Billy Marshall-Stoneking

Ventriloquist and Other Poems

Ventriloquist

Stoneking gnashing his teeth

I remember that summer
when she’d pull out Charlie –
which was what she affectionately
called my prick –
& being an artist,
she’d draw a face on it.
Then, without moving her lips,
she’d go to work:
„Hello, how’re you?
My name’s Charlie.“

The first time, I laughed.
It was like meeting a stranger.
We stared at each other.
„What do you do?
What’s your name?“
I couldn’t take my eyes off him.

After a while,
Charlie started taking over.
He was the center of attention,
the life of the party.
He’d stay up all night.
Next morning, she’d ring me:
„How’s Charlie?“
„Are you looking after him?“
Sure… sure, I’d say,
giving him a reassuring pat.
He was the picture of confidence.
He gave me a helluva time.

One day, inexplicably,
she added eyelashes, a beauty spot
& bright-red lipstick.
The transformation was remarkable.
Charlie had changed into a woman.
It called me „big boy“ in a squeaky voice;
it pouted & pulled faces.
I blushed.
The rest of me was speechless.

Then it became political.
Overnight I became a total shit;
a chauvinist pig.
It wanted to know
what kind of relationship is this, anyway?
It chastised me for not being able
to see beyond the end of my dick.

Later, the ventriloquist split,
taking her paints, her pens,
her mandolin & clothes.
„You never talk to me anymore,“
she said.
„So long.“

She left Charlie behind.
He slept all day;
the old eloquence was gone.
I couldn’t put words in his mouth.
Then his face disappeared
entirely.
It was a shock at first, but
I survived.

Now, taking a piss, sometimes,
I actually smile, remembering
those days & nights of indelible lust
when love was neither deaf nor dumb
nor altogether blind.

Stoneking gnashing his teeths by Christina Conrad
Acrylic with gel, impasto and paper mache on unstretched canvas, 18″ x 12″

Playland-by-the-Sea
(for Scott)

There is no desire suffering is not heir to.
Every trap the heart makes catches itself in mid-flight.
We fall into each other’s cages so easily;
wingless birds in a gullible principality:
a constituency that understands bread crumbs
but cannot sing.

The arms, the legs, the wizened heads,
the wisps of feather hair gone grey,
flap over collars on a windy day.

The tide goes out,
the tide comes in;
the older we start;
the younger we end.

Pushed from the nest, we learn to fly
then fall to earth.
Memory is no salvation.
Every death begins at birth.
Scavengers with hollow bones
migrate the unmappable.
The vast excursions of summer
must be put to rest
before the humours of winter
are allowed to burn.

Prescription for Long Life

Fat is not
a four-letter word.
Stop terrorising yourself.
Power walking is not the answer
to everything.
If you want to live longer,
don’t want.
Habits are carcinogenic.
Take a leaf out of Walt:
„go freely with uneducated persons…
& with the mothers of families“
Use salt sparingly.
Get up with the sun.
Do the unexpected.
Trees are good. Music helps.
Love mystery.
Be kind to animals.
Talk to the earth.
Be mindful of the dead.
Avoid people who speak
endlessly of God,
and…
oh yeah,
go to the dentist
regularly.

Truncations

It is what we do
We cannot stop
There is nothing else
We will not be contradicted
We have the right
Our faith is unshakeable
When things don’t fit
We are afraid
We seek our box
Crouching in darkness
Holding up small pieces
Of ourselves
Against the light
We have committed
Everything
To memory
So nothing will be lost
So nothing can be found.

The Old Lies
(For Dee)

The Old Lies aren’t going anywhere.
The Old Lies have always lived here.
The Old Lies will not be ignored.
They take everything in their stride
and will never disappear.
The Old Lies we grew up with…
The Old Lies are just like us.
They thrive on affection,
and will not be hurried.
You’d have to be crazy to think
they meant you any harm.
They are visited by their children,
& grandchildren
& great-grandchildren
Yea! Unto the last generation!
They are a force to be reckoned with.
The Old Lies go on forever.
Don’t pretend you don’t know them.
The Old Lies have always worked here.

Anant Kumar

Modern Times

Das Asylantenheim geriet in Aufruhr, als Montag morgens die Mitbewohner den Bangladesher Abdul Qasim mit einem hübschen, hiesigen Techno-Mädchen sahen. Abdul Qasim, der 30 jährige Asylant aus Bangladesh, der kaum Deutsch verstand, spielte unter den anderen Asylanten wegen seiner Habichtnase den Spaßmacher. Und ausgerechnet diesen Idioten sollte das Glück treffen? Sein Glück verursachte – logischer- und menschlicherweise – bei den anderen frustrierten Männern, darunter besonders bei seinen Landsleuten, dermaßen Neid, dass Abdul Qasim in den darauf folgenden Tagen das Heim verließ. Legal oder illegal. Wir wissen das nicht.
Natürlich werden der männliche Trieb, die Geborgenheit und vielleicht auch ein wenig die Liebe bei seinem Zusammenziehen mit der hübschen Freundin eine wesentliche Rolle gespielt haben. Was Martina an ihm gereizt haben soll, darüber wird bis heute vielerlei spekuliert.

Während ihrer viermonatigen Beziehung mit diesem Asylanten soll sie einigen guten Freunden, denen man immer wieder Lebensgeheimnisse anvertraut, erzählt haben:

„Er kocht sehr gut! – Schön scharf!“
„Er ist auch scharf – ein scharfer Lover!“

Aber wie für uns bestand auch für Martina das menschliche Leben nicht bloß aus dem Fressen und dem Fortpflanzungstrieb. Sondern es gab darüber hinaus wichtigere Sachen, z. B. Kultur und geistige Nahrung. Wieviel oder ob Abdul Qasim geistige Nahrung besaß, werden wir später erfahren.
Richtig ist, dass es von Anfang an zwischen Martina Rindvieh und Abdul Qasim eine große Sprachbarriere gab. Die ersten paar Brocken Deutsch brachte ihm die Sozialwesenstudentin mit der üblichen Didaktik bei:

„Man sagt auf Deutsch…!“ oder
„Das sagt man auf Deutsch nicht!“

Oft gab es dabei Gelächter und Späße. Die Freundinnen Martinas drückten ihre Freude über seine Sprachverwirrungen und -fehler harmlos kichernd aus: „Das ist aber süß!“ oder „Das war süß!“ Und darauf Abdul Qasim mit seiner Habichtnase: „Häh! Häh! Häh! Dutsch – Ein schwer Sprache! – Sehr kompliz!“ Und er zeigte seine Zähne weiter, die ein beachtliches Lob bei Martinas Freundinnen fanden. Martina und ihre Freundinnen demütigten jedoch Abdul Qasim nicht wegen seiner Fehler oder schlechten Aussprache.
Sondern sie sagten: „Aber man kann dich verstehen.“ Jede von ihnen war auch mit der wissenschaftlichen Feststellung Abdul Qasims einverstanden, dass „Dutsch“ eine sehr schwere Sprache sei. Die Marlene sagte darauf:
„Gott sei Dank, dass sie meine Muttersprache ist. –- Komische Grammatik!“

Aber irgendwann wurde Martina Rindvieh all dieses langweilig und manchmal zuviel. Und analog vermehrte sich ihr Verlangen nach der eben erwähnten geistigen Nahrung. So lernte sie zufällig auf Juttas Fete einen Engländer kennen, der sehr gut Englisch sprach und schon bei der ersten Begegnung anfing, Martinas Abitur-Englisch zu verbessern. Dabei ermutigte er sie immer wieder. Mal erklärte er ihr den Gebrauch eines Begriffes. Mal erklärte er ihr, wo man was in England sagte. Dabei kamen sehr witzige Sachen raus, zum Beispiel, dass die Iren nicht „Fucking Shit“ sondern „Focking Shait!“ sagen. Und dabei blieb Mike ein bescheidener Gentleman mit seinem sich wiederholenden Kompliment: „But your English is pretty good!“. Das war genau, wonach sich Martina in den letzten Tagen sehnte. Ihre Stimme wurde weicher und süßer, und sie sagte immer wieder wie eine Lady: „Thank you!“ Und der Gentleman darauf: „You are welcome!“ Der Abend wurde süßer und länger. Händchen wurden gehalten und zärtlich gestreichelt. Man sang die wehmütigen Phil Collins-Lieder mit. Als frühmorgens Martina mit schlaf- und romanzetrunkenen Augen in die Wohnung eintrat, wartete Abdul Qasim mit blutunterlaufenen Augen auf sie. Ein wenig nervös und noch mehr erbost. Es gab zwischen den beiden Krach, der sich weiter zuspitzte. Martina wollte sich aber sofort zum Schlafen hinlegen und vom süßen Abend weiter träumen. Und der Bangladesher wollte es vorher mit ihr treiben. „Nein! Hände weg! Nur das hast du in deinem schmutzigen Kopf! Du Schwein!“ Gekränkt musste sich Abdul Qasim zurückziehen.

Schon am zweiten Tag brachte Martina den Mike in ihre Wohnung. An dem Abend tranken alle drei Tee, und es wurde sich auf Englisch unterhalten. Das Gespräch wurde durch Abdul Qasim noch witziger, weil er wie gewöhnlich ein wenig Englisch mit starkem „Indischen Akzent“ sprach. Dauernd fragte der Mike: „Sorry, what?“ oder „Excuse me?“ Und die Martina übersetzte die Aussprache Abdul Qasims weiter, sagend: „He has a strong Indian accent!“ Und der Gentleman sagte einverstanden: „Yes! You are right! I had a friend from Bombay in Manchester who spoke like him!“ Die Gespräche über die documenta-Kunst sagten dem Asylanten nichts. Er langweilte sich dabei und wurde allmählich noch eifersüchtiger. Ihm wurde die bevorstehende Gefahr klarer, die ihre Krönung darin fand, dass beim Abschied Martina den Mike fest umschlang und küsste.

Zum ersten Mal weigerte sich Abdul Qasim an jenem Abend zu kochen. Er warf ihr sogar vor: „Du! Warum nicht kochen?“ Martina versuchte vergeblich das mit ihren anderen Arbeiten auszugleichen. Der Zank wurde diesmal schlimmer. Die beiden fingen an, mal „Eure Kulturen“ und mal „Die deutsche Kultur“ schlecht zu machen. Irgendwann sagte der Mann zu der Frau: „Du, deutsche Hure!“ Wir sollten besser die Deutschlehrer fragen, um genau zu wissen, warum man in einer Fremdsprache die Schimpfwörter und Liebeswörter unbedingt und schnell lernen möchte. Mit dieser Bezeichnung hatte es aber der Sozialwesenstudentin gereicht.

„Raus! Pack Deine Sachen und raus!“ brüllte sie ihn an.

Der Asylant raus und der Gentleman rein. Und damit verwandelte sich das Techno-Mädchen Martina in die Lady Martina. Jean Pascale-Kleidung wurden vom schwarzen Kostüm und die Buffalos-Schuhe von eleganten, hochhackigen Schuhen ersetzt. Man sah das Paar regelmäßig in Theater und Oper. Die Gesprächsthemen waren nicht Clubnews und Hitliste sondern die neueste Inszenierung der Dreigroschenoper oder das neueste Buch von John Grisham. Sie zog sich von vielen alten Bekannten und Freunden zurück. Dafür wurden neue Freundschaften geschlossen. Die Studienanfängerin, die die Studenten meistens in Caféterien sahen, besuchte nun die Vorlesungen und Seminare regelmäßig, und eifrig beteiligte sie sich an den Diskussionen. Diese Metamorphose irritierte einige Mitstudenten, alte Bekannte und Freunde. Dafür wurde ihre Beziehung zu ihren Eltern besser.
Ihr Vater, ein Gastwirt in Kaufungen, hatte sich tierisch aufgeregt, als er von Martinas Affäre mit Abdul Qasim erfahren hatte. „Es gab keinen anderen Mann als diesen Asylanten!“, soll er wütend seiner Frau gesagt haben. Die neue Geschichte von Martina ließ ihn wieder ruhig atmen. Erfreut hatte er seiner Tochter sein altes und sich selbst ein neues Auto geschenkt, damit Martina die Eltern leichter und öfter besuchen konnte. Mike und Martina. Martina und Mike. Es war doch jetzt schöner und besser.

Es war doch jetzt schöner und besser. Und dieses Jetzt dauerte ein halbes Jahr. Nach einem halben Jahr hat sich Martina von Mike getrennt. „Es waren halt zu viele kleine Dinge, die sich auf Dauer aufgestaut hatten. Und ich konnte dann alles nicht mehr ertragen! – Aber mehr möchte ich nicht darüber reden. Gut, dass es vorbei ist!“, und ähnliches sagte sie über die neueste zu Bruch gegangene Beziehung. Nur ihrer besten Freundin, der Sibylle, ist es gelungen, an einem späten Abend im Rausch aus Martina darüber etwas ganz Prickelndes herauszukitzeln. Es waren Zisseltage. Sibylle war lange solo. Und Martina war jetzt solo geworden. Zur Zeit hatte sie keinen Bock auf die Männer. Vieles unternahmen die beiden Freundinnen zusammen.

Gibt es einen Mensch ohne Neugier? Vielleicht in Indien! Da soll es Yogis geben. Sollten wir sie auch mit Menschen gleichsetzen? Das bleibt den Lesern überlassen. Auf jeden Fall gehörte Sibylle zu denen, die gerade das Gegenteil von diesen gleichmütigen Yogis bilden, was die Neugier und das Aufregen anbelangt. Ein männliches Verbrechen in Saudi Arabien aus der Tageszeitung reizte Sibylle dermaßen, dass sie besonders an jenem Tag, an dem ihr diese Nachricht begegnete, alle Männer – sogar die Deutschen – voller Verachtung und Wut ansah.

Also, es war ein Tag des Kasseler Volksfestes. Die beiden Freundinnen liefen angetrunken und heiter umher. Man wollte seinen Spaß haben. Als der Abend fortschritt, waren die beiden mehr oder weniger besoffen und fingen an, die Männer und die Männerwelt zu verdammen. Martina wurde lauter und Sibylle fing an, sie weiter zu kitzeln: „Du hast doch in der letzten Zeit mit Männern aus allen Weltecken zu tun gehabt! Hi! Hi! Hi! – Oder?“ Darauf äußerte Martina besoffen über den Asylanten aus Bangladesh: „Er war dumm. Aber er f… sehr gut! – Echt geil!“ Diese Äußerung bestätigte wiederholt die alte These: „Dumm f… gut!“ Danach soll sich die Martina über die Potenz des Gentlemans beschwert haben. Der Engländer hätte immer wieder in jener Kunst versagt. Danach gingen die beiden in den Erotikladen am Königsplatz, in dessen Einzelkabinen Multinationalitäten sich an Bildschirmen entspannten. Die angeheiterten Frauen amüsierten sich richtig im Spaßladen. Sie nahmen Spielzeuge in die Hand und ließen diese Geräte bewundernd kluge Sprüche ab:
‚Wozu brauchen wir denn die Männer?‘
‚Für gar nichts! Diese Dinge sind fähiger und geiler! Hi! Hi Hi.‘

Als die Insassen der Erleichterungskabinen dieses Gelächter hörten, öffneten sich auf einmal zwei, drei Türen in der Hoffnung auf Live.

Aber was geschah inzwischen dem Asylanten? Abdul Qasim, nachdem er von seiner deutschen Freundin in den Arsch getreten worden war, musste zwangsläufig ins Asylantenheim zurück. Da übernahm er von jetzt an seine verdoppelte Rolle als Spaßmacher unter den anderen Flüchtlingen. Seine Habichtnase als Spottschau hatte er sowohl den Männern als auch den Frauen weiter anzubieten. Noch witziger und würziger für die Männer wurde sein neuestes Abenteuer, dass er von einer Frau rausgeschmissen worden war. So blieb Abdul Qasim weiter ein Opfer für die Unterhaltung der anderen traurigen Schicksale. Sie amüsierten sich endlos über ihn und ließen Sprüche raus, z. B. der algerische Junge wiederholte dauernd:
„Hey! Abdul Qasim! Warum rausgeschmissen – du – das Mädchen? Dein schön Nase oder was?“ Abdul Qasim duldete alles. Er war in tiefe Depressionen geraten. Verständlich. Aber seine Depressionen hatten wenig mit dem üblichen Trennungsschmerz zu tun. Jetzt packte ihn die Angst vor der Abschiebung von neuem.

Viele von uns wissen Bescheid, dass in Deutschland die Asylsuchenden während ihrer Verfahren ihren Wohnbezirk nicht verlassen dürfen. Uns ist auch bekannt, dass viele es trotzdem tun. Mit oder ohne Erlaubnis. Einige werden erwischt. Viele nicht. Viele werden dafür bestraft. Und selten kommt einer mit Hilfe eines wirklichen oder erfundenen Grundes ohne Strafe raus. Abdul Qasim gehörte zu denen, die leider erwischt werden. Er verließ zweimal seinen Wohnbezirk. Und beide Male wurde er von der Polizei ertappt. Das erste Mal hatte er Glück. Er sagte dem Richter, dass er von diesem Gesetz nichts wusste und sein einziger Freund und Landsmann auch als Asylant in Hamburg wohne. Damals wurde er mit einer Warnung entlassen. Beim zweiten Mal hatte er Glück im Unglück. Der Tag, an dem er vor Gericht vorgeführt wurde, stand zu seinen Gunsten. Der dicke Übersetzer, der in der Stadt ein Fernsehgeschäft hat und gewohnheits- und geschäftsmäßig ununterbrochen nur ans Geld denkt, hatte an diesem Tag Durchfall. Und gezwungenermaßen wurde die Philologin aus Indien, die mehrere Sprachen des indischen Subkontinents beherrscht, als Ersatz bestellt.

Sawitri, die ihr Leben den Sprachen und der Literatur gewidmet hat, genießt einen widersprüchlichen Ruf auf dem Campus. Von einigen wird sie stets für ihren Fleiß, ihre Intelligenz und Hilfsbereitschaft gelobt. Und einige finden sie arrogant. Sie soll ihren Freund aus ihrer Wohnung rausgeschmissen haben, nur weil er sie eines Abends aus bloßer Neugier zu viel über die indischen Kühe fragte. Sie erzählte das Claudia am nächsten Morgen und als Schluss sagte sie weiter irritiert mit dem amerikanischen Akzent: „Fuck it! Who cares!“ Danach unterhielten sich die Kommilitoninnen miteinander über die komische Inderin.

Das Amtsgericht war neu für die Akademikerin, und die Justizatmosphäre voller Rechtsanwälte und Klienten wirkte ein wenig einschüchternd auf die Studentin. Ihr kam es vor, als ob dieser Tempel der Justiz ihr auch irgendein Verfahren anhängen würde. Na ja, sie dachte an den Stundenlohn von DM 75, –, und dann ging es ihr wieder besser. Kurz vor dem Verfahrensbeginn kam Abdul Qasim aus der Zelle, vom Sicherheitspersonal begleitet, und sah Sawitri. Gewohnheitsmäßig faltete die Inderin ihre Hände zusammen, und sie tauschten die Begrüßungen. Absichtlich oder unabsichtlich, ließ Abdul Qasim eine bewegende Verszeile eines klassischen Dichters Indiens fallen, sobald er erfuhr, dass seine Dolmetscherin eine Hindu ist. Diese Zeile ist humanistisch auch im Sinne von Nathan dem Weisen und heißt: „Religion lehrt uns nicht gegenseitige Feindseligkeit!“ Der Dichter dieses Textes, auch ein Muslime, gehört zum Kanon der indischen Poesie, und dieser Text genießt den Status der Nationalhymne Indiens. Die Intellektuellen – wenn auch manchmal heuchlerisch – nehmen ständig Referenz auf ihn. Sawitri, die als Abiturientin in Indien immer wieder dieses Lied mitgesungen und es während ihrer langjährigen Europaverfremdung fast vergessen hatte, wurde von Abdul Qasims Satz ergriffen und aufgewühlt. Und der Mann, der vieles im Leben mitgemacht hatte, sah eindeutig die Wirkung seines Spruches auf die Studentin. Als Sawitri ihn fragte, woher er diesen Spruch kannte, log er sie notgedrungen an, indem er ihr sagte, dass er ein großer Fan von Allama Iqbal, dem Dichter, wäre. Dann wurde das Gespräch von den Polizisten abrupt unterbrochen. Sawitri war sehr bewegt und innerlich schwor sie: „Für Dich werde ich etwas tun, Bruder!“ Äußerlich sagte sie ihm jedoch laut auf Deutsch: „Ich kann für Sie nichts tun. Ich bin bloß Ihre Dolmetscherin!“ Das beruhigte die irritierten Polizisten ein wenig. Desto nervöser wurde der Asylant.

Die Verhandlung fing an. Aus seiner Akte ging hervor, dass sein Vater in Dhaka ansässig sei und ein Kleidungsgeschäft besitze. Die Anklage der Staatsanwältin bezog sich darauf. Es ließ sich durchaus behaupten, dass Abdul Qasim beide Male versucht haben soll, in Hamburg eine Geschäftsverbindung anzuknüpfen. Vehement lehnte Abdul Qasim diesen Verdacht ab. Zu seiner Verteidigung sagte er, dass die psychische Vereinsamung und Depression ihn zwangen, seinen alten politisch-verfolgten Kumpel, der in einem Asylantenheim in Hamburg wohnt, zu besuchen. Die Literaturwissenschaftlerin sah jetzt ein Argumentationsmotiv in diesem richtigen oder erfundenen Grund. Sie dolmetschte Abdul Qasims Äußerungen rhetorisch durchdacht, und immer wieder hob sie die psychischen und menschlichen Aspekte hervor. Sie brach dabei den heiligen Schwur des treuen Übersetzens, indem sie Abdul Qasims Äußerungen hie und da zu seinem Vorteil veränderte. Dabei sagte sie zu sich: „Scheißegal! Ich begehe tagtäglich Sünden!“
Der Richter sagte: „Aber es ist gesetzeswidrig und strafbar. Ich kann ihn persönlich auf der menschlichen Ebene verstehen. Aber das Gesetz lässt das nicht zu. Außerdem wurde er schon einmal vorgewarnt.“ „Wieso nicht, Euer Ehren? Sie sind doch auch ein Mensch! Stellen Sie sich mal vor – in einer Gegend ohne Sprache und ohne Gesprächspartner zu leben. Tagelang! Wochenlang! Monatelang! Was würden Sie tun?“

So wurde eine Weile hin und her argumentiert. Die Staatsanwältin war verärgert, weil sich der Richter für eine lange Zeit in seine Kammer zurückzog und dann dem Angeklagten gegen ihre Erwartung eine milde Strafe zusprach: „Zehn Stunden Arbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung.“

Während dieser interessanten Verhandlung verstand Abdul Qasim wenig von der Sprache der Inderin. Aber ihren Eifer schon. Außerdem war er von der milden Strafe selbst überrascht, weil jeder im Heim ihn endlos geängstigt hatte, sogar Karl Heinz, der Sozialarbeiter. Draußen schaute er auf ihre Füße und überlegte irgendeine Danksagung. Beide standen eine Weile stumm. Sawitri verstand seine Gefühle. Sie klopfte ihm lässig auf seine Schulter: „Das war’s! Glück gehabt! Jetzt musst Du weiter Dein Schicksal erkämpfen.“ Es nieselte, und Sawitri ging heiter mit großen Schritten zur Haltestelle, an der sie dasselbe Lied aus ihrer Schulzeit summte, in dem die Verszeile „Religion lehrt uns nicht die gegenseitige Feindseligkeit!“ als Leitmotiv vorkam. Ein fetter Mann im schwarzen Anzug und mit einer gelben Krawatte fand die Melodie fesselnd und ging lächelnd auf die Inderin zu. Übertrieben höflich fragte er sie schmeichelhaft:
„Entschuldigen Sie, welche Sprache ist das? Sie klingt sooo schöön!“
Die Inderin hörte abrupt auf und sagte:
„Französisch!“
„Wollen Sie mich verarschen oder was? – Unverschämt!“ Erbost entfernte sich der Mann.

An jenem Tag war Abdul Qasim froh und traurig.

Aus: Die Inderin,
Wiesenburg Verlag,
Schweinfurt.

Adam Raffel

Multicultural Poems

THE KADALAY WOMAN

I walk in the sweltering heat to school
Wearing a uniform designed for temperate conditions
Passing beggars and vendors bear bodied in sarongs
Selling mangoes
I pass her in the park
Under the baniyan tree
Where she sits on her haunches
Her mouth red with beetle nut
She turns her head to her side
Like a dancer revealing her young profile
She spits a red globule that lands on the dusty pavement
As I ask a question about her age
She replies „fourteen“
I answer „thirteen“
She tells me to buy some chickpeas
I ask her why she’s not in school
She replies with a red toothed laugh telling me to get fucked
She points at me
Her arms outstretched revealing her rough palm
Screaming „I can’t afford to“
I stare at her
She rolls in laughter slapping the base of the baniyan tree
Placing her fingers covering her mouth
She gets ready for another spit
Making that indescribable noise
She spits a big red beauty in front of me just missing my shoes
I ran to school
I left her laughing under the baniyan tree.

IMMIGRATION BLUES

I am so lucky I cannot be a revolutionary
Because I was born with a silver spoon in my mouth
Never having to fight for my next meal
I can never really know the freedom fighters in my tropical isle
As I have never walked bear feet in rice fields in sarongs
Carrying stolen shotguns through snake infested jungles
I can never know about the unsatisfied pangs of hunger
As my hunger was satisfied at every occasion by opening a fridge door
And grabbing yesterday’s curry wrapped in foil
I am not a true child of the third world because
I am sipping decaf in Paddington
Fascinated by the latest movie
Made by a third world director about slums in a far away land
I still feel lucky when I receive a salivary greeting of a neo-nazi
Being told to go back to the trees where I came from
That I „speak funny“ and being punched in the face
While chatting up white women
I sort of feel lucky.

RANJITH SINGH’S SCHOOL DAYS

Ranjith wants to be
A blonde bikie hunk
To impress the chicks
Like Murphy the surfie spunk

Ranjith is not Kathy’s type
But she’s curious
To find out
What he’s like

Ranjith and Kathy
Fuck in silence after school
He’s no different
Just like the other dudes

Same adolescent eagerness
To get it over with
First to come
In order to go

„Ranjith you’ve got great skin
Wish I had a tan like you
But what’ll Kylie and Debbie think
Me bonking the only darkie in school?“

SIMPLY DIVINE

Earth goddess
Giving birth
To fertile fields
Where farmers prayed
To her statues
Rites of spring
The new birth
Of our essential energy

Summer sun god
Deity with many arms
Philosopher and seducer
Dancing the cosmic dance
Waltzing and twisting
Trampling demons
He is three faced
Each face carved in stone
Symbolising the recycling universe

Autumnal Mother goddess
Preparing and nurturing
Our food for harvest
Her handiwork
Ready for reaping
Nourishing and warming us
For the long cold
Journey to rebirth

Peter Giacomuzzi

großstadt männlich

die betuchten arschlöcher
kneifen ihre backen zusammen
lassen aus lauter scheu an bewegung
die besten plätze
in der vollsten bahn
leer
und denken was weiß ich
an die größe des reichs

an händen sind leichter
die menschen zu erkennen
das alter die jugend der tod
im frühmorgen der fleischwölfe
im weg zu der arbeit
sind alle so unscheinbar gleich
mit tausend verschiedenen händen

würde dein weißer saum
würde das naß deiner lippen
setz dich komm lieb mich
und laß mich dich spüren
zusammengefallen
verschlossen die mäßig
bedeckten beine
den arm spür ich
in manchen kurven

noch immer kotzt ihr mich an
firmengewichste lakaien
mit billigen pornos
aus sportmagazinen
die säcke füllen sich erst
wenn ihr besoffen seid
und ausgebeutet im tod

vorhänge sacken herununter
schließen die eigne
erbärmliche welt
ab von der anderen
die kaum auszuhalten
und doch blinzelt
neugierig die seele auf meine
lange nase

und nur mehr fähig
kartoffel zu sehen und zu
beschimpfungen

menschen der raumgewinnung
keinen platz zuhaus
und doppelt breite
beine und schultern
in halbleeren zügen

in den comics
die ganze bildung
einer nation
männlich und eigen
bis mit ins grab
die illusion des sieges

fünfzigjährige weiber
ein graus in dem zug
hemmungslos ausgelebt
wird nun das geld
das die säcke in
sturer dummheit erleben
in die schlitze ihrer weiber
stecken sie scheine
so lebt sichs ganz gut

so liest der abgeschlaffte
mann am morgen schon
wichsgeschichten
so spielt das dumme häschen
am morgen schon
die unberührte sau

so lebt ihr vor euch hin
in diesem zug zu blöd
für euch dass ihr euch
nicht vermehrt und
konsumiert
was euch befohlen

und besoffen
wie die letzten schweine
und schamlos
sitzt ihr geilen säcke
verwichst und mit dreckigen
spielen im kopf
und unfähig was sinnvolles
zu fühlen
so fahrt ihr nach hause zu
und glaubt noch immer
der welt und euch selbst
was zu beweisen

so müd macht der sommer
die bilder zu ende
es schwitzt sich der letzte
frust in den leib
bald fallen die blätter
auf modriges gras
es wird um einiges
leichter noch sein

der flaum unterm faltenrock
wippt durch das jahr
haarscharf gemähte
schenkelbahnhöfe
stoßen noch letzte
züge voll neugier aus
die kälte deckt bald alles zu
der schnee darüber
beruhigt

die schönste zeit in dem jahr
kurz vor dem langen sterben
es freuen sich alle
mit mächtiger ruhe
und denken nicht

warum legst du dich zu mir
ich werd dich übriglassen
irgendwann
alleine muß ich warten
auf dem großen platz
wie lange noch
willst du dich vergeuden
ein loch an meiner seite
ist noch frei
es muß das deine sehr bald sein

anstatt im kopf
der ordnung des tages zu dienen
rinnt dir der ganze lebenssaft
in der dämmerung
zwischen die beine

wär dein hirn
so einfach zu bedienen
wie deine fotze
du wärst zufrieden

zwischen deinen beinen
fällt noch kein laub ab
es ist frühling
die äste aber haben ihre blätter verloren
und lassen dich träumen
die wenigen jahre noch

an den angebißnen
bis knapp vor dem roten fleisch
an den abgebißnen
bis ganz tief und eingerissen
deine teuren kleider täuschen nicht
die sprache deiner finger nicht

alle mit den köpfen nach unten
und vor mit geballter kraft
so seid ihr in den krieg durch die länder gezogen
so fährt ihr im zug ohne saft

und drückt nur fest die augen zu
das leben wird nicht besser
und drückt auch fest das arschloch zu
ihr sitzt genug im dreck

in der langen pause
zwischen morgenstreß und
abendlicher entblätterung
trauen sich leute in die züge
kinder alte mütter müßiggänger
die bahn wirft ihren transportpanzer ab
und kleine lücken für höflichkeiten
tun sich unvermutet auf

die arbeitslosen hausfrauen
kreischen konsumneuigkeiten
durchs abteil
unausstehlich wie ihre männer

am sonntagabend trägt
die schiene alle ins bett
millionen die kurzfristg
lebensluft atmeten
vorbereitet für stressige tage

der sonntagsausflug
ein paar stunden im zug
zwei stunden in gruppe gewandert
die heimfahrt
stehend kaputt

die augenwinkel sichten
verstohlen ein andres gesicht
und blöde in dieser stadt
reimt sich ein jeder
seine exotik

unmögliche weiber
kämpfen um geisterplätze
ungeniert lassen sie jeden
anstand
hinter sich

heimatlos sein
euch nur zum teil verstehen
und kämpfen meist gegen
gespenster die freundlich
dir lanzen ins fleisch treiben
manchmal der wunsch
in einem fleisch von euch
endgültig schlafen

herbst auch ihr
werdet sterben
ich seh es besser
kein mitleid mit euch

den stumpfsinn kann niemand
wohlwollend übersehen
auch bei herbstlaub nicht

manchmal möcht auch ich
verfaulen können in dem
herbstlichen plapperlaub
verblühender weiber

jetzt spinnt ihr alle
und ohne hoffnung
dem ende der tage entgegen
je lauter die stimmen
je breiter die beine
die angst rückt ganz nah

in kalter konzentration
verweigert der blick rundherum
nur breite beine
nur könig sein für sich selbst
im krieg haben die alten hier
gemetzelt wie schweine
die jungen scheinen schon wieder
dumm genug
dafür

und soll man sich verbieten
die lust mit halb so alten
man soll und kann ja nicht
und wird so älter drüber

nur in deinem minirock
trinken und schlafen
zu wenig für dich
zu viel für mich

sieht man genauer hin
eure sauberen hemden
sind angetrenzt und
zum kotzen

nicht glauben die weiber
dass kurzberockt sie
auf die schwänze wirken
und blöcken wie schafe
wenn steife männer
winseln

im eilzug
langsame betrachtungen
der äußere putz ist
bei näherem hinsehen
kaputt die schuhsohle
schmutzig das leder
ein faden am saum
wie plötzlich verschwunden

einer der möchte
das leben hier wie
in den bildern davon
könige spreizen die beine
die sklaven gepeinigt im dreck
die zeit dreht sich
und kommt nicht voran
dasselbe auf schienen
aussteigen einsteigen
grins du nur
arschloch der vergänglichkeit
engel des gleichmuts
nach zehn minuten
fällt euch der kopf ins nichts

deinen hauch möcht ich
unbezahlt
und ohne dich zu kennen

irgendwann gehörst du dazu
bist eins geworden mit dem zug
die schiene in den kopf
der rhythmus der gleisnähte
bestimmt deinen gang
jahre sausen an dir vorbei
schicksale sehen
kurze heftigkeiten
von fensterscheiben ferngehalten
lächerlichkeiten in stahl
nachtens rollen stockbesoffene schädel
durch den zug
füße suchen nach den händen
untertags nur fleischtransport
an den endstationen warten ungeduldig
nasse seelen
durchgelegtes fleisch nach schlachtbahnhöfen

wenn ich geil bin
ist es angenehm
von andren körpern
zerquetscht zu werden
wann aber werd ich
jemals im zug

draußen vor mir
der blaue dezember
menschen bewegen sich träge
am sonntag dem abend hin
blüten lange noch keine
liebe in stoischen larven gebannt
zeichen zu viel ohne zweck
ich bin wieder zuhause
neumarkt am bahnhof
wenige leute am zug
sie verstecken bauernhände
in missoni handschuhen
die geschlechter in seide
daran erkennbar
seltsame zeichen
sind ganz normal
einsteigen
abteile unmäßig leer
mangel an menschen
seltsam schwer
stimmenkulissen
neumarkt und mitakadai
punkte am selben meer

ein kind in den wärmenden
hautschutzgeflechten
ein mann spuckt
rotz auf das gleis
bahnhof transitideen
der neue hügel ist in mir
ob das verstehen
ob was wir sehen
ob je ein ort
dort zu sein hat

zuggeilheiten
ein arm drückt sich heran
die nase zieht sich den rotz
ein leben in fotze
nächste station
aussteigen

peitsche mich und schlag
mit den stöckeln ein loch
in den arsch
stülp deine blase
über mich aus
dein dreck auf silberteller
als abendmahl serviert
die löcher blumenvasen
jetzt peitsche mich und schlag
mir solche bilder aus den augen
fallen laß mich und wimmern
ich leck deinen speichel auf
peitsche mich und

die falschen worte zerspringen
in den eiswürfeln im glas
kein gefühl
das in eine ordnung kommt
das grinsen stört
der ernst ein witz

bis eines in sich zusammenfällt
einhundert stockwerke auf ebner erde
bis dahin wird höhe ein lustgewinn sein
fast mögliche spitzen
milchstraßensamen
am ende auf ebner erde
zerdrückte träume
mit einigem fleisch

schulkinder in bildung getaucht
tonnenweis schrott erlernt
schon falln die kirschblüten
wieder ab
der hitze des sommers mit träger
notwendigkeit entgegen

am morgen
häßlich
die ungewaschenen
im mief der nacht noch
einem zu frischen tag
zu

in windeseile
aus dem gestank
der müdigkeit
in den lärm
des wachseins
und gleich schon
kaputt

mit geschlossenen augen
schlafen zu träumen
die qualen des alltags
verschwömmen im raum
doch nur ein augenblick
das licht in der pupille
ihr seid gefangen

warum sind
mittältrige frauen
so grau so gleich so kurzbeschnitten
gleichtönige dauerwellen
das herz auf den kopf gestülpt

nicht lang
währt die lust
von den geilen stöckelschuhen
langsam und zart die naht empor
heimat des feuchten
im saum erspähend
arsch in zwei hälften
geteilt und bereit
brust von armani
dann weiter oben
das aus

zugunfälle
einer hat mich angespuckt
einer hat mich angekotzt
einer hat sich selbst
die lebenssäfte rausgeholt
in all den jahren
nicht grad viel
und wann wird eine

ansonsten seid ihr vollgewichst
und anstandslos im zug
erschütterungen kneten
den saft bis tief ins fleisch

die röcke bis kurz
unter die scham
schamloses fleisch
die säfte in blicke eingesperrt
es fickt sich sehr trocken
im zug

wenn deine lippen
gleichbemalt
wie deine lippen wären
der schwanz bräucht nachher auch
fettstoffentfernertücher
feuchte

im grunde spricht mein haß
nur neid
und ist ein ruhiger see
der meere freiheit träumte mir
ein zug fährt hin und her

so keusch du auch sitzt
im schlaf fällt dein schoß
auseinander
haltung bewahren
mühsame zuckungen
verraten alles
und mehr

die kravatte zu lange
gebunden
bis fast an den schwanz
du hund
lockere sitten im grauen büro

da einer nicht ficken kann
wichst er die automatik
des regenschirms
bis es ihm kommt
es kommt nie
zu blöd zu öd

als spinne am see
kurz wie gedichte die zeit
löchrige leere

deine augen fallen
in das rot deiner lippen
niemand in sicht
der sie rettet

fick tief du fick tief
fick tief du fiktive sau
fiktiv du
fiktiv

die vielen kravattenknoten
tummeln sich unter
den adamsäpfeln
einige schlampig
andere suchen und wissen
nicht was

mit dreißig schon
den frauen schreiben
ringe in die haut
ungelebte lieben
und pressen alle freuden
zu leidenden fratzen

die pflege des faulenden fleisches
hat auch auf den häuten der männer
jetzt reißenden absatz gefunden
wie bin ich nicht gut
gärendes scheißendes pissendes fleisch
verkittet mit edelstem dreck
freiheit der einen
für dummheit der andren
und meinen sack
noch schnell parfümiert

um einmal eine frau
um einmal eine sau
um einmal eine haut
ganz ohne geld und alkohol
da setzt sich ein versklavter schwanz
mit gut trainierter arroganz
so nahe an das mädchen
eijakuliert ein bißchen
in seinem hinterkopf
und hohl

ein arschloch mit telefon
mit den wellen
mit den schienen
doppelt nach hause
ich komm jetzt ich komm jetzt
ich bin schon bald da
kein schmerz in dem
liebesgeflüster
mehr

um 6 uhr am morgen
im november
kalte sonne holt die menschen
aus ihren stickigen
nachtmusiken
atemgestank kleidermief
rot blendet die sonne
gleichgültig alles aus
bis zur nächsten röte
unzählige leben

zwischen nase und lied
in dieser kurzen breite
eine warze erbsengroß
überpudert überludert
die lust das ding
schnell abzureißen
so schnell am morgen
noch vor dem tag

Angelika Fremd

the dayshift
(Kings Cross 13.11.97)

in the gardens an ibis pries open
a wad of butcher’s paper as if
chipping into a motherlode.

street cleaners hose gutters chocked
with paraphernalia used in ecstatic
rites the night before.

driftwood-like, piles of ill-assorted
belongings washed up on stone shores
coset the sleeping, the near-dead.

pigeons and seagulls favour the night’s
harvest; pizza remains, thai noodles
spread like bright, dead worms
onto the pavement.

soon, after the blood has been hosed,
after the sirens have calmed, the birds
have gone, the first free breakfast round
has finished, I begin the day shift.

my kind, buys fruit and croissant,
sits in coffee shops speaking softly
of marcuse, goes home when the night
shift arrives around dusk.

Anja Meixner

Innocence and Experience

Photography

„If we had a keen vision and feeling of all ordinary human life, it would be like hearing the grass grow and the squirrel’s heart beat, and we should die of that roar which lies on the other side of silence. As it is, the quickest of us walk about well wadded with stupitity.“
(George Eliot, „Middlemarch“, Harmondsworth, 1965)

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Jolanta Janavicius

Catching a Wave

I SLEPT SO WELL LAST NIGHT JUST PUT MY HEAD ON THE PILLOW AND WAS OFF INTO DREAMLAND AND WHEN I WOKE UP IT WAS MORNING A MOST BEAUTIFUL SUNNY MORNING WARM NOT TOO HOT AS YET THE BLUEST BLUE SKY YOU COULD IMAGINE THE MOST URGENT THING FOR ME TO DO NOW WAS TO GO TO THE BEACH CHECK THE WAVES AND RUN INTO THE FROTHING SURF MY MAN GOT UP EARLY TOO SQUEEZED ORANGE JUICE AND GRAPEFRUIT JUICE FOR ME WE THEN HOPPED INTO THE CAR IN OUR SWIMMERS AND DROVE DOWN TO FRESHWATER BEACH WE SAW BIRDS FROLICKING IN THE SKY LORIKEETS IN ALL RAINBOW COLOURS THEIR WINGS SHIMMERING THEIR TAILS SPREAD OUT LIKE A FAN AGAINST THE SUN OH SO LUMINOUS THE GREENS AND THE GOLDS IN THE BLUE SKY THE SURF WAS ROLLING IN IN LONG WHITE ROLLS THE WAVES JUST RIGHT NOT TOO BIG NOT LIKE FRIDAY MORNING ROARING RUMBLING TOWARD THE SHORE THE KING TIDE ALL THE BEACHES WERE CLOSED AND ON AUSTRALIA DAY TOO FLOCKS OF DISAPPOINTED CITY PEOPLE JUST WAITING FOR THE HUGE SEAS TO CALM DOWN BUT THIS MORNING OH THIS MORNING THE SURF WAS ROLLING IN IN LONG SWEEPING WHITE ROLLS PLAYFUL SPRAY SHIMMERING IN THE SUN I SHIVERED WITH PLEASANT ANTICIPATION SAVOURING THE REFRESHING COOLNESS OF THE WAVES WHEN THE WATER REACHED MY WAIST I PLUNGED INTO A WAVE DIVING UNDER IT POPPING UP GULPING A MOUTHFUL OF SWEET SEA AIR THEN WATCHING EVERY ON-COMING WAVE WITH A HAWK’S EYE FOR THE RIGHT ONE TO COME ALONG I WAS WAITING FOR A BIG FAT BREAKER WITH MASSES OF WATER BEHIND IT TO GIVE ME A MIGHTY PUSH AND WHEN IT CAME I WAS READY I SWUNG AROUND STRETCHED MY BODY LIKE AN ARROW AND DIVED IN FRONT OF THE BREAKING WAVE OH EXHILARATION I WAS RUSHING FLYING TOWARD THE SHORE IN THE CRYSTAL CLEAR WATERS HAPPY AS A LARK

Sylvia Petter

Apple of Paradise

In the spring of 1974, Anna got her first job – translating cooperation and security in Geneva. Like the pale-green stalks of a young tomato plant, European cooperation was fragile and needed nurturing.

Tomatoes, when she noticed them at all, came wrapped in tight transparency, supermarket perfect, red balls in straight rows of six. The more out of season the tighter the foil, the lighter the red, paradise dilute.
Television antennae started sprouting the length of the border between Germany’s two halves. Paradise was flaunted over the ether. It had been twelve years since eight East Germans careened in their bus at top speed through the Berlin Wall. Children were asked what television programmes their parents had watched the night before. Two up one down in the antenna maypole dance.

In September, 1974, agreement was reached on the free flow of information. Anna sat at the bar in the conference building with Peter, an East German colleague from the GDR State translation office.
‚It was the tomatoes,‘ he said.
‚What do you mean, the tomatoes?‘ Anna ran her hand through her curly red hair. She was expecting to hear an account more exciting than a story about a vegetable, even if it was the apple of paradise.
‚I come from Obersdorf. It’s in Thuringia. It’s small, only about a thousand souls. Things haven’t changed much there since before the war, …‘
Anna had heard of Obersdorf which was near Sibigrode, the village from where her mother had come.
‚… apart from slogans on the large boards near the town hall blaring cooperation with our Russian brothers,‘ he continued.
‚But didn’t you feel the difference after six months in Geneva?‘ Anna said.
‚Of course. But I’d been out before.‘
‚But you’d never been in the West for such a long time…and then going back …‘
‚Last Saturday, I was at the market in Obersdorf,‘ Peter said. ‚I saw some plump, ripe tomatoes glistening red in a pyramid. I reached out to squeeze one, just one on the corner, when a fat wrinkled old thing in a grey-blue pinafore barked at me: „Just where do you think you are?“ Without thinking, I shot back: „Geneva.“ I put the tomato on the pile and left. I didn’t dare look back.‘
Peter went home to Obersdorf that Christmas. He did not return to Geneva.

In 1976, the Russians clamped down in disregard of agreed cross-border flow of information. Anna saw Peter again at a conference in Belgrade.
‚How are you? Is everything all right? Have you been working?‘ she asked.
‚Yes, but only in the East. I guess Geneva was too long for them. So no more missions to the wild West.‘
The next day he was gone.

In 1984, Anna was sent to West Berlin for a four-day meeting.
‚Can you meet me at Checkpoint Charlie at 20h15 on Friday, 13 January,‘ she had written to Peter.
She took the tube. Passengers alighted at each stop to be swallowed by a grey that thickened the closer she got to her destination. Proofed against sound, the tube hurtled along beneath the Wall.
Anna surfaced at the station steps. ‚This is it,‘ she breathed, expelling the air of the underground.
The crossing was two hundred metres off and smaller than she had imagined.
‚Films always exaggerate,‘ she said aloud. She crossed the American side and left the bath of neon for the twilighted no-man’s land.
The German Democratic Republic. She caught her breath, as harsh shafts of yellow lit up the large grey official figure of the GDR.
‚Visa. 24 hours. You must change 25 Mark,‘ it snapped, its head studying her passport. Anna’s heart thumped a nod.
‚Where do you stay? You must mark the hotel.‘
‚Hotel … Palast,‘ she stammered.
‚The object of your visit? Business?‘ it sneered. ‚No magazines? Books?‘
‚Just my toothbrush.‘
Without acknowledging her reply, the head hovered over her passport, then dismissed her with a dull and ink-blurred stamp. She opened the heavy glass door and walked out onto the street.
The air was electric. Anna did not see Peter come out from the shadows on the other side of the road. She felt him.
‚We’ll talk at the hotel,‘ Peter said. He steered her elbow three blocks in silence and only slowed their pace when the foyer lights were in sight.
The hotel bar was brightly lit but almost empty. Cards marked „RESERVIERT“ decorated two-thirds of the tables.
‚Oh, Peter, it’s good to see you,‘ Anna said at last.
‚Hush,‘ Peter said as a waiter strode towards them and led them to a corner table, one without a card.
‚I’ll just leave my coat on the chair,‘ she whispered.
‚You can’t do that here,‘ Peter said and went to hand it with his own to the dour-faced woman behind a counter marked „Garderobe – Toiletten“.
‚The place will soon be full, by the look of those cards,‘ Anna said as Peter sat down opposite her.
‚No it won’t. Not enough staff to handle a full room, not enough that want to. So they say the tables are reserved.‘
Before Anna could speak, Peter said: ‚Remember those tomatoes? Well that was the province. We’re in the city now.‘ He folded his hands on the table in front of him and stared at his long thin fingers. ‚The only fruit we get are apples, red ones at Christmas if we’re lucky, but usually Golden Delicious. These days they are neither, just greying yellow that taste like flour.‘
Anna shook her head, her curls dropping over one side of her face. ‚But, Peter, all the good things we used to talk about, the big things, the important things … not apples,‘ she trailed off. This wasn’t the Peter she thought she knew, wanted to know. He hadn’t even said „Hallo“. Their only physical contact had been, not a kiss, but his steely fingers on her elbow, a rudder in the dark. She had been wrong. It had been easy to talk ideals with her purse and stomach full.
‚Oh, Peter … .‘ The words sank into emptiness.
He looked up and smiled at her in a sad still way then ordered two beers. They talked a while, their conversation dissolving like froth until there was nothing left to say.
‚Walk me back to the border, Peter. I’d better go.‘
He nodded, buttoned his coat and helped her into hers. His fingers relaxed on her elbow as they walked in silence to the border crossing. At the heavy glass door his lips brushed the curls over her forehead.
‚Take care of yourself,‘ he said.
Like a clockwork doll Anna stepped through to face the large grey official again. A taste of felt filled her mouth.

For almost five years Anna heard nothing from Peter. In the spring of 1989 a letter arrived.
‚Times are changing,‘ he wrote. ‚I’ve got a telephone.‘
It was months before she dared call him and when she did their exchange was guarded.

On 9 November 1989 the Wall tumbled down. The price of tomatoes went up and the vegetable became rare at the market in Obersdorf. At first Peter found competition difficult to understand, uncomfortable to digest. He soon learnt about packaging, marketing, financing and raised his tag. Germany had become one, … almost.

Satellite dishes like oversized eggshells baubled on slated roofs above peeling slogans. New outer skins affixed with yogurt, autos, underwear collided in scope, flashing gaudy. Anna and Peter were in the circuit again, but crossed conference lines separated their assignments. They lost telephone numbers, lost touch.

Peter moved to a village near Bonn, about one thousand souls. He bought tomatoes at the supermarket; they glistened in rows, their skins stretched shiny.

Anna stayed in Geneva. On her sheltered balcony, she set up a trellis on the South wall and planted the apple of paradise.

Louis Armand

The Prague Connection

Ariadne’s Thread

after the long night her arms
like an astrological map full of endless zeroes …
without knowing why she takes
the dulled constellation of her eyes
& offers them up to her dealer in kings cross–
she says that if she can have
one more hit
she’ll hide it somewhere in her body
where the sickness won’t find it
she says one more hit
will give her courage
to go blind through the world
with a cardboard sign a bowl & a walking cane –
but just for good luck
she conceals her last needle deep inside
her last candle her last square of foil
she ties a spoon around her neck
on a cotton thread
as a last reminder of the way home –
though she says on the doorstep:
anyway, this time i’m not coming back

CENDRILLON

a mechanical hand
gropes
in the desert

silent matrimonial
(of blood
under brittle nails) –

too late – already
the senseless
pantomime, mourning

the solemn
refusal of
(unspoken) words –

an ashtray conceals
its anonymous
accumulation of burnings

nightsend …
lipstick traces
on a cigarette

Die Götterdämmerung*
(for M.E.R.)

its clock towers hang in the darkening light
i might have thought
within the broken glass of the immanent or
beyond that one time’s
hypnotic voice had conjured another’s from
immutable dust
or that the giant’s harp of brooklyn bridge
was no less than
the first wavering note struck of iron run to water

whether you told me then that it was real
the apperception
of this byzantium its vast impenetrable spaces
no longer matters
that there have been others like me
unmindful
struggling towards the infinite plateaux
of danté’s other city
this alone will have fulfilled my soul’s prophesy

yet whatever now remains of those fevered eyes
that once fixed
the pole star in its solitary region
falls away
& in a silent vertigo of fable i am left alone
to navigate
visionless among the dark celestial
whisperings
without ever being able to lessen their enigma

* First published in Island, Hobart (Australia), 1997.

(for MERone will have fulfilled my soul-thout ever being able to lessen)

PAYS DE COCAÏNE

time stops through the ice inert
as a lover’s hand exhausted by pretence
cut off from any gesture of denial

you fade / outside is memory
scarcely real a frozen island of air

or suffocation or inevitability encloses
in a narrow space / beguiles
with et ceteras & alibis

the time it takes to adjust
a guilty truth in a pale reflection …

none of this matters though
if you can breathe underwater
like houdini / counting the seconds
between impossible escapes

PRAGUE SPRING
(for James Alexander, b. 18.VIII.96)

because snow had fallen then, too –
infirmary windows cold &
anaesthetic, staring out on the
slow funeral of autumn trees –

as if something remote & unfamiliar
had looked back appalled through the glass,
& cast a shadow that is always
melting before it can reach the other side –

or else becomes in time the apparition
of a place (where guilt & the fugitive
once grappled in a passionless arrest,
or two lovers dreamt of innocence

while their child lay, atrocious & dying);
frozen there – beyond the mirror that first
compelled you into life, like an intuition
of absence – an image, a name …

in darkness now i turn from your dream
to the prison of my solitude – condemned
for all the words i will never write
& watching your eyes impatient for death –

though memory fails, at last to know: that
i must love what i could not understand

REFLECTIONS IN AN EYE
(for Robert Adamson)

tracing contours – 
               an estuary
         rail line
the iron black
      latticework of
            a suspension
                  bridge – (re-)
marking a division
         in the      liquid
            syntax of
its mirror – 
      a signal
               light – the frag-
         mented
   geometry of
            compartment
windows – 
      sudden hulk of
               a commuter   train
         breaking
            into view – 
a livid span
               between
   stationary points of
                  negation – 
      balanced (there)
            above
         the shifting
   axis of         the river – its
tidal shadows
            reverse-
                  imaging
      gathered
         in (horizontal      mimicry of)
   an echo – lucent – 
               beneath
the slow
            pelvic un-
      dulations of
                  seagrass – 
   the sibilant
               lacunæ
deep      in the riverbed – 
      becoming
            (in)visible – only
   the faint
                  distant
         groaning of
steel tracks – 
      half-mute      tremor – 
            plunging
   down               (in)to
      hollowed
         earth
                     (its
               sinister
traumdeutung) – 
         night
      draws across
                  the water's
   unblinking – 
            repeats – 
         an aperture
framing
               ex-/   in-teriority

Since mid-1994 Louis Armand has lived in the Czech Republic where he teaches seminars on Aus. Lit. and Cultural Theory at Charles University. His first full-length collection of poetry was published this year by Twisted Spoon Press (Prague), and two more collections are forthcoming (x-pozie/Twisted Spoon Press). He is currently poetry ed. of The Prague Revue.