des Pfleglings, Onkel, sei tot, ein Rätsel geblieben ist, bis zum heutigen Tag, erzählt der Pflegling jenen neben ihm auf einer Bank im Park der Anstalt sitzenden Pfleglingen, um zu betonen, dass es in seiner Verwandtschaft seit Generationen bis zum heutigen Tag ein Vielzahl seltsamer Todesfälle gegeben hat.

Peter Köck

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aus: gedichte (10), 1990

Das unbewältigte Wörterbuch

love-story in co

der collegeboy cohn spielte cornett bei einer combo.
das collegegirl connie besaß einen collie.
eines abends veranstaltete cohn mit seinen confratres vom college anläßlich einer cocktailparty ein wohltätigkeitsconcert, da kam auch connie vorbei mit ihrem collie. con brio blies cohn das cornett, con calore coste connie ihren collie. mitten im concert geschah es, dass der collie, der zuviel cornflakes und confetti verschluckt hatte, cotzen mußte, und das auf connies neues cocktailkleid! das connte cohn, der auf courtoisie conditioniert war, natürlich nicht mitansehen und er eilte zu connie, die gekonnt in heftige convulsionen ausgebrochen war, betupfte comme il faut ihre stirn mit eau de cologne, bereitete ihr compressen und entfernte provisorisch das inzwischen coagulierte conglomerat aus cornflakes und confetti von connie’s cocktailkleid, und das mit seinem eigenen mouchoir! coax, coax, machte der collie, der nicht ganz stubenrein war und obendrein etwas corpulent, das war sein ganzer commentar zu dieser nicht ganz coscheren geschichte.
nach einigen minuten war connie soweit reconvalesziert, dass sie conversation betreiben connte. cohn, anfangs ziemlich confus, stammelte incohärentes zeugs daher, connte sich dann aber concentrieren und compensierte seine complexe, indem er sämtliche seinem cortex zur verfügung stehende cognition mobilisierte, complimente zu machen begann, comme il faut, con sordino, con discrezione am anfang, dann nach und nach con affetto, con dolcezza, con dolore, con espressione, con forza, con fuoco, con impeto, con moto, con passione schließlich, con spirito, dann endlich con amore, was connie mit cokettem augenaufschlag zur kenntnis nahm, ansonsten aber für den rest des abends cool blieb und cocacola trank. cohn, der total consterniert war, weil ihm schließlich die superlative ausgegangen waren, war schon im begriffe, das closett aufzusuchen, um sich ebendort mittels eines colts eine kugel in den copf, genauer gesagt, etwas oberhalb der coteletten, zu jagen, da gab ihm connie gegen alle convention überraschend den consens, sie nach hause begleiten zu dürfen, und die linien der beiden convergierten alsodann, continuierlich zwar, doch eher langsam, gegen die spitze eines ziemlich langgestreckten conus, die, coitus geheißen, (zu) erklimmen (zu lassen) connie vor ihrer beider öffentlich und im namen des bürgerlichen codes vollzogenen copulation nicht bereit war und den conationen cohn’s entschieden conterte. auch gab es von seiten der eltern einige complikationen: cohn war bereits zum manne der tochter des compagnons von cohn’s vater gecört, und connie’s eltern waren einer conjunktion der beiden eher abgeneigt, da cohn der mosaischen confession angehörte, doch ließ sich dies bereinigen, indem er zu einem der alleinseligmachenden collektive mit confirmationserlaubnis, dem auch connie’s familie angehörte, convertierte. auch war cohn’s vater, der mittlerweile einem conzern beigetreten war, schließlich und endlich conzilianter geworden, wodurch dann beider conjunktion nichts mehr im wege stand. die flitterwochen verbrachten sie an der cote d’azur, wobei es infolge eines condomrisses zur conception connie’s kam, der dann später noch eine folgen sollte: nach dem sohn, der conrad getauft wurde, wurde connie noch mutter eines mädchens gleichen namens. ansonsten conterminierte cohn geconnt auf der börse, was bald ein ansehnliches bankconto zur folge hatte, connie besuchte coiffeur- und cosmetiksalons, außerdem des öfteren concerte, in begleitung ihres gemahls (während ihre kinder heimlich comics lasen). des weekends bewohnten sie ihr cottage, zu welcher gelegenheit sie auch gewöhnlich cohabitierten, kauften bilder von cocoschka und Köck, was sich denn auch als incontestabel gute kapitalsanlage erwies, und lebten glücklich und zufrieden bis in ihre alten tage.

 


 

der hervorragende hals

fräulein, Sie haben einen hervorragenden hals. Ihr hals ist hervorragend. auch sonst ist einiges an Ihnen hervorragend. auch bei mir ist etwas hervorragend, und das ist z. b. meine begabung beim kalauern. auf wiederstehn!

 


 

jovial
ein jovialer (heiterer, leutseliger) alter herr
jubel
der jubel
des jubels
der jubel der heiterkeit
der trubel des jubels
ein jubelnder alter herr
ein leutseliger alter herr
ein juwel von einem alten herrn
viele leutselige alte herrn.
der jubel des jubilierenden leutseligen heiteren
junggebliebenen alten herrn
die jubel der leutseligen jubilierenden heiteren
junggebliebenen alten herrn.
die jubel geht nicht.
jubel ist singular
.. . . . . . . .

(ein jeder: „juhu!“
ein jeder: „juchheissassa!“
bei den händchen
fassen sie sich an
und hüpfen
vor lauter schusseligkeit

so einen jux
kann sich mit etwas johimbim
ein jeder machen)


 

rosenkranz
rosette
Rosegger, Peter, ein österr. Dichter
rosig
roß
Roswitha, weibl. Vn.

Roswitha litt an argen hämorrhoiden. da sie sich nicht mehr anders zu helfen wußte und auch kein arzt zur stelle war, preßte sie inbrünstig die kühlen perlen des rosenkranzes auf ihre rosige rosette. allein das half nicht viel.
eines tages fiel ihr durch eine fügung des himmels ein band mit erzählungen von Peter Rosegger in die hand. sie las, las und genas. seither schiß Roswitha wie ein roß. und ihre hämorrhoiden waren wie weggeblasen. wer’s nicht glaubt, probiere es doch selber! Kernstock, Ganghofer oder Waggerl tun’s auch. achtung: vorsicht bei schweißfüßen!!!

 


 

etyde in y

yber.
die augen gingen ihm yber.
die yberische halbinsel.
yberer und kyberer.
ybung
macht den meister.
einige ybung
Ihres gesch. yberichs
garantiert Ihnen
yberirdische freuden!!!
nehmen Sie doch diesen zug
Sie yberbleibsel,
wenn Sie’s schon nicht
zum ybermenschen bringen!!!
im ybertragen
hatte er immer einen einser.
das ybertragen.
die ybertragung.
der ybertrug.
ybermut
kommt vor den fall
sagte er
und zog ihm eins dryber.
(yberzeuge dich selbst
sagte er)
die yberzeugung
die zeugung
die entzeugung:
ein wirksames mittel
zur bekämpfung
der yberbevölkerung.
gestern
hat er sich yberblasen.
er hat zuviel gekybelt.
ybs.
ybs ybs.
NEHMEN SIE YBS PERSENBEUG
WENN IHNEN DIE DONAU ÜBERGEHT!!!
die vroni
hat ein schönes yoni

Anselm Glück

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aus: ganganbuch 4, 1987

(zwei ausländer im inland)

2 tierstücke

1: vorspann
oder als immer die gleiche zustandsbewegung die sagen wir zum beispiel in mir da dahinbesteht und zwar als laufen in einem sagen wir kreis in dem sie selbstverschlungen vor sich her- und hinter sich dreinzentrifugiert und aber nie von wirklich weit her (jedenfalls nie weiter als hier immer direkt von mir) obwohl es gar nicht so unwahrscheinlich erscheint dass ich darin (also in dem kreislauf) bloß eine zufällige schwachstelle bin oder so eine art lochung aus der es die immer wieder und immer noch selben andeutungen träufelt die eine bloßgestellte aufmerksamkeit ohne weiteres und mit dem traditionellen kunstanspruch durch das alfabetische buchstabengatter bricht und als redensart hier aufs papier formuliert wo deine echten augen echte beschäftigung daran finden weil sie haben sonst im moment scheints gar nix gscheiteres hier zu tun: und also nennt man es lesen und fällts also unter die abteilung literatur was in jedem fall sowieso witz genug ist

2: tierstück
schmetterlinge sind lebendig und froh. sie haben der tierwelt anregung abgelegt. bevor sie geschlechtsreif werden gehören die schmetterlinge dem ei. im falter dauert die verpuppung acht tage. langsam wird die haut schrumpelig. sie beginnt am kopf zu platzen. eine weichliche masse beginnt am körper ihre bewegungen

das tier hat in der mitte einen körper

und nach acht tagen wird es dunkler und im innern zu erkennen und auf der einen seite schlüpft dann der falter zum flug. plötzlich wiegt sich seine übersäte schönheit

die schmetterlinge beginnen ihr leben bald. zuerst variiert die oberfläche. vertikale rippen legen an der futterpflanze an. die futterpflanzen suchen raupen jeder gattung. im flug fallen schmetterlinge in großen massen zu mehreren mustern. ein weibchen kann während seines lebens den winter überdauern. bei den meisten arten wird die eierschale durchlaufen. die raupen schlüpfen in ein versteck und überstehen das wachstum verschiedener körper. wenn der druck zunimmt wird der vorgang häutung genannt. bei den meisten ist der kopf verschmolzen. (die köpfe scheinen vom übrigen körper getrennt). viele besitzen drüsen welche feinde anlocken. am kopf finden sich die augen die wichtigsten bestandteile. die wichtigsten teile sind die kiefer. die beinpaare werden benutzt und unterstützen so die fortbewegung. ein offenes gefäß dient als herz. die haut auf der unterseite atmet. die geschlechtsorgane beginnen ihre anlagen zu erkennen. einige raupen sind grün und besitzen innereien. andere sind kräftiger. viele besitzen anpassungen

in die störung geschwenkt scheinen raupen angegriffen zu werden. sie rollen sich zusammen und verharren. lediglich zur nachtzeit zeigen schutzfärbungen wie sie aussehen. bei einigen raupen ändern sich die flecken

mit dem kopf nach unten hängende puppen winden sich in gespinstpolster ein. im ei wächst die nahrungsaufnahme heran. sie schlüpft je nach temperatur. die längste zeit sind alle lebensfunktionen herabgemindert

die entwicklung erfolgt in völliger abgeschlossenheit. der einzige kontakt besteht durch die atemöffnungen. weder nahrung wird aufgenommen noch kot abgegeben. erst beim schlüpfen wird kot in jeder menge abgesetzt. wenn die entwicklung abgeschlossen ist reißt der kopf die körperabschnitte heraus. schließlich zieht der hinterleib die zerknitterten flügel

sogar auf den augen finden sich haare. zwischen den augen steht eine fühlerkeule. zahlreiche borsten werden entrollt. zwischen dem netzwerk der augen erfolgt durch kontraktion farbe. die wellenlängen des lichts werden gebildet. eine färbung ergibt sich entweder von selbst oder dünne schichten verändern ihre form und lassen so farben entstehen. zu diesen strukturfarben gehören die meisten. weiße töne können ein effekt sein. abstufungen von glanzlichtern tun wirkung wenn licht fällt. gerade die kombination führt zur vielfalt in der umgebung. in der umgebung von mustern leuchten linien. es ist erstaunlich wie einfach alles strahlt. die larve richtet sich dann auf und schwingt ihr aussehen hin und her. das letzte stadium beginnt die volle größe. hat sie sich verfärbt beginnt etwas zu schrumpfen. während der entwicklung variieren sie sich

auf dem höhepunkt fliegen die meisten durch bestimmte bewegungsabläufe. einige lassen sich nieder und wandern im kreis umher. werden sie gestört fliegen sie auf. nach dem angriff lernen sie wie man in sicherheit rasten kann. die köpfe nach außen gerichtet senken sie ihre flügel. viele haben muster

ein empfindliches objekt verschmilzt mit der kontur

und die zeit benötigt die ereignisse und unter dem einfluß eines blutdrucks werden adern bepumpt. ein vorgang der dauert

3: tierstück
der gorilla wiegt sich von einem bein auf das andere. sein gebrüll sucht den jäger. wenn er auf reichweite heran ist soll in die brust geschossen werden. der beobachtete gorilla ist zwei meter groß. seine riesigen arme enden in eine hand und auch der fuß zeigt dass er zum greifen geschickt ist. der gorilla hat einen vollbart. stets wird der männliche gorilla von einigen weibchen begleitet. er sieht sehr gut und hört noch besser. merkt er keine gefahr so setzt er sich und die weibchen bringen ihm früchte. wittert er aber etwas so gibt er das zeichen zur flucht und wendet sich gegen den feind. hat er den feind erreicht bemüht er sich ihm den brustkasten einzudrücken. sieht er jedoch dass der gegner stärker ist versteckt er sich im gebüsch. der gorilla nächtigt dort wo er sich bei einbruch der dunkelheit gerade befindet. über das seelenleben des gorillas wissen wir wenig. man sieht ihm aber sofort an dass er den verlust der freiheit nur schwer verschmerzt. wenn er besonders vergnügt ist klatscht er in die hände und dreht sich im kreis. strafen gegenüber ist er empfindlich

der lebende schimpanse hält sich auf bäumen auf. er lebt in familien wandert viel und baut nester. ist der schimpanse erregt gibt er laute von sich. auch lacht er aus vollem hals namentlich wenn man ihn kitzelt. weinende affen hat schon alexander von humboldt beschrieben

der orang-utan wird groß. gewöhnlich leben die männchen allein. die weibchen dagegen sieht man meist in gesellschaft. die mutter trägt das junge. der hunger scheint sie zu bewegungen zu veranlassen. wenn der orang-utan sitzt hält er sich mit den händen an den zweigen über ihm fest. kurz vor anbruch der dunkelheit geht der orang-utan aufrecht. dann legt er sich auf die seite. auch in gefangenschaft sind orang-utans gehalten worden

die gibbons erreichen rasch ihre größe und das auffälligste dabei sind die arme. die augen wirken. die gibbons leben in familienbeständen und sind geschickt. wenn sich ein gibbon erhebt wird er durch das gleichgewicht genötigt und stößt einen schrei aus

die meerkatzen sind nicht ruhig. ihre sorge ist groß. bricht ein ast so fassen sie einen zweiten hält dieser auch nicht tuts ein dritter und greift die hand fehl muß der schwanz einspringen. jedes tier folgt immer genau dem weg seines vorgängers. der zugführer verlangt unbedingten gehorsam. kein weibchen darf sich einer albernen liebschaft hingeben. erst abends kommt die herde zur ruh. sie muß schlimme erfahrungen gemacht haben. zur römischen kaiserzeit war es mode mit affen spazierenzugehen

der jäger sieht alles. die tiere versuchen zur besinnung zu kommen jedoch beim anrücken der jäger steigert sich ihre angst. alsbald fesselt man die gefangenen. der fang der paviane hat zwar auch komische seiten nicht selten aber verwandelt sich der schauplatz des pavianfangs in ein schlachtfeld. der häufigste pavian ist ziemlich gleichmäßig gefärbt. der scheußliche mandrill erscheint in seiner färbung wie ein schlechter witz. am tag durchstreift der pavian den busch um seiner nahrung nachzugehen. auf schritt und tritt folgt ihm der leopard. nur unter aufsicht fühlt sich die herde wohl. aber plötzlich ändert sich das bild. die wachhaltenden plumpsen herab und stürzen von dannen. auch paviane sind geschöpfe und leben mit vorliebe. immer wieder läßt sich ihr aufschrei vernehmen

der brüllaffe sucht zunächst das nahrungsbedürfnis zu befriedigen. bald beginnt er brülltöne auszustoßen. man hört förmlich wie die zwischenpausen leiser werden und in jedem augenblick ergreift eine stimme die ihres vorgängers. der brüllaffe ist zur unterordnung der breinasen zusammengefaßt. nur im äußersten notfall läßt er sich auf die erde herab. ohne seinen schwanz könnte er gar nicht leben. was ihn veranlaßt ist schwer zu sagen aber auch er ist ein tier und sein pelz ist gefärbt. er ist sehr träge und verändert den ausdruck auch beim brüllen nicht. zu tode getroffene brüllaffen hängen als lärmende tiere an einem ast. die anderen suchen eiligst blätter die sie in die wunden stopfen

die lemuren sind nachttiere und haben pupillen. der intelligente kopf zeigt augen und ohren. sie verbringen den tag mit schlafen. in kleinen scharen schwingen sie sich reizvoll inmitten ihres wohlschmeckenden fleisches. in der gefangenschaft gewöhnen sie sich auch an ein tagleben. sind sie sich selbst überlassen schreien sie. im winter halten sie sich in der nähe des kamins auf

4: nachsatz
wir sind dankbar dass das zwanzigste jahrhundert geschehen ist weil heute sehen wir die politiker lächeln. aber der erste weltkrieg war furchtbar. erst die nukleare rüstung beruhigte die welt. sie bedroht die ezistenz der internationalen militärischen auseinandersetzung. kampfraketen beginnen die erhaltung des weltfriedens auszuweiten und die staatsmänner wissen wie bedrängte völker geführt werden

(ja und der nichteingeweihte glaubt dann glatt an ein bravsein und weil er so schön brav überall mitmachen tut gibt man ihm auch fast immer mehr oder weniger was zum fressen und wenn die domglocken läut oder der zapfenstreich ruft na hupft er prompt als depp auf und tut was er weiß dass man von ihm erwartet)

Siegfried Holzbauer

248 verfleischungen

alt dicht dick dunkel dürr eitel ernst fallend feiner fingerlos finster flach flink frech frei frisch fromm fröhlich grau groß größer grün gut halb hart heiß heiter hell hoch hohl jung junger kahler keck keusch klar klein klug knapp kurz kühn lang lieb lustig mager matt mild rasch reich reif rund sauer scharf schnell schneller schön standfest stark stolz süß wach weiß wild fast herunter kontra lange näher neuer nieder ober oder schier voller weniger wieder will arbeiter bauch bäcker bär brücke bürgermeister demut dunst eingang engel erben essen falle feier feiertag fels fieber finger fleck fleisch fleiß fluch freund frosch fuß futter gastgeber gärtner geiger geist glas glück groll grund gruß haar habe hader hahn hain hammer haupt haut hecht heim helfer helm henkel herbst herz heu himmel holz horn hügel jäger kalb käfer keller kerl kern klammer knall knebel knopf koch körper kopf korb krach kraft kranz krebs kreuz krieg krug kummer kunst lager lamm lauer leiter linke list macher mann marsch maurer mund music muster nagel paar pech pein pfau pilger pilz preis rauch rausch reicher reis richter riese rinder ring riß ritt rohr rose rumpf schaden schall schatz scherz schiefer schild schmuck schmutz schnur schrank schrei schrott schuh schulter siegel sieger sommer spiegel spieler staub stein stengel stern stich stoff strauch streit sturm teufel topf tratsch trieb trost ursprung vogel volk wahl wald wächter wild wind wirt wolf wunder wunsch wurm wurst zahn zettel zimmer zorn greif lach lenk mach merk rief schenk trenn

 

Vor 10 Jahren hatte ich eine Lesung im “Theatro” in Graz, bei der ich den Text “362 verfleischungen” gelesen habe. Es sind dies alle Personen im Linzer Telefonbuch, die ein “normales” Wort als Namen haben, wie z.B. Herz, Liebe, Tod, Zufall etc. Diesen Text habe ich nun wieder ausgegraben, mit dem aktuellen Grazer Telefonbuch verglichen und alle Worte/Namen rausgestrichen, die dort nicht vorkommen.

Bernd Watzka

Exkurs: Wege zum Glück, Teil 7
„Die Lösung des Ur-Problems“

Sie treffen hier auf ein Kapitel von außerordentlicher Wichtigkeit. Die hier vermittelten Inhalte sind in der Lage, auch die unglücklichste Existenz auf den „Weg zum Glück“ zu bringen. Also beginnen wir bei der Wurzel des Übels, bei jener Wurzel, über die wir auf dem Weg zum Glück zu stolpern pflegen: dem Problem. Aber, was ist ein Problem? (Übrigens: In der Mehrzahl sind es Probleme, mit Betonung auf dem letzten „e“.)

Probleme sind der Zucker am Schweinebraten und das Salz im Kuchen, sie sind die Soletti in der Haselnusscreme und der Bierschaum im Wein — Probleme. So unterschiedlich sie auch auftreten können, sie haben viel gemeinsam, sehr viel sogar, mehr als man bisher geglaubt hat. Wenn man nämlich davon ausgeht, dass alle Probleme den gleichen Kern haben (und das stimmt, wie gesagt, und wurde auch bereits wissenschaftlich in einer interessanten Abhandlung untermauert*),

((*vgl.: Petzold, Roman senior.: Gesammelte Notizblöcke: Das Kernproblem bei Steinobst und harten Nüssen, Bd. 4, Zettel Nummer 52))

so sind diese (und somit alle) Probleme lösbar, sobald man erst einmal verstanden hat, wie die komplizierte, allgemein gültige und im Wesentlichen stets gleich bleibende Grundstruktur der Probleme aussieht — und wie man eben diese Struktur glatt bügelt und so das Problem unwiderruflich löst, ja es sogar in einen Zustand des Wohlgefallens transponiert.

Nun, beginnen wir mit unserem Experiment: Wir skizzieren die Problemstellung*,

((*Anm. des Hg.: Hier seien die beiden völlig unpassenden, aber sich geradezu obszön aufdrängenden Wortspiele „Eine Problemstellung ist für ungelenke Menschen bereits jede Stellung außerhalb der Missionarstellung“ sowie „Für noch Ungelenkigere und für alle mit chronischem Kreuzweh stellt allerdings bereits die Missionarstellung eine Problemlage dar“ erlaubt. Ha, ha. Danke.))

und die ist nicht ohne: Es geht dabei nämlich um nichts geringeres als die Lösung des Problems aller Probleme, des Problem-Problems, auch genannt: das Ur-Problem, dessen Lösung, wie oben bereits angedeutet, alle weiteren Probleme dieser Erde und dieser Menschheit im Handumdrehen erledigt. Bisher dachte man, die Lösung des Ur-Problems sei unmöglich oder zumindest so gut wie unmöglich — weit gefehlt. Denn die Lösung des berüchtigten Problem-Problems* ist „(…) ganz einfach“*

((* Vgl.: Petzold, Roman sr.: „Gesammelte lose Blätter“, Blatt Nr. 21 (leicht erkennbar, weil es zur Hälfte eingerissen ist))

und in ein paar winzigen Schritten — winzigen Schritten zurück nämlich — lösbar. Also, aufgepasst und genau hingeschaut, hier sehen Sie die typische Struktur eines Standard-Problems, das so problematisch und standardisiert ist, dass man es mit Fug und Recht als Ur-Problem (oder Problem-Problem) be- und aufzeichnen kann:

Schauen wir uns das Monstrum an. Allein schon wie es aus der Seite herausglotzt! Aber was erzähl ich da — Sie sehen das Ding ja selbst: Es ist wohl eindeutig ein richtig garstiges, abscheuliches Problem; hart, spitz, unklar, unsympathisch „bis zum geht nicht mehr“, voller Furchen, wirklich hässlich anzusehen. Schrecklich, nicht wahr? Ein echtes Problem. Richtiggehend abstoßend, oder? Es erscheint uns als etwas, das man ganz einfach nicht haben will, etwas, auf das man — ohne mit der Wimper zu zucken — verzichten könnte. Doch schauen Sie nicht gleich weg, verbergen Sie nicht die Augen vor dem Problem. Wir müssen es optisch analysieren: Es, also unser Ur-Problemchen (nein, diesmal sind ausnahmsweise nicht die Bandscheiben gemeint) hat bei genauerer Betrachtung eine überaus komplizierte Struktur und chaotische Beschaffenheit, mit der man — auf den ersten Blick — überhaupt nicht zurande kommt und die zu entwirren fast unmöglich erscheint: Eben ein handfestes Problem wie es im Buche steht. Der verschreckte Betrachter dieses übermächtigen Ur-Problems (das einem auch ohne „h“ zwischen dem „U“ und „r“ mächtig auf den Zeiger geht) fragt sich nun zurecht: Um Gottes Willen, was für ein riesengroßes Problem. Wie kann ich diese Nuss wohl knacken?

Dabei ist die Lösung dieses Ur-Problems, also des ultimativen Problem-Problems, ganz einfach. Krempeln wir die Ärmel rauf, trinken wir einen Schluck und packen wir´s an! Wir gehen dem Problem nicht aus dem Weg, sondern bleiben am Weg; es ist nur so, dass wir den Weg ein paar Schritte zurückgehen und uns das oben dargestellte Urproblem einmal aus der Ferne anschauen. Also los, gehen Sie den ersten Schritt zurück und lassen Sie sich ruhig Zeit. Wir haben´s nicht eilig. Die Dinge müssen wirken, bevor der Blitz der Erkenntnis, auch genannt der „Potzblitz“ ganz von selbst über Sie hereinbrechen wird! Es ist gleich soweit? Sie spüren schon den heißen Feuerstrahl des Verstehens und die Synapsen in ihrem Gehirn stimmen im Chor „Freude schöner Götterfunken“ an? Dann haben Sie die Lösung des Urproblems verstanden!

Was haben wir nach dem Schritt zu sehen bekommen? Es ist fast unglaublich: Das vormalige Problem hat sich verwandelt, ist es nicht so?, völlig verwandelt!

Es ist aufgrund der eingehenden Betrachtung aus der Ferne regelrecht eingegangen:

Statt eines abgrundtief abstoßenden, blatternarbigen, ja richtiggehend fratzenhaften Ur-Problems haben wir jetzt eine kleine aber feine, formschöne, beinahe runde Sache vor uns, die ihre scharfen Kanten und Spitzen verloren hat. Einfach in der Struktur, optisch ansprechend und im Besitz der gestalterischen Ausgewogenheit und formalen Harmonie einer frischgeschissenen Gemsenlosung.

Zusammenfassung: Wir haben gesehen: das Ur-Problem an sich ist keine Konstante, die Größe und Bedrohlichkeit nimmt freundlicherweise mit der Entfernung linear ab.*

((*Anm. des Autors: Etwas Ähnliches, aber genaugenommen völlig anderes, ist mir vor kurzem selbst zugestoßen. Jemand empfahl mir, in einer bestimmten Situation vor bestimmten Menschen, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte, eine „Gute Figur“ zu machen. Nun gut, dachte ich mir, dann mache ich eben eine gute Figur, aber warum nicht gleich die beste Figur? Ich nahm einen Stift zur Hand, sah vor mir einen weißen Zettel liegen und machte die beste Figur, die absolut vollkommendste Figur, die man sich überhaupt vorstellen kann:

Einen Kreis. Natürlich! Ich drückte den Zettel den anwesenden hochgestellten Personen in die perfekt manikürten Finger und machte — die Fliege, verabschiedete mich auf Französisch, haute mich über die Häuser und verschwand in der Dunkelheit.))

Umgekehrt, und jetzt bitte ich kurz noch einmal um erhöhte Aufmerksamkeit, sorgt diese Größenveränderung zur Lösung des Ur-Problems oft für gehörige Verwirrung; ja man kann sogar soweit gehen und sagen, dass Größenveränderungen in die falsche Richtung — nämlich als Vergrößerungen statt Verkleinerungen — in der Lage sind, Ur-Probleme zu schaffen!

Hier zum Beispiel eine unspektakuläre, völlig gerade Küstenlinie:

„Warum sind wir Österreicher nur solche Arschlöcher?“

Ist diese Gebilde aber tatsächlich nur eine unspektakuläre, völlig gerade Küstenlinie? Sind die Dinge so, wie sie vor unseren allzu leicht in die Irre führenden Augen erscheinen? Hmm; gehen wir ein paar Zentimeter näher heran und schauen wir, ob die „unspektakuläre, gerade Küstenlinie“ bleibt, was sie vorgibt zu sein.

„Warum sind wir Österreicher nur solche Arschlöcher?“

Die Überraschung ist perfekt: Aus der unspektakulären, völlig geraden Küste wurde eine zwar weiterhin unspektakuläre, aber dafür alles andere als gerade, sondern vielmehr zackige, kantige und ganz und gar unregelmäßige Küste, die unser Vertrauen in die obige Behauptung nachhaltig erschüttert.

Doch — war das schon die ganze Wahrheit? Hmmm; gehen wir noch ein paar Zentimeter zurück (was ein paar schnöde Zentimeter alles ausmachen können!*).

((*Anm. des Hg.: Hier unterschätzt der Autor die Bedeutung von „ein paar schnöden“ Zentimetern. Ein „paar schnöde“ Zentimeter mehr oder weniger, hätten zumindest John F. Kennedy 1964 in Dallas das Leben gerettet oder so manchen missglückten Satz eines Manuskripts statt in einem Buch nur auf einer Schreibtischunterlage erscheinen lassen.))

Und, was sehen wir jetzt, jetzt, wo wir mit der Nase schon am Papier picken und den feinen Duft des Leims einatmen? Unglaublich, einfach unglaublich. Denn aus der unspektakulären Küste wurde ein Satz, ja! — ein richtiger Satz, und zwar folgender:

„Warum sind wir Österreicher nur solche Arschlöcher?“

Erstmals aufgeschrieben und 1998 mit vermutlich geschwellter Brust publiziert von Ehrendoktor Paul Handke (oder heißt der „Peter“ mit Vornamen? Keine Ahnung, ist auch Wurscht). Es handelt sich hier also um ein Gebilde, dass, zwar weiterhin unspektakulär, jedoch — bei aller Phantasie, Augenzudrücken und aufrichtigem Wohlwollen — nicht als „Küste“ durchgehen kann, als „Wüste“ vielleicht, aber niemals, niemals als Küste! Soviel zur Lösung und Schaffung des Ur-Problems.

Nachsatz: Sollte Ihr Ur-Problem einmal als Uhr-Problem in Erscheinung treten, dann wurden Sie entweder Opfer eines Tippfehlers oder Sie sollten schleunigst den nächsten Uhrmacher aufsuchen.

Dieser Exkurs ist ein ausgewähltes Kapitel des neuen satirisch-humorvollen Romans „In einem Zug“

Thomas Reichl

Kugellager

Der Aufseher betrat den ihm zugeteilten Bereich, kümmerte sich jeden Tag neu um die Ordnung im Kugellager, verschob bei Bedarf einige Kugeln, die über Nacht von ihrer Stelle gerollt waren und neu eingerichtet werden mußten. Wenn die Langeweile zuschlug, nahm er sich eine Handvoll Kugeln und jonglierte so lange, bis ihm eine der Kugeln aus dem Spiel kam und zu Boden fiel. Dann nahm er die nötigen Utensilien, um die zerplatzte Kugel zu beseitigen. Die jungen platzten immer gleich. Doch es gab auch alte, die, die schon lange im Geschäft — also im Kugellager — waren, sie hatten eine dicke Haut, all die Erfahrungen, die sie im Laufe der Zeit machten, mussten doch zutage treten, und so verdickte sich ihre Haut. Sie platzten nicht, wenn der Aufseher mit ihnen jonglierte und sie dabei fallen ließ.

Anfangs wollte ich mir nur folgendes vorstellen: einen Kreis, das Innere bin ich selbst, das eigentliche Ich, Gedanken, Gefühle und was sonst noch anfällt. Die Kreislinie selbst stellt alle Ereignisse in meinem Leben dar, aber natürlich auch im Zusammenhang mit anderen Menschen, durch die ich erst so handle, wie ich es dann auch tue. Außerhalb des Kreises befinden sich diese Leute, Freunde, Eltern, der Bruder, die Gesamtheit, die mir bekannt ist, ob flüchtig, oder nur oberflächlich läßt sich daran ersehen, wie weit sie von der Kreislinie entfernt sind. Manche, die nur kurz in mein Leben treten, also fast in meinen Kreis eindringen, werden sogleich wieder abgestoßen, oder flüchten selbst, halten ihren Platz ganz weit draußen, weder ich noch sie haben ihre Anwesenheit nötig. Außerhalb des Kreises gibt es keine Begrenzung. Die, die unmittelbar in das Geschehen eingebettet sind, drücken oft die Kreislinie nach innen, eine Delle entsteht, die mir je nach Gemütslage angenehm erscheint, oder aufreibend um Aufmerksamkeit hechelnd nur eine unliebsame Störung. Ich und mein Leben, wir beide laufen auf der Kreislinie, beizeiten ziehe ich mich nach Innen zurück, dann gehe ich wieder außerhalb des Kreises spazieren, um mir ein Bild machen zu können. Ich darf keinen Bezirk vernachlässigen.

Schnell wird mir klar, dass ein Kreismodell nicht genügt, um mir alles zu erklären, die Steigerung finde ich dann natürlich in der Kugel, quasi ein Kreis plus eine Dimension, die alles faßbar und begreiflich macht, manchmal. Der Innenraum bin wiederum ich, außerhalb der Kugel tummeln sich die Zeitgenossen. Die Fortbewegung erfolgt durch das Rollen der Kugel. Dabei stellte ich mir vor: ich als Insasse meiner Kugel, die zugleich Fortbewegungsmittel als auch Lebensraum und Obdach darstellt. Ich brauche nur ein paar Schritte in meiner Kugel zu gehen, und schon rollt sie weiter, in die gewünschte Richtung (falls eine solche von mir beabsichtigt ist). Zusammenstöße sind unvermeidbar und ab und zu auch durchaus erwünscht. Ich kann es mir halt nicht aussuchen. Wenn es kracht, muß ich mich damit abfinden. Es kommt immer auf die andere Kugel an, mit der ich zusammenstoße, ob das eine Freude oder ein Ärgernis bedeutet. Sehen kann ich übrigens nichts, das nennen wohl die meisten einen Nachtteil. Ich will mich da nicht festlegen. Spannend ist es allemal, wenn du nicht siehst, was vor dir vor sich geht.

Beim Kontrollgang im Kugellager mußte der Aufseher feststellen, dass es viel zu viele Kugelpaare gab, die einander berührten. Ihm wurde von hoher Stelle her aufgetragen, er solle gut darauf achten, dass alle Kugeln ihren Platz hatten, sich nicht aneinander drängten. Das sollte er verhindern, mit welchen Mitteln sei ihm überlassen. Er mußte Ordnung bewahren, und Ruhe noch dazu, mußte das System und seine Forderungen penibel erfüllen. Fatal wäre es, wenn zwei Kugeln sich nicht nur in einem Punkt berührten (das könnte ja auch unbeabsichtigt passieren), sondern sich regelrecht ineinander drückten, wenn bei diesen Verformungen auftraten, die fürchten ließen, dass die Insassen sich austauschen könnten, wie und worüber auch immer. Weiters mußte er beachten, dass die Zahl der Kugeln in seinem Lager immer möglichst konstant bliebe, Schwankungen steigerten nur das Erregungspotential, das glücklicherweise kaum jemand bemerkte und nutzte. Kurz: Ordnung, um jeden Preis. Er mußte wissen: wenn die Kugeln sich rasant vermehren, würde kein Platz mehr für ihn bleiben.

Er nahm also ein Werkzeug zur Hand und trennte die beiden Kugeln, die allzu nahe nebeneinander lagen. Oft war es bisher nicht vorgekommen, dass sich die Kugeln zusammentaten.

Ich rolle, wohin ich will, suche nach anderen, obwohl ich das keine Suche an sich nennen kann, denn ohne Ausblick kann ich nur hoffen, dass ich bald erschüttert werde, gezielt drauf los steuern, das geht nicht. Viele Zusammenstöße sind enttäuschend, Zeitgenossen, die eigentlich Ruhe wollen und mich nur böse ansehen, sobald sie meine dünne Haut durchdrungen haben (oder ich die ihre). Doch auch sie können es sich nicht aussuchen. Oft erwischt es mich auch im Schlaf und ich frage mich oft, ob das eine richtiggehende Überwachung ist, die mir da aufgezwungen wird, dabei fehlt mir jeglicher Durchblick, kein System ist daraus zu lesen, als würden sie, wer immer sie auch sein sollen, alles durch Zufall geregelt haben wollen, dabei aber der Kontrolle sicher, wie sonst niemand.

Manchmal sehne ich mich nach Ruhe, lege mich hin und werde unweigerlich fort gestoßen, weil jemand, der ebenfalls schlafen wollte, von einem Abenteuerlustigen, einem, der keine Ruhe finden kann, gerammt wurde und in der Folge mich anstößt. Wenn es Berechnungen gibt, so sind sie mir absolut schleierhaft. Es passiert einfach und viele haben es bereits aufgegeben, dafür eine Erklärung zu finden, die ihnen, wenn nicht die Ruhe, dann wenigstens das Wissen geben würde, weshalb die Umstände so sind.

Heute schickten sie dem Aufseher eine neue Zentrifuge, mit deren Hilfe er die großen schweren, sowie die leichten kleinen Kugeln mühelos voneinander trennen konnte. Er stellte die Maschine auf und füllte sie sogleich mit Kugeln, folgte den Befehlen der Bedienungsanleitung (so wie er auch den Befehlen von oben folgte), wartete nur kurz, und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: in fünf verschiedenen Größen wurden die Kugeln ausgeschieden, er legte nun alle in vorgesehene Behälter. Seit kurzem mußte er nicht nur darauf acht geben, dass niemand zu nahe an die anderen herankam, als Verschärfung der Ordnung kam noch dazu, dass die Kugeln in den bestimmten Behältern möglichst einheitliche Größe und Gewicht besaßen. Der Aufseher fragte nicht, wozu, er tat einfach, was man ihm auftrug. Immer noch besser als mit den Kugeln zu jonglieren.

Ich bin wieder einmal gierig darauf, jemanden zu sehen. Es geschieht ja sonst nicht viel und da kommt es schon vor, dass ich herum rolle, um einen Zusammenstoß zu provozieren. Es klappt auch bald, doch eine weitere Enttäuschung macht mich mutlos. Dann endlich Glück: meine Kugelhaut drückt sich nach innen und mich an die Wand. Zuerst ist es das unaufhaltsame Lachen, das mich festnagelt. Wir sitzen dann wohl irgendwo. Paulina heißt sie und wir reden über das Telefonieren an sich, dass wir keine Freunde dieser Verständigungsform sind, weil wir nicht das Gegenüber sehen können, nur hören, und es macht einen großen Unterschied, ob man jemanden mit einem Sinn wahrnimmt oder mit mehreren. Es dauert, einige Wochen, Monate vielleicht, wir stoßen noch des öfteren zusammen, und ich denke manchmal, das hat schon seine Ordnung so. Dann irgendwann mal (ich wüßte das Datum, doch es tut nichts zur Sache) der erste Kuß, und ich stelle mir heute vor: zwei Kugeln, die sich umschlungen halten, die eine hält sich bei der anderen fest, so unvorstellbar ist das. Dann der Kuß. Der erste ist zwar nicht gleich der beste, aber der, den man am wenigsten vergißt. Doch es dauert nicht lange und wir stoßen nicht mehr zusammen, ich weiß nicht, weshalb, sie stößt nun wohl mit anderen zusammen, ich liege und schlafe, soweit mir das erlaubt ist. Sehe manchmal — in meiner Vorstellung — zwei Kugeln, die sich soweit verformen, dass sie gemeinsam nur eine Kugel darstellen, jeder reduziert sich von der Kugel zur Halbkugel und dann passen sie zusammen. Daß da natürlich etwas entstehen muß, ergibt sich von selbst, denn es gibt im Kugellager keine Materialvernichtung. Ich weiß von Erzählungen anderer, dass es einen Aufseher gibt, der manchmal mit uns spielt, mich hat es noch nicht erwischt, bis jetzt, und wenn jemand runterfällt, kann man ihn nicht direkt beseitigen, weil der Aufseher selbst seine Kugel hat, vermute ich, eine bedeutend größere zwar, aber eben auch nur eine Kugel, die keine Öffnung hat, und so bleibt alles im System, abgeschlossen, wie ich denke.

Der Aufseher legte keine großen Entfernungen zurück, immer nur im Kugellager beschäftigt, konnte er die Grenzen seiner Kugel nicht ausloten. Er kam nie dazu, weiter zu gehen, als erforderlich. Außerdem war es ihm auch verboten worden, indirekt. Er hatte seine Arbeit zu verrichten, und ihm hatte niemand gesagt, dass er auch eine Kugel hatte, so kam ihm erst gar nicht der Gedanke, weiter zu gehen, er konnte nicht der Verführung des Verbotenen erliegen.

Wieder einmal durch Nichtstun gelangweilt, stach er ohne naheliegende Gründe in einige Kugeln, es entwich Luft und er glaubte, leise Geräusche zu hören, als würde jemand versuchen, ihn davon abzuhalten, weiter die Kugeln anzustechen. Bei seiner Arbeit fiel ihm auf, dass es unmöglich war, in die ganz großen und schweren, also alten Kugeln einzudringen, als würde sich etwas dagegen stellen und ihn verhöhnen. Die Haut mußte es sein, die dicke, undurchdringliche Haut der alten Kugeln. Wie kam die nur zustande, fragte sich der Aufseher. Egal, sein Spiel wurde ihm auch schon langweilig und er hörte auf, die Kugeln zu traktieren..

Eine zeit lang tue ich gar nichts, versuche nicht einmal mutlos herum zu rollen, es hat doch keinen Sinn. Ich denke mir: besser, nichts tun und keine Enttäuschung fühlen und erleiden müssen. Doch es kracht ab und zu doch noch, auch wenn ich versuche, es den anderen zu verbieten, es nutzt nichts. Manche werden richtig aufdringlich, wollen sich austauschen, wollen, dass unsere beiden Kugeln zu einer zusammenwachsen, sie sagen mir: du mußt schon heute handeln, denn in ein paar Tagen wird deine Haut so dick geworden sein, dass du unfähig sein wirst, zu agieren, ja, auch unfähig, zu reagieren, du kannst dich dann nicht mehr austauschen, ich sehe es doch, du bist alt geworden, und müde.

Doch ich höre nicht auf die Stimmen, die Gesichter stoßen mich ab. Es nutzt auch nichts, dass sie mir erzählen, wie schön das sei, sich zu vereinigen. Ich lasse mich auf nichts ein, und bemerke immer öfter, dass meine Haut wirklich an Dicke zunimmt, mir ist das nur recht, denn so kommen nicht mehr so viele unerwünschte Besucher zu mir (erwünschte gibt es schon lange nicht mehr). Eine Kugel hat mir grade eben erzählt, dass die Anzahl der Kugeln steigt, weil sich viele bereit erklären, sich zu vereinigen, es ist fast so, dass jeder dazu bereit ist, sich sogar öfters am Tag anbietet. Nur du bist ein unwilliger Spielverderber, sagt die Kugel, und ich bleibe ruhig und warte darauf, dass sie geht. Sie sollen mich in Ruhe lassen, nicht weiter anbohren. Könnte ich aus meiner Kugel ganz heraus, würde ich außen ein Schild anbringen, um ihnen ein für allemal klarzumachen, dass ich nicht gestört werden will. Doch ich bin zuversichtlich, dass meine Haut bald dick genug ist, um sie alle abzuhalten. Das wird schön dann.

Er hatte viel zu tun, in den letzten Tagen, immer klarer wurde es ihm: sie werden mehr, und ich habe keine Möglichkeit, das zu ändern. Der Aufseher stand da und sah zu, wie sie mehr wurden, er sah es nicht direkt, doch kaum sah er mal nicht hin, kam es ihm vor, als wären sie schon mehr geworden. Niemand erteilte ihm Ratschläge, nicht von oben und sonst auch nirgends her. Es war ruhig geworden um sei Kugellager. Nur innen drinnen schien es rund zu gehen. Der Aufseher dachte: warum sind sie keine Würfel, ich könnte sie ordnen, ich täte mir leichter, ich staple sie. Doch die Kugeln: kaum treibe ich sie auf einen Haufen zusammen, reißen einige aus und niemals wird es mir gelingen, sie einzuschließen, womit auch? Ja, eine Lawine, alles rollt, nie regiert der Stillstand, alles kommt außer Kontrolle, wegen ihrer Kugelform, da ist keine Ordnung hineinzubringen, kein System durchziehbar.

Ich denke nach, will Gerätschaften erfinden, die mich daran hindern, weiter zu rollen. Es geht nicht. Wenn ich ruhig schlafe, schon, doch kaum stehe ich auf, muß ich einen Schritt tun, und dann rolle ich auch schon. Ein Würfel, fällt mir wie nebenbei ein, das wäre es! Ich müßte Anlauf nehmen und gegen eine der vier Seitenwände springen, um den Würfel umzukippen, und dann fiele er auch nur eine Seitenkante weit, damit läßt sich kein Weg zurücklegen. Aber kaum rolle ich ,ist das nicht mehr aufzuhalten. Ich muß in die Gegenrichtung, dann stoppe ich. Ein Würfel, ja, der würde mir Ruhe gewährleisten, Zusammenstöße auf ein erträgliches Minimum reduzieren, die anderen würden es der Mühe nicht wert finden, alle Anstrengungen daran zu setzen, weiter zu kommen. Doch was hilft es, es sind nun einmal Kugeln, keine Würfel. Manchmal sehne ich mich in die Zeit zurück, lange ist es her, als ich mich noch mit dem Kreis, also mit einer Scheibe, einer Fläche, begnügte. Doch sie nennen das point of no return, und den haben wir schon lange erreicht. Also bleibt nur die Akzeptanz.

Der Aufseher verstand es nicht so recht. Die toten Kugeln, die sich am Boden ansammelten, und seine Fortbewegung innerhalb des Lagers deutlich erschwerten, hatten dicke Häute, er stach auf sie ein, doch konnte einige gar nicht einmal aufspießen, er kam nicht durch. Warum hatten sie solche Schutzvorkehrungen, wenn sie schon tot dalagen, sie hatten doch keinen Schutz mehr nötig, sagte ihm seine Logik. Hingegen die jungen: dünnhäutig und höchst empfindlich rollten sie herum, es machte ihm zugegebenermaßen großen Spaß, sie anzustechen, denn die ganz jungen platzten und das war ein Ereignis, das gestand er sich ein. Er bekam ja sonst nicht viel zu sehen. Und er legte das Denken auch schnell wieder ab, denn Nachschub gab es ja genug an jungen Kugeln, die er, sofern er sie erwischte, voller Genuß aufstach. Die Flüssigkeit war interessant, farblos rann sie aus und bedeckte bereits den Boden, einige der Kugeln, die unteren, lagen in der Flüssigkeit. Doch sie stand noch nicht so hoch, dass er hätte austesten können, ob die Kugeln schwimmfähig waren.

Angenehm, niemand kommt mehr auf Besuch, ich spüre bloß noch die Erschütterung, wenn es kracht, doch das zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht, es ist eine Genugtuung, dass sie es nicht mehr schaffen, in mich einzudringen. Zuerst ist da die Freude, ich weiß. Aber ich muß auch sagen, dass es eng wird hier drinnen, und da es mir ja nicht gegönnt ist, auszusteigen, muß ich bleiben, es geht noch, doch wenn meine Haut so weitermacht und weiter expandiert (nur nach innen versteht sich), dann könnte das böse enden. Nicht dass ich sehr viel Sinn darin sehe, wie ich hier lebe, ich unternehme ja nichts, mir fehlt niemand und ich fehle niemandem. Man erwartet nichts mehr von mir (früher war das auch nicht anders, nur blieb mir damals die Illusion, es gebe jemanden, dem ich fehle und umgekehrt). Also ist es vielleicht gar nicht so schlimm, wenn es hier eng ist. Möglicherweise stoppt meine Haut ja ihr nach innen gerichtetes Wachstum, wenn ich sie darum bitte (daran habe ich noch nicht gedacht), ich werde es auf jeden Fall versuchen.

Der Aufseher hatte eine Idee: er fertigte sich ein Bett, aus all den nutzlos herumliegenden Kugeln, mühsam war es schon, bis er all jene gefunden hatte, die augenscheinlich tot waren, die sammelte er ein und türmte sie so auf, dass ein bequemes Nachtlager in seinem Kugellager entstand. Tag oder Nacht, es war einerlei, doch irgendwann mußte er auch einmal zu seinem Schlaf finden. Das Bett war formlos und morgens fand er sich des öfteren am Boden liegend, die Kugeln rundherum, nur noch ein paar unter ihm, die ihm anscheinend die Treue hielten, so dachte er. Es kam auch vor, dass sich lebende zu ihm verirrten, die, während er schlief, in seinen Mund rollten, die als kleine Lawinen daherkamen und jene, welche ganz oben waren, schafften es in seine Körperöffnungen. Die spuckte er dann aus, wenn er erwachte. Immer noch wurden es mehr und mehr, und bald war es so, dass er gar nichts mehr unternehmen konnte, um sie zu ordnen, oder sich eine Schlafstatt herzurichten, sie umschlossen ihn zusehens, er watete in ihnen, sie standen ihm bis zum Hals, dann sah er bald nur noch diese runden Formen vor seinen Augen, wußte nicht, wo er sich befand in seiner Kugel, die er selbst nicht kannte. Er dachte dann nur noch, jetzt ist es aus, ich kann mir das Denken sparen. Und dann war es auch aus.

Anna Hoffmann

FUNDUS UTERUS VULGÄRLATEIN (I)

DIE GRAMMATIK DER ABHÄNGIGKEIT
schlag mich beiß mich gib mir tiernamen

eine endgültig abgesetzte serie von schauergeschichten oder das mutterprojekt das gescheiterte wollen: meine hypotenuse reagiert sauer und das feindbild scribbelt oberschenkel auf papierhorden. die gebrauchsanweisung eines toasters reicht heute zum erleiden also zur lyrik abgerubbelt von den weltneuheiten der schreibgeräte gerts und automaten ins netz gesetzte blutgruppen oder in schubladen gestoßene abartige entladungen das henkt von der konsequenz ab mit der alle wohin wollen woher sie keinesfalls kommen konnten: du fühlst es die zitate nahen schwanger

unschuld provoziert verbrechen da wo ich groß wurd wurd nix groß: spieln wir die situation im schlafzimmer meiner eltern nach diesem bereich vorbildlicher ordnung und disziplin: liebe ist auch nur hochgegriffen auch nur ein pawlowscher reflex im big basin lieg ich entmuttert im anschlag und werf noch ein weibliches so in die runde eins aus der palette kummer-ohne-murren

fundus uterus vulgärlatein den schlagstock genital in utes missionierter biomuschi: einfach kahl und düster zeug-nix duzende flöze stabilisierter sonnenabgänge die stechend argwöhnisch in die ästhetik des ingenieurs grätschen: ein gut informierter koitus gleicht einer yogakonstruktion im kritischen vakuum: die als kinderkrankheit zum anfassen den pipapopatienten konjugierte: es ist besser obst zu essen wo der tagesausbruch aufgerüstet aus der harndrüse gleitet: ein stunde für futuristische fülle: kalter-spalter-alter-falter in den fängen der syntaktischen dimension deiner unterwäsche bleibt nur ein invalides abfahren auf neubauten übrig

wahrheit ist freigegebene wahrheit ist immer rechtwinklig brauehoch gekippte nickende teetrinker finanziert von falschen afrikanern im wassily-sessel bedarf es trotz deckungs-lücke eines imagemäppchens. eingespeiste stille zur vermehrung des geldes über das wir noch reden müssen. gesprächsbedarf ist da und der schwerpunkt auf der weste: unaufdringlich ungebügelt denn das leben war hart und epileptisch und fand in den 80ern statt

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nacht die kein herz bricht in den sklaven-tanzplantagen der auf achse geschlagenen volksrevuen: das double monster lahme lenden strapazoid in deinen staaten ist dies eine infonation ist dies eine sexy dienststellung ist dies aller legenden anfang: der altwarenhändler praktizierte nichts als kollektivierte designlücken und vor der after work party war die erde der stillste bezirk — leise leise die katzen baumeln sacht im wind

die wärme kam und trug die welt mit den hörnern wir paarten uns ohne fleck und zu leiden bis in die toskana karezza und einst da waren wir uns sicher wie milch und nicht genug spiele im wein im kopf im auto entferntest du dich begossen wie ein pudel mit dem eau de toilette aus dem seitenfach als ich ging draufging betäubt gebräunt verreist in und auseinander verreist: zentrifugal in portugal oder spanischem wein angelegt jeder tag geht in seiden verschleppt von strohhutträumen grundieren schrille fragen weiß wie rotwein an der küste des denkens weißt du nicht alles emigriert zum solarplexus schlagwörter fremd die ganze gegend stinkt nach camelot wo die milch am platzen war die hübsche helix aufgehöllt und zu tisch getreten in einem eleganten schema sommer wars und halma auf den metaebenen weideten wir puppen aus vermißten eine halsschlagader und ließen uns vom wasser anziehn mein alphaschatten jetzt will ich dein wächter sein komm in meine sternhöhle und entsichere dein geschichte: ich bin ihr auf der spur mit meinen jungen elektrifizierten katzen alles sternbluter von geburt an festgestellt im kontrollverfahren b soweit ein herz verworfen muß das opfer brüllen und treten und hörbar sein dann erst geht das licht aus und die zeit weiter

communication loop zwischen laibung und laufendem hund eine heimsuchung vom balkon groß petunien zum béton brut elektrofick: ein mekelburger kabinettstück: du gehörst zu mir bis an die baunaht basta. ich akquirierte dich mit megatrends 2000 oben und meinem schlupfloch untenrum getreu dem satz von der radikalität im fusionierten elend — später “is anners reden as don” und im schein der agaven erkläre ich dich zum großen makulator

Erstveröffenlicht (in print) in perspektive 40

Werner Schandor

Peter Sterner – Das Geheimnis seines Erfolges

 


Zeichner: Roman Klug
Lucky me swimming in my ability – Red Hot Chili Pepper

Der letzte Akkord eines Songs verebbt im Abflauen der Bühnenlichter. Peter Sterner verneigt sich in den Saal hinein, und nach einer kurzen Pause der Ergriffenheit umbrandet ihn Applaus. Das Publikum erhebt sich von den Sitzplätzen. Der Moderator kommt quer über die Bühne auf Sterner zugeschritten, applaudiert demonstrativ, legt anerkennend seinen Arm um den Star und blickt verliebt in die Kamera. Der Mund des Talkmasters ist zu seinem unnachahmlichen Grinsen verzogen, dem Lächeln eines von Läusen befreiten Primaten. “Pitar Sdörna und sein Hit ‘Dancing Like a Pharao’, meine Damen und Herren!” versucht er, sich durch den brandenden Applaus hindurch Gehör zu verschaffen.

Nie hätte Sterner sechs Monate zuvor damit gerechnet, dass er je wirklich als Weltstar im gleißenden Scheinwerferlicht vor den Fernsehkameras stehen würde. Nie damit, dass er sich vor Bewunderern und Verehrern kaum retten können würde. Und während ihn der Talkmaster zum Interview auf die Couch bittet, damit er dem Millionenpublikum das Geheimnis seines Erfolges beichtet, blitzen in Sterners Gedächtnis schlaglichtartig jene Stationen seiner Karriere auf, die über ihn unvermittelt hereinbrach wie ein warmes, erfrischendes Sommergewitter.

“Wie kam es, Pitar, dass …?” – Auf diese Frage, schon tausend Mal gestellt, hat sich Sterner seine Antwort zurechtgelegt. Wir kennen sie aus dem Fernsehen und aus seinen Zeitungsinterviews: Wie er entdeckt wurde; wie sich “nach langer, harter Arbeit” sein Erfolg endlich mit einer unglaublichen Leichtigkeit einstellte. Wir kennen diese Geschichten, und wir können uns denken, dass sie erstunken und erlogen ist. Genauso, wie wir wissen, dass Sterner nur faselt, wenn er sagt: “Was mich am meisten beglückt, sind nicht die Millionen, die auf meine Konten einfließen. Nicht die Villen, Südseeinseln, Sportautos und all die anderen Kleinigkeiten, die mir das Leben versüßen. Nein, für mich zählt nur eines: Dass ich ein zutiefst zufriedener Mensch bin, und dass ich es trotz des Erfolges geblieben bin. Und ich meine, wie ich es sage: Zufriedenheit, das ist, wenn deine Seele Flügel bekommt und du weißt, alle Wege stehen dir offen, weil dein Herz dir jede Tür aufmacht.”

So ein Schmarren.

Was in den Medien nie erzählt wird, weil es von Sterners Management aus seinem Lebenslauf gestrichen wurde, sind jene zahllosen Tage, an denen er als verbissener, kleiner Immobilienmakler in unserer Stadt versuchte, seine dürftigen Wohnungen anzubringen. Hier hat unsere Geschichte einzusetzen. Denn hier hat alles seinen Ausgang genommen. Und Sterner kann sich noch genau an den Zeitpunkt erinnern, an dem alles anfing.

Rückblende: Es war einer dieser tristen Tage, an denen der Himmel wie aus Pappmaché über der Stadt hing. Peter Sterner hatte gerade eine seiner unsäglich durchschnittlichen Wohnungen an eines dieser unsäglich durchschnittlichen Akademikerpaare vercheckt. Nun saß er wieder in seinem Golf Cabriolet und blickte zum Ausparken in den Seitenspiegel, als er bemerkte, dass er seine Aktentasche in der Wohnung vergessen hatte. Und damit fing die ganze Sache an. Es hört sich lächerlich an, aber so war es: Dass er seine Tasche vergessen hatte, sollte ihn aus seiner kleinkarierten Bahn hinaus schleudern und in die höchsten Sphären befördern.

Während er erneut die drei Stockwerke hochstieg, um die vergessene Tasche zu holen, ahnte er noch nichts. Auch nicht, als er in der Wohnung war, seine Tasche bereits in Händen hielt und ein Geräusch aus der Küche vernahm, oder besser: etwas, das sich wie das Gackern eines Huhnes anhörte und aus dem Schrank zu kommen schien. Sterner ging in die Küche und öffnete alle Türen des Schrankes, um nach der Ursache des Geräusches zu forschen. Er wusste nicht, dass sein Glück die Ursache war. Es hatte ein bisschen gekrächzt, um ihm zu sagen: Hier stecke ich. Schau nach mir. Er hätte das Geräusch genauso gut ignorieren können, sich nichts denken, seine Tasche nehmen und verschwinden. Aber er tat es nicht. Zum Glück. Er forschte nach der Quelle des seltsamen Gackerns. Sterner klappte alle Türen der Kästchen auf und zu, blickte auf sauber staubgewischte, leere Regale. Nur im letzten Kästchen, das er öffnete, lag etwas: ein Kuvert. Und im Kuvert fand Sterner, als er es hektisch aufriss: ein Brieflos.

Und damit begannen sich die Dinge zu überschlagen. Draußen teilte sich der Pappmachéhimmel wie ein Vorhang und gab gleißenden Sonnenschein frei. Und in fernen Weiten stürzte ein böser Stern, der bisher Sterners Leben überschattet hatte, in den Abgrund eines unendlich leeren, unendlich schwarzen Loches. – Wie sonst erklärt man sich das Unerklärliche? Mit welchen anderen Metaphern als den geheimnisvollen Einwirkungen von Vorgängen in weiten Fernen kann man das Unfassbare, das sich direkt vor unseren Augen ereignet, fassen? Sterner wunderte sich. Woher kam das Los? Warum wurde es nicht gefunden, als sich das Akademikerpaar den Kasten ansah? Hatte es jemand vergessen? Hatte es – das war der noch viel unverständlichere Gedanke – jemand extra für ihn dort liegengelassen? Und wenn ja: Wer? Und übrigens: Wo war das Huhn, das er gehört hatte?

Sterner hatte keine Zeit, den Dingen auf den Grund zu gehen, denn es klingelte. Er wickelte das Los in sein Taschentuch und steckte es in die Brusttasche seines Jacketts. Dann ging er in den Vorraum, um den Türöffner zu betätigen. Es klingelte nochmals. Die Person musste bereits vor der Tür stehen. Sterner schaute durch das Guckloch und sah eine Frau: Die schönste Frau, die ihm je unter die Augen gekommen war. Er öffnete. Sah sie fragend an. Ihre Blicke kreuzten sich. Sterners Herz stand für einen angehaltenen Atemzug lang still. Als ihm wieder einfiel Luft zu holen, merkte er, dass sie nicht nur die erste Person mit echten Designerkleidern war, die ihm an diesem Tag unterkam, sondern auch, dass sich seine Hose vorne wölbte.

“Ich komme wegen der Wohnung”, sagte die Frau.

“Das muss ein Irrtum sein. Aber treten Sie bitte ein!”

Sterner hatte keinen zweiten Termin zur Besichtigung der Wohnung vereinbart. Trotzdem fragte er die Frau nicht, woher sie von der Wohnung wusste. Er war von ihrer Schönheit überwältigt und zeigte ihr die Räume, ohne sich seine Aufregung anmerken zu lassen.

“Ich will ehrlich zu Ihnen sein,” sagte er gleich im ersten Zimmer: “Diese Wohnung ist nichts für Sie. Ich zeige Ihnen lieber ein besser gelegenes Objekt, das Sie ganz sicher entzücken wird.”

“Und ich will ehrlich zu dir sein,” hauchte sie als Entgegnung: “Die Wohnung interessiert mich eigentlich gar nicht, sondern ein ganz anderes Objekt, das mich ganz sicher entzücken wird!”

Und dabei drückte sie sich eng an Peter Sterner, fasste an seine Hose und zog ihn zu Boden. Es war wie im Film – eine dieser hocherotischen Szenen, wo zwei Menschen ihre perfekten, nackten Körper einander annähern, um sich schließlich in einer grenzmystischen Energieentladung zu vereinigen. Und diese Szene projizierte sich nun von der Leinwand herab auf Sterners Leben, mit ihm und der schönen Unbekannten in der Hauptrolle.

Die vormals noch öde Bleibe verwandelte sich unter Küssen und Umarmungen in einen Tempel der Liebe. Unter halb gestöhnten Bereitheitsbezeugungen, die seine Erregung nur noch steigerte, riss die Frau ihm und sich selbst die Kleider vom Leib.

“Ich heiße Uschi,” flüsterte sie. “Ich bin Palmers-Model. Als ich dich in der Tür sah, stellte ich dich mir in der neuen Männerunterhosenkollektion vor!”

Sterner seinerseits streifte atemlos Uschis dünnes Etwas von Höschen und Strümpfen von ihrer makellosen Haut und geriet in einen erotischen Taumel, wie er ihn noch nie erlebt hatte. Seine Lust wuchs sich zum reinsten Liebesrausch aus, der sich ins Unendliche steigerte. Bald schon tauchten die beiden in ihren ersten Höhepunkt ein. Dabei war es, als würde der ganze Strahlehimmel draußen vor den Fenstern von riesigen roten Herzen überzogen sein, die zum Donauwalzer über den Dächern kreiselten. Es war einfach un-glaub-lich!

Eineinhalb Stunden später kehrte Sterner ins Büro zurück. Er war glücklich. Er pfiff – wie immer, wenn er bester Dinge war – die Melodie von “Deutschland, Deutschland über alles!” Daran änderte sich auch nichts, als ihm die Sekretärin entgegenstürzte und in Tränen aufgelöst mitteilte, dass der Chef mit einem schweren Herzinfarkt ins Spital eingeliefert worden war und es nicht gut für ihn ausschaue. Mit dieser Nachricht war der letzte Beweis erbracht. Peter Sterner wurde schlagartig klar, was er bereits geahnt hatte: Dieser Tag war sein unumstößlicher Glückstag. Alles Schwere war von ihm abgefallen, und nun purzelten die Ereignisse, eines beglückender als das andere, endlos auf ihn ein. Er nahm sich augenblicklich frei und fuhr nach Hause.

Auf den Gehsteigen erblickte er Leute, die sich wie Hunde nach ihrem Hinterteil reckten. Sie versuchten, sich selbst in den Allerwertesten zu beißen. Männer in Anzügen und Frauen in Geschäftskostümen standen vor Laternenmasten und schlugen mit dem Kopf dagegen. Sie torkelten den Gehsteig entlang, und ihre Gesichter flogen hin und her von den Ohrfeigen, die sie sich selbst verabreichten. Sterner winkte ihnen fröhlich aus seinem offenen Cabrio zu. Ein neues Leben hatte begonnen. Jahrelang hatte er uninteressante Menschen in Wohnungen aller Art und Größe geführt, um sie zu bedienen, sich bei ihnen anzudienen und sie hinters Licht zu führen. Er hatte gewusst, das konnte nicht alles sein. Sicher: Er hatte sein Cabrio, seine Stunden im Fitnesscenter, seine Clique im In-Lokal und seine liebste Herrenboutique. Aber bei all dem hatte er sich im Innersten immer übervorteilt gefühlt. Oft und oft hatte er sich gefragt, warum immer die anderen die großen Villen hatten und die Super-Models als Freundinnen, mit denen sie in den neuesten James-Bond-Gefährten spazieren fuhren. Warum die anderen, und nie er?! Und jetzt, auf einmal, spürte er, dass sich auch ihm diese Welt auf täte. Die Türen öffneten sich und dahinter warteten VIP-Lounges und Bars, in denen dienstfertige Chefober Martini Drys mit leichter Verbeugung überreichten. Eine Welt, in der sich die Rollen ändern sollten und er, Peter Sterner, derjenige war, den es zu hofieren galt. Ganz sicher! Und die Eintrittskarte in diese Welt war: Das Brieflos aus der Wohnung!!!

Zuhause fiel es ihm wieder ein. Er fischte es aus dem Sakko, wickelte es aus dem Taschentuch und sah es sich aus der Nähe an. Dabei kam er ins Philosophieren. Was war es, das Brieflos?! fragte sich Peter Sterner. Nichts! War die Antwort. Nichts als ein lausiges, bunt bedrucktes Stück Papier, an das viel zu viele Menschen magische Wünsche hefteten!

Sterner überlegte, sein Brieflos ungeöffnet wegzuwerfen, einfach, um sein Glück zu provozieren. Er würde, war er nach den Ereignissen der vergangenen Stunden überzeugt, noch jede Menge solcher Chancen bekommen. Er hatte es nicht nötig, wie ein Idiot auf eine Chance zu gieren, die es nicht wirklich gab. Ein Brieflos, dachte er, wäre unter seiner Würde. Kurzerhand zerfetzte er es in fünfzig kleine Stückchen.

Nein, natürlich nicht. Sterner kann zwar als Ungustl bezeichnet werden. Aber er war kein Trottel. Und es war ihm klar, dass er sich als solcher erwiesen hätte, wenn er das Brieflos in Stücke riss. Nein! Also riss er die Perforation des Briefloses auf. Was soll man sagen? – Dass sich in diesem Los “die Million” befand, der Tausende hinterher hecheln, und dass Peter Sterner derjenige war, dem das Los in die Hände geriet? – Ihn selbst überraschte es nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Er wusste von dem Moment an, da er das Brieflos gefunden hatte, dass im Feld, wo bisher jedes Mal “leider nicht” gestanden war, diesmal “1,000.000,— öS” zu lesen sein würde. Und als es dann wirklich so war, ließ es ihn kalt. Er zitterte nicht, machte keinen Luftsprung, er drehte nicht vor Freude durch, sondern faltete das Papierbriefchen wieder zusammen, steckte es in die Geldbörse, nippte vom Martini, den er sich bereitet hatte, und nahm sich vor, am nächsten Tag bei der Lottogesellschaft anzurufen, um seinen Gewinn einzufordern. Die Million würde ihm ein paar Monate sorglosen Lebens bescheren. Er rief Uschi an: “Pack die Koffer, Darling! Wir vertschüssen uns in Richtung Süden! Morgen geht es los.”

Die nächsten Monate waren die bis dahin schönsten in Sterners Leben. Er gab seinen Job auf und flog mit Uschi auf die Malediven. Sie verbrachten traumhafte Wochen unter der tropischen Sonne, tranken Bacardi-Rum an weißen Sandstränden und ließen sich von einheimischen Kellnern wie Fürsten bewirten. Zwischendurch hatten sie himmlischen Sex auf gemieteten Yachten und in vollklimatisierten Fünf-Sterne-Bungalows. Tagsüber gingen sie tauchen, oder sie ließen sich mit Fischerbooten auf unbewohnte Inseln bringen. Abends speisten sie in den Restaurants und Bars der besten Hotels, die sie im Lauf der Wochen auf den einzelnen Atolls kennerlernten. Und in der Nacht schauten sie sich den Sternenhimmel an, wenn sie nicht gerade wieder übereinander herfielen.

An einem dieser wunderbaren Tage klimperte Sterner in der Hängematte auf einer Gitarre herum, und Uschi meinte, das höre sich gut an; er solle doch Lieder schreiben und sie aufnehmen. “Tja, wenn du meinst …,” sagte Sterner und dachte schon nicht mehr daran. Doch nachdem sie nach Europa zurückgekehrt waren und sich Uschi in ein Sanatorium legte, um ihre Brüste noch einmal vergrößern zu lassen, mietete er sich ein Studio, wo er mit ein paar Musikern eine Handvoll Songs aufnahm, die er auf den Malediven geklimpert hatte. Es waren Liebeslieder, in denen er die zunehmende Schönheit von Uschi besang, tropische Sonnenuntergänge, die faszinierende Unterwasserwelt und schillernde Orgasmen. Sterner hatte nicht vor, irgendetwas mit diesen Songs zu machen. Er nahm die Lieder nur für sich und Uschi auf, damit sie im Autoradio etwas zum Anhören hätten, wenn sie mit ihrem frisch geleasten BMW auf Spritztour gingen.

Uschi sah umwerfend aus, als er sie vom Sanatorium abholte. Noch bezaubernder als bisher. “Oh, Baby”, stöhnte er, “wie soll ich mit so viel Schönheit nur fertig werden?”

“Trag es mit Fassung, du wirst dich daran gewöhnen”, meinte sie. Sterner hatte eine Überraschung für sie: Zwei Karten für die VIP-Tribüne beim aktuellen Stones-Konzert in Monaco. Sie machten sich auf den Weg. Ab ging es in Richtung Ruhm und Reichtum.

Wenige Kilometer vor Monte Carlo stand ein Bus mit eingeschalteten Warnblinkern am Pannenstreifen. Für gewöhnlich hielt Sterner nicht an, sondern stieg fest aufs Gas, wenn er eine Panne oder einen Unfall sah. Sterner kannte ein Buch, in dem stand, dass man sich seine Krankheiten gezielt zuziehe. Als Mangelerscheinung der Seele. Bestimmt zieht man sich auch seine Unfälle und Pannen zu, war er überzeugt. Was also sollte er mit anderer Leute Unfälle und Seelenmangel anfangen? Wenn man sich mit Verlierern abgibt, wird man am Ende nur selbst zum Verlierer, war seine Devise. Trotzdem hielt er an. Und wieder hatte er, wie am Tag, als er seine Aktentasche in der Altbauwohnung vergaß, den goldrichtigen Riecher: Was da am Straßenrand mit rauchendem Motor parkte, war der Tour-Bus der Rolling Stones auf dem Weg zu ihrem Konzert.

“Well”, sagte Sterner zu Mick Jagger, der neben dem Bus stand und fluchte, “I guess you’re on the way to the concert. Braucht’s an lift?”

Wenig später drängten sich Mick, Keith Richards und Charlie Watts auf der Rückbank des BMW. Ihre Laune hatte sich gebessert. Keith hatte sich sogar einen Joint, groß wie ein Pilsglas, angeraucht. Der Kelch machte die Runde und landete bald in den Händen des Fahrers. Nach nur einem Zug war Sterner vollkommen berauscht, seine Mundwinkel hoben sich in Richtung Augenbrauen. Als er in den Rückspiegel blickte, sah er, dass auch die Stones da saßen wie drei fette Grinsekatzen.

“Uschi”, lächelte er, “ist das nicht himmlisch?!”

Und Uschi antwortete mit einem Lachkrampf, der sie wie ein Huhn gackern ließ. Da fiel Sterner ein, er könnte jetzt das Band mit den Maledivensongs abspielen.

Gleich als erstes kam sein persönliches Lieblingslied, “Sucking like a Pharao”.

“Hey, what’s that? – That’s bloody great!” hörte er Keith Richards krächzen. Und auch Mick Jagger, der kurzfristig leicht weggetreten war, wachte wieder auf und wurde rot. “The song is fabulous!” war er begeistert. “Only the refrain might be a bit too rude.”

“Wie meint ihr das?” fragte Sterner, der einige von den schmutzigen Liedern der Stones besonders gerne mochte. Nun erfuhr er – unter der Bedingung allerstrengster Geheimhaltung –, dass sich die Band im Studio doubeln ließen, wenn zweideutige Texte aufgenommen wurden. Aber: Sein Lied hatte auf der Rückbank eingeschlagen, kein Zweifel. Selbst der stille Charlie Watts, der Keith Richards Wundertüte stoisch aufgesogen hatte und, abgesehen von einem feinen Leuchten in seinen Augen, als einziger keine Reaktion darauf zeigte, fing an, mit den Händen den Rhythmus von “Sucking Like a Pharao” zu trommeln.

“Hey, Mann, du musst das verdammte Lied unbedingt vor Publikum spielen!” krächzte Keith. “Die werden sich alle auf der Stelle anscheißen, das verspreche ich dir!”

Und Mick, der zwar voll bedröhnt war, aber nicht bedröhnt genug, um das Geschäftliche aus den Augen zu verlieren, hatte eine ziemlich gute Idee: “Sing doch ‘Dancing like a Pharao’ statt ‘Sucking like a Pharao’!”

“Hey, und wie wär’s, wenn du es gleich heute in unserer Show spielst”, sagte nun Keith.

“Yeah”. – Das war Charlie Watts’ Kommentar.

“… in unSeRerr Ssschoou schpielssst …” hörte Sterner aus galaktischer Entfernung. Im Geist sah er sich auf der Bühne stehen. Seine Augen waren zusammenkniffen wie die eines besoffenen Walrosses. Er grinste zwei Meter breit und blinzelte in das gleißende Irrlicht der stoneschen Laser-Show.

“We’d like to introduce…” hörte er Mick Jagger ins Publikum brüllen, “… a very special friend of ours. For the first time ever, here on stage: the future of Rock’n’Roll! Ladies and Gentlemen – please welcome:”

Und dann hörte er, Pitar Sdörna, seinen eigenen Namen, der sich mit einem frenetischen Schrei aus 70.000 Kehlen vermischte.

Sofort spielte Keith Richards das Riff von “Dancing like a Pharao” an, das er beim Soundcheck eingeübt hatte, Charlie Watts lieferte einen seiner unvergleichlich lässigen Einsätze und Mick betätigte sich hinter ihm als Bühnentänzer und Backgroundsänger. Sterner griff zum Mikrophon, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Und obwohl er ein klein wenig Angst hatte, vor lauter Nervosität könnte sein Schließmuskel vielleicht doch versagen, tat er es, als hätte er nie etwas Anderes getan: Er sang vor 70.000 Zuhörern. Und er erfasste die Menge wie ein Sturm.

Damit war das Wunder endgültig vollbracht, die Vorsehung des Pophimmels hatte sich erfüllt. Sterner war der Star des Abends, die Entdeckung des Jahres. Backstage stürmten Reporter auf ihn zu, und Fotografen ließen ein Blitzlichtgewitter auf ihn niedergehen. Die Bilder von seinem sagenhaften Auftritt landeten auf den Titelseiten der internationalen Musik-, Mode- und Zeitgeistmagazine. Sterner musste sich von einem Tag auf den anderen daran gewöhnen, sein Gesicht von allen Zeitungen und Zeitschriften lachen zu sehen. Er wurde von nun an von Schritt auf Tritt von Leuten bestürmt und um Autogramme und Interviews gebeten. Er konnte keinen Fuß mehr vor die Haustür setzen, ohne von einer Fan-Gemeinde umgeben zu sein, die vollkommen aus dem Häuschen war, nur weil sie ihn leibhaftig sehen durfte. Die 5-Sterne-Hotels, in denen er ab nun residierte, wurden belagert, seine Autos mit Liebeserklärungen mit rotem Lippenstift vollgeschmiert. Sterner legte sich Bodyguards zu, er heuerte eine Managementagentur an und überlegte sich, seinen Wohnsitz gänzlich nach Monaco zu verlegen, sowohl um den Steuern zu entgehen, als auch um dem Jet-Set, der ihn zu seinem Liebling erkoren hatte, näher sein zu können.

Jeden Tag trudelten tausende Fanbriefe bei ihm ein. Seine in- und ausländischen Konten explodierten förmlich. Im Büro seines Managers standen die Leute mit Koffern voller Geld Schlange, das sie Sterner am liebsten eigenhändig in den Hintern gesteckt hätten, nur um ihn als Werbeträger zu gewinnen. Er habe hart gearbeitet, sagte er, nach dem Geheimnis seines Erfolges befragt, immer wieder; und nun ernte er den Erfolg, zu dem er die besten Voraussetzungen hätte. Das Argument überzeugte seine Gesprächspartner. Die weiblichen Journalisten lechzten danach, von Sterner wenigstens berührt zu werden. Ihre männlichen Kollegen fühlten sich geehrt, wenn sie von Pitar Sdörna Superstar in der Hotelbar mit einem freundlichen Wort bedacht wurden. Erste Biographen gingen daran, seine Herkunft und seinen Werdegang in huldigenden Schriften nachzuzeichnen. Sie vernachlässigten keine noch so banale Äußerungen aus seinem Mund und gaben getreulich wieder, welchen Anzug aus der Kollektion wessen Cotouristen er bei welchem Antritt getragen hatte. Peter Sterner hatte den Überblick verloren, wer sich alles um seine Person riss. Sollte sich sein Management darum kümmern. Er stand im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. “Und doch ist mir bewusst”, pflegte er bei Interviews zu sagen: “Ich bin nur einer von Etlichen, die von den Titelseiten der Zeitungen und Zeitschriften lächeln und deren Namen jedes Kind auf der Welt kennt. Ich bin einer von den Auserwählten, die stark genug sind, dass sich in ihnen das Glück der Menschheit bündeln kann.”

Und so sehen wir ihn wieder in unserer Lieblingssendung, Samstag abends, im Showblock zwischen Madonna und Michael Jackson: als einen der Auserwählten, die das Glück der Menschheit in sich vereinen.

“Stimmt es, dass du von den Rolling Stones entdeckt wurdest?” fragt ihn der Showmaster, nachdem der Applaus endlich abgeflaut war und sie auf der Talk-Couch Platz genommen hatten.

“Ja, das war wie im Märchen”, antwortet Sterner. “Ich traf die Burschen vor ihrem Monte-Carlo-Konzert, konnte ihnen einen meiner Songs vorspielen und wurde sofort unter Vertrag genommen.”

“Da hast du unwahrscheinliches Glück gehabt.”

“Ja, aber vor allem war da eines: Ich habe einen Traum gehabt.”

Das war natürlich Blödsinn von vorn bis hinten. Aber so hatte er es vor der Show mit Tommi ausgemacht, weil beide wussten, das kommt beim Publikum gut an.

“Pitar Sdörna, meine Damen und Herren! Vielen Dank, Pitar Sdörna!” Nochmals wurde sein Gesicht in Großaufnahme gezeigt. Dann der Schwenk, und die Sendung ging weiter: “In der nächsten Wette geht es um einen Geflügelzüchter aus Schleswig Holstein, der behauptet, er könne jedes einzelne seiner 500 Hühner an ihrem Gackern erkennen. Aber nicht nur an der Luft, sondern auch unter Wasser. Applaus für …”

Peter Sterner rekelte sich unbeobachtet auf der Talk-Couch. Ja. Er hatte es geschafft. Er war ganz oben. Er hatte es sich im Glück häuslich eingerichtet, mit einem unbefristeten Mietvertrag in der Tasche. Selbst wenn ihm die Stimme versagte, würde er noch als Kunstfurzer CDs aufnehmen können, die zur Nummer 1 würden. Ihm würde nichts mehr passieren können. Außer, patsch: He, das verdammte Huhn, das hoch über ihm auf dem technischen Gestänge zwischen den Scheinwerfern hockte und etwas fallen gelassen hatte, es hatte ihn genau auf die Stirn getroffen! Was soll dieser Scheiß!? Peter Sterner wischte sich die Stirn ärgerlich mit einem Taschentuch ab. Dann sah er, dass Uschi zu, die wie bei jedem wichtigen Auftritt am Bühnenrand stand, lachte. Er zwinkerte ihr zu, und sie antwortete mit einer Kusshand, die sie ihm mit weit ausholender Geste zuwarf, bevor sie einen Schritt zurücktrat und in den Kulissen verschwand.

“Peter Sterner – Das Geheimnis seines Erfolges” (incl. CD “Like a pharao” ) erscheint als Comicbuch (Zeichner: Roman Klug) als Band 19 in der edition kürbis (ISBN 3-900965-19-6 oder online bei kuerbis@kuerbis.at), ÖS 198.- / DM 29.- / sfr 29.-

Kristine Greßhöner

12 Texte

Der Nachlass

Ich finde Sperma in meinem Bauchnabel. Ich hoffe, meine Mutter findet es nicht. Es hat dort überwintert, seit einem der letzten Dezember. Der Junge hatte damals gesagt, man wolle ihn bald zum Sänger kastrieren. Er sagte, er wolle es in zehn Jahren wieder abholen. Dann würde er mir damit ein Kind zeugen. Mittlerweile habe ich mich mit dem Sperma in meinem Bauchnabel angefreundet. Es kann reden und wir sprechen viel über Politik. Nun, zum Ende des 1000-Jährigen Reiches, bin ich alt geworden, von einem Tag auf den anderen. Mein Bauch ist seit gestern sehr faltig geworden und das Sperma ist unter einer Falte erstickt. Ich habe es nicht schreien gehört, das tut mir leid. Heute Morgen habe ich es nun in ein altes Marmeladeglas gefüllt und neben der Tanne im Garten begraben.

Miranda

Miranda, wie weit sind die Berge, fragte das kleine Mädchen. Miranda, wie tief ist das Meer? Miranda antwortete nicht. Sie saß schluchzend unter dem Birnbaum und die Tränen floßen an ihren schönen Brüste hinab auf den Boden. Miranda weinte. Das kleine Mädchen trocknete ihre Wangen und lief vergnügt hinunter zu den Apfelbäumen, an deren Ästen sich scharlachrote Kinderleichen im Wind wogen. Miranda stand nie wieder auf. Sie vertrocknete gemeinsam mit dem Birnbaum.

Küche
(–gelesen am Bielefelder Literaturtelefon–)

Am Tag. Er rinnt in meine Tasse. Schwarz, ja, schwarzer Kaffee, der Tisch ist gedeckt, gestern haben wir es auf dem Tisch gemacht. Deine Kratzspuren im Gesicht sind die Beweise. Belege der Nacht, die so schwarz war wie Kaffee. Im Zimmer hängt ein Duft von Geschlechtsverkehr und ich kraule deinen Nacken im Takt der Uhr. Du sitzt mit dem Rücken zu mir und liest die Tageszeitung. Ich trinke den Kaffee von gestern Abend, denn heute haben wir keinen mehr. Du hast letzte Nacht in die Kaffeedose uriniert und sie steht jetzt auf dem Abtropfbord der Spüle. Ich habe sie in heißem Wasser gebadet, während du auf dem Boden gekniet hast. Deine Zunge war warm und weich, meine Hände wurden faltig und Urin ist gut für die Haut.

Am Tag riecht es in unserer Küche nach Geschlechtsverkehr und jeden Besucher führen wir hinein. Alle sollen es wissen, dass wir es tun, das, worüber niemand spricht. Wir machen es auf dem Küchentisch, während dort noch die karierte Decke vom Frühstück liegt und auf den nächsten Morgen wartet. Du bist blind, darum machen wir es in der Nacht. Ich will nicht als einzige das Recht haben, dich zu sehen, darum – im Dunkel, in der Küche. Heute Nacht werden wir es wieder tun. Denn am Tag – sind alle Katzen grau.

Liebe mich

Die Falte meines Popos und die samtige Haut drücken an den rauen Untergrund. Ich sitze auf seiner Hand und er ist Schmied. Seine Haut ist ledern und faltig, und ich sitze mit gefalteten Beinen auf seiner linken Hand. Er isst ein duftendes Wurstbrot. Wenn er abbeißt, sehe ich hinein in seinen Rachen, die Krümel des Brotes verkleben den Gaumen und Spuckefäden glänzen im matten Licht. Er spricht, und ich wische mir die Brocken seines Mahles aus den Haaren. Ich möchte ihn lieben, denke ich, denn er ist ein großer Mann. Er ist Schmied, und ich sehe ihn jeden Tag die riesigen Hämmer schwingen. Sein rechter Daumen streicht mir unbeholfen über den Kopf. Es ist schade, dass ich ihn nicht befriedigen kann. Ich möchte ihn befriedigen, doch er ist Schmied und sehr stark, und eins passt nicht zum anderen. Ich spreize meine Beine ein wenig, rutsche von seinem linken Daumen und wandere zurück zum Weiher. Ich bin seine Lachsprinzessin, doch er weiß es noch nicht.

Immer

Ich bin der Mann, der morgen deine Wände einreißen wird. Ich möchte dich warnen. Denn Benn, ja, dem alten Cocker, nein, fass mich nicht an, deinem Benn habe ich gestern die Beine gebrochen. Es ist doch alles, ich meine, alles, alles, was kommt, was geht, ich meine, nein, ich will dich doch nicht heiraten! Es ist nur, ich will, also, ich will immer nur die Mäuse von einer Wand zur anderen laufen sehen. Lass uns den Weg zu Barbarossas Grab gehen! Du weißt doch, was man redet. Du erhältst die kleine Wahrheit dort. Und die Große? Ich weiß nicht, die kann ich dir verkaufen, fünf Gramm aus Amsterdam, das ist die große Wahrheit. Ich drehe mich auf dem alten, blauen Sofa der Bahnstation um. Mitten auf Gleis Sieben steht mein Sofa, es steht dort seit gestern Nacht, ich fand, es passe nicht mehr zu der grünen Tapete in meinem Zimmer, also habe ich es in Nachbars Bully gepackt, und wir haben es auf Gleis Sieben gestellt. Kein Zug ist hierhergefahren, ein Glück, ja, was für ein Glück, Marena, Magda, Mathilde, was für ein Glück, sonst wären wir überfahren worden, heidewitzka, das wäre eine Sauerei geworden. Ich steige wieder in den Bully, der gehört meinem Nachbarn, es ist früh um fünf, ich habe dich auf dem Sofa auf Gleis 7 gelassen. Sitzt da, wartest da, wartest, denn du bist meine Frau, also nicht verheiratet, aber du bist meine Frau, soweit alles klar. Bist beleidigt, habe deine Freundin angeguckt, letzte Nacht, du warst dabei, lagst aber mit dem Kopf in der Toilettenschüssel, ich habe drauf gepisst, weil ich so stoned war, ja, es tut mir immer noch leid, scheiße und heidewitzka. Ich schaue aus dem Fenster und die ersten Arbeiter fahren zu ihrer Arbeit, manche kommen jetzt erst nach Hause, haben letzte Nacht eine andere gevögelt, mehr war es nicht, ja, ich habe das auch mal getan. Meine Frau sitzt auf dem Sofa und neben ihr sitzt ihr Köter mit gebrochenen Beinen, beide warten auf mich, und ich warte auf den ersten Zug, der das Problem für mich erledigt, umfährt und so. Ich bin nicht brutal, bin nicht perverser als mein Nachbar, dessen Bully ich fahre, heidewitzka, ist der durchgerostet, naja, gestern war noch alles in Ordnung und so, und wir wollten, glaube ich, heiraten, aber das war gestern, und wer sagt schon von sich, dass er im Gestern lebt, ich tue das nicht. Man, jetzt merke ich doch den Hunger auf Brot, ich will dich küssen, nein, eher dich berühren, nein, einfach dich riechen, denn du riechst so gut. Ich habe gesehen, dass die Ampel auf Rot sprang, rot wie deine Lippen, ich habe gesehen, wie sie auf gelb sprang, lass uns bis ans Ende der Welt fahren, hast du gestern gesagt, aber ich fahre jetzt mit Nachbars Bully und dem sage ich so was auch immer wieder zärtlich, bitte, bitte fahre mich bis zur nächsten Tankstelle. Macht der auch brav, nur du lässt mich immer hängen, wenn du trocken gelaufen bist. Das Leben ist eine Mandarine und ich sitze im faulen Fruchtfleisch vergraben. Dann pellst du meine Mandarine und hopp, sitze ich, der Hiob, auf deinem Frühstückstisch. Alles Weiße in meinem Kaffe ist Mehl. Meine Euter gaben früher mal Milch, oder? Na, schon ausgeschlafen? Mathilde, das Wasser kocht! Oma Magda, aufstehen, die Neffen und Nichten, hallo, aus den Betten geschüttelt. Es sind 500, weißt du, 500 Nichten und Neffen an der Zahl.Amerika, dorthin werden die 500 Nichten und Neffen gehen, später mal, wenn sie groß sind, na denn, Hals und Beinbruch ihr alle. Ach, mein Herz ist so schwer, das Wasser ist mir ausgegangen auf meinem Weg, und morgen kaufe ich mir ein Boot. Heute reicht noch der Bully. Man überlege sich, gestern hatte ich nur ein Fahrrad. Was für Zeiten, Marena, was für Zeiten. Ich möchte den Kopf schütteln, muss in den Rückspiegel sehen. Es gibt Frühstück im Hause meiner Großmutter. Heidewitzka, unser Brot von gestern ist noch da, Teil der elenden Vergangenheit mit meiner Frau. In den Nachrichten höre ich, dass auf Gleis Sieben ein Sofa steht, es ist gelb und groß, und man musste es von den Gleisen schaffen. Morgen werde ich wieder die Nachrichten hören. Vorher werde ich den Bully meines Nachbarn ausleihen, das blaue Sofa, meine Frau und den Hund nehmen und alle auf Gleis Sieben zurücklassen.

Seidenwahn

Seidenstrumpfhäkeln. Nadeln, die führen den Faden zwischen die anderen. Jemand wartet. Wo ist meine Antwort? Ich sitze auf einem Stuhl und du musst an mir vorbei. Ein schmaler Gang ist es. Ich sehe in die Ferne. Eins links, eins rechts, eins zwo. Nein, ich gucke nicht. Nein, ich sehe nichts. Haare wandern. Etwas kommt näher. Olala, das bist du. Kommst aus deinem kleinen, dunklen Tal hier herauf an die Oberfläche. Dann. Der Moment, dass du an mir vorbeigehen musst. Ich sehe dich direkt an. Du siehst verstört hinweg. Irgendwohin. Ich weiß nicht, welches Objekt deine Augen mit ihren Blicken abtasten. Ich kann mich nicht mehr beherrschen. Es klappt nicht mehr. Hallo! Ich schreie, ich kreische, ich zeige mit meinem Finger auf dich. Auf deine Gestalt. Mit dem kleinsten Finger. Wir rocken das Haus und kommen niemals wieder raus. Mein Lachen übertönt euch alle. Weißt du, wie lächerlich du gucken kannst? Hoffentlich. Ganz toll. Dein Grinsen stirbt ab. Ich muss Luft holen. Irgendwo klingt mein Echo nach. Es klingt, es klingt, jemand holt einen Eimer Sand und erstickt es. Schade. Die Musik wird wieder lauter. In der Ferne sehe ich dich sitzen. In der Ferne scheinst du unantastbar. Völlig durchsichtig zu sein, doch einer Existenz entschwebt, in der man wieder Erde sieht, die zwischen den Köpfen der Andersdenkenden hindurchrieselt und sich hinabwendet und wieder vergeht und das bleibt, was sie ist. Erde. Weißt Du, ich habe dich gestern noch gekannt und dann nie wieder. Ja, ich habe dich noch vor 24 Stunden gekannt und hatte Vertrauen und hey, glaubst du mir, wenn ich sage, dass ich dich noch vor 4 Stunden geliebt habe? Nein, wahrscheinlich nicht, wenn du es willst. Ich schweige. Du weißt es ja nicht. Dann sage ich tagelang nichts und gedenke. Gedanken an das Gedenken. Eine Ode an Leo. An Sarah. An Gott. Sie sind nicht tot, wie das Erkennen zwischen dir und mir und mir und dir und uns und jemandem, der zwischen uns steht und dem Tod und Sex und Flucht und Schindluder. Ich weiß jetzt, dass die Plexisglasscheibe sich verdickt haben muss. Die stand hier immer rum. Immer Undurchdringlichkeit. Kann mir mal jemand eine Spitzhacke leihen? Ich brauche eine Spitzhacke. Eine ziemlich stabile. Und jetzt denkt man nach und erkennt, dass diese Plexiglasscheibe von Anfang an zwischen uns stand und wir sie nicht durchbrechen konnten. Was denkst Du darüber? Du? Du kleines Individuum, dass du dich hinter diesen zwischenentwickelten Waberungen und Ablagerungen aufhälst. Na? Ich nehme die Spitzhacke und hacke deinen verdammten Schädel auf und die Gehirnflüssigkeit spritzt und die Augen quellen leicht heraus und ich nehme eine Nähnadel, nein, eine Stopfnadel und bohre deine Augen heraus und schneide die wenigen Haare auf deinem Kopf ab und dann… Was wollt ihr ? Lasst mich los! Ihr wollt das doch so, wie ich es sage. Ich wälze mich in dieser Lache und Guten Appetit. Ihr Dreckskerle! Meine Idee der Existenz einer Daseinsberechtigung, die vor allem anderen steht und auf euch spuckt, auf euch kotzt, sich die Gedärme aus dem verfluchten Leib schneidet und sie auf euch drauf schmeißt und dann sagt jemand in die Stille der Kälte hinein: “Suppe fassen!” Mario schreit es in die Welt. Dann kommen die verfluchten Geier und hacken an den Gedärmen rum. Das stinkt. Alles dampft. Das ist normal. Ich sitze knapp hinter ihnen und mache Fotos von der Völlerei. Immerhin sind die Fotos schwarzweiß und lassen sich gut als Massaker an einer zehnköpfigen Familie verkaufen. Die Zeitungen sind voll von meinen Fotos von Gedärmen, die von Geiern zerhackt werden und ich erfahre aus den Nachrichten, dass ich wohl im Jemen war und es roch wie aus Suppenkübeln. Suppenkübelgedärme. Nein, die Hypothese ist abgefahren, das stimmt doch nicht. Völliger Blödsinn. Ich bin beruhigt, lasse die Beine durch die Gitter baumeln, und hey, ich gehe heute Abend Abtanzen und Ablachen und Luft holen. Ein zweites Gedrehtes fliegt hoch, so hoch. Der Himmel ist noch zu niedrig.

Wer hält mich fest an meinen Schuhsohlen, dass sie abfallen mögen. Niemand, niemand. Ein Kleinkind lästert. Kriegst Du meine Sohlen zu fassen, dann möge die Nadel der Machetenwerfer dich durchbohren, bis aufs Blut. Bis aufs Knochenmark. Yes, Mister, ich komme wieder zum schmalen Gang zurück. Das Haus rockt. Rockt mich um. Nein, das schafft es nicht. Wieder dieses ich-bin-zufrieden-mit-der-Welt-aber-leider-gibt-es-keine-Welt-Lachen der Falten in meinem Gesicht. Verkauf dich nicht, sonst beräuber ich dich. I’m back in the Bunker with you. Hallo, wo bist du denn? Wo ist mein kleiner Kater? Miez,miez,miez. Ah, da kommt er aus den Boxen gekrochen. Na, mein Kleiner, Mama hat ein paar Leckereien für ihr Schätzchen. Na, komm Süßer, komm her. Die verkrampften Arme, zwei Linke und zwei Rechte, von zwei gestrandeten Trampern. Zwei Jungs mit T-Shirts, die waren vorher noch weiß, mit roten Schriftzügen. “I’m a lonesome traveller.”, sagte ich ihnen. Doch sie langweilten mich. Der Strahl aus der Wasserpistole traf sie exakt. Och, Katerchen. komm doch mal her. Schmatzend werden die mitgebrachten Stücke verdrückt. So ist’s fein. So möchte ich das sehen. Und der kleine Kater verdrückt die Arme bis auf die kleinste Sehne. Dann trollt sich der Süße wieder hinter die Boxen. Endlich bin ich die Tüten losgeworden. Wurde ja auch Zeit. Die Tanzfläche ist voll. Sie wissen, wer ich bin. Was ich bin. Mit wem ich bin. Wie weit sie gehen dürfen. Respekt von allen Seiten. Wo ist denn mein Ex? Ach, da ist er ja. Kommt auf mich zu. Geht fast an mir vorbei. Streift mich fast. So ein böser Junge. Kennst Du Tabus? Blicke aus Feuer. Du musst selbst die Matheaufgaben mit Leidenschaft machen. Saschas Aussage, Berlin. Jemand, guckt, beobachtet und möchte mal? Was? Er will was? Ne, Du hattest so viele Chancen, da geht nix mehr. Gar nichts. Aber trotzdem. Die Ehemaligen schmecken am besten. Der alten Weisheiten Taubheit wurde von mir verdrängt in die Zeit nach zwei nullnullnull. Siehst Du die Hörner auf meiner Stirn sich winden? Hörst Du die Schreie derer, denen man die Beine abschlug mit einem stumpfen Ding? Ja, womit? Mit PingPongSchlägern! Hilfiger? Ja, vor mir strahlt eine Jacke. Das Mädel hat sich noch nicht mal die Beine rasiert. Wer soll da denn wohl sein Nest bauen? Ach, der Rock ist aus Cord und echt zwei Inch lang. Socken, die rocken in Grün und Gelb und ein bisschen Orange. Und darunter trägt sie keine durchsichtige Strumpfhose. Sie kann nicht häkeln! Unter der dollen Jacke – wie viel die wohl gekostet haben mag? – trägt sie eine durchsichtige Chiffonbluse in schwarz und darunter einen schwarzen Spitzen-BH, der wahrscheinlich noch teurer als die Jacke war, weil an ihm so wenig Stoff ist, dass er einfach teurer gewesen sein muss. Man, sie kann keine Seidenstrümpfe häkeln, verfluchtes Weibsstück. Am nächsten Morgen wird mein Exfreund zwischen meinen Beinen liegen. Er hat sich übergeben müssen. Warum tue ich das meinem Leben jeden Abend an? Ich hasse ihn, denn Hass ist beständig.

Vergletschern

Sie hieß Meine Liebe, und ihr Atem stank nach Lebertran, und als ich ihre Scham berührte – nur mit der Zungenspitze –, dachte ich, es sei Winter, denn sie schmeckte wie das Eis, das morgens in den Gräsern der Wiese erstarrt. Meine Liebe war groß und stark, ja, wirklich, ihr Gemüt war eine Blumenwiese, in die ich meine Wurzeln hineinsprießen ließ, doch ich tat dies nur im Winter. Sie war eine Winterfrau und ich liebte sie an jedem Abend, doch nie am Tage, denn der Sonnenschein ließ ihre Scham schmelzen. Sie war hüftabwärts ein wenig aus Eis, doch ihr Atem stank nach Lebertran, und trotz allem war sie meine Winterfrau. Die Spitzen ihrer Brüste schmeckten nach Erdbeeren, und ihr Haar roch nach frischem Honig, und unter meinen Händen ward sie zur Sonne, doch ihr Atem stank nach Lebertran. Ich genoss die Sonne, wie sie es sich gefallen ließ, abends strahlte sie und zog mit ihrem wiegenden Leib zarte Linien und Biegungen und Ecken von Lichtstrahlen über mein Gesicht. Meine Liebe endete eines Morgens in einem Wassereimer, denn trunken von der Nacht fiel sie hinein, und ihr Eis ward eins mit dem Wasser. Ich goss das Wasser über die Gräser der Wiese und dachte, dass ihr Atem nie wieder nach Lebertran stinken würde, doch sie blieb für immer Meine Liebe.

Nymphe

Ich tanze auf einem schwelenden Boden und das Wehen am Morgen verwischt die Tränen auf meinen Wangen. Möchtest du die Nymphentänze mit mir tanzen? Enttäuschung ist mein zweiter Vorname, doch meine Flügelchen spreizen sich mutig gen Himmel, so dunkel er die Wolken auch spannt. Ich bin die Nymphentänzerin und will ohne ihn weiterschweben, doch die Federn hängen lose herab und meine Flügel sind schlaff. Ich brauche Flüssigkeit, dass ich nicht vertrockne, ich brauche Mut, dass ich nicht versinke in seinem Morast. Der Himmel scheint trügerisch eine Pfütze zu sein, doch dann, auf der Rückseite des Spiegels, watet man durch den Dreck. Lass mich gehen und fliegen, vielleicht direkt zu meiner Selbstzerstörung, vielleicht kommt der Absturz, denn Nymphen sind unvorsichtige Wesen. Ich will das, was ich schon vor tausenden Jahren kommen sah, ich will hinein in die Sonne und dort mit dir verschmilzen zu einem Klumpen, der irgendwann auf einem Regenbogen herabrutschen wird. Und dann? Platsch, hinab auf die Erde. Adieu, Nymphenfrau, die Zeit mit dir war wunderschön.

Eis

Ich will das Eis brechen, das aus meinen Armen wächst. Die riesigen Eisstangen, die dort, unterhalb der Ellbogen hervorluken. Ich will mir ein Feuer suchen und versuchen, die Löcher, aus denen die Stangen wachsen, zu verbrennen. Im Sommer tropft es auf den Boden, die Arme angewinkelt, merke ich, wie die Eisstangen, die dort hervorstechen, langsam und bedächtig schmilzen. Ich tropfe und alle wollen an mir lecken, denn ich bin unterhalb der Ellbogen so wunderbar kühl. Mein Leben begann in einem Kühlhaus. Sorgfältig putzte meine Mutter dieses und saß des öfteren betrunken auf den Kühlaggregaten. Sie verkühlte sich ihre Geschlechtsorgane. Mein Vater nahm sie eines Tages wohl auf der Kühltruhe. Nun bin ich ein Eiskind und im nächsten Winter werden die Eisstangen wieder anschwellen, so dass ich kaum meine Arme heben kann. Ich bin ein Kind des Kühlaggregats und mein Freund ist der Schnee.

Bettruhe

Sie ist die Frau seiner Schwester, flüsterte sie ihm zu. Er nickte und betrachtete verstohlen die Porträts seiner Frau an der Wand. Der Mann blickte auf und begann sich seinem Blickfeld zu nähern. Er starrte immer noch auf die Porträts seiner Frau, als jener Mann auf ihn zutrat, seine Hand nahm und ihn ins obere Stockwerk führte. Man sah zwei Männer, die verließen die Feier Hand in Hand. Jene Frau, die den einen der beiden Männer angesprochen hatte, nahm ihre Handtasche und folgte den beiden in die oberen Stockwerke. Sie wollte, dass die beiden ihre Brustwarzen abbissen. Es ist schön so, wie es ist, sagten ihr die Männer.

Perlen

Ich möchte mir Perlen kaufen in einem Geschäft, in dem die Endzeit mir einen Stuhl heranschiebt. Ich möchte aussehen wie die Frauen auf dem Catwalk. Ich möchte nicht mehr kotzen. Ich möchte mehr Koks hinter der Jesusfigur auf dem Altar verstecken. Ich möchte mir Perlen kaufen, sagte ich ihm. Er kam näher. Ich warf meine Bluse in den Gartenteich. Er kam näher. Ich will dich, sagte ich ihm. Ich warf meinen Rock über die Gartenstühle. Ich hasse ihn, ich hasse ihn, ich hasse ihn. Er kam näher. Du bist ein sehr attraktiver Mann, sagte ich ihm. Mein Slip flog auf die Gladiolen. Er kam näher. Ich hasse den Krieg zwischen uns, ich hasse mich, ich hasse die Liebe. Er war am Rasenmähen und dann kam er in mir. Ich ging, um mir Perlen zu kaufen, und kehrte nie wieder zurück.

Wasser

Du hast dir eine Wasserläuferin gekauft. Ich habe dich letzte Woche im Supermarkt um die Ecke gesehen, da hast du sie gekauft – für einen Blick und einen Kuss. Sie anstatt meiner wird dich über das Wasser führen. Ich weiß, ich bin verloren, eine arbeitslose Wasserläuferin, manchmal torkelnd, doch immer an der Oberfläche. Ja, ich weiß, morgen ist Sonntag, ich werde mich morgen ertränken, wenn die Kelche der Blüten mir einen Stuhl reichen. Auf diesem Stuhl werde ich auf den warten, der eine Wasserläuferin sucht, die ihn ans nächste Ufer bringt. Vielleicht bin ich verloren, doch jemand wird mich wiederfinden. Er wird mich finden und mich vor dem Sonntag retten.

Anna Nöst: Textbaustelle 10

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eine baustelle ist keine rose,

Anna Nöst, St. Lambrecht, Juni/Juli 2000

eine baustelle ist keine rose. kein recht, kein anrecht, sie haben kein recht auf eine freie stelle, kein recht auf eine baufreie stelle, ein durchkommen, ein durchziehen, sie haben kein recht auf ein durchkommen, ein durchziehen, einen durchgang, keinen anspruch, keinen anspruch auf automatisch und keinen anspruch auf eine rose. haben sie nicht. sie haben keinen anspruch auf eine rose. weder anspruch auf baustelle noch rose, nackt ohne bau und bloß ohne grün, ein mensch ohne bau und ohne rose. wie ein mensch? wie mensch ohne bau und ohne rose? kein werk ohne baustelle, gehen sie jetzt. eine baustelle ist keine rose, gehen sie, ein mensch ohne baustelle kommt niemals zur rose. gehen sie, gehen sie jetzt, sie können gehen, gehen sie, nicht. sie können nicht gehen, sie können nicht. nicht können sie gehen und oder kommen, sie können nicht gehen und oder nicht kommen. nicht kommen. ohne baustelle, ohne rose, kein kommen und kein gehen, sie können nicht gehen, wie sie wollen und oder wann, nicht gehen und oder kommen wie sie wollen und oder wann ohne baustelle, ohne rose gehen sie nicht. gehen sie. versuchen sie es, versuchen sie zu gehen, versuchen sie ohne baustelle, zu gehen, ohne rose zu kommen, versuchen sie ohne rose zu kommen. unmöglich.

sie werden sehen. sie sehen. sie wissen. ein leben ohne baustelle ist wie ein amt ohne rose, ein berg ohne wasser, ein sein ohne Dir. steht einmal das amt, der traktor, das auto, der verkehr einmal stocksteif und still, stocksteif und still selbst die fliege im auto. zurück geht auch nicht, stoßstange an stoßstange, ein sommer auf der baustelle, ein sommer auf der autobahn, ein sommer, ein urlaub, stoßstange an stoßstange, eine laufmasche ist keine baustelle, keine straße, aber auch eine laufmasche ist ohne zurück.

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tun sie es nicht. kaufen sie keine strümpfe im ausverkauf oder reduziert, sie tragen sie nicht. sie wissen das auch. sie haben keine freude, wenn sie sich nichts wertvolles über die beine. mag aktion billig sein, mag aktion ihrer brieftasche aus erster unüberlegtheit heraus nützlich scheinen, scheinen. wenn nicht gerade ganz genau das, was sie immer schon. was sie ausgerechnet. was sie gesucht. was sie gesucht. wie nadel im heuhaufen. oder in holzbodenritzen eines alten kückenbodens in einer gaststube oder in einer bauernküche ohne magnet. wie nadel im holzbretterboden, in den rillen des holzbretterbodens ohne magnet. wie nadel im holzhofen (gruß an Nader, anm. d. red.) wenn nicht. wenn nicht ganz genau das, was sie immer schon. wenn nicht ganz genau das, was. sie immer schon. sie seit wochen, seit monaten, seit saisonbeginn oder von kindheit oder jugend an, wenn nicht ganz genau. in aktion. dann lassen sie es. lassen sie es. lassen sie aktion links oder rechts liegen, aktion ist links, sie gehen gerade, aktion ist rechts, sie gehen gerade. gehen sie gerade, wahren sie haltung, haben sie eine haltung, haben sie?

in wirklichkeit schleppen sie doch nur, wenn sie immer im ausverkauf zuschlagen. wenn sie ihr geldbörsel zum ausverkaufszuschlaghammer machen. in wirklichkeit schleppen sie nur. sehen sie mich an. ein angebot um das andere. ein handtuch, ein ring, eine kuh, selbst eine kuh habe ich schon gekauft. was ich in wien mit der kuh mache? zum unterstellen finden sie immer einen weg. zahlen sie halt. gegen bezahung geht heutzutage alles. auch die entsorgung von aktionsangeboten. sie können sie natürlich auch bei sich lagern, wenn sie noch platz haben. für das siebenhundertachtundvierzigste schuhwerk. oder. sie können es, sie, die gegenstände und dinge, die im aktionsangebot angeschafften dinge können sie natürlich auch verschenken. verschenken ist sowohl besser als gegen bezahlung lagern oder die entsorgung zu bezahlen, aber auch besser als den krempel herumliegen zu haben, das ganze schlafzimmer, das wohnzimmer, die küche, raum für raum wächst ihnen zu. wie es in meinem keller aussieht, muß ich ihnen dazu noch was sagen?

glauben sie nicht auch, dass ein geist aus dem ganzen günstig gekauften weht? wenn sie es gar nicht brauchen. sagen sie sich damit nicht selber, dass sie sich selber nichts oder nur wenig wert sind? das billig, das billigst eingekaufte wert sind? muß es immer ein gekauftes sein? mir brauchen sie sowas nicht zu schenken, keinen plastikeimer, keine plastikperlen, keinen nagellack, ich will mir die farbe selber aussuchen, kein parfum, wie kommen sie dazu, so etwas wichtiges, wie meinen duft zu bestimmen, zu bestimmen, wie ich dufte, wie kommen sie, komme ich, was wollen sie von mir, können sie nicht, lassen. sie mich in.

kaufen sie nicht aktion, kaufen sie kein angebot ist, nützen sie diese chancen nicht, jede einzelne schlägt zurück. auch die waren, die sie immer schon wollten. aber das wollten sie ja. sie wollten ja wieder schöne neue schwarze halbschuhe für die regentage. jetzt haben sie die schönen, neuen, schwazen halbschuhe für regentage und freuen sich. ist doch wunderbar. gibt es was wunderbareres als sich zu freuen. aber. aber. aber zufällig im angebot, etwas, woran sie noch nie gedacht haben. tun sie es nicht. lassen sie es sein, sparen sie. ist doch auch gut. für ein wertvolles. für ein wertvolles, dann wenn. für den sonntag. und fühlen sie sich heute wohl beim. beim seinlassen. genießen sie es, es sein zu lassen. gehen sie an den auslagen vorbei, ohne etwas kaufen zu müssen. gehen sie einfach, ziehen sie einfach die auslagen entlang ohne unbedingt noch. ohne zu müssen. sie müssen nicht. sie können natürlich. aber genießen sie einmal das nicht müssen, nicht kaufen, kaufen sie einmal nicht.

sie kommen sonst nie nach graz? oder nach wien? oder wo immer hin? ja und. das gefühl nichts zu kaufen ist noch viel, viel besser. mögen sie ein wertvolles? sie mögen keine reibende, steife enge. sie mögen. sie mögen nicht. sie kaufen wert oder nicht. kaufen sie keine strümpfe bei GAZELLE, sie taugen nichts, kaufen sie keine strümpfe bei PALMERS, sie sind zu teuer, kaufen sie ihre strümpfe bei WOLFORD, hier haben sie verläßliche qualität und einen standard. den sie wieder kriegen. und einen namen. und schließlich einen namen. sie sind schließlich auch nicht irgendwer. verzichten sie auf mocca, kaffee, sand, jagdgrün, zinnoberrot und andenhochplateau. kaufen sie und tragen sie ausschließlich schwarz. ausschließlich schwarze strümpfe. es gibt keine notwendigkeit beige, weiße, sandfarbene, schokoladenbraune, graue oder gar blaue, orange oder gelbe strümpfe zu tragen. geschweige denn strumpfhosen. verweigern sie strumpfhosen. ignorieren sie strumpfhosen. leisten sie widerstand. gehen sie in ein geschäft, gehen sie in ihr geschäft und verlangen sie strümpfe. und beharren. beharren sie darauf. haltung. zeigen sie haltung. auch hier. zeigen sie standhaftigkeit, und wenn es sein muß widerstand. zeigen sie widerstand. zeigen. dokumentieren. manifestieren. ihre haltung ist. strümpfe.

ziehen sie sich doch nicht dieses grauenhafte strumpfhosenkunstspinnennetz über den hintern. sie wollen ihre beine schützen und dabei auch noch gut aussehen, wieso tragen sie dazu strumpfhosen? können sie sich auch nur irgendetwas häßlicheres vorstellen als strumpfhosen? als mann können sie sich das wahrscheinlich gar nicht vorstellen, sie wissen überhaupt nicht, was ihnen da erspart bleibt, aber wer von uns hat das nicht erlebt, die strumpfhose ist etwas zu kurz, der strumpfhosenboden endet 2-5 cm vor dem ende der oberschenkel. gehen sie so einmal zwei stunden spazieren, einkaufen, seien sie mit einer derart zu kurzen strumpfhose auf einem ausflug, oder eben einfach nur im büro, bei einem emfang, im wartezimmer eines arztes, in einer sitzung, ohne pause im labor, ohne. seien. seien sie versichert, sie sind danach an der innenseite der oberschenkel rotgescheuert. ein erbärmliches gefühl, vom anfang bis zu ende. was für ein glück, dass sie noch nicht gegen nylonstrumpfhosen allergisch sind. dann tragen sie weder strumpfhosen noch strümpfe. das noch nicht. was für ein glück. sie haben ein glück. noch nicht.

eine laufmasche ist eine entscheidung. eine laufmasche sagt ja. ja, werfen sie die strumpfhose oder die strümpfe, den strumpf weg. nein, die können sie nicht mehr tragen, nein, sie haben keine laufmasche, ja, sie können sie wieder tragen, nein, sie haben eine laufmasche und können diese strumpfhose, diese strümpfe, diesen strumpf nicht mehr tragen. eine laufmasche, ja oder nein. eine laufmasche ist eine entscheidung. eine laufmasche ist eine gefallene entscheidung, die zu exekutieren ist. eine laufmasche ist eine entscheidung. eine laufmasche ist ja oder nein.

kontrollieren sie die strumpfhose, die strümpfe, jeden einzelnen strumpf nach jedem tragen auf laufmaschen. tun sie es nicht, kann es sein, dass sie die strumpfhose, die strümpfe für nichts waschen. ohne kontrolle nach dem tragen waschen sie die strumpfhose, die strümpfe und nicht erst wenn sie sie, üblicherweise morgens oder jedenfalls wenn sie es eilig haben und sich schön anziehen wollen, also sie haben es eilig, wollen sich, müssen sich, ziehen sich schön an, für das büro, den zahnarzt, das kaffeehaus, das büro, den hautarzt, das büro, die freundin, der. die. die kirche, vielleicht sogar für die kirche, vielleicht sogar für die kirche, für das kirchengehen, sie wollen sich schön anziehen, sich herrichten, vorrichten, bereiten, bereiten sich vor, ziehen sich an, für das büro, das kaffeehaus, den zahnarzt, das büro. oder vielleicht doch für die kirche. es ist mutmaßlich nicht offen, ob die wahrscheinlichkeit in die kirche zu gehen für eine durchschnittliche strumpfhosen oder strümpfetragende österreischiche frau größer ist, als die, in eine galerie oder in ein kunsthaus oder in ein museum zu gehen, es ist mutmaßlich nicht offen, ob die wahrscheinlichkeit, dass eine durchschnittliche strumpfhosen oder strümpfetragende frau in eine kirche höher ist als in eine galerie oder in ein kunsthaus oder in ein museum geht, es ist anzunehmen, es ist von der autorin als wahrscheinlich angenommen, dass die durchschnittliche strumpfhosen oder strümpfe tragende österreichische frau eher in eine kirche geht als in eine galerie oder in ein kunsthaus oder in ein museum, nichtsdestotrotz ist es relevant eher wahrscheinlich, dass sich die durchschnittliche, sich für das ausgehen herrichtende strumpfhosen oder strümpfetragende österreichische frau oder auch, um den kreis der betroffenen noch weiter einzuschränken und zu präzisieren,

kunst verlangt schließlich im mindestens auszuschließen, ausschluß, im mindesten einzuschränken, einschränkung, auszuwählen, auswahl, kunst verlangt eine auswahl, eine konzentration, eine weglassung, um also den kreis der möglichen betroffenen, strumpfhosen oder strümpfetragenden frauen im sinne der erhöhung der kunst weiter einzuschränken, schränken wir den kreis der möglichen durchschnittlichen strumpfhosen oder strümpfetragenden österreichischen frauen auf die durchschnittlichen strumpfhosen oder strümpfetragenden steirischen frauen ein, auch für die durchschnittliche strumpfhosen oder strümpfetragende steirische frau ist es wahrscheinlicher, sich für das ausgehen, sei es für das büro, den zahnarzt, das kaffeehaus oder die geschäfte fertigzumachen als für die kirche oder die galerie oder ein kunsthaus oder ein musuem.

schränken wir den kreis anders ein, schneiden wir den kreis, die gemeinsame menge aller österreichischen strumpfhosen oder strümpfetragenden frauen anders als oben durch das steirische ein, schneiden wir nicht mit dem steirischen messer in das ganz allgemeine, sondern reduzieren wir den kreis der ausgewählten durchschnittlichen strumfphosen oder strümpfetragenden österreichischen frauen auf die durchschnittlichen strümpfetragenden österreichischen frauen, also schließen wir die durchschnittlichen strumpfhosentragenden österreichischen frauen, die steirischen wie die nichtsteirischen aus dem kreis der durchschnittlichen österreichischen strumfphosen und oder strümfpetragenden frauen aus und reduzieren so den kreis auf die durchschnittlichen strümpfetragenden österreichischen frauen,

also die steirischheit spielt hier keine rolle, hier entscheidet allein das fakt strumpfhosen oder strümpfetragen, sagen sie nicht, nein, sagen sie nicht, es gibt solche und solche, es gibt solche, die sowohl als auch, sagen sie das nicht. ich meine. ja. sagen sie es halt. aber denken. denken sie einmal nach. überlegen sie. überlegen sie auch nur kurz. wenn sie auch nur kurz, wenn sie auch nur ganz kurz nachdenken, dann. dann. ist schwarz oder weiß. ist ja oder nein. ist strumpfhose oder strümpfe. wenn sie doch. wenn sie doch. dazwischen. sie finden kein dach über dem kopf. ihr herz rinnt ihnen unter der hand weg. es ist weich. es schmilzt. es ist butter. butter der unentschlossenheit. ein weichei, sie haben ein ei, ein weiches ei, ein frühstücksei anstelle eines herzens, ein physiologisches herz vielleicht, ein herz, das aussieht wie ein herz, das körperlich arbeitet, wie ein herz, aber ein herz haben sie nicht, ein geistiges, seelisches, ein herzliches herz haben sie nicht, ihr herz ist ein weicheierherz, ein frühstückseiherz, ein frühstückherz, werden sie direktor, fürhstücksdirektor, werden sie direktor bei den clochards, den bettlern und sandlern, setzen sie sich als direktor zu den bettlern und sandlern, man wird sie verjagen, man wird sie in schimpf und schande, in schimpf und schande wird man sie verjagen, man wird sie in schimpf und schande verjagen, weil sie es riechen, sie riechen, wie die hunde ihre angst riechen, riechen die bettler und sandler ihr stinkendes, faules, weiches frühstückeiherz, ein frühstücksei ist gut, ein weiches frühstücksei ist gut, wenn es frisch ist, immer wenn es frisch ist, wenn es frisch ist, ein frisches frühstücksei ist lecker, und das nicht jeden tag, vielleicht einmal die woche, einmal die woche vielleicht ein leckeres frühstücksei, ein weiches frühstücksei, einmal die woche, besser noch einmal im monat, ein weiches ei im glas dazu frische (frisch gebacken, der brotduft zieht noch durch das haus) warme schnitten brot mit butter, in streifen geschnitten, mit denen sie in das glasweiche ei tauchen und hmmm.

aber ein ei, ein weiches ei als herz ist faul, ist ranzig, ein weicheiherz ist immer ranzig, es ist nicht frisch, wird nie gewechselt, gelüftet, geputzt, ein weichei stinkt von weitem, außer es ist ganz dicht mit plastik und gummi verpackt, aber auch dann kommt es erstens später zum vorschein und innen ist es immer, so oder so ein stinkendes, weiches herz. also sagen sie nicht, so oder so, einmal so, einmal anders, einmal strümpfe, einmal strumpfhosen, das einzige, das allereinzige, das ich gelten lasse ist tiefe winterkälte, eine kälte, oder wenigstens eine kälte von unter null grad, also bitte. aber dann doch wohl besser keine nylonstrumpfhose, vielleicht doch eine aus baumwolle oder kennen sie die neue funktionswäsche schon? nein, heute nicht hier weiter, aber wenn sie nicht mehr warten können, wenden sie sich vertrauensvoll an die lauf oder radsportabeitlung in ihrem sportfachartikelgesschäft.

und das weicheiweiche, ranzig stinkende herz der halben sachen wird immer kleiner. am ende verschwindet es ganz und läßt vertrocknet nur staubreste zurück. die als herzreste, zu staub vertrocknet immerhin wiederverwendet werden kann. man kann sie mit spucke vermischt auf die hauswände zum abwenden von weicheiherzen im eigenen haus verwenden. als pulver trocken gelagert sind sie über jahrzehnte hinweg haltbar und bleiben auch in homöopathischen dosen wirksam. wenn sie. wenn sie doch. wenn sie. immer noch. sowohl als auch. sollten sie. sollten sie also doch. dann. nein. reden sie nicht. fühlen sie. und wenn. es ist auch ok. sie sind auch in ordnung. sie können bleiben. sie können gerne hierbleiben. bleiben sie hier. schauen sie. sehen sie. fühlen sie. und öffnen sie. langsam. schluckportionsweise. öffnen. aber langsam. langsam. nicht zuviel luft einatmen. ihrem herzerl könnt. lassen. lassen sie in. ein. lassen. sie. ein. in. ist in ordnung. sie sind in ordnung. sie können gerne hier am rand sitzen bleiben, sie können sich gerne zwischen.

willkommen. selbstverständlich willkommen. selbstverständlich willkommen. willkommen. natürlich. selbstverständlich. umarmen. lassen sie sich umarmen. umarmen. ich umarme sie. wir umarmen. sie. lassen. sie sich. gehen. bleiben. tun. sie gar nichts. sie gar nichts. fühlen. fühlen. fühlen sie nur wie. wie sie dazwischen. wie sie am rand. wie sie nicht. wie sie nicht dazugehören. da nicht und. dort auch nicht. fühlen sie. spüren sie. sehen sie die. die sich kennen und herzen und mögen. weil sie teilen. eine entscheidung teilen. eine grenze teilen. und jene. die anders. anders als die. aber doch. auch jene, eine andere entscheidung. und sie. sie sind da am rand. sie sitzen da am rand. keine sessel vorbereitet, sitze für die raumwächter eigentlich. nicht für sie. aber. ist in ordnung. bleiben. der brunnenrand. ja. bleiben sie am brunnenrand. wir. wir warten auf sie.

wir lieben sie. wir lieben sie. wir lieben sie. wir lieben sie trotzdem. auch wenn sie. auch wenn sie. so. wenn sie nicht. wenn sie noch nicht. wir lieben sie. wir warten. wir lieben sie. wir warten. auf sie. warten, bis auch sie. inzwischen können sie da am rand. am rand zwischen uns. bleiben sie. bleiben sie. wir bringen ihnen zu essen. auch eine decke. wir bringen ihnen eine decke. wir bringen ihnen gerne eine decke, es wird kalt hier draußen. in der nacht wird es kalt hier draußen, sie werden sich auch. vielleicht. nein, sie werden nicht. es werden keine wilden. nein, so nahe kommen wilde tiere. nicht. so nahe nicht. kommen nicht. in der nacht. auch wenn. auch wenn es sein könnte. sie allein. sie allein hier draußen. wir geben ihnen einen radio, einen fernseher, ein telefon und ein paar zettel zum schreiben. sie können auch gehen. sie können auch gerne gehen. gehen sie zu den anderen, oder kommen sie ganz zu uns. sie entscheiden. sie entscheiden zu jeder zeit. sie entscheiden auch die zeit. den zeitpunkt. sie entscheiden zeitpunkt und sie entscheiden strumpfhose oder strümpfe. sie entscheiden. sie sagen ja oder nein, schwarz oder weiß, strumpfhose oder strümpfe. dann ist immer noch zeit für die farbe. ob mit spitze, naht, blickdicht oder transparent. aber erst. entscheiden. oder bleiben. oder hier bleiben. dort bleiben. an der grenze bleiben. dazwischen bleiben.

aber. eben. eben entscheidung. eben. aber. sie müssen nicht. keine frage, sie müssen nicht. wir lieben sie. müssen nicht. sie müssen gar nichts. wir lieben sie. wir lieben auch so. wir lieben sie, so wie sie sind. auch wenn wir sie so, wie sie sind, jetzt nicht zu uns lasse können. das verstehen sie. sie verstehen das. wir die entschiedenen, die entschieden habenden, die eine auswahl getroffen habenden, die eine alternative entfernt habenden, denen diese jetzt auch nicht mehr zur verfügung steht, nicht ein bissel, ein bissel heute so und morgen, wir die wir entschieden haben, hereinlassen, zu uns hereinlassen können wir nicht. aber sie verstehen. das verstehen sie, sie verstehen des. wir warten auf sie. in liebe. voller liebe. wir beten für sie. wir singen für sie. wir lieben für sie. lassen sie sich zeit. sie müssen sich nicht entscheiden. sie können gerne hier draußen. sie können gerne dazwischen. sie können gerne. solange sie wollen. solange sie brauchen. lassen sie sich. kaffee, möchten sie einen kaffee, einen tee, eine decke, ich bringe ihnen eine decke, lasse ihnen auch ein brot bringen und ein taschenmesser zum streichen und schneiden, ein lampe mit öl gefüllt, leicht für die nacht mit öl gefüllt, wir lassen, ich lasse ihnen gerne eine lampe hier, nebst einer decke, einem brot, butter und tee, auch eine flasche whiskey, whiskey, soviel whiskey sie wollen oder vodka, wässerchen, soviel wässerchen sie wollen oder wollen sie rauchen oder spritzen sie lieber? wenn die nacht lang ist und ihnen kalt ist, läuten sie, läuten sie, sie müssen sich nicht entscheiden, sie können gerne hier draußen bleiben, bleiben sie hier draußen, hier sind sie dazwischen, müssen sich nicht entscheiden, nicht hierhin gehen oder dorthin, müssen nicht. dürfen. sie dürfen.

läuten sie. läuten sie, wenn sie angst haben. läuten sie, wenn sie noch ein licht wollen. sie haben hier eine lampe, mit öl, mit genug öl, ihre lampe mit öl, mit genug öl, für die nacht und ein messer zum streichen für die butter und zum schneiden der einsamkeit, zeichnen sie sich mit dem messer heilung, linderung, trost in die. luft. zeichnen. streichen sie butter aufs brot und schneiden sie mit dem messer heilung, linderung, trost in die finstere nacht, es wird ihnen helfen, auch ein kreis, auch ein kreis, mit dem ausgestreckten arm, zeichnen sie mit dem messer am ende des ausgestreckten armes einen kreis um sich, auf dem boden und in der luft und nichts wird ihnen geschehen. die wilden tiere der luft, der erde und des wassers werden diesen kreis respektieren und ihnen genug zeit zum reifen lassen. reifen. wachsen. lassen sie sich zeit. lassen sie sich zeit. richten sie sich ein, richten sie sich am rand, am brunnenrand ein, einmal, zweimal am tag kommen die anderen frauen mit ihren krügen an den brunnen, es kommen die strumpfhosentragenden wie die strümpfetragenden und sie können in ruhe, in aller ruhe überlegen. wohin. und am ende mit wem. oder bleiben. am brunnenrand bleiben.

sie können gerne dort bleiben. wir lassen das fenster offen, sie können uns so auch hören. wir kehren zurück zu entweder oder. ja oder nein, zu denen, die sich entschlossen haben. wir haben. erinnnern sie. wir haben. den kreis der durchschnittlichen strumpfhosen oder strümpfetragenden österreicherinnen auf den kreis der durchschnittlichen österreichischen strümpfetragenden frauen eingeschränkt. und da bleibt immer noch. sagt die autorin. sagen wir. die wahrscheinlichkeit, dass sich eine durchschnittliche strümpfe tragende österreichische frau auf das büro, das geschäft, kaffeehaus oder das amt vorbereitet um ein vielfaches höher, als die wahrscheinlichkeit, dass sie sich für die kirche vorbereitet. aber, und das unterscheidet den durchschnitt der strümpfetragenden österreichischen frauen möglicherweise vom durchschnitt österreichischer strumpfhosen oder strümpfetragender frauen, bei den durchschnittliche strümpfetragenden österreichischen frauen ist offen, ob die wahrscheinlichkeit, dass sie sich für die kirche herrichten höher ist oder die wahrscheinlichkeit, dass sie sich nach waschen, duschen, parfümieren und schminken für die galerie, das kunsthaus oder das museum herrichten. es ist offen. es besteht immerhin die möglichkeit, dass sie eher in eine galerie, ein kunsthaus oder in ein museum gehen als in die kirche oder anders herum, bei den strumpfhosen oder strümpfetragenden frauen dürfte es, wird es mutmaßlich wahrscheinlicher sein, dass sie sich auf die kirche vorbereiten als für die galerie, das kunsthaus oder das musuem. hier kehrt die literatur allerdings um. wenn sie es ganz genau wissen wollen, wenden sie sich vertrauensvoll an die sozialwissenschaft.

die literatur sagt ihnen, strümpfe. strumpfhosen nein, strümpfe ja. die literatur sagt ihnen, niemals graue, grüne, titanicweisse, schokobraune, fürstengrüne, lichtaubergine oder gar orange, gelbe oder bunte. die literatur sagt ihnen, wenn es sein muß, wenn es unbedingt sein muß, wenn sie nicht, wenn sie sich nicht beschränken, beherrschen, wenn sie sich nicht in den griff, im griff, wenn sie nicht. also wenn. wenn sie immer noch zuviel essen, rauchen, trinken, sich nicht bewegen, ihre frau, ihren mann betrügen, schlecht schlafen oder lügen, oder andere läßliche sünden, läßliche? für ihr körper- und seelenheil benutzen, und eben auch abwechslung in den strümpfen unbedingt brauchen, dann wählen sie zwischen. breite spitze oder glatte bordüre. kaufen sie ein paar dickere, ca. 35-50 den für den winter, kaufen sie ein paar stabilere, 20-30 den für die übergangszeit und ein paar superdünne für den sommer. und alle schwarz. alle WOLFORD. für den fall dass. das genügt. für den fall eine laufmasche sind sie SO bestens. sie ärgern sich nur, wenn. wenn abends ein strumpf, titanicweiß, fürstengrün oder aubergine light eine laufmasche hat. dann können sie den anderen auch wegwerfen. oder einem maler zum farbensieben schenken. aber finden sie dann einen maler, wenn sie gerade eine laufmasche haben.